Governator schmeisst Dirty Harry raus

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat seinen Schwager Bobby Shriver und Clint Eastwood (Ex Mayor von Carmel) aus der kalifornischen Park-Kommission entlassen, nachdem sich die beiden öffentlich gegen ein Maut-Strassen-Projekt durch einen südkalifornischen State-Park geäussert hatten. Eastwood lebt noch immer in Carmel, neben einem der schönsten Nationalparks Kaliforniens. Shriver und Eastwood haben sich beide für eine dritte Amtsperiode in der ehrenamtlichen neunköpfigen Kommission zur Verfügung gestellt, aber Schwarzenegger hat, wie Shriver vermutet, dem Druck der Baulobby nachgegeben, wie der San Francisco Chronicle meldet. Sowohl Shriver (Kommissionspräsident) wie auch Eastwood (Vizepräsident) waren noch von Schwarzeneggers Vorgänger in die Kommission geholt worden.

Anthony Minghella ist tot

Mit 54 Jahren ist heute morgen in London der Filmregisseur Anthony Minghella gestorben. Minghella ist 1996 quasi über Nacht weltberühmt geworden mit seiner Verfilmung des Michael-Ondaatje-Romans «The English Patient». Freunde des britischen Kinos kannten den eigenwilligen Drehbuchautor und Regisseur aber schon von seinem Debutfilm «Truly, Madly, Deeply» von 1990. Nach dem Erfolg des «English Patient» hat Minghella sich für seine nächsten Projekte Zeit genommen. Einen grossen Erfolg hatte er 1999 mit der Highsmith-Verfilmung «The Talented Mister Ripley», während die grossangelegte Literaturverfilmung «Cold Mountain» eher enttäuschte. Wie die amerikanische Branchenzeitschrift Variety meldet, ist Anthony Minghella heute morgen um 5 Uhr überraschend an einer Hirnblutung gestorben, nach einer Routineoperation am Hals. Minghellas letzter Kinofilm war «Breaking and Entering» von 2006. Einen letzten Fernsehfilm hat er eben noch fertiggestellt.

Woody Allens Titel-Font

Woody Allen ist bekannt dafür, dass er seit vielen Jahren mit den gleichen Leuten arbeitet (so lange sie seine tiefen Honorare akzeptieren), und dass er fast immer die gleichen Titel verwendet: Windsor, weiss auf schwarzem Grund. Der Grafiker Cristian-Kit Paul ist in seinem Blog ein wenig dieser Vorliebe auf den Grund gegangen. Unter anderem hat er Allens Filmmografie auf Titelkonsistenz überprüft und eine hübsche Screenshot-Serie zusammengestellt. (via BoingBoing

van der Kooijs „Fred und Film“

Eine faszinierende neue Mischung von Filmpromotion und Filmweiterbildung leistet sich der Zürcher Verleiher Frenetic Films. Auf ihrer Website hosten die ‚Freneten‘ eine neue Clip-Reihe vom Musiktheoretiker, Regisseur und Filmhistoriker Fred van der Kooij. Unter dem Titel „Fred und Film“ stellt der brillante Analytiker in lockerer Abfolge seine eigenen Beobachtungen zu neuen Filmen vor. Den Anfang macht derzeit Fred und Film #1 zu Wong Kar Wais „My Blueberry Nights“. Das kurze, simpel und originell gestaltete Video zeigt van der Kooij, der Dinge wie die Gestaltung des Raums bei Wong Kar Wai erläutert, und dazu entsprechende Filmausschnitte „ins Bild“ zieht. Witzig und erhellend, und vor allem: Tatsächlich eine neue Sicht auf aktuelle Filme, eine Sicht, die formale und künstlerische Aspekte in den Vordergrund stellt, wo wir uns in der traditionellen Filmkritik immer mehr auf inhaltliche Zusammenhänge abstützen.

Fred und Film #1

Sperriger Quartz in goldener Tüte

Otto Reiter, Quartz, Jeanne Waltz (c) sennhauser

Irgendwie geht dem von Sylvie Fleury gestalteten neuen Schweizer Filmpreis „Quartz“ der Charme ab. Vom Designerstandpunkt her sowieso („Form follows Function“ – beides ist unklar definiert hier). Vor allem aber ist er einfach unpraktisch. Bruno Cathomas hat seinen, kolportierte heute die Solothurner Zeitung, irgendwo stehen lassen und dann wieder suchen müssen. Und Jeanne Waltz hatte ihren, den sie für das beste Drehbuch für ihren „Pas douce“ gewonnen hat, gestern Abend immer noch dabei, als wir nach der Podiumsdiskussion ins Baseltor zum Essen gingen. Auf dem Bild präsentiert ihn der Österreichische Filmjournalisten-Kollege Otto Reiter und die stolze Gewinnerin wird die goldene Tasche wenig später auch wieder in die Garderobe stellen. Klauen tut den Klotz nämlich garantiert niemand.

Sonntags-Sermon von Klaus Maria Brandauer

Klaus Maria Brandauer, Klara Obermüller ©sennhauser
Klaus Maria Brandauer, Klara Obermüller ©sennhauser

Der Mann ist in Sachen PR auf jeden Fall sein Geld wert: Wenn Klaus Maria Brandauer redet, hört die Menge zu. So war es auch vor etwas mehr als einer Stunde im Basler Luxushotel „Les trois rois“ bei der Pressekonferenz zum Drehstart von „Das Verhör des Harry Wind“ nach dem Roman von Walter Matthias Diggelmann. Geladen hat die Basler Produktionsfirma Sunvision, und auf dem Podium sassen neben Hauptstar Brandauer auch Nebenstar Sebastian Koch, Regisseur Pascal Verdosci, Produzent und Drehbuch-Co-Autor Alex Martin und die unverwüstliche Klara Obermüller, Witwe und Nachlassverwalterin von Walter Matthias Diggelmann. Obermüller hat denn auch die substantiellsten Informationen zum Roman von 1962 und seiner Aktualität geliefert. Und erklärt, sie müsse sich immer noch hin und wieder kneifen, um zu glauben, dass das Buch nun tatsächlich verfilmt werde. Nach ihr gab Produzent Martin Sebastian Koch das Wort, weil der Schauspieler bereits in der Maske erwartet wurde.

Sebastian Koch an der PK ©sennhauser

Koch war gewohnt zurückhaltend, schliesslich gebe es vor dem Dreh für einen Schauspieler noch wenig zu sagen. Aber das hinderte natürlich den Hauptstar des Anlasses keinesfalls am ausgiebigen Reden. Klaus Maria Brandauer liess seine bühnentrainierte Stimme über die Köpfe hinweg dröhnen und lieferte eine fast 15minütige Sonntagspredigt. Er fing mit dem Geständnis an, dass sein Einfluss auf das Weltgeschehen leider begrenzt sei. Als Schauspieler sei er nur ein Interpret, aber, und das sei schliesslich auch der Kern des Romans von Diggelmann: Es gebe ja ohnehin keine Wahrheit, sondern nur Interpretationen davon. Und es gebe nichts Neues unter der Sonne. Alles, vom ersten Schrei eines Kleinkindes bis zu den Malereien von Picasso, so Brandauer, sei eine Reprise. Sogar er selbst sehe sich ausserstande, zu wiederholen, was er fünf Minuten früher gesagt habe. Er könne das nur interpretieren. Das alles hatte irgendwie mit dem Projekt und dem Drehbuch zu tun, war aber inhaltlich viel grösser, schwerer, weitreichender. Irgendwie. Aber ausschlaggebend war natürlich die Präsenz des Mannes. Der Star ist ein Star, weil er sich wie ein Star benimmt, der sich nicht wie ein Star benimmt. Das ist meine Interpretation der Wahrheit, natürlich. Oder etwas ähnliches. Unbestritten ist die magnetische Präsenz des Schauspielers Brandauer. Selbst wenn es sich leicht peinlich anfühlt, ihm zuzuhören, die Faszination ist da:

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kombination Koch-Brandauer mit dem Stoff von Diggelmanns Roman bestens korrespondiert. Brandauer als akribischer Verhörer, als Wahrheitssucher im Dienste der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Und Koch als nebelkerzenverfeuernder PR-Spezialist, als Spin-Doctor, der auch seine eigene Geschichte vorzu neu erfindet und dreht und wendet. Denn das ist offenbar auch der Angelpunkt des Drehbuches von Alex Martin und Marion Reichert: Die Schauplätze des Buches werden auf einen Hauptschauplatz reduziert, das Verhör und damit das Kammerdrama mit zwei Schauspielern wird in einem improvisierten Studio in einem Einkaufszentrum in Lörrach gedreht, mit einem Minimum an Aussenschauplätzen. Damit wird der Film effektiv ein Zweipersonenstück. Und das ist auf jeden Fall reizvoll, gerade mit diesem Duo aus Brandauer und Koch. Mehr dazu mit Oton morgen Montag in DRS2aktuell und natürlich am Freitag im Filmpodcast.

Sean Penn Jurypräsident in Cannes

Sean Penn (rechts) führt als Regisseur Emile Hirsch in "Into the Wild" (c) Monopole Pathé Schweiz
Sean Penn (rechts) führt als Regisseur Emile Hirsch in 'Into the Wild' (c) Monopole Pathé Schweiz

„No rest for the wicked“ sagen die Amerikaner gerne. Wenn es um Hollywood und Schlagzeilen geht, stimmt das fast immer. Derzeit ist es Schauspieler und Regisseur Sean Penn, der alle paar Tage auftaucht. Zum Jahresende gab er die Scheidung von seiner zweiten Frau Robin Wright bekannt und heute hat das Filmfestival von Cannes Sean Penn als Jurypräsident für seine nächste Ausgabe im Mai bestätigt. Dazu hat Penn mit seinem jüngsten Film Into the Wild in den USA eben einen Überraschungserfolg verbuchen können. Die Verfilmung des kurzen Lebens von Christopher McCandless folgt dem Tatsachenroman und Bestseller von Jon Krakauer und erzählt, wie ein behüteter junger Mann aus begütertem Elternhaus sich für ein Leben als Tramp entscheidet und schliesslich in Alaska zu Tode kommt. Der Film von Sean Penn ist recht eindrücklich und schliesst thematisch und gestalterisch bei seinem nicht weniger eindrücklichen Debut The Indian Runner von 1991 an. In der Deutschschweiz bringt Monopole Pathé den Film am 7. Februar ins Kino.

Schweden ehrt Bergman mit Briefmarken

Die schwedische Post ehrt den im Juli verstorbenen Regisseur Ingmar Bergman mit zwei Briefmarken, die am 24. Januar 2008 erscheinen sollen. Auf der Website des Sveriges Filatelist-Förbund sind die beiden Entwürfe auch schon abgebildet. Die eine Marke zeigt Bergman als Regisseur von „Fanny & Alexander“ am Set 1983, die andere ein Portrait von 1998. Woody Allen hat sich bestimmt schon den Ersttagsbrief reserviert …

Madame le maire: Die Bürgermeisterin

Das ist Carla Speziali, die filmstarwürdige Bürgermeisterin von Locarno. Die Verwalterin der Tessiner Festivalstadt hat gestern tapfer die Liste der bisher hier anwesenden Kino-Koriphäen vorgebetet. Einer Politikerin kann man es wohl verzeihen, wenn sie den einen oder anderen Regisseur nicht richtig aussprechen kann, Namen wie „Abbas Kiarostami“ oder „Alexander Sokurov“ sind ja auch elende Zungenbrecher. Dennoch muss es wieder einmal gesagt sein, einfach zur Sicherheit für die Daheimgebliebenen: Madame le Maire ist nicht die Frau des Festivaldirektors Frédéric Maire, auch wenn sie ihn liebevoll als „Friedrich“ begrüsst hat.

Michelangelo Antonioni (1912-2007)

Michelangelo AntonioniUnglaublich: Jetzt ist einen Tag nach am gleichen Tag (30. Juli 2007) wie Ingmar Bergman ein weiterer Grosser des europäischen Kinos gestorben. Der Regisseur von Filmen wie "Blow Up", "Zabriskie Point" oder "Professione Reporter" mit dem vielleicht schönsten Namen der Filmgeschichte überhaupt: Michelangelo Antonioni. Für uns von der DRS-Filmredaktion ist das ein wenig schockierend: Wir hatten genau zwei fixfertige Abschiedssendungen im Schrank, beide von Pierre Lachat und beide seit über vier Jahren (Journalismus ist eben auch ein Handwerk, das ist eine eigene Form der Pietät). Und jetzt kommen beide innerhalb von zwei Tagen über den Sender. Es sind notabene wohl die letzten Reflexe-Sendungen, die noch auf Band geschnitten wurden und auch so in meinem Schrank gelagert waren … die Antonioni-Sendung von Pierre Lachat wird, wenn alles klappt, also morgen Mittwoch, 1. August in Reflexe ausgestrahlt werden.