Cannes 19: ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD von Quentin Tarantino

Brad Pitt und Leonardo DiCaprio © Sony Pictures Ent.

Es war so gut wie sicher, dass das Tarantinos Liebesfilm werden würde. Eben so sicher war, dass er keine gewöhnliche Liebesgeschichte erzählen würde. Nun steht im Zentrum eine Männerfreundschaft, eine zwischen zwei falschen echten Cowboys im Land der echten falschen Cowboys, in Hollywood.

Leonardo DiCaprio spielt den verblassenden Westernstar Rick Dalton, Brad Pitt seinen Stuntman, Handlanger, Fahrer, Freund und Aufpasser Cliff Booth. Noch vermag Rick sein Haus in den Hollywood Hills zu halten, und zu seiner Begeisterung ist im Haus nebendran eben Roman Polanski mit seiner Frau Sharon Tate eingezogen. „Cannes 19: ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD von Quentin Tarantino“ weiterlesen

Cannes 19: FRANKIE von Ira Sachs

Isabelle Huppert als Frankie © SBS

Das Familientreffen, aus welchem Anlass auch immer, bildet ein eigenes Kinogenre. Ob für Hochzeit, Beerdigung, Thanksgiving oder Klassenzusammenkunft: Wir haben es immer mit einer Gruppe von losen Individuen zu tun, deren Beziehungsgeflecht untereinander nach und nach aufgedeckt wird und sich verändert.

Für seine aktuelle Variation des Konzepts hat Ira Sachs (Love is Strange 2014, Little Men 2016) eine beeindruckende Besetzung und einen mindestens so beeindruckenden Drehort kombiniert. „Cannes 19: FRANKIE von Ira Sachs“ weiterlesen

Cannes 19: LE JEUNE AHMED von Jean-Pierre und Luc Dardenne

Idir Ben Addi (Ahmed), Othmane Moumen (Imam Youssouf) © xenix

Der junge Ahmed, ein bis vor kurzem völlig normaler, in einem liberalen muslimischen Haushalt aufgewachsener Junge, der seiner geduldigen Lehrerin die Überwindung seiner Leseschwäche verdankt, beschliesst, eben diese Lehrerin umzubringen.

Es ist Ahmeds persönlicher Beitrag zum Dschihad, den ihm und seinem Bruder der fanatische Hinterzimmer-Imam Youssouf näher gebracht hat. „Cannes 19: LE JEUNE AHMED von Jean-Pierre und Luc Dardenne“ weiterlesen

Cannes 19: A HIDDEN LIFE von Terrence Malick

Valerie Pachner und August Diehl

Der verstorbene Bruno Ganz hat seinen letzten Auftritt in diesem jüngsten Film von Terrence Malick. Er spielt den Nazi-Militärrichter in Berlin, der den von August Diehl gespielten Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter verurteilen soll.

Dieser Bauer aus dem österreichischen Sankt Radegund weigert sich nicht nur stoisch, im Kriegsdienst zu töten. Er verweigert vor allem den obligatorischen persönlichen Treueschwur auf Adolf Hitler. Dabei wäre er kompromissbereit und würde durchaus als Feldsanitäter Dienst leisten. „Cannes 19: A HIDDEN LIFE von Terrence Malick“ weiterlesen

Cannes 19: PORTRAIT DE LA JEUNE FILLE EN FEU von Céline Sciamma

Adèle Haenel in ‚Portrait de la jeune fille en feu‘

Was für ein Film! Marianne soll ein Portrait von Héloïse malen. Das Jahr ist 1770, Marianne, Tochter eines renommierten Malers, ist eine der ersten eigenständigen Malerinnen.

Héloïse ist von ihrer Mutter aus dem Kloster geholt worden. Sie soll den Mann in Mailand heiraten, für den eigentlich ihre Schwester vorgesehen war. Bevor diese sich über die Klippen gestürzt hat. Das bestellte Portrait ist so etwas wie das finale Verkaufsargument. „Cannes 19: PORTRAIT DE LA JEUNE FILLE EN FEU von Céline Sciamma“ weiterlesen

Cannes 19: LA GOMERA von Corneliu Porumboiu

Catrinel Marlon als Gilda © filmcoopi

In Erinnerung geblieben ist der Rumäne Porumboiu vor allem mit Police, Adjective von 2009. Da stellte der junge Polizist Cristi fest, dass es allenfalls nicht sehr sinnvoll ist, kiffende Schüler zu verhaften.

Es ist sicher kein Zufall, dass der desillusionierte, korrupte Polizist in Porumboius aktuellem Cannes-Film wieder Cristi heisst. „Cannes 19: LA GOMERA von Corneliu Porumboiu“ weiterlesen

Cannes 19: THE WILD GOOSE LAKE (Nan fang che zhan de ju hui) von Diao Yinan

© Green Ray / Memento

Von diesem Film bleiben zunächst vor allem die grossartigen filmischen Einfälle haften. Etwa ein Motorrad-Wettstehlen zweier rivalisierender Gangs: Wer in der festgelegten Zeit in einer Nacht mehr Töff, Roller und Mopeds klaut, bekommt das Territorium zugesprochen.

Also sehen wir minutenlang hunderte von Männern in Gruppen auf Motorrädern durch die Nacht rasen, manche Roller brillant mit LED-Ketten illuminiert, andere wie Doppelkäfer, weil jeder Fahrer noch ein zweites Kraftrad neben sich herschiebt. „Cannes 19: THE WILD GOOSE LAKE (Nan fang che zhan de ju hui) von Diao Yinan“ weiterlesen

Cannes 19: DOLOR Y GLORIA von Pedro Almodóvar (Wettbewerb)

Antonio Banderas und Cecilia Roth in ‚Dolor y Gloria‘ von Pedro Almodóvar © Pathé

Pedro Almodóvars letzte Filme wirkten in ihrer Perfektion seltsam distanziert. Julieta war als Mutter-Tochter Drama zuweilen packend, wirkte auf mich aber wie eine Stellvertretergeschichte. La piel que habito von 2011 war ein eiskalter, gut gemachter Rachethriller. Aber ein, Film, der in einer anderen Welt zu spielen schien.

Nun hat Almodóvar offensichtlich Gegensteuer gegeben. Dolor y Gloria ist unverhohlen autobiografisch, gleichzeitig stilisiert, selbstironisch und persönlich. Und doch auch wieder künstlerisch reduziert. „Cannes 19: DOLOR Y GLORIA von Pedro Almodóvar (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 19: LITTLE JOE von Jessica Hausner (Wettbewerb)

Viele Little Joes mit Ben Wishaw © Coop99

Alice (Emily Beecham) arbeitet bei einer Pflanzenzuchtfirma, die sich auf genetisch veränderte Blumenarten spezialisiert hat. Ihre jüngste Kreation ist eine Topfpflanze, die Aufmerksamkeit und Pflege verlangt, sich dafür aber mit einem Duft bedankt, der glücklich macht.

Konkret, so erklärt es Alice ihren Kollegen, produziert die Pflanze unter anderem Oxytocin, ein Hormon, das die Bindung zwischen Mutter und Kind beeinflusst. „Cannes 19: LITTLE JOE von Jessica Hausner (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 19: SORRY WE MISSED YOU von Ken Loach (Wettbewerb)

Die Turners: Debbie Honeywood, Katie Proctor, Rhys Stone und Kris Hitchen © filmcoopi

Mit ihrem jüngsten Film sind sich Ken Loach und sein Drehbuchautor Paul Laverty treu geblieben und haben zugleich etwas Neues probiert. Alles dreht sich um die kleinen Leute in England, wie gewohnt. Aber die Probleme entstehen in der Familie, das asoziale, ausbeuterische System des Spätkapitalismus sorgt bloss dafür, dass sie nicht mehr zu bewältigen sind.

Das ist eine hübsche Abkehr vom didaktischen Ton der letzten Filme, obwohl sie auch dieses Mal nicht darauf verzichten, Mechanismen der Ungerechtigkeit leicht verständlich zu schematisieren. „Cannes 19: SORRY WE MISSED YOU von Ken Loach (Wettbewerb)“ weiterlesen