LA VALLE DEI SORRISI von Paolo Strippoli

Don Attilio (Roberto Citran) © fandango

Den Menschen im italienischen Städtchen Remis steht das Lächeln im Gesicht. Es steht auch auf dem Schild am Ortseingang, das dem Film seinen Titel gibt. Und die Leute lächeln, obwohl fast jeder im Ort bei dem schrecklichen Zugsunglück vor 15 Jahren Angehörige verloren hat.

Den in seinem eigenen Unglück vergrabenen Aushilfssportlehrer und einstigen Judo-Champion Sergio Rosetti (Michele Riondino) kümmert das wenig. Tagsüber lässt er seine Schülerinnen und Schüler im Kreis laufen und abends besäuft er sich in Michelas Bar, bis diese ihn zum Geheimnis des Ortes führt: Dem 15jährigen Matteo, bei dem man durch eine Umarmung seinen Schmerz loswerden kann.

Dass dieses Wunder einen höllischen Preis hat, für die Ortsbewohner, aber auch für Matteo, das erkennt Sergio erst allmählich. „LA VALLE DEI SORRISI von Paolo Strippoli“ weiterlesen

IT WAS JUST AN ACCIDENT (Yek tasadef sadeh) von Jafar Panahi

Palme d’or  Filmfestival Cannes 2025

Vahid Mobasseri © frenetic films

Zweimal war er im Gefängnis in seiner Heimat, dem Iran. 2010 wurde Jafar Panahi verhaftet und bekam ein Reise- und ein Arbeitsverbot, das er erfolgreich und listig umgangen hat. Etwa mit seinem This is not a Film von 2011, oder mit seinem bisher grössten Publikumserfolg, Taxi Teheran 2015. Paradoxerweise haben ihm dabei seine Filmfestivalerfolge, seine globale mediale Präsenz, nicht nur geholfen, sondern auch seine Schwierigkeiten weiter verstärkt. Im Juli 2022 wurde er wieder verhaftet und kam erst nach weltweiten Protesten und einem Hungerstreik im Februar 2023 wieder frei.

Und nun hat er mit einem Film über die langen Schatten des Gefängnisaufenthaltes im Mai dieses Jahres die goldene Palme des Filmfestivals von Cannes gewonnen – eine Ehrung, die in diesem Falle gleichermassen Ausdruck der Solidarität ist, wie auch ein Preis für einen ebenso einfachen wie komplex effizienten Film. „IT WAS JUST AN ACCIDENT (Yek tasadef sadeh) von Jafar Panahi“ weiterlesen

SORRY, BABY von Eva Victor

Agnes (Eva Victor) … und die Katze © filmcoopi

In den stärksten Momenten dieses starken Filmes ist nur ein Haus zu sehen, von der gegenüberliegenden Strassenseite aus, am Abend. Es wird langsam dunkel, im Haus gehen Lichter an, zwei Schnitte raffen ruhig die Zeit. Wir ahnen, was im Haus passiert. Bis schliesslich Agnes herauskommt, ihre Schuhe in der Hand, ohne die Tür hinter sich zu schliessen.

Sie setzt sich auf die kurze Holztreppe der Veranda und zieht die Schuhe an.

Sorry, Baby von Eva Victor ist ein Film über Missbrauch, vor allem aber ein Film über das Leben danach, über Freundschaft, Verstörung und Überwindung. „SORRY, BABY von Eva Victor“ weiterlesen

LES FANTÔMES von Jonathan Millet

Hamid (Adam Bessa) und Harfaz (Tawfeek Barhom) © cineworx

Auf den ersten Blick verbindet den palästinensischen Schauspieler Tawfeek Barhom (Boy from Heaven, 2022) wenig mit dem britischen Über-Mimen Sir Laurence Olivier. Und doch hat mich der raffinierte Polit-Spionage-Rache-Thriller Les fantômes immer wieder an John Schlesingers Marathon Man (1976) mit Dustin Hoffman und Laurence Olivier erinnert.

Zunächst natürlich, weil die beiden Filmfiguren, Tawfeek Barhoms Harfaz in Les fantômes und Laurence Oliviers Zahnarzt Christian Szell in Marathon Man, eine mögliche Vergangenheit als Folterer verbindet. Vor allem aber, weil die furchtbaren Schatten der Vergangenheit in beiden Filmen ihren eigenen Terror-Tenor ausbreiten. „LES FANTÔMES von Jonathan Millet“ weiterlesen

+++ «Teenage Sex & Death at Camp Miasma» +++ jetzt im Kino