Berlinale09: Tom Tykwer und sein alter ego

Tom Tykwer

Es ist tatsächlich verblüffend: Die Hauptdarsteller fast aller Tom-Tykwer-Filme gleichen irgendwie dem Regisseur. Von „Siebenschläfer“ über „Das Parfum“ bis zum jüngsten Thriller „The International“ (siehe unten) hat er Männer besetzt, die seine Brüder sein könnten. Insbesondere im Fall von Clive Owen in „The International“ ist die Ähnlichkeit frappant (einfach zum vorigen Blogeintrag runterscrollen). An der heutigen Pressekonferenz in Berlin wurde Tykwer gleich von zwei Journalisten darauf angesprochen und hat dann leicht amüsiert erklärt, da sei vielleicht schon was dran, dass man sich als Filmemacher am liebsten selber besetzen würde. Aber einleuchtender sei doch, dass man auf einem Filmset intensiv zusammenarbeite an einem Gemeinschaftswerk und sich dabei wohl zu gleichen beginne. Einen Ausschnitt aus seinem Erklärungsversuch gibts hier zu hören:

Terminator Salvation: Robokonzepte bei Wired

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Dass die von James Cameron ins Leben gerufene Terminator-Franchise noch lange nicht ausgemolken ist, liegt auf der Hand. Kaum ein SciFi-Konzept hat bisher so clever Tech-Angst und Tech-Faszination auf den Punkt gebracht. Und wenn Google wie letztes Wochenende aus Versehen eine Stunde lang alle Hits als böse brandmarkt, sehen die Webbies entzückt einen Ableger von Skynet am Werk. Auf dem Wired-Blog findet sich nun eine faszinierende Sammlung neuer Entwürfe für die nächste Terminator-Ausgabe, Terminator Salvation, welche der Mann mit dem Alias McG in der Endmache hat. Starttermin USA: 22. Mai 2009 (Deutschland/Schweiz: 4. Juni)

Ursula Meier: Ein „Home“-Spiel mit Volldampf

Ursula Meier ("Home") und Presseagentin Esther Bühlmann
Ursula Meier ("Home") und Presseagentin Esther Bühlmann

Diese Frau ist phänomenal! Dass Ursula Meier mit Home einen der interessantesten Schweizer Kinoerstlinge gelungen ist, wissen wir seit der etwas überhasteten Vorführung in einer séance spéciale der Kritikerwoche in Cannes im letzten Mai. Dass sie mit Olivier Gourmet und Isabelle Huppert und drei jungen Nachwuchstalenten auf einem verlassenen Airfield in Bulgarien ein Ensemblestück komponiert hat, das alleine schon durch seine konsequente Grundidee zum Instant-Klassiker geworden ist, wird auch kaum jemand bestreiten. In der Westschweiz ist der Film auch vom Publikum bestens aufgenommen worden, ob das in der Deutschschweiz klappt, wissen wir dann ab dem 19. Februar, wenn der Film ins reguläre Kinoprogramm kommt. Aber Ursula Meier war schon diese Woche in Zürich und hat unermüdlich Interviews gegeben.

Und mit unermüdlich ist das, was sie da leistet, nur sehr unzulänglich umschrieben. Schon die Terminfindung mit Presseagentin Esther Bühlmann war ein Erlebnis: Da fragte ich nach den üblichen dreissig Minuten, die wir für eine normale Reflexe-Sendung in der Regel brauchen. Und bekomme die Auskunft, Frau Meier möchte lieber eine ganze Stunde reden. In Paris hätten ihr die allzu kurzen Interviews zugesetzt. Na wunderbar! Normalerweise sind es die Journalisten, die um ein paar Minuten mehr kämpfen müssen. Und dann stellt sich am heutigen Termin auch noch heraus, dass Ursula Meier ein sogenannter „Selbstläufer“ ist, das sind Interviewpartner, die man mit einer einzigen Frage so in Gang bringen kann, dass man danach eigentlich nur noch die Aussteuerung der Aufnahme kontrollieren müsste. Dabei redet sie gelinde gesagt druckreif (französisch) und meist dermassen clever und spannend, dass ich in Versuchung kommen werde, eine Fortsetzungssendung aus dem Material zu machen. Und es ist auch nicht so, dass sie am Gesprächspartner vorbeiredet, im Gegenteil: Jede Zwischenfrage, jedes Nachhaken löst einen kompletten neuen Gedankengang aus. Dass sie, nach mehreren Interviewmarathons in mehreren Ländern, längst Baukastengedanken und Baukastensätze beieinander hat, wie sonst die viel älteren Medienprofis, das ist nicht zu überhören. Aber keiner ihrer Sätze wirkt reproduziert, und jeder Gedanke zeugt von einer ungeheuren Energie. Ihr Thema, so sagt sie selber, sei das jusqu‘ au bout, das Bis-ans-Ende-Gehen. Das macht sie mit ihren Figuren, aber auch bei ihrer Arbeit. Und eben beim Interview. Ich weiss nicht, wieviele von uns sie diese Woche in Zürich geschafft hat. Aber die Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich reden konnte, sind sich alle einig: Müde wird Ursula Meier, wenn überhaupt, erst ganz lange nach den Journalisten. Ich werde auf jeden Fall wieder mit ihr reden wollen. Egal über was, eigentlich. Am liebsten aber auch gleich über ihren nächsten Film!

Die Reflexe-Sendung zu Home von Ursula Meier, mit Ursula Meier, ist vorgesehen auf den Starttag des Films, am 19. Februar auf DRS 2, um 11 Uhr und um 22 Uhr. Nicht verpassen, oder dann zumindest den Podcast hören!

Oscars für die Toten

Oscars für Anthony Minghella RIP, Heath Ledger RIP, Sydney Pollack RIP ?
Oscars für Anthony Minghella RIP, Heath Ledger RIP, Sydney Pollack RIP ?

So wie es derzeit aussieht, wird der verstorbene Joker-Darsteller Heath Ledger nicht der Einzige sein, der am 22. Februar gute Chancen auf einen posthumen Oscar hat. Während Ledger als Bester Nebendarsteller in Frage kommt, dürften die ebenfalls 2008 verstorbenen Sydney Pollack und Anthony Minghella als Produzenten von The Reader mit Kate Winslet ins Oscarrennen um den Besten Film geschickt werden. Der Guardian hat die Meldungen von Variety zusammengefasst.

SFT09: Stina Werenfels und Matthias Bürcher im Solothurn-Reflexe (Podcast)

Stina Werenfels ist Filmemacherin, mit ihrem Nachbeben wurden 2006 die Filmtage eröffnet, dieses Jahr ist sie unter anderem in der Jury für den neuen Prix de Soleure. Matthias Bürcher ist Filmtechniker und Filmverkäufer, und er hat das Online-Videosystem für die neue Schweizer Filmakademie entwickelt. Mit den beiden versuche ich, den Zustand und die Bewegungsrichtunge des Schweizer Films ein wenig einzukreisen in diesem halbstündigen Gespräch.

Alle Reflexe als podcast.

SFT09: Jonas Räber, Störauktionator

Jonas Räber in der Krone in Solothurn (c) sennhauserEr ist ein begnadeter (Selbst-)Vermarkter, Jonas Räber, der Animationsfilmprofi aus Luzern. Heute hat er die Plattform der Infoveranstaltung der Sektion Film des Bundesamtes für Kultur BAK genutzt, um wieder einmal fruchtbare Verwirrung zu stiften. Mit einem kleinen Stehpult und einem Auktionshammer hat er sich vor dem wartenden Volk aufgepflanzt und eine Stör-Auktion durchgeführt. Er hat einen Stör aus Stoff versteigert und einen antiken Gutschein eines Schweizer Elektronikhauses. Mit seinerstoerauktion.info (c) sennhausertrickfilmgeschulten Schnellsprechstimme hat er es fertig gebracht, beide Artikel geringfügig gewinnbringend zu verkaufen, die Leute zu unterhalten und gleichzeitig seine Webadresse stoerauktion.info bekannt zu machen – die sich dann allerdings als Zirkelschluss erweist. Räber hat Talent für skurrile Satire und er hat den Mut, sich selber hinzustellen. Die Leute von BAK haben ihn zunächst misstrauisch beäugt, sie vermuteten wohl eine bösartigeres kulturpolitisches Hijacking ihres Anlasses, danach hat sich aber der sichtlich amüsierte und erleichterte BAK-Chef Jauslin bei Räber für das „Aufwärmen“ des Publikums bedankt. Lustiger wurde es dann auch nicht mehr an dieser Veranstaltung.

SFT09: „Maman est chez le coiffeur“ von Léa Pool

Maman est chez le coiffeur (c) FilmcoopiNach diesem langen und von der radiophonen Ausbeute her eher frustrierenden Dienstag war dieser Film nun der nötige Aufsteller. Mit ihrem neunten Spielfilm hat die Kanada-Schweizerin Léa Pool es wieder geschafft, ihre grosse Stärke, die Un-Verschämtheit, zum Trumpf zu machen. Damit meine ich ihre Fähigkeit, Gefühle plakativ zu kontrastieren. Ihre erzählerische Technik ist nahe beim Melodram, aber „SFT09: „Maman est chez le coiffeur“ von Léa Pool“ weiterlesen

SFT09: „Du bruit dans la tête“ von Vincent Pluss

Du bruit dans la tête von Vincent Pluss (c) frenetic
Du bruit dans la tête von Vincent Pluss © frenetic

Der Eröffnungsfilm der diesjährigen Filmtage war gut gewählt, er repäsentiert durchaus den aktuellen Zustand des Schweizer Films. Es ist die Geschichte der etwas über dreissig Jahre alten Laura, welche nach ihrem Studium in Kanada kaum mehr richtig Fuss fassen kann in Genf. Sie kann nicht allein sein, ist aber sich selbst und anderen immer wieder unerträglich; sie nimmt einen streunenden Teenager auf, verliert noch in der Probezeit ihren Journalistenjob. Der Film von Vincent Pluss („On dirait le sud“) spielt mit einer „realen“ Ebene und einer, die eher den „Lärm im Kopf“ repräsentiert, die Dinge, welche Laura denkt, oder fühlt, oder tun möchte, während sie sie nicht tut. Das ist sehr schön und ganz einfach inszeniert. Es geling Pluss zwar nicht immer, die Spannungsbögen durchzuhalten, dafür ist der Film aber mit oft unerwartetem Humor durchsetzt, der Alltag zugleich grotesk überzeichnet und realistisch gefasst. Der Film lebt fast ausschliesslich von seinen Schauspielern und ist auf den ersten Blick ohne grossen Aufwand entstanden. Darin ist er typisch für das aktuelle Westschweizer Kino, das sich eindeutig zurück besinnt in die sechziger Jahre, an Tanner, Goretta und Co. und doch ganz in der heutigen Zeit verhaftet bleibt.

Mumblecore?

Hannah Takes the Stairs von Joe Swanberg
Hannah Takes the Stairs von Joe Swanberg

 

Seit einigen Tagen stosse ich andauernd auf diesen Begriff. Als «Mumblecore» (Kombination aus „to mumble“ = murmeln, nuscheln, und „hardcore“) bezeichnet die angelsächsische Film- und Hype-Gemeinde die aktuell grassierende Welle von Independent-Filmen in den USA, die sich mit den Menschen nach Generation X und Slacker befasst. Die neuen Twens, die sich – zumindest in den Filmen – durch ein eher unverbindliches, um nicht zu sagen unverständliches Sprechen auszeichnen. Mir gefällt der Begriff, denn er lehnt sich eher an kitchen sink realism an, bezeichnet damit eine Filmbewegung, eher als ihr Sujet. Die New York Times feiert zum Beispiel Joe Swanberg und seine Filme als Mumblecore und grosses Kino. Die Wikipedia behauptet im übrigen, der Begriff (und die Filme) existierten bereits seit dem Jahr 2000. Bin ich der einzige, dem er erst jetzt auffällt?

Twilight – Der Mädchentraum vom sanften Beissen

Twilight Artwork Poster
Twilight Artwork Poster

Ein einsamer Teenager verliebt sich in einen gleichaltrigen Vampir in der Schule, und nicht nur Amerikas Teenager sind hin und weg, sondern auch die Hälfte der weiblichen Bevölkerung. Endlich wieder Romantik mit Biss. Wer kriegt so was hin? Ich war in San Francisco (Ferien) und nahm, wie überall, die Gelegenheit wahr, jene Filme zu sehen, die bei uns (noch) nicht aufgetaucht sind. Einer davon war Catherine Hardwickes Verfilmung von Stephenie Meyers Teenage-Vampir-Schauerromanze „Twilight“. Vampire sind nun mal nicht totzukriegen, schon gar nicht im Kino:

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