BERLINALE 2020: MARE von Andrea Štaka (Panorama)

‚Mare‘ Marija Škaričić © frenetic

Erst im Abspann ihres Films lässt Andrea Štaka das Klischee von der Leine, leise ironisch und voll schmerzlicher Schönheit. Da singt Ana Prada «Soy pecadora, soy mala, madre de todos los pecados» (Ich bin eine Sünderin, ich bin schlecht, die Mutter aller Sünden).

Mare (Marija Škaričić) hat den Moment da schon hinter sich. Ihr ältester Sohn ist ein nicht ganz einfacher Teenager, sein jüngerer Bruder und die Schwester der beiden hängen noch deutlicher an der Mutter. „BERLINALE 2020: MARE von Andrea Štaka (Panorama)“ weiterlesen

CHAMBRE 212 von Christophe Honoré

Maria (Chiara Mastroianni) und der junge Richard (Vincent Lacoste) ‚Chambre 212 ‚ © xenix

Eine Ehefrau zieht vorübergehend ins Hotel gegenüber und stellt sich vor, wie ihr Leben verlaufen wäre, hätte sie ihren Mann nicht geheiratet. Nein, das ist kein Drama. Chambre 212 heisst der Film mit Chiara Mastroianni. Und die Komödie entwickelt einen fast schon manischen, sehr französischen Charme. „CHAMBRE 212 von Christophe Honoré“ weiterlesen

THE IRISHMAN von Martin Scorsese

‚The Irishman‘: Robert De Niro als Frank Sheeran © Netflix

Dreieinhalb Stunden lang ist der jüngste Film der New Yorker Regie-Ikone Martin Scorsese, produziert hat das 160 Millionen Dollar teure Mafia-Epos kein klassisches Filmstudio, sondern der Streaming-Gigant Netflix. Und der bringt den Film auch ab 27. November weltweit in die Stuben. „THE IRISHMAN von Martin Scorsese“ weiterlesen

GUT GEGEN NORDWIND von Vanessa Jopp

Nora Tschirner als Emmi Rothner © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

«Gut gegen Nordwind» hiess der Email-Roman, mit dem der Österreicher Daniel Glattauer 2006 einen Bestseller landete. Tausende verschlangen die Liebesgeschichte der Email-Zufallsbekannten Leo Leike und Emmi Rothner. Der Roman wurde in 28 Sprachen übersetzt, als Theaterstück inszeniert und so fürs Fernsehen aufgezeichnet. Jetzt aber, 13 Jahre später, kommen Leo Leike und Emmi Rothner ins Kino.   Gut gegen Nordwind ist jetzt ein Film mit Nora Tschirner und Alexander Fehling. „GUT GEGEN NORDWIND von Vanessa Jopp“ weiterlesen

Venedig 19: THE LAUNDROMAT von Steven Soderbergh

Meryl Streep in ‚The Laundromat‘ © Netflix

Ein Laundromat, das ist ein Waschsalon – und im Fall des Films von Steven Soderbergh (Erin Brockovich, Ocean’s Eleven) wird darin Geld gewaschen, sehr viel Geld. Und fast ganz legal. Oder zumindest an vielen Gesetzeslücken und Landesgrenze vorbei.

The Laundromat erzählt die Geschichte der Panama Papers: das war dieses riesige Konstrukt um die Treuhandfirma Mossack & Fonseca herum. Diese betrieb über 214’000 Briefkastenfirmen, bis ein Whistleblower Daten leakte und investigative Journalisten das ganze Ausmass des riesigen Konstruktes aufarbeiteten. „Venedig 19: THE LAUNDROMAT von Steven Soderbergh“ weiterlesen

Venedig 19: JOKER von Todd Phillips

Joaquin Phoenix als ‚Joker‘ © Warner Bros.

Festivaldirektor Alberto Barbera fährt seinen Kurs, Venedig als Oscar-Startrampe zu etablieren, unbeirrt weiter. Immer mehr gleicht der internationale Wettbewerb einem Blockbuster-Festival, in dem die wenigen unbekannten und leiseren Arthousefilme zu verschwinden drohen.

Mit «Joker» hat Barbera einen Film in den Wettbewerb aufgenommen, der zwar im weiteren Sinn als Autorenfilm durchgehen kann (Hangover-Regisseur) Todd Philips hat Regie geführt und am Drehbuch mitgeschrieben und gleich auch selber mitproduziert. Aber «Joker» ist eben auch eine grosse Hollywood-Produktion (Warner). „Venedig 19: JOKER von Todd Phillips“ weiterlesen

Venedig 19: MARRIAGE STORY von Noah Baumbach

Scarlett Johansson, Adam Driver © Netflix

Das Kino hat ein neues Leinwandtraumpaar – ein Traumpaar in Sachen Trennung. Scarlett Johansson und Adam Driver spielen Nicole und Charlie, sie ist Schauspielerin, er Theaterregisseur. Zusammen haben sie einen achtjährigen Sohn, Henry.

Noah Baumbachs Film heisst Marriage Story – und er beginnt da, wo Nicole und Charlie zum ersten Mal über Trennung sprechen. Beziehungsweise schon vorher – man hört zuerst Charlie aus dem Off erzählen, was er an Nicole liebt, danach sie über ihn. Dazu gibt’s hübsche Familienszenen und heiter-beschwingte Musik (grossartig übrigens von Randy Newman). „Venedig 19: MARRIAGE STORY von Noah Baumbach“ weiterlesen

Venedig 19: LA VERITÉ
von Hirokazu Kore-eda

Catherine Deneuve und Juliette Binoche in ‚La verité‘ © 3B-Bunbuku-MiMovies-FR3

Er ist der Seismograph der japanischen Befindlichkeit, der Meister der japanischen Familiengeschichten, der «Ken Loach Japans», wie er auch schon genannt wurde: Hirokazu Kore-eda. Nun hat sich auf ein komplett neues Terrain gewagt: Er hat einen französischen Film gedreht, mit Catherine Deneuve und Juliette Binoche in den Hauptrollen. Und mit Ethan Hawke als Binoches US-amerikanischem Ehemann.

Fabienne (Deneuve) – eine berühmte französische Schauspielerin – veröffentlicht ihre Memoiren. Zu diesem Anlass kommt ihre Tochter Lumir (Binoche) samt Ehemann (Hawke) und kleiner Tochter zu Besuch. Das Treffen von Mutter und Tochter – nach längerer Zeit – ist nicht besonders herzlich, und der Konflikt bricht umso mehr auf, als Lumir das Buch ihrer Mutter gelesen hat. Und dass Fabienne im Moment ausgerechnet in einem Film mitspielt, der eine Mutter-Tochter-Beziehung ad absurdum führt, verkompliziert alles noch einmal mehr. „Venedig 19: LA VERITÉ
von Hirokazu Kore-eda“
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CRONOFOBIA von Francesco Rizzi

Sabine Timoteo © Cineworx

Eine Frau, die sich der Gegenwart verweigert, trifft auf einen Mann, den seine Vergangenheit quält. Sabine Timoteo und Vinicio Marchioni in einer Un-Liebesgeschichte. Cronofobia heisst der heisskühle Spielfilmerstling des Tessiners Francesco Rizzi. „CRONOFOBIA von Francesco Rizzi“ weiterlesen

Cannes 19: SIBYL von Justine Triet

Sibyl (Virginie Efira © MK2 Films

«Ich falle auseinander. Ich bin in gar keiner Realität mehr», heult Sibyl im letzten Drittel des Films. Bei Dreharbeiten auf Stromboli ist ihr alles aus dem Ruder gelaufen. Dabei hätte sie doch eigentlich die Kontrolle.

Sibyl ist nicht die Regisseurin des Films, der auf Stromboli gedreht wird. Das ist Mika, gespielt von Sandra Hüller. Sibyl ist bloss an den Drehort gekommen, weil sie ihre Patientin Margot (Adèle Exarchopoulos) psychiatrisch betreuen muss. „Cannes 19: SIBYL von Justine Triet“ weiterlesen