Locarno 18: M von Yolande Zauberman (Wettbewerb)

© CG Cinema / Phobics

Der Filmtitel M ist definiert. So hiess der Thriller von 1931 von Fritz Lang, in dem Peter Lorre jenen Kindsmörder und Triebtäter spielte, den schliesslich sogar die Unterwelt jagte.

Yolande Zaubermans M ist ein Dokumentarfilm, die zentrale Figur ist Menahem Lang, fünfundreissig Jahre alt. Er ist im Zentrum des orthodoxen Judentums aufgewachsen und wurde als Kind immer wieder vergewaltigt. Von seinen Lehrern, von Vertrauten. „Locarno 18: M von Yolande Zauberman (Wettbewerb)“ weiterlesen

Nyon 18: GENESIS 2.0 von Christian Frei, Maxim Arbugaev

Im Herbst im Kino: ‚Genesis 2.0‘ © frenetic

Sein junger russischer Ko-Autor habe ein Angebot eines kommerziellen Pay-TV-Kanals gehabt für seine spektakulären Aufnahmen der «Mammutjäger» auf den sibirischen Inseln, erzählte Christian Frei gestern nach der Weltpremiere seines neuen Dokumentarfilms.

Aber als Maxim Arbugaev und Frei sich in Nyon, am Dokumentarfilmfestival, getroffen hatten, habe Frei ihm vorgeschlagen, die Möglichkeiten der europäischen und insbesondere der Schweizer Filmförderung zu nutzen: «Let us make art». „Nyon 18: GENESIS 2.0 von Christian Frei, Maxim Arbugaev“ weiterlesen

SFT 18: DIE VIERTE GEWALT von Dieter Fahrer

© Balzli & Fahrer GmbH

Natürlich sind wir Journalisten die ersten, die sich für einen Film über Journalisten interessieren. Und wenn der Berner Dokumentarfilmer Dieter Fahrer über die sogenannte «vierte Gewalt» im Staat nachdenkt, wissen wir auch, wo seine Sympathien liegen.

Und Dieter Fahrer weiss, dass wir das wissen. Darum deklariert er seinen Film Die vierte Gewalt von Anfang an als subjektive Bestandesaufnahme.

Der Film eröffnet mit der klassischen Sequenz, in der frisch gedruckte Zeitungen in eindrücklicher Reihung die Druck- und Faltmaschinen verlassen. Fein säuberlich hängt da «Der Bund» tausendfach am Transportsystem, wie Skifahrer am Lift. „SFT 18: DIE VIERTE GEWALT von Dieter Fahrer“ weiterlesen

SFT 18: BIS ANS ENDE DER TRÄUME von Wilfried Meichtry

Christophe Sermet und Sabine Timoteo © frenetic

Ein Mann verlässt sichtlich wütend ein schlossartiges Gebäude, bleibt kurz vor seinem Auto stehen. Blick nach oben. Im Haus schreckt die Frau auf, geht zögernd los, lässt resigniert die Arme sinken.

Wilfried Meichtrys Film setzt am Tiefpunkt ein. Die Frau ist Katharina von Arx, die Schweizer Reisejournalistin, der Mann Freddy Drilhon, Reisefotograf und Autor aus Frankreich. Die beiden haben sich in den 50er Jahren bei einer Südseereportage kennen und lieben gelernt. Jetzt sind die gemeinsamen Träume am Ende. „SFT 18: BIS ANS ENDE DER TRÄUME von Wilfried Meichtry“ weiterlesen

SFT 18: À L’ÉCOLE DES PHILOSOPHES von Fernand Melgar

© Sister Distribution

Erster Schultag – das ist immer ein grosses Ereignis, für Kinder, die sich stolz mit ihrem neuen Schulsack für’s Foto präsentieren. Auch für Albiana, Chloé, Louis, Léon, Kenza kommt der erste Schultag. Sie alle sind etwa 5 Jahre alt. Und an ihrem ersten Schultag sind wohl ihre Eltern nervöser und aufgeregter als die Kinder selber.

Albiana und Chloé haben eine genetisch bedingte Beeinträchtigung, Louis und Léon sind stark autistisch, und Kenza kann – ausser weinen und lachen – sich noch gar nicht artikulieren und ist motorisch stark eingeschränkt. „SFT 18: À L’ÉCOLE DES PHILOSOPHES von Fernand Melgar“ weiterlesen

Locarno 17: DID YOU WONDER WHO FIRED THE GUN? von Travis Wilkerson (Wettbewerb)

Gregory Peck als Atticus Finch in ‚To Kill a Mockingbird‘ (1962)
Travis Wilkersons Urgrossvater S.E. Branch hat 1946 in seinem Laden in Alabama den Schwarzen Bill Spann erschossen, mit zwei Schüssen in den Bauch und zweien durch den Hals.

Branch war ein ausgewiesener Rassist, Spanns Tod wurde als «Homicide» (Mord) definiert, aber S.E. Branch wurde nie zur Rechenschaft gezogen. „Locarno 17: DID YOU WONDER WHO FIRED THE GUN? von Travis Wilkerson (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 17: MRS. FANG von Wang Bing

Das ist beileibe nicht der erste Dokumentarfilm, der einen Menschen beim Sterben begleitet. Aber Sterben in China, das unterscheidet sich offenbar doch wesentlich vom Sterben in der Schweiz.

Neun Jahre, nachdem bei der Bäuerin Fang Xuying eine Form von Alzheimer diagnostiziert worden ist, liegt sie nun mit geöffnetem Mund und meist geöffneten Augen auf dem Bett, permanente umgeben von einem grossen Teil ihrer Familie. Es sind die letzte zehn Tage ihres Lebens. „Locarno 17: MRS. FANG von Wang Bing“ weiterlesen

Locarno 17: TA PEAU SI LISSE von Denis Coté (Wettbewerb)

© Sister Distribution

Sie heissen Jean-François, Ronald, Alexis, Cédric, Benoit und Maxim. Sie bestehen aus Bergen von Muskeln. Und wenn sie nicht gerade hart am Aufbau weiterer Berge arbeiten, posieren sie wie Youtube-Teenies mit einstudierten Posen und einem Lächeln, das sie alle leicht psychotisch wirken lässt.

Bodybuilder und Wrestler sind für das gängige Festivalpublikum in Locarno keine alltäglichen Figuren. Schon gar nicht, wenn sie breites Kanadafranzösisch sprechen und zuweilen wirken, wie Popeye the Sailorman nach einer Spinatorgie. „Locarno 17: TA PEAU SI LISSE von Denis Coté (Wettbewerb)“ weiterlesen

Diagonale 17:
DIE DRITTE OPTION von Thomas Fürhapter

‚Die dritte Option‘ von Thomas Fürhapter © Navigator Film

Das seltsame Bild von der «Bild-Ton-Schere» wird oft bemüht, wenn die gesprochene Tonspur eines Films sich die Bilder nicht gefügig machen kann, oder, noch irritierender, die Bilder nicht erklärt.

Die hohe Kunst des «direct cinema» im Dokumentarfilm lässt es gar nicht so weit kommen und arbeitet ohne Kommentarspur oder gar voice over. Wenn dann trotzdem Diskrepanzen entstehen, dann sind sie besonders fruchtbar, weil etwa ein Protagonist sich mit seinen Worten selber Lügen straft. „Diagonale 17:
DIE DRITTE OPTION von Thomas Fürhapter“
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