Bildrausch in Basel: Hundezahn und Cutting Edge

'Attenberg' von Athina Rachel Tsangari
'Attenberg' von Athina Rachel Tsangari

Noch ein Filmfestival? Dieses ist willkommen. Denn der vom Basler Stadtkino-Team auf die Leinwand gebrachte Bildrausch jagt nicht der nächsten obskuren Welturaufführung nach. Hier werden die Perlen der anderen Festivals gezeigt. Also auch Filme, über die ich hier im Blog schon geschwärmt habe, im Wissen darum, dass nur wenigen das Filmerlebnis später auch noch vergönnt sein würde. Einer dieser Filme ist Kynodontas – Dogtooth, vor zwei Jahren in Cannes gesehen. Ein anderer ist Attenberg von Athina Rachel Tsangari, auf den mich die Schwärmereien anderer aufmerksam gemacht hatten. Jetzt werden sie in Basel gezeigt, ab heute Abend, in einem Wettbewerb, der sich „Cutting Edge“ nennt und dem eine gewisse Schärfe schon von aussen anzusehen ist. „Bildrausch in Basel: Hundezahn und Cutting Edge“ weiterlesen

Filmpodcast Nr. 235: Carancho, Bildrausch Basel, Seraina Rohrer Filmtage.

'Carancho' von Pablo Trapero ©xenix
'Carancho' von Pablo Trapero ©xenix

Kino im Kopf mit Michael Sennhauser. Heute mit Hannes Nüsseler zu Carancho, Nicole Reinhard zu ihrem Basler Bildrausch-Festival, und mit einem Kommentar von mir zur neuen Chefin der Solothurner Filmtage. Dazu wie gewohnt Kurztipps und eine Tonspur.

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Seraina Rohrer ist die neue Chefin der Solothurner Filmtage

Nach fünfundvierzig Jahren unter männlicher Leitung übernimmt jetzt mit Seraina Rohrer eine Frau die Verantwortung für die Solothurner Filmtage.

Die Dreiundreissigjährige ist branchenintern alles andere als unbekannt. Sie hat etliche Jahre das Pressebüro des Filmfestivals von Locarno geleitet und sich dabei als eine nicht aus der Ruhe zu bringende, absolut professionelle Praktikerin erwiesen. Andererseits ist Seraina Rohrer eine studierte Filmwissenschafterin, die sich im Verlauf ihres Studiums in Zürich, in den USA und in Mexiko mit Inhalten und mit Produktionsbedingungen beschäftigt hat. „Seraina Rohrer ist die neue Chefin der Solothurner Filmtage“ weiterlesen

Die Unverpassbaren, Woche 21

Sean Penn in 'The Tree of Life' von Terrence Malick ©ascot-elite
Sean Penn in 'The Tree of Life' von Terrence Malick ©ascot-elite

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen.

  1. The Tree of Life von Terrence Malick. Nein, ich mag den Film gar nicht, ich finde ihn bombastisch, herablassend und predigend. Aber er hat die Goldene Palme gewonnen, und wer ihn nicht sieht, kann nicht darüber streiten.
  2. Carancho von Pablo Trapero. Knallhart und brüchig, diese neo-noir Aasgeier-Geschichte aus Argentinien.
  3. Almanya von Nesrin und Yasemin Samdereli. Diese deutsch-türkische Secondo-Komödie geht ihr Thema mit derart viel Charme und dramaturgischen Einfällen an, dass man ums Lachen nicht herum kommt.
  4. Rabbit Hole von John Cameron Mitchell. Der bisher konventionellste Film des Regisseurs von Shortbus oder Hedwig and the Angry Inch ist deswegen nicht weniger beeindruckend. Sogar Nicole Kidman überzeugt als trauernde Mutter.
  5. Mit dem Bauch durch die Wand von Anka Schmid. Wenn Teenager Mütter werden, ändert sich die Welt. Anka Schmid war dabei – nicht bei der Geburt. Beim Ändern.

Im Filmpodcast morgen mehr zu Carancho und zum aktuellen Basler Bildrausch-Festival.

Cannes 11: Palmarès

Kirsten Dunst als Justine in Lars von Triers 'Melancholia'
Kirsten Dunst als Justine in Lars von Triers 'Melancholia' (Screenshot)

Für einmal hat am Filmfestival von Cannes derjenige Film die goldene Palme gewonnen, mit dem eigentlich alle gerechnet hatten. The Tree of Life des Amerikaners Terrence Malick erzählt anhand von überwältigenden Naturbildern und Szenen aus einem Familienleben vom Kampf zwischen darwinistischer Natur und göttlicher Gnade, in den Augen der Söhne verkörpert von Vater und Mutter. Bei seiner Premiere letzte Woche hat der Film die Kritiker gespalten. Als grossartiges Kunstwerk und überwältigendes Gebet haben ihn die einen erlebt, während andere, wie ich, von Bombast oder gar Kitsch geredet haben. Terrence Malick, der notorisch scheue Regisseur, der keine Interviews gibt und nicht öffentlich auftritt, ist der Preisverleihung denn auch dieses Mal ferngeblieben und hat damit seinen Ruf eines erleuchteten Eremiten des amerikanischen Kinos wohl noch weiter gefestigt.

Der andere grosse Abwesende des Abends war der Däne Lars von Trier, der vom Festival zur Strafe für seine konfusen Nazi-Bemerkungen letzte Woche zur Persona non Grata erklärt worden war. Kirsten Dunst, die Hauptdarstellerin seines Filmes Melancholia durfte allerdings trotzdem den Preis für die Beste Darstellerin entgegen nehmen, wie schon vor zwei Jahren Charlotte Gainsbourg für ihre Rolle in von Triers Antichrist, oder vor elf Jahren die isländische Sängerin Björk in von Triers Dancer in the Dark. Damit dürfte von Trier seinem momentan etwas ramponierten Ruf zum Trotz auch weiterhin keine Probleme haben, weibliche Stars für seine Projekte zu gewinnen.

Die restlichen Preise mit Direktlinks zu meinen Kurzbesprechungen nach dem Sprung:

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Cannes 11: BIR ZAMANLAR ANADOLU’DA von Nuri Bilge Ceylan

BIR ZAMANLAR ANADOLU'DA par Nuri Bilge CEYLAN (1)

Es war einmal in Anatolien… das ist der Titel des Films. Aber es ist absolut kein Märchen, das Nuri Bilge Ceylan dieses Jahr erzählt, es sind zwei Geschichten, eingebettet in eine dritte. Die eine wird erzählt von einem anatolischen Staatsanwalt, der zusammen mit einem Amtsarzt, ein paar lokalen Polizisten, zwei Männern mit Schaufeln und ein paar Soldaten unterwegs ist im anatolischen Niemandsland, auf der Suche nach einer vergrabenen Leiche. Den mutmasslichen Mörder und seinen nicht ganz entwickelten Bruder haben sie auch dabei, aber die Suche zieht sich in die Länge, weil der vermutliche Mörder nicht mehr genau weiss unter welchem Baum, bei welchem Brunnen er sein Opfer vergraben hat.

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Cannes 11: Reflexe-Bilanzrunde live aus dem Palais

Heute um zehn Uhr treffe ich mich mit den deutschen Kolleginnen Anke Leweke und Katja Nicodemus zum live-Gespräch über diese 64. Festivalausgabe, im Studio 1 im 5. Stock des Palais des Festivals. Wir reden über Favoriten und Enttäuschungen und natürlich auch über den Zirkus rund um Lars von Trier und seine Verbannung vom Festival.

Freitag, 20. Mai, 10.00-10.30, auf DRS2; Zweitausstrahlung um 22.05 Uhr, DRS2)

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Filmpodcast Nr. 234: Cannes, Almanya, Fliegende Fische

'Fliegende Fische' von Güzin Kar ©vegafilm
'Fliegende Fische' von Güzin Kar ©vegafilm

Kino im Kopf. Mit Beiträgen von Brigitte Häring zu Almanya von Nesrin und Yasemin Samdereli und Fliegende Fische von Güzin Kar sowie Sennhauser aus Cannes. Dazu Kurztipps und Tonspur.

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Cannes 11: DRIVE von Nicolas Winding Refn

Ryan Gosling in 'Drive'
Ryan Gosling in 'Drive'

Der Däne Winding Refn wurde bekannt mit seiner Pusher-Trilogie, von ihm stammt auch das eigenwillig düstere Mads-Mikkelsen-Vehikel Valhalla Rising. Bei Drive war er jetzt allerdings Gun for Hire. Ryan Gosling, der die Hauptrolle spielt, hat ihn an Bord der Produktion geholt. Drive ist die Geschichte eines Einzelgängers, der in Los Angeles als Stunt-Driver für Filme arbeitet, in einer Garage als Mechaniker, und hin und wieder als Fluchtwagenfahrer für Einbrecher oder Räuber. Er ist schweigsam und hochprofessionell, arbeitet nie ein zweites Mal mit den gleichen Leuten und ist als Fahrer extrem kaltblütig und überlegt. Dass die Figur ein Echo von Steve McQueen mit sich bringt, ist natürlich nicht nur den Produzenten und Ryan Gosling aufgefallen, sondern auch Winding Refn, der den Film über weite Strecken mit betonter 70er-Jahre-Aesthetik versieht. Das gilt aber leider nicht für die absolut grauenvolle Rockpop-Gesangs-Musik von Cliff Martinez.

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