NORMA DORMA von Lorenz Suter

Marina Guerrini (Norma) © filmcoopi

Es gibt Menschen, die träumen anders als wir.

Das ist die zentrale These von Schlafforscherin Mikka (Jeanne Werner). Die Idee kommt nicht so gut an im Parallax-Verlag, dessen Geschäftsmodell eher auf Verschwörungstheorien basiert. Aber Lektorin Norma (Marina Guerrini) fährt der Thesentitel «Dormir sans dormir» ein wie ein Blitz. Denn Norma kann zwischen Wachsein und Traum kaum mehr unterscheiden, seit der Vater ihres Sohnes verschwunden ist.

Am Kühlschrank hat er einen Zettel hinterlassen: Bin nicht weg. Komme wieder. H.

«Öppis schtimmt nit mit däre Wält», hält Norma wiederholt fest. Und: «Sit ich Muetter bin, isch nüt meh normal».

Wohin darf sich eine Mutter flüchten, wenn die Realität zu viel wird? Oder zu wenig? Dürfen wir uns in Schönheit verlieren, in der Schönheit eines Traumes? Oder wird er dann zum Alptraum?

Norma dorma ist ein traumhaft schöner Film. Für die Augen sowieso, die klare, rotstichige, satte Farbpalette macht aus bekannten Zürcher Orten wie den Sugus-Häusern, aber auch aus dem Origens Ospizio, dem roten Turm auf dem Julierpass, oder dem Erdhaus Villa Vals flirrend reale Traumorte. „NORMA DORMA von Lorenz Suter“ weiterlesen

FILMREIF – ein ungewöhnlicher Podcast

Barbara Sommer und Plinio Bachmann

Filmpodcasts gibt es viele. Einige sind unerträglich, andere grossartig und einige wurden allen Qualitäten zum Trotz abgeschafft. Aber die meisten setzen sich mit Filmen auseinander, die es tatsächlich gibt. Das Zürcher Drehbuch-Paar Plinio Bachmann und Barbara Sommer hat nun allerdings für Einfach Zürich ein Konzept umgesetzt rund um Filme, die es eigentlich geben sollte.

Filmstoffe mit globalem Appeal und Zürcher Lokalkolorit, Figuren, welche das Leben der Stadt geprägt haben oder von ihr geprägt wurden: Sommer und Bachmann tauchen tief ein in die Recherchen, sie haben Bücher gelesen und Akten, sie verknüpfen Biografien und Schicksale auf derart packende Weise, dass «Filmreif» tatsächlich das Konzept von «Kino im Kopf» auf eine neue Ebene hievt. „FILMREIF – ein ungewöhnlicher Podcast“ weiterlesen

DAS GEHEIMNIS VON BERN von Stascha Bader

Stascha Bader als Trilby-Marlowe-Maloney auf der Suche nach dem Geheimnis von Bern © Ascot-Elite

Da steht er auf der nächtlichen Kornhausbrücke, bereit zum letzten Sprung, das Berner Stadtoriginal, dr Dällebach Kari. Aber irgendwas stimmt da nicht. Das ist doch gar nicht Bern, da im Hintergrund? Und warum trägt der Kari einen Trenchcoat wie Humphrey Bogart als Philip Maloney, und einen Trilby Hut, wie der Zürcher Filmer Stascha Bader?

Und da schimpft er auch schon los, der Stascha Bader: «Züri! Was für en himmeltruurige Band-Friedhof! Früener, ums Nünzä-Achzgi umme: Das isch Rock’n’Roll gsi!»

Der Einstieg ist so fulminant und originell wie das meiste, was darauf folgt in diesem Dokumentarfilm zum Geheimnis der Dominanz der Berner Mundart über die Deutschschweizer Musikszene und -Geschichte. „DAS GEHEIMNIS VON BERN von Stascha Bader“ weiterlesen

Nyon 2020: NEMESIS von Thomas Imbach (Wettbewerb)

‚Nemesis‘ von Thomas Imbach © frenetic films

Neun Jahre nach seinem Dokumentarfilm Day Is Done montiert Thomas Imbach noch einmal den Ausblick aus seinem Wohnungsfenster zu einem überraschenden und gestalterisch eindrücklichen Film.

Über sieben Jahre hinweg hat er den Abriss des alten Zürcher Güterbahnhofs gefilmt und den Bau des umstrittenen neuen Untersuchungsgefängnisses mit seiner Kamera verfolgt.

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1. Porn Film Festival Zürich

Zurich Porn Film Festival

Die Schattenindustrie der siebten Kunst hat schon immer am dicht am Puls der Gesellschaft funktioniert. Trotzdem dürften die Veranstalter des 5. Zurich Film Festivals (24. Sept. – 5. Okt) nicht völlig begeistert sein von der unerwarteten Konkurrenz des ersten Porn Film Festivals Zürich, das nicht nur parallel stattfindet, sondern gar noch zwei Tage länger dauert (24. September bis 7. Oktober 2009).

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Karl Spoerri vom Zurich Film Festival im Interview

Karl Spoerri Zurich Film Festival (zvg)Wenn am Donnerstag die 5. Ausgabe des Zurich Film Festivals eröffnet wird, bin ich bereits auf dem Weg in meine Ferien. Das hat eine bedauerliche Seite, denn das diesjährige Angebot der umtriebigen Zürcher ist deutlich vielversprechender als früher. Im Interview äusserst sich Festivalleiter Karl Spoerri zur Erweiterung des Publikumsfestivals zum Branchentreff, zum Standortvorteil von Zürich, zum Budget und dem Eigenmittelbedarf, zur Zweiteilung des Wettbwerbs in eine deutschsprachige und eine internationale Sektion und zur Schweizer Untertitelkultur. Aber auch dazu, was ein Star wie Morgan Freeman effektiv kostet, beziehungsweise, wie die Sachleistungen von Hotel- und Airline-Sponsoren dabei helfen, solche Medienmagnete nach Zürich zu holen. Und er bedauert, dass die medienwirksam inszenierte Star-Ballung des Festivals den medialen Blick auf die Inhalte des Programms verstelle.

Interview (18′) Download (MP3, 8MB) Hören: