HIVER À SOKCHO von Koya Kamura

Roschdy Zem, Bella Kim © frenetic

Soo-Ha (Bella Kim) lebt in der südkoreanischen Stadt Sokcho, am japanischen Meer, unweit der Grenze zu Nordkorea. Die Bekannten im Quartier nennen sie freundlich «Bohnenstange» oder «Miss France». Die junge Frau ist nicht nur etwas grösser als die meisten ihrer Landsleute, sie hat auch sonst leicht andere Züge. Denn ihr Vater, den sie nie getroffen hat, war ein französischer Fischerei-Ingenieur, der nach Europa zurückfuhr, ohne von der Schwangerschaft von Soo-Has Mutter zu wissen. So hat es ihr die Mutter, Fischhändlerin am Hafen, erzählt. Für Soo-Ha war das Anlass genug, um in Seoul französische Literatur zu studieren.

An einem Wintertag fragt ein verschlossener Franzose (Roschdy Zem) nach einem Zimmer in der kleinen Pension, in der Soo-Ha seit ihrer Rückkehr nach Sokcho arbeitet. Der freundliche alte Pensionsbetreiber ruft sie aus der Küche, weil sie doch Französisch könne. Der Fremde, so findet Soo-Ha heraus, ist Yan Kerrand, in Frankreich ein bekannter und erfolgreicher Grafiker und Autor.

Hiver à Sokcho ist ein ungewöhnlicher – und vor allem ein ungewöhnlich schöner – Erstlingsfilm, weil Regisseur Koya Kamura, ein Franko-Japaner, die angedeuteten Wünsche und Konstellationen seiner Figuren eben so in der Schwebe lässt, wie der zugrundeliegende Roman der Franko-Koreanerin Elisa Shua Dusapin. „HIVER À SOKCHO von Koya Kamura“ weiterlesen

ONE BATTLE AFTER ANOTHER von Paul Thomas Anderson

Bob (Leonardo DiCaprio) © 2025 Warner Bros.

Nach sechzehn Jahren untertauchen weiss Bombenbauer Bob (Leonardo Di Caprio) das richtige Passwort nicht mehr. Also hängt er fluchend am Telefon wie ein Wutbürger in der Endlosschleife seiner Krankenkasse. Dabei hat ihn eben seine einstige Nemesis Col. Steven J. Lockjaw (ein irrwitziger Sean Penn) mit einer armeeähnlichen Polizeieinheit in seiner Waldhütte aufgespürt. Während Bobs sechzehnjährige Tochter Willa von einer einstigen Co-Revolutionärin in ein anderes Versteck gebracht wurde, das Bob verzweifelt zu lokalisieren versucht. „ONE BATTLE AFTER ANOTHER von Paul Thomas Anderson“ weiterlesen

SIRĀT von Oliver Laxe

Techno und Ratlosigkeit in der Wüste © filmcoopi

Eine Warnung und eine Empfehlung: Sirāt ist kein Film, der glücklich macht. Sirāt ist aber auch kein Film wie irgendein anderer. Oliver Laxes radikal auf Wirkung getrimmter Bilder-, Plot- und Soundtrack folgt der viszeralen Urwucht der Techno-Tracks, welche seine Protagonisten in der Wüste suchen. Sirāt zielt direkt auf das Bauchfell. Und in die Magengrube.

Darum die Empfehlung: Schauen Sie sich das im Kino an, unter allen Umständen. Je grösser der Saal und die Leinwand, je besser die Soundanlage, desto besser. Und nehmen Sie jemanden mit, damit Sie mit dem Erlebnis danach nicht alleine auf der Strasse stehen. „SIRĀT von Oliver Laxe“ weiterlesen

UNE PART MANQUANTE von Guillaume Senez

Lily (Mei Cirne-Masuki) und ihr Vater Jay (Romain Duris) © cineworx

Jay (Romain Duris) fährt mit seinem Taxi durch Tokio und sucht seine Tochter Lily. Tag für Tag. Sie war drei Jahre alt, als ihre Mutter Keiko ihn verlassen und das Kind mitgenommen hat. In den neun Jahren seither hat er sie nie wieder gesehen. Japans Gesetz gibt das alleinige Sorgerecht dem Elternteil, bei dem das Kind sich während der Trennung befindet.

Die westliche Faszination mit der japanischen Kultur hat ein eigenes Kinogenre der Selbstfindung in der Fremde hervorgebracht, mit Sophia Coppolas Lost in Translation als Prototyp. Doris Dörrie hat das mit mindestens drei Filmen durchgespielt, Kirschblüten – Hamami (2008), Grüsse aus Fukushima (2016) oder Kirschblüten & Dämonen (2019). Wim Wenders hat seine Künstlerseele immer wieder nach Japan getragen, zuletzt ganz besonders schön mit Perfect Days (2023). Und Frankreichs Slony Sow hat ein Jahr davor mit Umami Gérard Depardieu als verlorenen Spitzenkoch zur Selbstfindung nach Japan geschickt. „UNE PART MANQUANTE von Guillaume Senez“ weiterlesen

LES PAPAS von David Maye

© DOK MOBILE

«Meine Partnerin ist seit 32 Wochen und zwei Tagen schwanger. Ich weiss das so genau, weil ich eben noch mit ihr telefoniert habe. Und sie hat gesagt: “Wenn Dich einer fragt, sagst Du ‘32 Wochen und zwei Tage’”…» – der Satz löst fröhliches Gelächter aus in der kleinen Runde der werdenden Väter.

Die Männer treffen sich regelmässig, um sich über ihre Rolle als ‘Papa’ auszutauschen, zunächst noch hypothetisch für die meisten, bald aber geprägt vom Alltag mit ihren Bébés und Kleinkindern.

«Ich will Dir keine Angst machen, aber das wird noch härter!» sagt jener, der schon beim dritten Kind angelangt ist. „LES PAPAS von David Maye“ weiterlesen