L’ÉTRANGER von François Ozon

Meursault (Benjamin Voisin), Marie Cardona (Rebecca Marder) © filmcoopi

Es braucht schon einen eklektischen Kinomeister wie Ozon, um Camus’ existenzialistischem Nihilismus so viel erotische Schönheit einzuschreiben. Er kann das, wegen dem (Sonnen-) Licht, mit dem er und sein Kameramann Manuel Dacosse die schwarzweisse Bilder­pracht aufladen: «C’est à cause du soleil».

Die kleinen, aber bezeichnenden Verschiebungen, welche François Ozon mit seiner insgesamt erstaunlich textgetreuen Adaption von Camus’ «Der Fremde» vornimmt, funktionieren wie in der Sonne blinzelnde Perspektivenwechsel. Statt des berühmten ersten Satzes des Buches, «Aujourd’hui maman est morte.» (Heute ist Mama gestorben), ist Meursault, bereits im Gefängnis, mit diesem Satz zu hören: «J’ai tué un Arabe» (Ich habe einen Araber getötet). „L’ÉTRANGER von François Ozon“ weiterlesen

DRACULA: A LOVE TALE von Luc Besson

Caleb Landry Jones als Vlad/Dracul © Ascot-Elite

129 Minuten pompöse, prächtige Langeweile. Dass muss man auch erst mal hinkriegen, nach 128 Jahren Dracula. Luc Besson borgt sich seine Bilder bei seinen Vorreitern, und dabei vor allem bei jenen, die ihn selbst beeindruckt haben, insbesondere bei Francis Ford Coppola und dessen Bram Stoker’s Dracula von 1992. „DRACULA: A LOVE TALE von Luc Besson“ weiterlesen

SORRY, BABY von Eva Victor

Agnes (Eva Victor) … und die Katze © filmcoopi

In den stärksten Momenten dieses starken Filmes ist nur ein Haus zu sehen, von der gegenüberliegenden Strassenseite aus, am Abend. Es wird langsam dunkel, im Haus gehen Lichter an, zwei Schnitte raffen ruhig die Zeit. Wir ahnen, was im Haus passiert. Bis schliesslich Agnes herauskommt, ihre Schuhe in der Hand, ohne die Tür hinter sich zu schliessen.

Sie setzt sich auf die kurze Holztreppe der Veranda und zieht die Schuhe an.

Sorry, Baby von Eva Victor ist ein Film über Missbrauch, vor allem aber ein Film über das Leben danach, über Freundschaft, Verstörung und Überwindung. „SORRY, BABY von Eva Victor“ weiterlesen

NOSFERATU von Robert Eggers

Nicholas Hoult als Thomas Hutter im Schloss von Graf Orlok © Universal

Es gibt keine ironischen Momente in Eggers Nosferatu. Aber der Film hat ein Über-Ich, und dieses grinst glückselig vor sich hin, immer wieder.  „NOSFERATU von Robert Eggers“ weiterlesen

Berlin 15: «Glorious Technicolor» Berlinale Retrospektive

Vivien Leigh in Gone with the Wind 1939 Quelle George Eastman House Rochester © 1939 Turner Entertainment Co
Vivien Leigh in ‚Gone with the Wind‘ (1939) Quelle: George Eastman House Rochester © 1939 Turner Entertainment Co.

Den blutroten Himmel über dem brennenden Atlanta in Gone with the Wind oder die «Yellow Brick Road» in The Wizard of Oz verdankt das Kino dem hundert Jahre alten Technicolor-Verfahren. Ihm gilt die Retrospektive der 65. Berliner Filmfestspiele.

BerlinaleBalken2015

Die Na’vi in James Camerons Avatar sind blau, ihre Waldwelt vornehmlich grün, und wenn Serienheld Dexter seinem Handwerk nach geht, spritzt das Blut… blutrot. Dagegen stapfte noch 1931 Boris Karloff als Frankensteins Monster in Schwarzweiss durch die Universal-Studiosets. Aus Kostengründen. „Berlin 15: «Glorious Technicolor» Berlinale Retrospektive“ weiterlesen

Stadtkino Basel: Kontrolliertes Filmwissen für Studierende

Eben hat uns eine bittersüsse Medienmitteilung erreicht: Gute Idee mit kleinen Borsten, würde ich sagen (Erklärung am Ende):

Das Stadtkino Basel und das Institut für Medienwissenschaften der Universität Basel gehen im Bereich der Vermittlung von Filmgeschichte neue Wege. Studierende im Bachelor-Studiengang können ab dem Frühjahrssemester 2009 das Modul «Filmwissen» belegen. Ziel des Angebots sind die Erweiterung des Filmwissens und der Erwerb von Kenntnissen der Schlüsselwerke der Filmgeschichte sowie der filmhistorisch relevanten Filmemacher und Genres. Mit regelmässigen Besuchen im Stadtkino Basel sollen die an der Universität vermittelten theoretischen Ansätze mit kinematographischen Inhalten bereichert werden. „Stadtkino Basel: Kontrolliertes Filmwissen für Studierende“ weiterlesen