DER RISS IN DER LEINWAND von Thomas Meier

Meier Thomas Der Riss in der Leinwand

Lange Zeit gab es nur noch wenige neue Einträge auf meinem Schweizer Lieblingsfilmblog, Sakkaden von Thomas Meier. Meier, Teilzeitlehrer in der Fantoche-Stadt Baden, hat mich fasziniert mit seiner ziemlich unkonventionellen Art, an die neuen Filme heranzugehen, seine Filmbesprechungen waren Kurzgeschichten über Kinogänger, sein kinogehendes Alter Ego und die Frauen und Männer, die ihn ins Kino begleitet haben – oder auch nicht. Das machte seine Texte zugleich persönlicher und universeller, denn diese Kinoerlebnisse waren wirklich solche: Filme, die ins Leben eindringen, bzw. Leben, die sich vom Kino vereinnahmen, verändern liessen. Unterdessen weiss ich, warum Meier nur noch selten gebloggt hat in den letzten Monaten, denn mittlerweile ist sein Roman erschienen, Der Riss in der Leinwand, ein Erstling, der das Prinzip der Blog-Kurz-Geschichten konsequent umsetzt in die lange Form.

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Variety feuert Chefkritiker Todd McCarthy

Variety logo

Variety, das Branchentraditionsblatt Hollywoods, hat offenbar seinen langjährigen Chefkritiker Todd McCarthy auf die Strasse gestellt, in der Hoffnung, den Mann als freien Kritiker billiger beschäftigen zu können. Für viele von uns, gerade hier in Europa, war McCarthy der Hauptgrund, Variety zu lesen, online und auf Papier. Seine bedächtige Art, Filme als kommerzielle Vehikel und als Kunstwerke unter die Lupe zu nehmen, war über dreissig Jahre lang sehr eindrücklich. Roger Ebert hat eine Art Protest-„Nachruf“ zusammengestellt.

Nachtrag 20:40 Uhr: Wenn diese Behauptung von defamer stimmt, dann geht Variety wirklich vor die Hunde.

Sandra Bullock akzeptiert die goldene Himbeere persönlich


Sandra Bullock, die gleichzeitig, aber nicht für die gleiche Rolle, auch für einen Oscar nominiert ist, hat gestern überaus souverän die goldene Himbeere als schlechteste Schauspielerin entgegen genommen. Dazu ist sie gleich mit einem Zugwägelchen voller DVD auf die Bühne gekommen, weil, wie sie sagt, wenn die Mehrheit von rund 700 Razzie-Mitgliedern, also wahrscheinlich 352, für, bzw. gegen sie gestimmt hätten, dann liege das vielleicht auch daran, dass die den Film gar nicht gesehen hätten – richtig gesehen. Darum, so Bullock, sei sie bereit, nächstes Jahr auf Verlangen der Razzie-Academy die Himbeere auch wieder zurück zu geben. Persönlich. Seit dem ähnlich souveränen Razzie-Acceptance-Speech (siehe unten) von Halle Berry scheint sich die Einsicht durchzusetzen, dass die Art vom Promotion durchaus effektvoll sein kann – wenn man nicht gerade vom Pech geschlagen ist, Paris Hilton zu sein.

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Wie DVD Vertriebe sich ins Bein schiessen

DVD Warnungen
(Klick zum Vergrössern)

So läuft es leider wirklich. Bei jeder zweiten legal gekauften DVD bekomme ich Schreikrämpfe und wünsche mir eine Raubkopie ohne Zwangsvorspann. (via Sascha Lobo und i.imgur.com)

Der Winter geht, Fantoche kommt

Fantoche 2010 Poster quer

Vorbemerkung: Ich bin Vorstandsmitglied im Verein Fantoche und daher schamlos in meiner Begeisterung – und in meinen Assoziationen: Der neue grüne Fantoche erinnert mich an einen liebgewonnenen alten Bekannten.

Vom 7. – 12. September 2010 wird Baden wieder voll im Zeichen der Animation stehen. Fantoche geht in seine achte Runde und fühlt einmal mehr den aktuellsten Strömungen der animierten Bilder in all ihren Variationen den Puls. Die ersten Programmschwerpunkte für Fantoche 2010 sind gesetzt und auch der Wettbewerb ist eröffnet. Nationale und internationale Filmschaffende sind aufgerufen, ihre Animationsfilme bis am 31. Mai 2010 einzureichen:

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Gespiegelter Horror

Das Schöne am klassischen Horrorfilm ist ja, dass man immer dann am meisten erschrickt, wenn genau das eintrifft, was zu erwarten war. Und mit dem Fremden im Spiegel ist das ja auch so. Allerdings wird es mir heute Abend ein wenig schwerer fallen, unbeschwert in den Badezimmerspiegel zu gucken. Auch recht. Normalerweise ist der erste Blick am Morgen ja erschreckender. Tatsächlich liesse sich mit dem Spiegel im Horrorfilm aber etliches mehr anstellen, als diese Serie glauben macht. Allein der mit dem Spiegel verbundene Aberglaube liefert Ideen für eine ganze Horrorserie.

Mit schwerer Zunge gegen Avatar

Avatar naiv collage

Unter dem Pseudonym RedLetterMedia hat ein Amerikaner eine Kritikerfigur geschaffen, die so tönt, als ob von den grantigen Alten Statler und Waldorf von der Muppet Show nur noch Statler übrig wäre, der nun nach einem Hirnschlag auf YouTube mit nicht mehr ganz leichter Zunge über Filme grantelt. Was er allerdings (in zwei Teilen) in zwanzig Minuten über Avatar zum Besten gibt, hat nicht nur Hand und Fuss, es macht auch ziemlich Spass. Wenn ich mir das so richtig überlege, komme ich sogar zum Schluss, dass diese böse lallende Zunge auch eine Projektion sein könnte. So könnte Fanboy Nummer Eins Harry Knowles nämlich tönen in dreissig Jahren:

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SFT10: Mehr Filme für weniger Journalisten

WoZ 100121 Filmjournalismus

Heute beginnen in Solothurn die 45. Filmtage. Aber während die meisten Medien pflichtgemäss die Anzahl eingereichter Filme, der ausgewählten Minuten, den Zustand der Schweizer Filmlandschaft und allenfalls die Bilanz der Bundesfilmförderung rapportieren, greift die WoZ schon mal eine Woche vor und nimmt das vom Verband der Filmjournalistinnen und Filmjournalisten am kommenden Mittwoch veranstaltete Panel zum Anlass für einen Blick in die erodierende Landschaft des Filmjournalismus in der Schweiz:

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Donald Duck und der Führer

Bei Walt Disney bin ich bisher davon ausgegangen, dass seine angeblichen Sympathien für totalitäre Ideologien, bzw. seine Kommunisten-Paranoia ihn dazu bewegt hatten, sich zumindest mit seinen Produktionen aus der Politik raus zu halten. Ohne weitere Recherche nahm ich daher an, dass Disney seiner Maxime „no politics“ in der Produktion treu geblieben ist. Jedenfalls soll er sich Erich Kästner gegenüber so geäussert haben, als dieser ihm vorschlug, seine „Konferenz der Tiere“ zu animieren. Zumindest glaube ich mich an eine entsprechende Passage in Carl Zuckmayers Memoiren „Als wärs ein Stück von mir“ zu erinnern. Aber dieser Donald-Duck-Cartoon, den ich eben via BoingBoing entdeckt habe, belehrt mich eines besseren. Der Kurzfilm von Jack Kinney war ein Teil des war efforts der Disney Company und gewann offenbar 1942 einen Oscar. Ich wusste, dass der grösste Teil der Hollywood-Studios sich, ausgehend von Frank Capras Initiative und Beteiligung an der der Why We Fight-Serie in den Dienst der staatlichen Kriegspropaganda gestellt hat. Dass aber auch Disney und seine Leute schliesslich massiv involviert waren, ist mir neu. Mehr dazu findet sich hier in den Hollywood-Archiven der ASIFA, der internationalen Vereinigung für den Animationsfilm.

Zwischenohrkino mit Kamel

FrauFroehlichReise

DRS2aktuell beginnt das Jahr mit einer überdrehten Mini-Hörspielserie: «Frau Fröhlichs wundersame Reise» heisst die Radio-Adventure-Soap – eine Reise um die Welt in 7 Tagen und 6 Folgen.

Für eine Reise um die Erde brauchte Phileas Fogg bei Jules Verne noch 80 Tage. Frau Fröhlich schafft das in sieben. Die Berner Spoken-Word-Autorin Sandra Künzi schickt die resolute Dame für DRS 2 mit einem sprechenden Kamel auf Hörspielreise. Im Patronatskommitee für die Serie sitzt neben Jules Verne auch Flash Gordon – und so erleben die beiden Weltreisenden Abenteuer um Abenteuer. Sie reisen von der Tiefsee auf den Mond, klären ein für allemal, wer denn nun wirklich den Nordpol entdeckte, und begegnen Heerscharen von Forschern und Nobelpreisträgern. Die Radio-Adventure-Soap ist auf sechs kurze Folgen angelegt. Regie führt DRS 2-Hörspielregisseur Johannes Mayr, die Redaktion liegt bei Ellinor Landmann und Sarah Herwig, Technik Tom Willen. Schauspieler: Silvia Maria Jung und Dominique Müller. Unter den Statisten (brüllende Piraten, erstaunte Eingeborene und kreischende Affen) bin auch ich in dem Getümmel auszumachen (dritter Schimpanse von links). Hier gibt’s das Dossier mit Hintergründen.

Zu hören ist «Frau Fröhlichs wundersame Reise» ab Montag, 4. Januar 2010 in der Sendung DRS2aktuell, jeweils um 12 und 17 Uhr auf DRS 2.