Cannes 13: ONLY LOVERS LEFT ALIVE von Jim Jarmusch
Von Michael Sennhauser | 25. Mai 2013 - 18:42

Tilda Swinton und Tom Hiddleston sind schon sehr lange Adam and Eve ©filmcoopi
Bei Jim Jarmusch braucht alles seine Zeit. Und wer hätte mehr davon als ein Untoter, ein Vampir? Tilda Swintons anderweltliche Schönheit prädestiniert die Schauspielerin für eine Rolle, welche einst Catherine Deneuve spielte, in Tony Scotts The Hunger, David Bowie an ihrer Seite.

Bei Scott war das allerdings Cutting Edge, unterkühlter Vampire Chic und die reine Tragik. Musste doch Deneuves Vampirin alle paar Jahrhunderte auf einen neuen Lover ausweichen. Weil die alle zwar nie starben, aber doch alterten, bis sie als lebende Mumien gelagert werden mussten. Weiterlesen »
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Cannes 13: MICHAEL KOHLHAAS von Arnaud des Pallières
Von Michael Sennhauser | 24. Mai 2013 - 15:09

Mads Mikkelsen, c’est lui, Michael Kohlhaas
Kleists Michael Kohlhaas als blindwütiger Rächer in Death Wish-Manier, mit Mads Mikkelsen in der Titelrolle, wunderschönen Pferden in wunderschöner Landschaft, mit Schwertern, Blut und Eichenlaub.

Nein, nein, nein. Natürlich nicht. Arnaud des Pallières ist ein belesener, kultivierter Mann, ein europäischer Franzose, nicht Michael Winner.
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Cannes 13: Die voreilige Bilanz mit Katja Nicodemus und Anke Leweke
Von Michael Sennhauser | 24. Mai 2013 - 12:49

Das Festival als Eigenmarken-Boutique und die Frauen in der Warteschleife? Wer definiert das Weltkino von Cannes – und wer finanziert es? Warum war die 66. Ausgabe kein Highlight? Ein paar Fragen und ein paar versuchte Antworten in einer fröhlichen Radiorunde mit Katja Nicodemus, Anke Leweke und Michael Sennhauser. Live ausgestrahlt heute Freitag um 10 Uhr auf SRF 2 Kultur, jetzt nachzuhören über die Links unten.

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Filmpodcast Nr. 338: Filmfestival Cannes, Claude Lanzmann, The Broken Circle, Wagner und Filmmusik
Von Brigitte Häring | 24. Mai 2013 - 08:00

‘The Broken Circle’ ©filmcoopi
Kino im Kopf mit Brigitte Häring. Das Filmfestival von Cannes läuft die zweite Woche. Michael Sennhauser berichtet – unter anderem von einem neuen Dokfilm des Shoah-Filmers Claude Lanzmann. Und von wohlstandsverwahrlosten Mädchen. Und ich habe den belgischen Kinohit The Broken Circle gesehen. Ausserdem hat Musikredaktorin Lislot Frey sich mit dem Musikwissenschaftler Arne Stollberg über Richard Wagner und die Filmmusik unterhalten. Kurztipps und Tonspur zum Erraten gibt’s natürlich auch.
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Cannes 13: NEBRASKA von Alexander Payne
Von Michael Sennhauser | 23. Mai 2013 - 16:36

Bruce Dern und Will Forte
Nur schon das Wiedersehen mit dem stets grossartigen Bruce Dern macht diesen jüngsten Film von Alexander Payne zu einem Vergnügen. Der 77jährige Veteran, einst auf Psychopathen und cholerische Ausraster spezialisiert, spielt Woody Grant, einen alten Alkoholiker, von dem die Frau und seine beiden erwachsenen Söhne den Eindruck haben, er sei nicht mehr so ganz zurechnungsfähig.

Insbesondere, als er sich zu Fuss auf den Weg aus Montana nach Nebraska machen will, weil er einen dieser Briefe mit dem “Sie haben gewonnen”-Trick erhalten hat. Woody will seine Million persönlich abholen, da seine Frau sich nachvollziehbar weigert, ihn zu fahren. Weiterlesen »
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Cannes 13: LA VIE D’ADÈLE – CHAPITRE 1 & 2 von Abdellatif Kechiche
Von Michael Sennhauser | 23. Mai 2013 - 14:43

Adèle Exarchopoulos, Léa Seydoux
Ungefilterter, keuchender, klatschender Sex zwischen zwei schönen jungen Frauen, eine Kamera, welche die Körper fast berührt – und keine Spur von Pornographie. Abdellatif Kechiche hat einen Blick, dem wir uns anvertrauen.

Intimität ist im Kino fast immer eine Behauptung. Da geschieht etwas auf der Leinwand, und wir schauen zu. Damit echte Intimität entsteht, müssen wir uns nicht nur selber dabei vergessen können, sondern auch noch die Perspektive wenigstens einer der Figuren übernehmen, denen wir zuschauen. In La vie d’Adèle ist es das Erleben der zum Filmbeginn 15jährigen Gymnasiastin Adèle, dem wir uns überlassen. Weiterlesen »
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Die Unverpassbaren, Woche 21
Von Michael Sennhauser | 23. Mai 2013 - 11:03

‘The Broken Circle’ ©filmcoopi
Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen.
- The Broken Circle von Felix Van Groeningen. Gefühlskino aus Belgien: Grosse Liebe und noch grössere Schicksalsschläge. Untermalt von wunderbarer Bluegrass-Musik. Wer das trockenen Auges übersteht, muss sehr abgebrüht sein.
- Boys Are Us von Peter Luisi. Das ist ein Teenager-Melodram. Aber ein cleveres. Und bestückt mit überzeugenden jungen Darstellerinnen und Darstellern.
- Paradies: Glaube von Ulrich Seidl. Der zweite Teil der Trilogie läuft jetzt parallel zum ersten:
- Paradies: Liebevon Ulrich Seidl. Das Höllische bei Seidl besteht wie immer darin, dass seine Inszenierung die Wirklichkeit so sehr auf den Kopf trifft, wie ein Hammer den Nagel.
- Dupã Dealuri – Beyond the Hills von Cristian Mungiu. Mungiu gelingt das Kunststück, Tarkovski zu evozieren und dabei sich selber treu zu bleiben. Ein grossartiger Film um Glaube, Wahn, Exorzismus und Selbstverlust.
Im Filmpodcast morgen mehr zu The Broken Circle und Claude Lanzmanns Le dernier des injustes in Cannes.
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Cannes 13: GRIGRIS von Mahamat-Saleh Haroun
Von Michael Sennhauser | 22. Mai 2013 - 17:29

Souleymane Démé als Grisgris
Dass ein Film wie Grigris überhaupt noch entstehen kann, sollte eigentlich ein Grund für Freude sein. Tatsächlich aber packt mich immer häufiger die Trauer, wenn wieder so ein braver Zombie an einem Festival auftaucht. Vor 25 Jahren entstanden sie, in vielen afrikanischen Ländern, meist mit Hilfe Frankreichs, was Produktion und Distribution und vor allem das Publikum anging. Es war eine Zeit des Aufbruchs – und sie hat nirgendwo hin geführt.

Das “afrikanische” Kino, oder was wir einmal dafür gehalten haben, brachte bewegende und teilweise grossartige Filme hervor, Filme, welche in Europa Aufmerksamkeit erregten, und ihren Autoren eine Basis für mehr oder weniger kontinuierliche Arbeit boten. Und ihnen einen Ruf in der Heimat einbrachten, von dem sie zehren und auf den sie aufbauen konnten. Gleichzeitig war das zumindest zum Teil eine ungewollte Weiterführung der Kolonialisierung Afrikas durch den europäischen Kulturbetrieb.
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Cannes 13: ONLY GOD FORGIVES von Nicolas Winding Refn
Von Michael Sennhauser | 22. Mai 2013 - 14:58

Ryan Gosling is up for it
Es gibt ein paar urkomische Momente in diesem gefriergetrockneten Hochglanznütteli. Kurz bevor der diabolische Chefpolizist (Vithaya Pansringarm) einen der Drogen-Handlanger mit stählernen Essstäbchen an seinen Sessel nagelt, ihm die Augen aufschlitzt und einen Eispickel ins Ohr schiebt, fordert einer der Unterpolizisten die im Nachtclub anwesenden Damen dazu auf, die Augen zu schliessen.

Und als Ryan Goslings Julian seiner eiskalten Mutter (Kristin Scott Thomas) beim Nachtessen seine Gefährtin vorstellt, und diese der Mama auf Nachfrage erklärt, sie sei Entertainerin, fragt die blondierte Mama: “And how many cocks at once can you entertain with that cute little cumdumpster of yours?”
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Cannes 13: BEHIND THE CANDELABRA von Steven Soderbergh
Von Michael Sennhauser | 21. Mai 2013 - 18:08

Michael Douglas als Liberace
Es soll Steven Soderberghs letzter Film sein, bevor er sich in die Malerei zurückzieht. Und produzieren konnte er ihn auch nur dank HBO, weil sich keiner der us-amerikanischen Kino-Player an die Schwulitäten einer Liberace-Geschichte herangetraute. In einem der Trade-Papers hier in Cannes wurde denn auch der Ausspruch von Steven Soderbergh zitiert, dass es einigen Leuten wohl schon etwas zu viel sein könnte, Jason Bourne auf Gordon Gekko zu sehen.

Tatsächlich sind die Verwandlungen der beiden Schauspieler und ihr sichtliches Vergnügen an den doch ziemlich irren Rollen das Beste an diesem Film. Was nicht heisst, der Rest sei schlecht. Behind the Candelabra erzählt die reale Geschichte des schwulen Pomp-Pianisten Liberace, dessen Manager erfolgreich alle Medien verklagte, welche behaupteten, der Mann sei schwul. Und Soderbergh macht daraus eine exemplarische Geschichte mit viel Witz und Drama.
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