ANATOMIE D’UNE CHUTE von Justine Triet

GOLDENE PALME CANNES 2023

© MK2 Films

Sandra Hüller und Justine Triet sind ein eingespieltes Team. In Triets Sibyl von 2019 spielte Hüller die Mika, die grossartige Parodie einer rabiat zielgerichteten deutschen Filmemacherin. Das war noch eine kleine, aber zentrale Rolle neben der dominierenden Virginie Efira.

Nun ist Sandra Hüller im Zentrum eines Gerichtsdramas mit Vorgeschichte, als rabiat zielgerichtete deutsche Schriftstellerin. „ANATOMIE D’UNE CHUTE von Justine Triet“ weiterlesen

THE OLD OAK von Ken Loach

Yara (Ebla Mari) © GoodFellas

Es ist erstaunlich, wie nahe einem die bewährte sozialutopische Formel des Teams Loach/Laverty immer wieder gehen kann.

Die präzise Zeichnung der britischen Gesellschaft am unteren Ende der gesellschaftlichen Prosperität, die Auslegeordnung der Ungerechtigkeiten und das gezielte Einfügen «störender» Elemente rufen die gewünschten Reaktionen ab. „THE OLD OAK von Ken Loach“ weiterlesen

LA CHIMERA von Alice Rohrwacher

Arthur (Josh O’Connor) und seine „Tombaroli“ © Ad Vitam

Als zweitletzter Film im Wettbewerb des Festivals von Cannes wurde heute die Schweizer Koproduktion La chimera von Alice Rohrwacher gezeigt. Es ist eine fantasievolle Ballade um italienische Grabräuber, Isabella Rosselini und Prinz Charles.

Der heutige King Charles kommt nicht wirklich vor in La chimera. Es ist Josh O’Connor, der britische Schauspieler, der Prince Charles in «The Crown» so anrührend verkörpert hat. „LA CHIMERA von Alice Rohrwacher“ weiterlesen

Filmpodcast Nr. 789: Roter Himmel, Petzold, l’îlot, Cannes

‚Roter Himmel‘ Thomas Schubert, Paula Beer © filmcoopi

Kino im Kopf – mit Brigitte Häring. Diese Woche mit einem vollgepackten Programm: Wir werfen erneut ein Ohr nach Cannes, zu Michael Sennhauser, der vom Filmfestival berichtet. Neu im Kino ist der Schweizer Film l’îlot, Georges Wyrsch hat ihn gesehen. Von Musikredaktorin Jenny Berg kommt ein Beitrag über das Anne-Sophie Mutter-Porträt Vivace. Neu im Kino ist auch der Spielfilm Roter Himmel des deutschen Regisseurs Christian Petzold – Michael Sennhauser hat mit ihm gesprochen. Von mir gibt’s die wöchentlichen Kurztipps und das Tonspurrätsel.

Hören:

Saugen: Filmpodcast Nr. 789 (Rechtsklick für Download)


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L’ÉTÉ DERNIER von Catherine Breillat

Léa Drucker, Samuel Kircher

Mit der Erfahrung von mehr als dreissig selbst geschriebenen Drehbüchern und über zwanzig Filmen in eigener Regie ist die 75 Jahre alte Catherine Breillat nicht nur handwerklich ein Profi.

Sie hat auch das politische Denken, die immer wieder demonstrierten analytischen Interessen im Hinblick auf gesellschaftliche Rollen und Normen, um mit ihren Filmen keine Zweifel aufkommen zu lassen.

Oder umgekehrt: Sie weiss genau, was sie tut. „L’ÉTÉ DERNIER von Catherine Breillat“ weiterlesen

PERFECT DAYS von Wim Wenders

Koji Yakusho als Hirayama und Arisa Nakano als seine Nichte Niko © The Match Factory

Was für eine schöne Überraschung! Wim Wenders’ jüngster Film, eine japanische Produktion, hat eine unerwartete Frische und Schönheit.

Hirayama (Koji Yakusho) ist ein Mann zwischen sechzig und siebzig. Er lebt alleine in einer kleinen Wohnung in Tokio und hat seine fixen Routinen. „PERFECT DAYS von Wim Wenders“ weiterlesen

Die Unverpassbaren, Woche 21 – 2023

‚Roter Himmel‘ – Leon (Thomas Schubert) schmollt, wegen Nadia (Paula Beer), in die er sich widerwillig verliebt hat © filmcoopi

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Roter Himmel von Christian Petzold. Selbstportrait des Regisseurs als junges Arschloch, grossartig in einen Sommer voller Drama und Verliebtheit eingebettet. Maximales Kino: erlösen können uns nur die Romantik und der Petzold.
  2. L’îlot von Tizian Büchi. Ein verspielter Dokumentarfilm, der aus einer Quartierecke am Bach in der Westschweiz einen die halbe Welt umfassenden Mikrokosmos macht. Mit Geheimnissen, Sorgen und Glücksmomenten.
  3. Les pires von Lise Akoka & Romane Gueret. Ist es ethisch vertretbar, Kinder aus einem sozialen Brennpunkt für einen Film zu casten? Die Regisseurinnen haben als Kindercoaches an Sets genau hingeschaut. Eindrücklich, nuanciert, reflektiert.
  4. El Agua von Elena López Riera. Über drei Generationen hinweg verbünden sich die Frauen in einem spanischen Dorf mit der Flut gegen das Patriarchat. Hinreissend hybrides Kino.
  5. Plan 75 von Chie Hayakawa. Eine Exit-Option für alle ab Alter 75 soll die japanische Volkswirtschaft entlasten – ein einfühlsames, pathosfreies Gedankenspiel zur sozialen Ächtung des unwirtschaftlichen dritten Alters.

Im Filmpodcast morgen: Filmfestival Cannes, l’îlot, Petzold und Roter Himmel

IL SOL DELL’AVVENIRE von Nanni Moretti

Mathieu Amalric, Nanni Moretti © Fandango e Sacher Film

Giovanni ist wahrscheinlich mehr als ein ein bisschen Nanni Moretti. Schliesslich hat er die Figur nicht nur geschrieben, er spielt sie auch. Giovanni ist Filmemacher, im Alter von Nanni Moretti. Er ist verheiratet mit Paola (gespielt von Morettis ewiger Film-Frau Margherita Buy), die alle seine Filme produziert hat.

Und jetzt will Giovanni einen Film machen über einen besonderen Zeitpunkt in Italien, im Jahr 1956, dem Jahr des «Ungarnaufstandes», der von der sowjetischen Armee mit Panzern niedergeschlagen wurde. „IL SOL DELL’AVVENIRE von Nanni Moretti“ weiterlesen

LA PASSION DE DODIN BOUFFANT von Tran Anh Hùng

Benoît Magimel, Juliette Binoche © Gaumont

Ein Gourmet ist nicht das gleiche wie ein Gourmand. Foodies sind sie beide, auch wenn sich zumindest der Gourmet eher nicht so bezeichnen würde.

Foodporn lieben sie alle. Und Foodporn für alle, das liefert Tran Anh Hùng in diesem Film en masse. Eigentlich fast ausschliesslich.

So dass die schiere Menge zum Problem werden kann. „LA PASSION DE DODIN BOUFFANT von Tran Anh Hùng“ weiterlesen

RAPITO (Kidnapped) von Marco Bellocchio

Paolo Pierobon (Pius IX) und Enea Sala (Edgardo) in ‚Kidnapped‘ (2023) © The Match Factory

Wie ich lernte, einen Papst zu hassen.

Es ist eine grausame Geschichte und eine ungewöhnliche Geschichtslektion, welche Marco Bellocchio mit Rapito auf die Leinwand bringt.

Am Beispiel der Entführung eines kleinen jüdischen Jungen aus einer Familie in Bologna durch den Vatikan erinnert Bellocchio an ein weiteres unglaubliches Kapitel christlicher Übergriffigkeit. „RAPITO (Kidnapped) von Marco Bellocchio“ weiterlesen

ASTEROID CITY von Wes Anderson

Jake Ryan, Jason Schwartzman und Tom Hanks © Universal

Da haben wir ihn wieder, den Wes Anderson. Das Internet ist voll von Parodien seines Stils und, seit es diese KI-Bildgeneratoren gibt, voll mit Bildern im unverkennbaren Wes-Anderson-Look.

Das liegt natürlich vor allem an der eindeutigen und sehr wieder erkennbaren Gestaltung, diesen Zentralperspektiven mit symmetrischem Aufbau, der Milkshake- und Diner-Ästhetik. „ASTEROID CITY von Wes Anderson“ weiterlesen