Keine Bundesgelder mehr für das ZFF

Das ZFF-Leitungsteam Karl Spoerri und Nadja Schildknecht an der PK für die Ausgabe 2017 © Zurich Film Festival / Michela Di Savino

Das Zürich Film Festival ZFF wird künftig keine Bundessubventionen mehr erhalten. Dies hat Daniel Menna, der stellvertretende Leiter Kommunikation des Bundesamtes für Kultur BAK heute auf Anfrage von SRF 2 Kultur bestätigt.

Das Zürich Film Festival ist seit 2016 zu 52% im Besitz der NZZ Mediengruppe. Da durch diese Mehrheitsübernahme die für die bisherige Leistungsvereinbarung zwischen ZFF und BAK nötige Einsicht in die Geschäftszahlen der Zürich Film Festival AG und der zugehörigen Vermarktungsgesellschaft Spoundation Motion Picture AG aufgrund der beim Unternehmen NZZ üblichen Governance nicht mehr gegeben ist, konnte die Leistungsvereinbarung mit dem Bundesamt für Kultur nicht erneuert werden, erklärt Menna.

Für die Jahre 2017 bis 2020 waren je 250’000 Franken an Bundessubventionen für das ZFF budgetiert, die entfallen nun schon ab diesem Jahr.
Das ZFF ist finanziell via Sponsoring recht gut aufgestellt, die öffentliche Hand trug in den letzten Jahren nur etwa 11 Prozent des gesamten Budgets bei.

Eine Antwort auf die kurzfristige Anfrage von SRF 2 Kultur beim Zürich Film Festival steht noch aus.

Nachtrag von ZFF-Ko-Leiter Karl Spoerri von 20:22 Uhr via E-Mail: „Wir gewähren sehr wohl Einsicht in die ZFF AG“

Berlinale 18: MORITZ DE HADELN – MISTER FILMFESTIVAL von Christian Jungen

Christian Jungen: Moritz de Hadeln – Mister Filmfestival. Verlag Rüffer und Rub, 2018

Wenn Dieter Kosslick nächstes Jahr seine letzte Berlinale als Direktor eröffnet, hat er eine ausdauernde Amtszeit hinter sich. Aber seinen Vorgänger wird er rein numerisch nicht übertrumpfen.

Pünktlich auf den Start der 68. Berliner Filmfestspiele ist eine Biographie erschienen über das Leben jenes Mannes, der die Berlinale ab 1979 zweiundzwanzig Jahre lang geleitet hat: Der Schweizer Moritz de Hadeln. Recherchiert und geschrieben hat das Buch Christian Jungen, Filmhistoriker und Kulturchef der NZZ am Sonntag. Sieben Jahre Arbeit stecken in den fast 500 Seiten zu «Moritz de Hadeln – Mister Filmfestival». „Berlinale 18: MORITZ DE HADELN – MISTER FILMFESTIVAL von Christian Jungen“ weiterlesen

Zürcher Filmpreise 2016

Cadrage 2016: Die automatischen Gewinnerinnen von Succès Zürich © sennhauser
Cadrage 2016: Die automatischen Gewinnerinnen von Succès Zürich © sennhauser

Die «Cadrage 2016» holte heute die Zürcher Filmszene in ihren vitalen kleinen Aussenposten Winterthur. Im Kino im «Kesselhaus» gleich hinter dem Bahnhof wurden in einer fast so straffen Zeremonie wie Anfang dieser Woche in Basel die Preise vergeben, die kommissionierten und die automatischen. Fünfunddreissigtausend Franken sprach die Zürcher Filmkommission, welche die Gesamtsumme von 100’000 Franken beliebig aufteilen kann, Susanne Regina Meures für Raving Iran zu. Je 20’000 Franken gingen an Annina Furrer für Dem Himmel zu nah, und an Eva Vitija für Das Leben drehen, der am Montag schon in Basel abgeräumt hatte. 15’000 Franken gingen an Jan Gassmann für Europe – She Loves und 10’000 Franken in Anerkennung der Ausstattung an Xavier Kollers Schellen-Ursli.

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Ausschreibung Zürcher Filmpreise 2016 (Medienmitteilung)

Zürcher Filmpreis 2015 für den Film «Iraqi Odyssey» von Samir, Zürich (Produktion: Dschoint Ventschr, Zürich) © SRF
Zürcher Filmpreis 2015 für den Film ‚Iraqi Odyssey‘ von Samir, Zürich (Produktion: Dschoint Ventschr, Zürich) © SRF

Die Stadt Zürich zeichnet dieses Jahr wiederum herausragende Leistungen des professionellen und unabhängigen Filmschaffens mit den «Zürcher Filmpreisen» aus. Bis spätestens 30. Juni können Zürcher Produktionsfirmen oder Filmschaffende ihre aktuellen Werke zur Visionierung durch die Filmkommission der Stadt Zürich anmelden. Zugelassen sind Filme aller Genres, die einen künstlerischen Gestaltungsanspruch haben und für eine Kino- bzw. Festivalauswertung vorgesehen sind.

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Locarno 14: Palazzo del Cinema della Repubblica?

Der geplante Palazzo del Cinema in Locarno (Projektvisualisierung)
Der geplante Palazzo del Cinema in Locarno (Projektvisualisierung)

Auf das neue Festivalcenter wartet Locarno schon seit Jahren. Letztes Jahr wurde das Siegerprojekt vorgestellt, dieses Jahr wurden neue Partner und Investoren genannt. Aber dauern wird das immer noch wer weiss wie lange genau.

Allerdings hängen jetzt Plakate mit einer Visualisierung der künftigen Fassade und die zeigen eine verblüffende Kombination. Der Künftige Kinopalast sieht darauf aus, als ob die Berliner ihren langjährigen Streit um den Abriss des Palastes der Republik und die Wiedererrichtung des Stadtschlosses beigelegt hätten – mit einem Kompromiss: Stadtschlossfassade mit Palast-der-Republik-Aufbau, natürlich mit Leopardenmuster:

Palast der Republik DDR 1977 © wikimedia CC BY-SA 3
Palast der Republik DDR 1977 © wikimedia CC BY-SA 3

Reflexe Diastor: Haben digitale Filmarchive Zukunft?

Barbara Flückiger (1) Markus Fischer (2) Frédéric Maire (3) Martin Körber (4)
Barbara Flückiger (1) Markus Fischer (2) Frédéric Maire (3) Martin Körber (4)

In unseren Kinos haben Festplatten die Filmrollen innert kürzester Zeit verdrängt, ältere Filme können die wenigsten noch vorführen. Die Digitalisierung der Bestände der Kinematheken ist unumgänglich, aber längst nicht so zukunftssicher, wie man glauben würde. Wir verlieren unser filmisches Erbe.

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Cannes 14: Die Zwickmühle der Jane Campion

Cannes 2014 affiche

Die grosse Jury des Filmfestivals von Cannes präsidieren zu dürfen, das ist so etwas wie eine cineastische Erhebung in den Adelsstand. Und gleichzeitig profitiert immer auch das Festival von den klingenden Namen in der Jury.

Und natürlich ranken sich viele medial genüsslich perpetuierte Gerüchte um die diversen Juries. Von Diktaten und Einflussnahmen seitens der Festivalleitung ist die Rede, von vorab versprochenen Palmen, von fürstlichen Honoraren und königlicher Unterbringung. Das meiste ist Mumpitz – aber alles davon ist dem leicht entrückten Bild einer schwebenden, gottähnlichen Kino-Instanz zuträglich.

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Zum Tod von Georg Janett

janett

Gestern ist mit 76 Jahren eine der Vaterfiguren des neuen Schweizer Films gestorben. Dies teilte sein Verband, das Schweizer Syndikat Film und Video mit. Dass einer der Filmfachverbände den Tod eines langjährigen Mitglieds noch am gleichen Tag vermeldet, kommt eher selten vor und zeigt deutlich, welchen Stellenwert Janett in der Branche hatte.

Georg Janett war Cutter, Regisseur, Filmemacher, Filmpolitiker, vor allem aber war er aktiv und kommunikativ. Die Liste der Filme, an denen er beteiligt war, ist lang und eindrücklich. Aber in Erinnerung bleibt er den meisten von uns als streitbarer, bisweilen bärbeissiger Verfechter der Idee, Film sei eine soziale Kunst, ein unverzichtbarer Teil unserer politischen Kultur.

Wenn an den Solothurner Filmtagen im Saal oder im Kreuz diskutiert wurde, gehörte eine Wortmeldung von Georg Janett dazu. Und in den letzten Jahren wurde er immer mehr zum Doyen des kämpferischen Geistes, der diese Filmtage seinerzeit hervorgebracht hatte. In einer zunehmend reglementierten, subventionierten und professionalisierten Filmwelt (die er notabene mitgeschaffen hatte), wirkte er immer häufiger wie die mahnende Stimme eines kulturpolitischen Gewissens aus einer Zeit, die heute von der einen Seite gerne romantisiert, von der anderen („Norwegerpulli…“) mit leichtfertigem Spott bedacht wird.

Georg Janett war unbequem. Als junger Redaktor des Branchenheftes Ciné-Bulletin fürchtete ich seine (seltenen) Anrufe zur Richtigstellung gewisser Fakten oder auch Meinungen. Und ich war stolz, als er mich zum ersten Mal an irgendeinem Anlass freundlich ansprach.

Wenn nächsten Donnerstag die 49. Solothurner Filmtage beginnen, wird Georg Janett schmerzlich fehlen.

Hier die offizielle Mittteilung des SSFV:

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