Berlinale 18: ISLE OF DOGS von Wes Anderson (Wettbewerb)

© 2018 Twentieth Century Fox

Man möchte bellen vor Vergnügen. Das ist ein Film für Hündeler und Menscheler. Ein echter Wes Anderson, animiert, lakonisch getextet, und mit jener kindlich explorersüchtigen Exotik, in die uns noch jedes seiner Werke entführt hat.

Diesmal ist das Wunderland Japan, jenes Japan, das aus allen Pop-Facetten besteht, Yakuza und Manga, Trommler und klassische Gemälde, Sagen und Gegenwart, aus Robotern, Wissenschaftlern, Hunden, Katzen und dem Jungen Atari (ja, Atari). „Berlinale 18: ISLE OF DOGS von Wes Anderson (Wettbewerb)“ weiterlesen

Animation in Annecy, Ausgabe 2017

(Refrain im Lied des Sponsor-Trailers zu Beginn aller Vorstellungen)

Von Rolf Bächler

Wenn jemand meint, ein Festival, auch wenn es schon sehr gross ist, hätte Wachstums- oder Sättigungsgrenzen, so ist Annecy bestrebt, von Mal zu Mal das Gegenteil zu beweisen: Erweiterung der Anzahl und Definition der Kurzfilmwettbewerbe (will heissen unumgänglich für den Berichterstatter). Erhöhung der Zahl der Leinwände im Zentrum, von sechs auf acht (von insgesamt zwölf, plus vier unter freiem Himmel). Ausdehnung auch der Anwendungsbereiche des animierten Bilds: Neu zählen auch Virtual-Reality-Produktionen, die sich seiner bedienen, unter dem Etikett vr@annecy zur offiziellen Selektion. Ausserdem hat die Zahl der Akkreditierungen die symbolische Schwelle von 10‘000 überschritten. „Animation in Annecy, Ausgabe 2017“ weiterlesen

Zwei Césars für MA VIE DE COURGETTE

Claude Barras, Courgette, César, Céline Sciamma

Bei der Verleihung der wichtigsten französischen Filmpreise gestern Abend in Paris hat Ma vie de Courgette des Wallisers Claude Barras den César für den besten Animationsfilm gewonnen. Und den für das beste adaptierte Drehbuch für Claude Barras und seine Co-Autorin Céline Sciamma. Und nun muss das Team nach durchgefeierter Nacht nach Los Angeles fliegen und an der Oscar-Verleihung in der Nacht auf Montag noch einmal fiebern. Wenn auch mit deutlich weniger Chancen als gestern.

Den gleichen Parcours absolviert übrigens auch Schauspielerin Isabelle Huppert. Auch sie war gestern in Paris, wo ihr Film Elle von Paul Verhoeven als bester Film ausgezeichnet wurde. Und sie einmal mehr als beste Darstellerin. Im Januar wurde Huppert für ihre Rolle in Elle schon bei den Golden Globes ausgezeichnet. Und für den Oscar morgen Nacht ist sie ebenfalls nominiert.

Alle Césars gibt es auf der Webseite der französischen Académie.

Cristal d’Annecy und Publikumspreis für MA VIE DE COURGETTE

Claude Barras und Max Karli (Rita Prod.) bei der Preisverleihung (Publikumspreis) durch Peter Lord und David Sproxton von Aardman (rechts), links aussen der künstlerische Direktor des Festivals, Marcel Jean
Claude Barras und Max Karli (Rita Prod.) bei der Preisverleihung (Publikumspreis) durch Peter Lord und David Sproxton von Aardman (rechts), links aussen der künstlerische Direktor des Festivals, Marcel Jean

Nach der prestigeträchtigen Einladung in die Quinzaine des réalisateurs in Cannes hat der schweizerisch-französische Animationsfilm Ma vie de Courgette von Claude Barras nun letzte Woche am Animationsfilmfestival in Annecy abgeräumt. Die Westschweizer Medien haben das Ereignis gefeiert. In der Deutschschweiz reichte es gerade noch für ein paar Meldungen. (mis) „Cristal d’Annecy und Publikumspreis für MA VIE DE COURGETTE“ weiterlesen

Die Evolution der Disney Prinzessin

Evynne Hollens ist Sängerin und Youtube Star, mal solo, mal mit ihrem Mann Peter zusammen. In diesem Clip hat sie sich die Disney-Prinzessinnen über die Jahre hinweg vorgeknöpft. Musikalisch scheint mir das nicht umwerfend, da hat sie schon höher gegriffen. Erschwerend kommt dazu, dass die Songs der Disney Filme meist deutlich konservativer sind als die Heldinnen, die doch eine deutliche Entwicklung durchgemacht haben. Vielleicht zeigt das Medley sogar gerade diese Komponente des Disney-Business-Models: Die Heldinnen mögen selbständiger, direkter und unabhängiger werden in den Filmen. Musikalisch werden sie immer noch mit dem Konzept «Prinzessin» verknüpft. Und da muss dann selbst Merida noch vom Prinzen träumen…

Animationsfilmer Ernest ‚Nag‘ Ansorge ist gestorben

Nag Ansorge © GSFA Jean Mayerat
Nag Ansorge © GSFA Jean Mayerat

von Rolf Bächler

Ernest, genannt Nag Ansorge ist am Stephanstag, dem 26. Dezember, zwei Monate vor seinem 89. Geburtstag in Lausanne verstorben.

Nag Ansorge, der Doyen des Schweizer Animationsfilms, hat den langen Film seines Lebens vollendet. Er hinterlässt uns ein umfangreiches, im Wesentlichen in symbiotischer Komplizenschaft mit seiner schon 1993 verschiedenen Frau Gisèle erschaffenes Werk von unglaublicher Vielfalt. „Animationsfilmer Ernest ‚Nag‘ Ansorge ist gestorben“ weiterlesen

Jacqueline Veuve (1930-2013), Animationsfilmschaffende

Willhelm Tell in 'Swiss Graffiti' von Jacqueline Veuve
Willhelm Tell in ‚Swiss Graffiti‘ von Jacqueline Veuve

von Rolf Bächler

Der unabhängige Schweizer Animationsfilm, beziehungsweise das, was wir heute darunter verstehen, nahm seinen Anfang in den späten 50er- und den 60er-Jahren des 20.Jahrhunderts, um die Zeit, als auch Annecy auf der internationalen Bildfläche erschien. Abgesehen von ein paar Damen in “gemischten Doppeln” – Gisèle Ansorge, Eva Haas, Janine Suba, Nicole Perrin, u.a. – war er jedoch lange Zeit eine rein männliche Angelegenheit. Erst 1975 zeichnete Jacqueline Veuve, die weitherum geachtete, kürzlich verstorbene filmende Ethnografin, als erste Schweizerin für einen unabhängigen (d.h. aus eigenem Antrieb, weder im Auftrag noch an einer Schule produzierten) persönlichen Animationskurzfilm, ohne die Autorenschaft mit einem Mann zu teilen: Swiss Graffiti. „Jacqueline Veuve (1930-2013), Animationsfilmschaffende“ weiterlesen

LE MAGASIN DES SUICIDES von Patrice Leconte

Le magasin des suicides copy frenetic

von Rolf Bächler

Le Magasin des suicides ist der erste Ausflug des renommierten französischen Realfilmregisseurs Patrice Leconte in die Gefilde der Animation. Leconte ist für seine Leichtigkeit im Umgang mit Humor jeder Schattierung bekannt, unabdingbares Erfordernis für das Gelingen einer Adaption von Jean Teulés gleichnamigem Roman. Eine Art verlorener Sohn, hat er ausserdem, bevor er den Sprung zum Film schaffte, für die legendäre Comic-Wochenzeitschrift Pilote gezeichnet, die damals unter der Leitung von René Goscinny („Asterix“, „Lucky Luke“, etc.) stand. Dennoch… „LE MAGASIN DES SUICIDES von Patrice Leconte“ weiterlesen