Trailer zu Lars von Triers MELANCHOLIA

Lars von Trier mit Kirsten Dunst am Set von 'Melancholia'
Lars von Trier mit Kirsten Dunst am Set von 'Melancholia'
Lars von Trier mit Kirsten Dunst am Set von 'Melancholia'

Der Trailer zu Melancholia verspricht alles, von Festen über Fanny & Alexander, Antichrist, Weltuntergang bis zur titelgebenden Melancholie. Und er sagt noch gar nichts über den Film. Wie meistens bei Lars von Trier läuft die PR-Maschine wie geölt und bis wir am Festival in Cannes sein werden, ist die halbe Welt auf den Film eingestimmt: Ein schöner Film über das Ende der Welt – A beatutiful movie about the end of the world.  Für einmal lasse ich mich gerne einspannen, von Trier verdanke ich die stärksten Kinomomente der letzten dreissig Jahre.

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Online Festival für französische Filme

Online-Festivalfilm 'Le bal des actrices' von Maïwenn (2007) ©unifrance
Online-Festivalfilm 'Le bal des actrices' von Maïwenn (2007) ©unifrance

Unifrance, die gut finanzierte und starke Promotionsagentur für das französische Filmschaffen, ist mal wieder allen anderen Europäern einen Schritt voraus. Vom 14. bis 29. Januar präsentieren sie online für die ganze Welt zugänglich My French Film Festival, ein Festival mit zehn langen und zehn kurzen Filmen viel versprechender französischer Talente. Keine Frankreich-Premieren, sondern bewährtes, attraktives Kino aus Frankreich (und der Schweiz notabene, denn mit dabei ist auch Complices von Frédéric Mermoud). Zugänglich wird das Festival mit all seinen Informationen und den Filmtrailern in zehn verschiedenen Sprachen sein, die Filme selber werden als „Video on demand“ (VOD) angeboten, zu halbwegs konkurrenzfähigen Preisen. Ein Film wird ausserhalb Frankreichs 1.99 € kosten, ein kompletter Festivalpass für das ganze Programm 13.99 €. Interessanterweise wird innerhalb Frankreichs für alles etwa der dreifache Preis fällig (man will offensichtlich die Verleiher im Land nicht unterbieten) – dafür ist das Angebot für Russland und Lateinamerika komplett gratis.

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TWILIGHT’s Catherine Hardwicke macht auf Rotkäppchen

Amanda Seyfried in 'Red Riding Hood' von Catherine Hardwicke ©warner bros
Amanda Seyfried in 'Red Riding Hood' von Catherine Hardwicke ©warner bros.

Rotkäppchen und der Wolf ist unter den Grimmschen Märchen wohl das über analysierteste und meist interpretierte. Und fast immer geht es dabei um das sexuelle Erwachen des Mädchens, um den Wolf als erotische Projektion und lockende Gefahr – kurz, um all das, was zur Zeit vor allem die cineastische Vampir-Welle bedient. Wenn nun Catherine Hardwicke, die es geschafft hat, aus den bieder-verschmockten Twilight-Büchern den ersten (und einzigen guten) Twilight-Film zu machen, die Geschichte neu aufrollt, dann dürfen wir hoffen. Schliesslich hat die Frau bisher nicht nur ein exzellentes Gespür für den Gefühlshaushalt von Teenagern bewiesen, sondern auch als Set-Designer ein herausragendes Talent. In der Tat schwelgt der zur Zeit herumgebotene Trailer (nach der Sprungmarke) vor allem in lodernden Bildern. Gleichzeitig erinnert das auch alles wieder an die bereits klassischen Vorbilder zum Stoff, Valerie a týden divu (Valerie and her Week of Wonders, 1970) von Jaromil Jireš, oder Neil Jordans wunderbare spätere Angela-Carter-Adaption The Company of Wolves von 1984.

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Fahrradfilme? Bicycle Film Festival!

bff banner mini

Festivals sind inflationär, keine Frage. Gerade auch bei den thematischen, vom Bergfilmfestival bis zum Energiefilmfestival, gibt es nichts mehr, das nicht via Leinwand gefeiert würde. Aber das amerikanische Bicycle Film Festival habe ich eben erst heute entdeckt. Es ist ein Wanderfestival, und es tourt nicht nur Nordamerika, sondern auch Kanada, Japan, die Schweiz (2.-6. September 2009), Dänemark und Österreich. Bloss Deutschland bleibt verschont. Heute geht es dafür los in Minneapolis. Dabei sind da keineswegs nur Sportfilme im Programm, das Angebot dreht sich wirklich um alle möglichen Räder in bewegten Bildern:

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Scorsese zeigt restaurierte Filme gratis online

the auteurs scs

Auf der Streaming-Video-Website The Auteurs präsentiert Martin Scorseses World Cinema Foundation ab sofort restaurierte Meisterwerke und Filme aus aller Welt – gratis und franko. The Auteurs ist schon eine Weile online und hat ein interessantes Filmangebot mit Preisen von ca. € 5 pro Film. Aber mit diesem Angebot und mit den angekündigten Online-Filmfestivals der New Yorker Criterion-Collection, die über den gleichen Vertriebskanal ihr online-Angebot ebenfalls ausbauen wollen, wird es für uns Cinephile immer verlockender, Hikikomori zu werden (wer das Wort noch nicht kennt, wird in meinem Blogeintrag zu Tokyo! fündig). Die neue online cinémathèque geht zurück auf eine Idee ihres kalifornischen Gründers Efe Cakarel, der CNN gegenüber betont hat, dass viele der online angebotenen Filme an Orten wie Warschau, Istanbul, Seoul oder Buenos Aires nicht einmal auf DVD erhältlich seien.

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Cannes 09: Antichrist

Antichrist

So schön hat schon lange kein Film von Lars von Trier mehr ausgesehen. Und gleichzeitig liegt eine eigenartige Distanz in der Schönheit der Bilder, vor allem auch der Bilder des Schreckens. Denn Antichrist ist tatsächlich ein Horrorfilm. Allerdings nicht der, den der Trailer bei manchen Kollegen evoziert hat. Lars von Trier hat das Drehbuch am Ende seiner zweijährigen massiven Depression konzipiert, und was wir heute in Cannes gesehen haben, ist ein sehr kontrolliertes, kalkuliertes, doppelbödiges Stück Therapie-Therapie, ein Therapie-Exorzismus. Der Plot wird vom Presseheft treffend in zwei Sätzen zusammengefasst: Ein trauerndes Paar zieht sich zurück nach Eden, eine abgelegene Ferienhütte im Wald, in der Hoffnung, dort ihre gebrochenen Herzen und ihre gefährdete Ehe zu reparieren. Aber die Natur nimmt ihren Lauf und die Dinge entwickeln sich von schlimm zu schlimmer.

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Wo die wilden Kerle wohnen

'Where the Wild Things Are' von Spike Jonze, nach Maurice Sendak
'Where the Wild Things Are' von Spike Jonze, nach Maurice Sendak © WB

Es war und ist das Lieblingsbilderbuch von Millionen von Kindern: ‚Wo die Wilden Kerle wohnen‚ von Maurice Sendak (im Original: Where the Wild Things Are), die Geschichte vom kleinen Max, der im Wolfsanzug dem Hund nachrennt und dafür zur Strafe ohne Essen ins Bett geschickt wird. Sein Zimmer wird zum Wald und er trifft auf die anderen, die echten wilden Kerle, die ihn schliesslich zu ihrem König machen. Nun liegt die Magie solcher Bilderbücher ja gerade in ihrer Sparsamkeit, und eine Verfilmung riskiert, alles zu zerstören, was wir uns im Kopf an Schätzen angehäuft haben. Aber wenn ich mir den Trailer zum Film von Spike Jonze ansehe, wird mir warm ums Herz. Die Figuren sind gut getroffen, die Vorenthaltungsstrategie am Anfang, mit dem Gesicht des Jungen, der langsam aufwacht, ist viel versprechend. „Wo die wilden Kerle wohnen“ weiterlesen