I LOVE YOU, I LEAVE YOU von Moris Freiburghaus

Dino Brandão und sein Vater © outside the box

Zehn Jahre nachdem sie gemeinsam den Kurzfilm Paradox gemacht hatten, erreichte Moris Freiburghaus eine SMS von seinem Jugendfreund Dino Brandão: «Es wird Zeit für Teil 2». Der Musiker schickte sie aus der psychiatrischen Klinik, in der er wegen einer weiteren manischen Phase gelandet war.

Eine der Grundregeln des Dokumentarfilms verlangt, dass über das Medium dokumentiert wird, nicht interveniert. Was gerade dann besonders wichtig scheint, wenn sich der fertige Film in seiner Wirkung als wahrhaftige Dokumentation nicht angreifbar machen soll. Dazu kommt, dass ein Ziel vieler Dokumentarfilme letztlich dann eben doch die Intervention sein dürfte, das Herbeiführen einer veränderten Perspektive auf ein Phänomen, ein Unrecht, ein Unglück.

I love you, I leave you lässt sich und seinem Publikum zunächst nicht viel Zeit zur Reflexion solcher Fragen, unter anderem, weil er sie dauernd paradox beantwortet. Oder mit anderen Worten: Weil er in seiner Verzweiflung mitreisst. „I LOVE YOU, I LEAVE YOU von Moris Freiburghaus“ weiterlesen

AFTER DARKNESS von Dominique Othenin-Girard und Sergio Guerraz

Julian Sands und John Hurt in ‚After Darkness‘ © filmo

Dominique Othenin-Girard ist einer der wenigen Schweizer Regisseure, die im internationalen Filmbusiness Fuss fassen konnten. Daran war sein Erstlingsfilm von 1985 nicht unbeteiligt. After Darkness erzählt mit John Hurt und Julian Sands, zwei veritablen Stars jener Zeit, in den Hauptrollen die Geschichte zweier Brüder im Psycho-Kampf um Liebe.

John Hurt spielt den britischen Anthropologen Peter Huniger, der in Genf seinen jüngeren Bruder Lawrence nach dessen wiederholten Suizidversuchen aus der Klinik holt und mit ihm in einem alten Bürogebäude eine Art therapeutische Wohngemeinschaft aufzieht. Das geht so lange gut, bis Peters Kollegin und zeitweilige Bettgenossin Pascale (Victoria Abril fünf Jahre vor Almodóvars Átame! sie international bekannt machte) die Eifersuchtskindheitstraumata der Brüder erneut ausbrechen lässt. „AFTER DARKNESS von Dominique Othenin-Girard und Sergio Guerraz“ weiterlesen

BILDER IM KOPF von Eleonora Camizzi

© am Limit GmbH

Ist es «paranoide Schizophrenie»? Vincenzo Camizzi, genannt «Vinci», erklärt seiner Tochter, er habe eine Diagnose. Das heisst: Er hat eine bekommen, vor vielen Jahren. Mit dem Label, den Wörtern, war und ist er nicht einverstanden.

Viel später in diesem schlichten, hinreissenden Dokumentarfilm wird er einmal erklären, was abgeht, wenn die Bilder im Kopf seine Wahrnehmung bestimmen. Da seien fünf Typen lautstark am Streiten miteinander. Alle seien Diktatoren. Und alle sähen sie aus wie er. „BILDER IM KOPF von Eleonora Camizzi“ weiterlesen

Duisburg 15: WIE DIE ANDEREN von Constantin Wulff

Wie_die_anderen_01

Die Psychiatrie, dieser Ort jenseits des Alltags. Und erst die Jugendpsychiatrie! Völlig jenseits. Unbekannt. Unheimlich. Kann man da filmen? Willigen Kinder und Jugendliche ein, da mitzuwirken? Machen Ärztinnen und Pfleger mit?

Constantin Wulff wusste es nicht sicher. Sein Dokumentarfilm In die Welt (2008) über eine Wiener Geburtsklinik war nicht nur grossartig, er zeigte auch ein grossartiges Spital und einen Ort der grossen Hoffnungen.

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