Locarno 19: THE SCIENCE OF FICTION (Hiruk-pikuk si al-kisah) von Yosepp Anggi Noen (Wettbewerb)

Gunawan Maryanto als Siman © Rediance

Die Mondlandung wurde wahrscheinlich in Indonesien gefaked. Jedenfalls gerät Siman, ein ruhiger Mann, in den sechziger Jahren an nächtliche Dreharbeiten, er wird entdeckt und man schneidet ihm die Zunge heraus.

Fortan lebt Siman in einer eigenen Traumwelt. Er baut sich aus alten Waschmaschinen ein Raketen-Haus, das bald zu einer Touristen-Attraktion wird. Und er bewegt sich als Astronaut durchs Leben, stets in Zeitlupe, was ihn selber zu einer von seiner Umgebung durchaus auch ausgebeuteten Performance-Attraktion macht. „Locarno 19: THE SCIENCE OF FICTION (Hiruk-pikuk si al-kisah) von Yosepp Anggi Noen (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: CAT IN THE WALL von Mina Mileva and Vesela Kazakova (Wettbewerb)

Irina Atanasova und Goldie/Boo © Activist 38

Kein Wunder sind so viele Briten für den Brexit, wenn die Bulgarinnen bereits den alten working class heroes wie Ken Loach die Arbeit wegnehmen…

Was die bulgarischen Dokumentarfilmerinnen Mileva und Kazakova hier in ihrem ersten Spielfilm veranstalten, sieht manchmal fast schon aus wie eine Parodie des Genres, mit dem Loach/Laverty das britische Exportkino über Jahrzehnte geprägt haben. „Locarno 19: CAT IN THE WALL von Mina Mileva and Vesela Kazakova (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: PA-GO von Park Jung-bum (Wettbewerb)

© Second Wind Film

Vielleicht müsste man die koreanische Gesellschaft besser kennen, um diese wie ein leicht wirrer Krimi aufgebaute Dorfgeschichte ganz zu entschlüsseln. Aber die wesentlichen Züge werden doch gegen Ende hin klar.

Die Polizistin, die für zwei Jahre mit ihrer Tochter in diese Küstenortschaft versetzt wurde, ist offenbar in Scheidung. Die Tochter sehnt sich nach ihrem Vater und nach Seoul zurück. Die Mutter nimmt Pillen gegen Panikattacken. „Locarno 19: PA-GO von Park Jung-bum (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: VITALINA VARELA von Pedro Costa (Wettbewerb)

Vitalina Varela © optec

Vor fünf Jahren gewann der Portugiese Costa in Locarno den Regiepreis für Cavalo Dinheiro (Horse Money). Das war sein bislang letzter Film, nun ist er wieder im Wettbewerb, mit einer eben so strengen wie zeitweilig betörenden Stil-Volte.

Die Lichtgestaltung ist das augenfälligste an diesem Film. Alles kommt aus dem Dunkel, das meiste bleibt darin, achtzig Prozent der Leinwand bleiben schwarz bis fast zum Schluss.

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Locarno 19: LONGA NOITE von Eloy Enciso (Wettbewerb)

© Filmika Galaika

Ohne die mageren Informationen aus dem Festival-Katalog würde dieser Film für die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer zum doppelten Experiment: Wie universal wirken Sätze über Unterdrückung, Diktatur, Falangisten, beendete Kriege, Kriegsmüdigkeit oder ein Vorher-Nachher?

Dass es um die faschistische Diktatur in Spanien geht, wird einigermassen bald klar. Aber wie sind die Geschichten der einzelnen auftretenden Figuren verknüpft? „Locarno 19: LONGA NOITE von Eloy Enciso (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: O FIM DO MUNDO von Basil Da Cunha (Wettbewerb)

‚O Fim Do Mundo‘ © Sister Distribution

Formale und tonale Perfektion ist selten, aber Basil da Cunha kommt ihr mit seinem zweiten Spielfilm sehr nahe. Das hat natürlich damit zu tun, dass er hier eine geschlossene, künstliche Welt (und deren angekündigtes Ende) abbildet, deren Regeln er nach Belieben selber aufstellen kann. Aber wie immer bei Da Cunha basiert das auf einer Realität und wirkt dokumentarisch.

Die favela Reboleira, ein dem Abriss geweihtes Slumquartier von Lissabon, ist die kleine Welt, die Spira (Michael Spencer) vor acht Jahren verlassen musste, als er in die Jugenderziehungsanstalt eingewiesen wurde. Jetzt ist er wieder da, schweigsam, mit dunklem Blick, ein düsterer Engel, der aufmerksam und zurückhaltend registriert, was sich verändert hat, und was nicht. „Locarno 19: O FIM DO MUNDO von Basil Da Cunha (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: LES ENFANTS D’ISADORA von Damien Manivel (Wettbewerb)

Agathe Bonitzer © MLD Films

Isadora Duncan gilt als eine der Begründerinnen des modernen «Ausdruckstanzes». Nachdem 1913 ihre beiden Kinder bei einem Autounfall in der Seine ertranken, konnte sie zuerst gar nicht mehr tanzen, schuf dann aber die Solo-Choreographie «Mother» (La mère). Mit diesem Solo setzen sich in diesem Film vier sehr unterschiedliche Frauen auseinander.

Tanzfilme sind mir fremd. Und damit meine ich nicht die Musicals, die immer wieder neuen, populären kinetischen Körperspektakel des Unterhaltungskinos. „Locarno 19: LES ENFANTS D’ISADORA von Damien Manivel (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: THE LAST BLACK MAN IN SAN FRANCISCO von Joe Talbot (Wettbewerb)

Jimmie Fails und Mont (Jonathan Majors) und © A24 Films

Dieser Film ist eine neue Erfahrung. Der spielt in San Francisco und das nicht nur klar deklariert, sondern für alle, welche die Stadt auch nur ein bisschen kennen, eindeutig. So eindeutig, dass die Figuren nirgendwo sonst so erfunden worden wären. So sie überhaupt erfunden sind.

Und gleichzeitig ist dieser Blick so ungewohnt, so eigen, dass man sich an die ersten Filme aus Island erinnert fühlt. Einfach, weil da Menschen agieren, die man zunächst nicht begreift.

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Locarno 19: TERMINAL SUD von Rabah Ameur-Zaïmeche (Wettbewerb)

© Potemkine Films

Zeit und Ort sind nicht genau markiert in diesem Film. Er spielt am Mittelmeer, möglicherweise in Algerien. Arabisch wird gesprochen und Französisch. Es gibt auch Szenen, die eher auf Frankreich hindeuten.

Der Regisseur, zuletzt 2011 mit Le chant du Mandrin in Locarno, ist auch der Busfahrer, der zu Beginn seinen kleinen Transporter durch eine hügelige Landschaft steuert. Die meisten Passagiere schlafen, bis hinter einer Kurve eine Strassensperre auftaucht. Uniformierte mit Maschinenpistolen zwingen die Leute auszusteigen, nehmen ihnen die Habseligkeiten ab und entführen einen jungen Soldaten. „Locarno 19: TERMINAL SUD von Rabah Ameur-Zaïmeche (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: TECHNOBOSS von João Nicolau (Wettbewerb)

Américo Silva und Miguel Lobo Antunes © Matchfactory

Singen geht wieder im Kino. Und wie! Dabei ist der Hauptdarsteller dieses hinreissenden Hybriden weder Sänger noch Schauspieler. Miguel Lobo Antunes war in seinem Leben vor allem Kulturmanager, eine Zeit lang war er gar Chef des portugiesischen Film Institutes.

Jetzt aber, mit 72, ist Lobo Antunes das Charmbündel Luís Rovisco, Partner, Chefingenieur und vor allem Meisterverkäufer von SegurVale – Integrated Systems of Access Control – einer Firma für Zugansgkontrollen und Überwachungssysteme. „Locarno 19: TECHNOBOSS von João Nicolau (Wettbewerb)“ weiterlesen