Deutsche Filmpreise 2016 für Schweizer

Markus Nestroy mit seinem Filmpreis © Tinnefeld
Markus Nestroy mit seinem Filmpreis © Tinnefeld

Dem deutschen Filmpreis geht es ähnlich wie den Schweizer Filmpreisen: Das öffentliche Interesse daran ist mässig, die Streuung breit, die Vergabe-Zeremonie seit Jahren verbesserungswürdig. Aber gestern Abend strahlte ein wenig des Glanzes über die Grenze. Alain Gsponers Heidi bekam den Preis für den besten Kinderfilm. Und Nicolas Steiners Above And Below ist nicht nur der beste deutsche Dokumentarfilm, Steiners Kameramann Markus Nestroy (aus Österreich) bekam auch die Lola für die beste Bildgestaltung. Nicht im Dokumentarfilm, sondern überhaupt. Mit sechs Preisen der grosse Abräumer des Abends war Der Staat gegen Fritz Bauer.

Filmpodcast Nr. 474: Money Monster, Tomorrow/Demain, Cannes-Palmen, Florence Foster Jenkins

'Money Monster' George Clooney, Julia Roberts und Jodie Foster © Disney
‚Money Monster‘ George Clooney, Julia Roberts und Jodie Foster © Disney

Heute mit George Clooney und Julia Roberts in Jodie Fosters Money Monster, und mit Tomorrow, der im französischen Original natürlich Demain heisst und uns für eine ökologischere Zukunft begeistern möchte. Dazu ein kurzer Rückblick auf die seltsamen Preise des Filmfestivals von Cannes. Und mit der schlechtesten Sängerin der Welt, die sich auf dem Weg ins Kino befindet. Kino-Kurztipps haben wir auch. Und die Tonspur aus dem Filmarchiv.

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Die Unverpassbaren, Woche 21 – 2016

'Julieta'-Regisseur Pedro Almodóvar © Pathé
‚Julieta‘-Regisseur Pedro Almodovar © Pathé

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Julieta von Pedro Almodóvar. Der Spanier läuft mit seinem jüngsten Film zu alter Form auf. Eine Mutter-Tochter-Beziehung in Extremform. Satt, farbig, tragisch, melodramatisch.
  2. Los amantes de Caracas von Lorenzo Vigas. Unsentimentale Liebesgeschichte zwischen einem älteren Mann mit Berührungsängsten und einem Strassenjungen. Zärtlich und brutal, versöhnlich bis zum Verrat. In Schauspiel und Bildsprache umwerfendes Kino aus Südamerika.
  3. Trois souvenirs de ma jeunesse von Arnaud Desplechin. Zwanzig Jahre nach seiner erfolgreichen Selbst- und Freundes-Reflexion Comment je me suis disputé (ma vie sexuelle) bastelt sich der Regisseur eine semifiktionale Vorgeschichte.
  4. Das Leben drehen von Eva Vitija. Ein Dokumentarfilm über den manisch familienfilmenden Vater der Schweizer Filmemacherin. Keine Abrechnung, sondern eine gelungene Liebeserklärung mit eingebauter Teufelsaustreibung.
  5. Wild von Nicolette Krebitz. Die Frau und der Wolf. Provokativ realistisch, verstörend traumartig, eine Selbstauswilderung.

Und im Filmpodcast morgen: Money Monster, Tomorrow (Demain), CannesPalmengespräch

Cannes 16: Zweite Goldene Palme für Ken Loach – Le palmarès

Ken Loach mit seinem Palmenzertifikat für 'I, Daniel Blake'
Ken Loach mit seinem Palmenzertifikat für ‚I, Daniel Blake‘

Nach der goldenen Palme, welche Ken Loach für The Wind that Shakes the Barley 2006 gewonnen hat, und den viele als eine Art Preis für sein Lebenswerk empfunden hatten, hat der 79jährige britische Altmeister des sozialen Agitprop-Kinos nun die Palme d’or für einen „richtigen“ Loach gewonnen:

Palme d’Or I, Daniel Blake von Ken Loach

Cannes_Balken_2016

Grand Prix: Xavier Dolan, C’est juste la fin du monde
Regiepreis: Cristian Mungiu, Bacalauréat und Olivier Assayas, Personal Shopper
Bestes Drehbuch: Asghar Farhadi, The Salesman
Beste Darstellerin: Jaclyn Jose, Ma’Rosa
Jury Preis: Andrea Arnold, American Honey
Bester Darsteller: Shahab Hosseini, The Salesman

Damit hat die Jury einmal mehr hauptsächlich anders entschieden, als es sich die versammelten Medienvertreter gewünscht hätten. Das hat, wie immer, mit dem Unterschied zwischen Innen- und Aussenblick zu tun. Schliesslich bestand die diesjährige Jury aus lauter Schauspielerinnen, Produzentinnen, Filmemacherinnen.

Cannes 16: FORUSHANDE (The Salesman) von Asghar Farhadi (Wettbewerb)

Taraneh Alidoosti, Shahab Hosseini © frenetic
Taraneh Alidoosti, Shahab Hosseini © frenetic

Warum ausgerechnet der Arthur-Miller-Klassiker „Death of a Salesman“ das Strukturgerüst für Farhadis jüngstes Familiendrama liefert, erschliesst sich nicht ohne weiteres. Vielleicht hat er ein universal bekanntes Drama gesucht, vielleicht hat das Stück im Iran eine besondere Bedeutung. Aber Farhadis Meisterschaft bei der Inszenierung familiärer Beziehungen spiegelt sich gut in Millers fast siebzig Jahre alten Drama.

Cannes_Balken_2016

Der Film setzt ein mit den letzten technischen Bühnenvorbereitungen für eine Neuinszenierung des Stücks in Teheran. Scheinwerfer werden gerichtet, Beleuchtungsvarianten ausprobiert. Die spielende Truppe setzt sich aus sehr unterschiedlichen Männern und Frauen zusammen, die meisten von ihnen haben neben ihrer Leidenschaft noch einen Brotjob, wie sich herausstellt.

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Cannes 16: ELLE von Paul Verhoeven (Wettbewerb)

Isabelle Huppert © frenetic

Der Roman von Philippe Djian trägt den Titel „Oh…“. Aber der Film heisst Elle. Elle, c’est Isabelle Huppert. Und Huppert-zentriert ist diese abgründig schwarze Komödie tatsächlich.

Cannes_Balken_2016

Niemand ausser dieser furchtlosen Präzisionsschauspielerin hätte diese Rolle so spielen können. Michèle leitet eine erfolgreich Videogame-Schmiede. Sie hat alles im Griff, ist souverän, spöttisch, effizient. Und das bleibt sie auch, nachdem sie in ihrer Villa von einem maskierten Eindringling brutal vergewaltigt wurde.

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Cannes 16: THE LAST FACE von Sean Penn (Wettbewerb)

Javier Bardem und Charlize Theron in 'The Last Face' von Sean Penn © Impuls
Javier Bardem und Charlize Theron in ‚The Last Face‘ von Sean Penn © Impuls

Der erste Buhruf kam in der Salle Lumière schon nach zehn Sekunden, vor dem ersten Bild. Da stand etwas von dem schrecklichen Leiden in Afrika auf der Leinwand, dem Leid, von dem niemand in der Welt etwas mitbekommen hätte. Hätte es da nicht diese grosse, schreckliche Liebe zwischen einer Frau und einem Mann gegeben.

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Sean Penns Film ist doppelt unerträglich. Zum einen, weil er einen Teil des Horrors der unzähligen Kriege, Fehden, Genozide auf die Leinwand bringt. Kindersoldaten, Leichenberge, Strassensperren aus Gedärmen. Zum anderen, weil er das alles zum Hintergrund degradiert für eine Liebesgeschichte zwischen einer schönen blonden Frau und einem feurigen männlichen Mann – beide weiss, mit Namen versehen und mit sogenannten Backstories.

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Filmpodcast Nr. 473: Julieta, Filmfestival Cannes, Weltuntergang im Kino

Der schönste aller Kino-Weltuntergänge: 'Melancholia' von Lars von Trier
Der schönste aller Kino-Weltuntergänge: ‚Melancholia‘ von Lars von Trier

Kino im Kopf, am Projektor: Brigitte Häring. In Cannes geht das Rennen um die Goldene Palme bald zu Ende: Michael Sennhauser ist dort und hat viele Filme gesehen. Unter anderem Julieta von Pedro Almodóvar, der jetzt bereits im Kino bei uns läuft, und etliche andere. Ausserdem hören wir, warum im Kino immer mal wieder die Welt untergeht, in einem Beitrag von Günter Kaindlstorfer. Und ich habe für Sie, wie jede Woche, fünf Kino-Kurztipps und eine Rätseltonspur.

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Cannes 16: JUSTE LA FIN DU MONDE von Xavier Dolan (Wettbewerb)

Cotillard, Cassel, Ulliel, Seydoux, Baye © Praesens
Cotillard, Cassel, Ulliel, Seydoux, Baye © Praesens

Das kanadische Wunderkind inszeniert ein Theaterstück von Jean-Luc Lagarce wie eine Oper ohne Gesang. Aber mit viel Musik und mit einer Perlenkette von Stars: Nathalie Baye, Vincent Cassel, Gaspard Ulliel, Marion Cotillard und Léa Seydoux.

Cannes_Balken_2016

Die tragische Schönheit der Kameliendame ist ihr bevorstehender Tod. Und beim schwulen jungen Schriftsteller Louis (Ulliel) ist das nun auch so. Louis hat sich entschieden, seine Mutter und seine Geschwister zu besuchen, die er jahrelang nicht mehr gesehen hat.

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