DEINE STRASSE von Güzin Kar (Berlinale 2021, Shorts)

‚Deine Strasse‘ © Güzin Kar

Hinschauen, nicht weg. Es ist diese einfachste aller Forderungen, welche Güzin Kars starker, sieben Minuten langer Film erfüllt. So sehr, dass die Bilder im Kopf bleiben, wenn die Leinwand schon wieder schwarz geworden ist.

Es sind ganz einfache, aber gestochen klare Einstellungen an und um eine Strasse in einem Aussenquartier von Bonn. Bilder, die sich bestenfalls von jenen verorten lassen, welche schon mal da waren.

„DEINE STRASSE von Güzin Kar (Berlinale 2021, Shorts)“ weiterlesen

BALLAD OF A WHITE COW (Ghasideyeh gave sefid) von Behtash Sanaeeha & Maryam Moghaddam (#Berlinale2021 Wettbewerb)

Maryam Moghaddam, Alireza Sanifar © Amin Jafari

Das erste Bild dieser iranisch-französischen Koproduktion nimmt den Titel auf, und die Aufmerksamkeit des Publikums.

Eine riesige weisse Kuh steht in einem noch riesigeren Gefängnishof, der genau so gut eine Tempelanlage sein könnte. Ein Chor schwarzgekleideter Menschen drängt sich den Aussenwänden entlang.

Dann wacht Mina im Auto auf. „BALLAD OF A WHITE COW (Ghasideyeh gave sefid) von Behtash Sanaeeha & Maryam Moghaddam (#Berlinale2021 Wettbewerb)“ weiterlesen

WHEEL OF FORTUNE AND FANTASY (Guzen to sozo) von Ryusuke Hamaguchi (#Berlinale2021 Wettbewerb)

Ayumu Nakajima, Hyunri © Neopa / Fictive

Drei Teile umfasst Hamaguchis aktueller Wettbewerbsbeitrag, drei unabhängige, in sich geschlossene, ausgesprochen redselige Menschenbegegnungen, die wie literarisch vorgebaute Kurzgeschichten wirken.

Ob es an der Allgegenwart der Serien liegt? Episodisches Erzählen löst im internationalen Autorenkino gerade wieder einmal den grossen Bogen ab. Zumindest lässt der Wettbewerb der aktuellen Berlinale die Vermutung zu. „WHEEL OF FORTUNE AND FANTASY (Guzen to sozo) von Ryusuke Hamaguchi (#Berlinale2021 Wettbewerb)“ weiterlesen

Die Unverpassbaren, Woche 09 – 2021

‚Le vent tourne‘ Mélanie Thierry, derzeit auf Arte ‚En thérapie‘ © filmcoopi

Die Kinos sind weiterhin geschlossen. Hier ein paar Vorschläge für gute Streaming-Erlebnisse:

  1. Schwesterlein von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond. Die Krankheit des Zwillingsbruders bringt die Schwester wieder zu sich selber. Nina Hoss und Lars Eidinger sind magnetisch. Und Marthe Keller war noch nie so gut. Via myfilm.ch oder cinefile.ch
  2. Antoinette dans les Cévennes von Caroline Vignal. Gesprächstherapie mit Esel auf den Spuren von Robert Louis Stevenson. Erst gezielt nervig, dann hinreissend. Via myfilm.ch oder cinefile.ch
  3. The Nest von Sean Durkin. Eine Familie zieht in ein altes britisches Landhaus. Was aussieht und sich anfühlt wie solider Horror ist tatsächlich ein subtiles Familiendrama. Via cinefile.ch oder myfilm.ch
  4. Sin señas particulares von Fernanda Valadez. Eine Mexikanerin sucht nach ihrem Sohn, der bei seinem Migrationsversuch verschwunden ist. Ein ruhiger Film, der die Menschen hinter dem Horror wahrnimmt. Via filmingo.chrexbern.ch
  5. Le vent tourne von Bettina Oberli. Selbstbestimmtes Leben auf dem Oeko-Hof im Jura. Mit Mélanie Thierry, die derzeit auf arte «En thérapie» brilliert. Bevor Oberlis neuer Film ins Kino kommt jetzt noch mal via cinefile.ch oder myfilm.ch

Und im Filmpodcast morgen: Ab Berlinale Tides und Das Mädchen und die Spinne. Und noch einmal: Le vent tourne

PETITE MAMAN von Céline Sciamma (Berlinale 2021, Wettbewerb)

‚Petite Maman‘ von Céline Sciamma: Joséphine Sanz, Gabrielle Sanz © Lilies Films

Kindliches Spiel, «So tun als ob» und Filmemachen können magische Wirkung entfalten, das Herz berühren, oder Angst auslösen. Wir wissen ja nie, wem wir tatsächlich begegnen, wenn wir uns zu den Bildern in uns selber zurückziehen.

In den wieder überaus sorgfältig gestalteten siebzig Minuten von Céline Sciammas jüngstem Film braucht allerdings sich niemand zu fürchten, obwohl hier weder Trauer noch Schmerz ausgespart werden und schon gar nicht die kindlichen Ängste, die wir tagsüber so gut verdrängen. „PETITE MAMAN von Céline Sciamma (Berlinale 2021, Wettbewerb)“ weiterlesen

DAS MÄDCHEN UND DIE SPINNE von Silvan & Ramon Zürcher (Berlinale 2021, Encounters)

Lisa (Liliane Amuat) und Mara (Henriette Confurius) © Xenix

Willkommen in der Mitte. Sie liegt in Berlin, auch wenn tatsächlich in Bern gedreht wurde.

Das merkwürdige Kätzchen aus dem gefeierten Spielfilmerstling der Zürcher Brüder von 2013 ist auch wieder dabei, in diesem mittleren Teil der geplanten Familien-Trilogie.

Oder jedenfalls eine optisch verwandte Verwandte, die natürlich auch ein Kater sein könnte. „DAS MÄDCHEN UND DIE SPINNE von Silvan & Ramon Zürcher (Berlinale 2021, Encounters)“ weiterlesen

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc) von Radu Jude (Berlinale 2021, Wettbewerb)

Katia Pascariu © Silviu Gheti / Micro Film

Was für ein Trip! Dieser «Verrückten-Porno» des Rumänen Radu Jude (Vernarbte Herzen) ist – rein formal argumentiert – ein schlampig zusammengeschusterter Unfall, inhaltlich ein Pandemie-Seufzer und ganz sachlich der erste reguläre Maskenfilm in Kinolänge an einem Filmfestival. Aber er trifft.

Vor dem Filmtitel wird erst einmal ein per Mobifon gefilmter Amateur-Porno auf die Leinwand geschmissen. Ein Paar hat Sex mit Spielchen, ein wenig Blowjob, etwas Peitsche, ein wenig Doggy-Style. Zwischendurch hört man eine ältere Frauenstimme durch die Zimmertür quengeln, es geht wohl um das Kind des Paares. Das ist nicht übertrieben hübsch anzuschauen, aber auch nicht wirklich ungewöhnlich. Ausser als Anfang eines Berlinale-Wettbewerbsfilmes vielleicht. „BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc) von Radu Jude (Berlinale 2021, Wettbewerb)“ weiterlesen

TIDES von Tim Fehlbaum (Berlinale 2021, Special)

Nora Arnezeder in ‚Tides‘ von Tim Fehlbaum © Gordon Timpen / BerghausWöbke Filmproduktion GmbH

Zehn Jahre nach der spektakulären Erstlings-Premiere mit «Hell» am Filmfestival in Locarno feiert der Basler Regisseur Tim Fehlbaum im Rahmen des Berlinale Specials die Uraufführung seines Zweitlings. Gestern online für ein internationales Fachpublikum. Und im Juni dann an der geplanten Publikumsberlinale im echten Kinosaal. Tides heisst das postapokalyptische Science-Fiction Spektakel, «Gezeiten». Die schweizerisch-deutsche Koproduktion soll noch dieses Jahr international ins Kino kommen.

Tides beginnt mit einem Absturz, mit der dramatischen Bruchlandung einer Raumkapsel im endlosen Wattenmeer. „TIDES von Tim Fehlbaum (Berlinale 2021, Special)“ weiterlesen

MEMORY BOX  von Joana Hadjithomas & Khalil Joreige (Berlinale 2021, Wettbewerb)

Manal Issah © Haut et Court – Abbout Productions – Micro Scope

Am Weihnachtsabend wird in der Wohnung der dreizehnjährigen Alex im tief verschneiten Montreal ein grosses Paket angeliefert, adressiert an ihre Mutter Maia. Nach einem Blick auf den Absender würde die zu Besuch weilende Grossmutter die Paketannahme am liebsten verweigern – was natürlich erst recht die Neugier von Alex weckt.

Noch am gleichen Abend donnert der Karton in der Abstellkammer vom Gestell und ergiesst seinen Inhalt auf den Boden: Audiokassetten, Notizhefte, Tagebücher, Postkarten, Fotos. „MEMORY BOX  von Joana Hadjithomas & Khalil Joreige (Berlinale 2021, Wettbewerb)“ weiterlesen

Filmpodcast Nr. 688: The Nest, Antoinette dans les Cévennes, Sia’s Music, Lichtspiel Bern

Carrie Coon in ‚The Nest‘ von Sean Durkin © Ascot-Elite

Brigitte Häring hat The Nest gesehen, einen Horrorfilm, der keiner ist und trotzdem einfährt. Ich war mit Antoinette dans les Cévennes und will jetzt einen Esel. Elisabeth Baureithel hat sich Sias Music angeschaut. Und Georges Wyrsch war beim Lichtspiel Bern, jener analogen Truppe, die derzeit online voll aufdreht. Dazu Kurztipps wie gewohnt, und unsere Tonspur.

Hören:

Saugen: Filmpodcast Nr. 688 (Rechtsklick für Download)


filmpodcast

Den Filmpodcast können Sie via iTunesSpotify, Deezer oder direkt abonnieren.