DEINE STRASSE von Güzin Kar (Berlinale 2021, Shorts)

‚Deine Strasse‘ © Güzin Kar

Hinschauen, nicht weg. Es ist diese einfachste aller Forderungen, welche Güzin Kars starker, sieben Minuten langer Film erfüllt. So sehr, dass die Bilder im Kopf bleiben, wenn die Leinwand schon wieder schwarz geworden ist.

Es sind ganz einfache, aber gestochen klare Einstellungen an und um eine Strasse in einem Aussenquartier von Bonn. Bilder, die sich bestenfalls von jenen verorten lassen, welche schon mal da waren.

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DAS EINZIGE WAS WIR HABEN IST UNSERE STIMME von Heidi Schmid & Christian Labhart

Sie gehören zum engagierten Dokumentarfilm wie die verzerrten Stimmen zum Zeugenschutz: Die «Testimonials», sprechende Köpfe vor der Kamera, Talking Heads, sogenannte «Direktbetroffene», die uns eher erreichen als ein paar trockene Zeilen zu ihrem Schicksal.

Aber ich kann mich nicht erinnern, im Kino schon einmal ein derart starkes Gruppenarrangement erlebt zu haben, wie es dieser kurze Film präsentiert. „DAS EINZIGE WAS WIR HABEN IST UNSERE STIMME von Heidi Schmid & Christian Labhart“ weiterlesen

FAREWELL PARADISE von Sonja Wyss

Abflug von den Bahamas ‚Farewell Paradise‘ von Sonja Wyss © Basalt Film

Die Vertreibung aus dem Paradies war wohl eher eine Flucht. So genau erinnert sich keine der vier Schwestern daran, warum sie sich nach den wunderbaren Kindheitsjahren auf den Bahamas plötzlich im Flugzeug in die Schweiz wiederfanden.

Schon gar nicht Sonja Wyss, die als brüllendes Kleinkind im Flieger ihrer mit dem Transport beauftragten, auch erst zwölf Jahre alten Schwester das Leben noch schwerer machte. „FAREWELL PARADISE von Sonja Wyss“ weiterlesen

THE SCENT OF FEAR von Mirjam von Arx

‚The Scent of Fear‘ von Mirjam von Arx © Praesens

«Wenn Angst einen Geruch hat – wonach riecht sie denn?»

Das ist die Frage, welche Mirjam von Arx‘ Dokumentarfilmtitel aufwirft. Gestellt wird sie von Schauspielerin Katja Riemann, welche dem Film ihre Kommentarstimme leiht – und auch gleich nachhakt:

«Was ist Angst? Und warum haben wir solche Angst vor ihr?»

Um darauf Antworten zu finden, befragt der Film einerseits Angstforscher und Psychologen.

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THE BRAIN – Cinq nouvelles du cerveau von Jean-Stéphane Bron

‚5 nouvelles du cerveau‘ von Jean-Stéphane Bron © Praesens

Begleitet von Windgeräuschen und sphärischen Klängen schwebt die Kamera durch ein leeres Labor bis zu einem freigelegten Gehirn in einer Schale.

Jean-Stéphane Bron dockt gerne beim Genrekino an. Die dokumentarische Begegnung mit dem reichen Mann von Herrliberg, L’expérience Blocher (2013), bezeichnet er als seinen Vampirfilm.

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Nyon 2020: DAVOS von Daniel Hoesl und Julia Nieman (Wettbewerb)

© European Film Conspiracy

Noch bis am 2. Mai läuft der internationale Wettbewerb des Dokumentarfilmfestivals Visions du réel von Nyon – komplett online und gratis so zu sehen, wie ihn auch die Jury sieht. Unter den vierzehn Filmen ist auch Davos von Andreas Hoesl und Julia Nieman aus Österreich.

Über ein Jahr haben die Österreicher Daniel Hoesl und Julia Nieman in Davos gelebt und gefilmt. Angezogen hat sie die Faszination für das Globalspektakel des «World Economic Forum» WEF.

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Nyon 2020: NEMESIS von Thomas Imbach (Wettbewerb)

‚Nemesis‘ von Thomas Imbach © frenetic films

Neun Jahre nach seinem Dokumentarfilm Day Is Done montiert Thomas Imbach noch einmal den Ausblick aus seinem Wohnungsfenster zu einem überraschenden und gestalterisch eindrücklichen Film.

Über sieben Jahre hinweg hat er den Abriss des alten Zürcher Güterbahnhofs gefilmt und den Bau des umstrittenen neuen Untersuchungsgefängnisses mit seiner Kamera verfolgt.

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THE SONG OF MARY BLANE von Bruno Moll

«The Song of Mary Blane» von Frank Buchser (Ausschnitt) © trigon

«The Song of Mary Blane» heisst  ein grossformatiges Bild, das der Solothurner Frank Buchser 1869 in Charlottesville, USA, gemalt hatte. Bald nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkrieges. Manch einem mag die Buchser-Biografie, welche Dokumentarfilmer Bruno Moll jetzt auf die Leinwand bringt, auf überraschende Weise bekannt vorkommen. „THE SONG OF MARY BLANE von Bruno Moll“ weiterlesen

Nyon 19: HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT von Thomas Heise

© Thomas Heise

Nachtrag 12. April: Die Jury der Visions du réel (Joslyn Barnes, Produzentin; Pauline Gygax, Produzentin; Orwa Nyrabia, Artistic Director and Producer) hat entschieden, der Hauptpreis, die Sesterce d’or (CHF 20’000) 2019 geht an Thomas Heise.

Die Kombination ist erschlagend, herzabdrückend: Über rund zwanzig Minuten sind auf der Leinwand nur Listen zu sehen. Minutiös getippte Listen mit Erfassungsnummern, Wohnadressen und Namen von Jüdinnen und Juden.

Die Listen sind alphabetisch nach Nachnamen geordnet und es dauert entsprechend lange, bis der Familienname von Thomas Heises Grossmutter aus Wien auftaucht. „Nyon 19: HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT von Thomas Heise“ weiterlesen

NYON 19: WHERE WE BELONG von Jacqueline Zünd

‚Where we belong‘ von Jacqueline Zünd © filmcoopi

Die Zwillinge Alyssia und Illaria haben wahrscheinlich am meisten Glück gehabt. Ihre Eltern trennten sich, als sie noch relativ klein waren. Und die beiden erzählen vor der Kamera unumwunden, wie die Mutter dem Vater Fremdgehen vorgeworfen habe, dass es möglicherweise aber auch umgekehrt gewesen sei.

Bauernsohn Thomas hat etwas mehr Mühe mit seinen Erinnerungen. Eines Tages habe die Mutter nach einem Streit mit dem Vater gepackt und sei in die Ferien gefahren. Danach habe man nicht mehr über sie gesprochen. Auch wenn er sich schon etwas wunderte, dass die Ferien nach einem Jahre immer noch nicht vorbei waren. „NYON 19: WHERE WE BELONG von Jacqueline Zünd“ weiterlesen