Nyon 18: GENESIS 2.0 von Christian Frei, Maxim Arbugaev

Im Herbst im Kino: ‚Genesis 2.0‘ © frenetic

Sein junger russischer Ko-Autor habe ein Angebot eines kommerziellen Pay-TV-Kanals gehabt für seine spektakulären Aufnahmen der «Mammutjäger» auf den sibirischen Inseln, erzählte Christian Frei gestern nach der Weltpremiere seines neuen Dokumentarfilms.

Aber als Maxim Arbugaev und Frei sich in Nyon, am Dokumentarfilmfestival, getroffen hatten, habe Frei ihm vorgeschlagen, die Möglichkeiten der europäischen und insbesondere der Schweizer Filmförderung zu nutzen: «Let us make art». „Nyon 18: GENESIS 2.0 von Christian Frei, Maxim Arbugaev“ weiterlesen

Locarno 17: TA PEAU SI LISSE von Denis Coté (Wettbewerb)

© Sister Distribution

Sie heissen Jean-François, Ronald, Alexis, Cédric, Benoit und Maxim. Sie bestehen aus Bergen von Muskeln. Und wenn sie nicht gerade hart am Aufbau weiterer Berge arbeiten, posieren sie wie Youtube-Teenies mit einstudierten Posen und einem Lächeln, das sie alle leicht psychotisch wirken lässt.

Bodybuilder und Wrestler sind für das gängige Festivalpublikum in Locarno keine alltäglichen Figuren. Schon gar nicht, wenn sie breites Kanadafranzösisch sprechen und zuweilen wirken, wie Popeye the Sailorman nach einer Spinatorgie. „Locarno 17: TA PEAU SI LISSE von Denis Coté (Wettbewerb)“ weiterlesen

Duisburg 15: ARLETTE – MUT IST EIN MUSKEL von Florian Hoffmann

© PS Film
Instant Selfie Arlette © PS Film

Der Film, der die diesjährige Duisburger Filmwoche eröffnet hat, ist ein Nachkomme des Duisburger 3Sat-Preisträgers von 2011. Und der Filmemacher Florian Hoffmann der Sohn der damaligen Preisträgerin Heidi Specogna.

In Carte Blanche war ein weinendes Mädchen in Zentralafrika zu sehen, das sechs Jahre früher von Rebellen angeschossen worden war. Damals schrieb ich hier: „Duisburg 15: ARLETTE – MUT IST EIN MUSKEL von Florian Hoffmann“ weiterlesen

SFT 15: DIE BÖHMS – ARCHITEKTUR EINER FAMILIE von Maurizius Staerkle-Drux

Gottfried Böhm, 95 © Cineworx
Gottfried Böhm, 95 © Cineworx

Künstlerporträts sind eines der Kerngeschäfte des Dokumentarfilms. Einem berühmten oder wichtigen Menschen im Alltag zuzuschauen, hinter die bekannten Fassaden Einblick zu bekommen, das macht den Reiz solcher Filme aus. Fassade ist ein passendes Stichwort für den Film Die Böhms – Architektur einer Familie.

Banner 50. Solothurner Filmtage, 22.- 29. Januar 2015

Der Dokumentarfilm von Maurizius Staerkle-Drux ist nicht das Porträt einer Person, sondern einer ganzen Familie, in der sich seit Generationen alles um Architektur dreht. „SFT 15: DIE BÖHMS – ARCHITEKTUR EINER FAMILIE von Maurizius Staerkle-Drux“ weiterlesen

Nifff 09: ‚Dead Snow‘ – ‚Død snø‘ von Tommy Wirkola

dead-snow-nazi-officer-zombie

Zombies sind wirklich universell einsetzbar, sie sind pflegeleicht, günstig in der Anschaffung und eben so leicht zu entsorgen. Und dass sie sich unter so gut wie allen klimatischen Bedingungen vermehren, unter bestimmten Wetter- und Temperatureinflüssen offenbar sogar richtig beweglich werden, war in der letzten langen Nacht des diesjährigen NIFFF zu erfahren. In Tommy Wirkolas Død snø (Dead Snow) habe ich die schnellsten Zombies der bisherigen Filmgeschichte gesehen. Das ist allerdings der einzige filmhistorisch relevante Fakt, den diese norwegische Produktion zu bieten hat. Der Rest ist klassisches WYSIWYG, mithin aber auch genau das, was die Fans von Gore & Zombie erwarten wollen und dürfen. Die Bilder von den zombifizierten Nazisoldaten und der brachiale Trailer haben diesem norwegischen Zombiethriller innert kürzester Zeit zu ordentlich Internet-Buzz verholfen.

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Nifff 09: ‚Vampyrer‘ – durstige Schwestern

Vampyrer - Not Like Others Poster

Für etwas über neunzigtausend Euro haben der schwedische Regisseur Peter Pontikis und sein Produzent Patrick Sobieski Vampyrer auf die Beine gestellt. innerhalb von 14 nasskalten Novembernächten haben sie in Stockholm mit zwei grossartigen jungen Schauspielerinnen (Jenny Lampa und Ruth Vega Fernandez) und fünf gesichtslosen Motorradfahrern ein Beziehungsdrama unter Schwestern abgedreht. Dass Vera und Vanja Vampire sind, gibt dem Film seinen Kick (und immer wieder Anlass für überraschende Momente).

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Nifff 09: ‚Franklyn‘ von Gerald McMorrow

Franklyn Jonathan Preest

Wenn das NIFFF nicht Lars von Triers verstörend grossartigen Antichrist in den Wettbewerb genommen hätte, müsste morgen Abend eigentlich Gerald McMorrow für Franklyn (zusammen mit Duncan Jones für Moon)ausgezeichnet werden. Der Film mit Eva Green, Ryan Philippe und Sam Riley ist nicht nur optisch ein Genuss, sondern auch von seiner Anlage her spannend. Das zeitgenössische London und eine dunkle, gigantische, von multiplem religiösem Eifer geprägte Parallelversion namens „Meanwhile City“ sind Schauplatz der Suche von vier verlorenen Menschen. In „Meanwhile City“ ist der maskierte Jonathan Preest (Philippe) auf der Suche nach dem „Individual“, den er für den Tod eines kleinen Mädchens verantwortlich macht und dafür exekutieren möchte. Im realen London sucht Milo (Riley) nach dem Platzen seiner Hochzeit seine Kindheitsliebe, und Emilia (Green) treibt mit ihren suizidären Kunstprojekten nicht nur ihre Mutter zur Verzweiflung, sondern auch ihren Tutor an der Akademie. Und dann ist da noch der traurige Sakristan aus Cambridge, der in London seinen verlorenen Sohn sucht.

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Nifff 09: Gute Stimmung am Neuchâtel International Fantastic Film Festival

nifff queue

Das neunte Neuchâtel International Fantastic Film Festival NIFFF kann schon jetzt als grosser Erfolg bezeichnet werden. Nicht nur die drei Säle des Kinos Apollo sind meistens rappelvoll, auch Zusatzvorstellungen im Théâtre du Passage sind ausverkauft, die Nebenveranstaltungen bestens besucht und die Open Air Vorstellungen, welche letztes Jahr teilweise dem Wetter zum Opfer fielen, sind in diesem Jahr gut besucht und gut bestückt. Noch immer bilden sich am Kinoeingang lange (geduldige) Schlangen, aber sie lösen sich auch schnell wieder auf, sobald der Einlass beginnt. Und die meisten Vorstellungen beginnen pünktlich, so wird Rückstau nun endlich vermieden. Das NIFFF ist nun auch organisatorisch endgültig den Kinderkrankheiten entwachsen, steht zu hoffen, dass der Publikumserfolg den Veranstaltern die nötigen Argumente gibt, im nächsten Jahr dem Kinobetreiber noch einen weiteren Saal abzuluchsen – so voll bekommt er die Kinos nämlich mit dem regulären Sommerprogramm höchstens am Freitagabend.

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Nifff 09: Fish Story – Ein Proto-Punk-Song rettet die Welt

fish story singer

Ich frage mich manchmal, wie lange Filme um Plattenläden, Rockgruppen, Musikfans und überhaupt die Geeks meiner Generation noch ihr Publikum finden. High Fidelity gehört als Roman und als Film zu den grossen Beispielen dieser Gattung, The Boat that Rocked ist eines der jüngeren. Auch mit Yoshihiro Nakamuras Fisshu sutôrîFish Story könnte die Generation iPod wieder ihre Mühe bekunden. Geht es doch um nichts weniger, als um einen Punk-Song von 1975 (!), der im Jahr 2012 unsere Welt rettet. Dass die Japaner den britischen Punk nicht nur adaptierten, sondern zu einer eigenständigen Stilrichtung machten, ist dabei noch leichter zu glauben, als die Behauptung, dass die im Film wunderbar stimmig gezeichnete Protopunk-Band im Jahr 1975 ihrer Zeit so weit voraus war, dass sich ihre Musik nicht durchsetzen konnte. Schliesslich wissen wir spätestens seit The Great Rock’n Roll Swindle dass, und warum, die Sex Pistols den Anfang machten. Aber eben: Wer sind die Sex Pistols? fragt mich das Hannah-Montana-Girlie mit grossen Augen.

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Nifff 09: The Children – Kulleraugenkillerkinder

the children eva sayer as miranda

Kinder als Figuren des Horrors sind unglaublich effizient. Nicht erst seit den Zwillingsmädchen, die in den schweigenden Gängen des Hotels in Stanley Kubricks Shining das Blut gefrieren liessen („Come play with us“) lassen wir uns immer wieder bereitwillig auf das Spiel mit dem verdrängten Schrecken ein. Denn die vordergründige Pervertierung des Guten, Reinen, Unschuldigen, in den puren Schrecken des motivlosen Bösen funktioniert ja nur darum, weil der Schrecken wirklich da ist. Wer erinnert sich nicht an die Grausamkeiten, die wir als Kinder ausübten, an anderen, an Tieren, Insekten. Und wer erinnert sich nicht an die Grausamkeiten, die wir erfahren haben von anderen Kindern. Alles verdrängt … und ein Horrorfilm wie The Children von Tom Shankland holt es ohne Umschweife an die Oberfläche.

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