SFT09: Stina Werenfels und Matthias Bürcher im Solothurn-Reflexe (Podcast)

Stina Werenfels ist Filmemacherin, mit ihrem Nachbeben wurden 2006 die Filmtage eröffnet, dieses Jahr ist sie unter anderem in der Jury für den neuen Prix de Soleure. Matthias Bürcher ist Filmtechniker und Filmverkäufer, und er hat das Online-Videosystem für die neue Schweizer Filmakademie entwickelt. Mit den beiden versuche ich, den Zustand und die Bewegungsrichtunge des Schweizer Films ein wenig einzukreisen in diesem halbstündigen Gespräch.

Alle Reflexe als podcast.

SFT09: Jonas Räber, Störauktionator

Jonas Räber in der Krone in Solothurn (c) sennhauserEr ist ein begnadeter (Selbst-)Vermarkter, Jonas Räber, der Animationsfilmprofi aus Luzern. Heute hat er die Plattform der Infoveranstaltung der Sektion Film des Bundesamtes für Kultur BAK genutzt, um wieder einmal fruchtbare Verwirrung zu stiften. Mit einem kleinen Stehpult und einem Auktionshammer hat er sich vor dem wartenden Volk aufgepflanzt und eine Stör-Auktion durchgeführt. Er hat einen Stör aus Stoff versteigert und einen antiken Gutschein eines Schweizer Elektronikhauses. Mit seinerstoerauktion.info (c) sennhausertrickfilmgeschulten Schnellsprechstimme hat er es fertig gebracht, beide Artikel geringfügig gewinnbringend zu verkaufen, die Leute zu unterhalten und gleichzeitig seine Webadresse stoerauktion.info bekannt zu machen – die sich dann allerdings als Zirkelschluss erweist. Räber hat Talent für skurrile Satire und er hat den Mut, sich selber hinzustellen. Die Leute von BAK haben ihn zunächst misstrauisch beäugt, sie vermuteten wohl eine bösartigeres kulturpolitisches Hijacking ihres Anlasses, danach hat sich aber der sichtlich amüsierte und erleichterte BAK-Chef Jauslin bei Räber für das „Aufwärmen“ des Publikums bedankt. Lustiger wurde es dann auch nicht mehr an dieser Veranstaltung.

SFT09: „Maman est chez le coiffeur“ von Léa Pool

Maman est chez le coiffeur (c) FilmcoopiNach diesem langen und von der radiophonen Ausbeute her eher frustrierenden Dienstag war dieser Film nun der nötige Aufsteller. Mit ihrem neunten Spielfilm hat die Kanada-Schweizerin Léa Pool es wieder geschafft, ihre grosse Stärke, die Un-Verschämtheit, zum Trumpf zu machen. Damit meine ich ihre Fähigkeit, Gefühle plakativ zu kontrastieren. Ihre erzählerische Technik ist nahe beim Melodram, aber „SFT09: „Maman est chez le coiffeur“ von Léa Pool“ weiterlesen

SFT09: „Du bruit dans la tête“ von Vincent Pluss

Du bruit dans la tête von Vincent Pluss (c) frenetic
Du bruit dans la tête von Vincent Pluss © frenetic

Der Eröffnungsfilm der diesjährigen Filmtage war gut gewählt, er repäsentiert durchaus den aktuellen Zustand des Schweizer Films. Es ist die Geschichte der etwas über dreissig Jahre alten Laura, welche nach ihrem Studium in Kanada kaum mehr richtig Fuss fassen kann in Genf. Sie kann nicht allein sein, ist aber sich selbst und anderen immer wieder unerträglich; sie nimmt einen streunenden Teenager auf, verliert noch in der Probezeit ihren Journalistenjob. Der Film von Vincent Pluss („On dirait le sud“) spielt mit einer „realen“ Ebene und einer, die eher den „Lärm im Kopf“ repräsentiert, die Dinge, welche Laura denkt, oder fühlt, oder tun möchte, während sie sie nicht tut. Das ist sehr schön und ganz einfach inszeniert. Es geling Pluss zwar nicht immer, die Spannungsbögen durchzuhalten, dafür ist der Film aber mit oft unerwartetem Humor durchsetzt, der Alltag zugleich grotesk überzeichnet und realistisch gefasst. Der Film lebt fast ausschliesslich von seinen Schauspielern und ist auf den ersten Blick ohne grossen Aufwand entstanden. Darin ist er typisch für das aktuelle Westschweizer Kino, das sich eindeutig zurück besinnt in die sechziger Jahre, an Tanner, Goretta und Co. und doch ganz in der heutigen Zeit verhaftet bleibt.

Mumblecore?

Hannah Takes the Stairs von Joe Swanberg
Hannah Takes the Stairs von Joe Swanberg

 

Seit einigen Tagen stosse ich andauernd auf diesen Begriff. Als «Mumblecore» (Kombination aus „to mumble“ = murmeln, nuscheln, und „hardcore“) bezeichnet die angelsächsische Film- und Hype-Gemeinde die aktuell grassierende Welle von Independent-Filmen in den USA, die sich mit den Menschen nach Generation X und Slacker befasst. Die neuen Twens, die sich – zumindest in den Filmen – durch ein eher unverbindliches, um nicht zu sagen unverständliches Sprechen auszeichnen. Mir gefällt der Begriff, denn er lehnt sich eher an kitchen sink realism an, bezeichnet damit eine Filmbewegung, eher als ihr Sujet. Die New York Times feiert zum Beispiel Joe Swanberg und seine Filme als Mumblecore und grosses Kino. Die Wikipedia behauptet im übrigen, der Begriff (und die Filme) existierten bereits seit dem Jahr 2000. Bin ich der einzige, dem er erst jetzt auffällt?

Twilight – Der Mädchentraum vom sanften Beissen

Twilight Artwork Poster
Twilight Artwork Poster

Ein einsamer Teenager verliebt sich in einen gleichaltrigen Vampir in der Schule, und nicht nur Amerikas Teenager sind hin und weg, sondern auch die Hälfte der weiblichen Bevölkerung. Endlich wieder Romantik mit Biss. Wer kriegt so was hin? Ich war in San Francisco (Ferien) und nahm, wie überall, die Gelegenheit wahr, jene Filme zu sehen, die bei uns (noch) nicht aufgetaucht sind. Einer davon war Catherine Hardwickes Verfilmung von Stephenie Meyers Teenage-Vampir-Schauerromanze „Twilight“. Vampire sind nun mal nicht totzukriegen, schon gar nicht im Kino:

„Twilight – Der Mädchentraum vom sanften Beissen“ weiterlesen

Catherine Zeta-Jones als singende Cleopatra in 3D?

Elizabeth Taylor in "Cleopatra"Gemäss Variety plant Irrwisch Steven Soderbergh, nach seinem zweiteiligen Che und zwei weiteren, schon fast abgedrehten Projekten, das wohl bisher abgedrehteste seiner Karriere: Ein Cleopatra-Musical mit Zeta-Jones in der Titelrolle und Hugh Jackman (der bewiesen hat, dass er singen kann) als Markus Antonius. Und das ganze auch noch in 3D. Oh, diese Nase! Und ein Insidertreppenwitz ist das ganze auch noch, schliesslich gilt Cleopatra noch immer als das sprichwörtliche Produktionsdesaster schlechthin, der Film, der das Ende der klassischen Hollywoodstudios eingeläutet hat.

Woodstock-Komödie von Ang Lee

Ang Lee in Woodstock (Fotomontage sennhauser)2009 wird es vierzig Jahre her sein seit dem legendären Woodstock-Festival, das den Höhepunkt (und damit auch das Ende) der Hippie-Bewegung symbolisiert. Ang Lees Film soll Taking Woodstock heissen und sich am Buch «Taking Woodstock, a True Story of a Riot, a Concert, and a Life» von Elliot Tiber und Tom Monte orientieren. Tiber war einer von denen, die das Konzert seinerzeit ermöglicht hatten. In den Jahren seit dem legendären Konzert hat vor allem der Dokumentarfilm von Michael Wadleigh (den Martin Scorsese geschnitten hat) die Legende am Leben gehalten – neben der Musik natürlich. [Quelle]

Pedro Almodóvar

Pedro Almodóvar (from his website)Blogs als Promotools für Filmemacher sind nicht mehr neu. Aber dass einer seine Notizen gleich dreisprachig (spanisch, französisch und englisch) anbietet, wie Pedro Almodóvar, und dass sie auch noch lesenswert sind, das ist erfreulich. Auf seiner Website schreibt der Spaniert über die Arbeit an seinem neusten Film Los abrazos rotos, über Frisuren bei Penélope Cruz und über Schauspielerinnen in der Familie. Aber auch über Schwule auf Treppen und andere inszenatorische Kniffe. Grösstenteils vergnüglich und erhellend.

Alexander J. Seiler zum 80. Geburtstag

Alexander J. Seiler (Foto von Swissfilms)Heute vor 80 Jahren, am 6. August 1928, wurde in Zürich einer der heimlichen Revolutionäre des Schweizer Films geboren. Alexander J. Seiler, Theaterwissenschaftler, Filmemacher, Publizist. Mit Dokumentarfilmen wie «Siamo Italiani» von 1964, mit kulturpolitischen Initiativen und mit unzähligen Aufsätzen und Publikationen hat sich Alexander Seiler unermüdlich eingemischt in die «eigenen Angelegenheiten» der Schweiz. Ein tönender Geburtstagsgruss: