«Eine Frau zu küssen ist schön. Schön und zart», sagt Klara Rensing, und streichelt dazu einen Broccoli. «Männer sind auch schön!» wirft Tatjana Bollhalder ein. «Männer zu küssen ist so wäh!» entgegnet Klara und streckt mit einem Würgegeräusch einer Zitrone die Zunge raus. „DAS UNENDLICHE JETZT von Kaspar Kasics“ weiterlesen
Das «Amt für Ruhe und Ordnung» schickt seine Agenten. Der alte Säufer Hugo Drowak empfängt sie mit selbstabgefüllten Kondom-Pissbomben und einem Ascheregen aus dem Fenster seiner Sozialwohnung, hoch oben in der brutalistischen Mietskaserne. „SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK? von Nicolas Steiner“ weiterlesen
Marie-Lou (Virginie Efira) leitet ein Pflegeheim in Paris und versucht, gegen alle Widerstände, das «Humanitude»-System für menschenwürdig zugewandte Pflege zu etablieren. Mari (Tao Okamoto) ist Theaterregisseurin, gastiert in Paris mit einem Stück über die positiven Erfahrungen mit der offenen Psychiatrie in Italien, und sie ist unheilbar an Krebs erkrankt.
Während in einem Spital in Beirut Raketenbeschuss die Fenster bersten lässt und die Menschen panisch durch die Gänge rennen, werden im Abstand von nur einer Minute zwei Kinder geboren. Nino um 17.05 Uhr, Yasmina um 17.06 Uhr. „A SAD AND BEAUTIFUL WORLD von Cyril Aris“ weiterlesen
Mario ist sechzehn Jahre alt, Sohn eines Tankstellenbetreibers im Sopraceneri, unglücklich am Gymnasium, unsicher bei den Mädchen und unmöglich in den Augen seiner Lehrer. Bis ihn sein Vater den Sommer über zu einer Bergbauernfamilie in den Höhen des oberen Maggiatals verbannt. Auf dass der vermeintliche Faulpelz lerne, was arbeiten heisst.„BECAÀRIA von Erik Bernasconi“ weiterlesen
Suzanne (Anaïs Demoustier) verkörpert für den ausbeuterischen Schausteller Titus (Gustave Kervern) in Paris in den 1930er Jahren die «elektrische Venus». Die Jahrmarktsattraktion besteht darin, dass sie für 30 Centimes auf der offenen Bühne Männer küsst, während sie die zwei grossen Entlade-Kugeln eines Funkeninduktors berührt. Dabei werden sie und der erstaunte Kunde vor dem staunenden Publikum regelrecht elektrisiert. Eine intensive Erfahrung für die Männer, aber ein strapaziöser Job für die junge Frau, die danach regelmässig Brandwunden an den Füssen und Handflächen versorgen muss. „LA VÉNUS ÉLECTRIQUE von Pierre Salvadori“ weiterlesen
Südafrika, 1968. Der junge Khuthala Sithole (Ntobeko Sishi) träumt von einer Jazz-Karriere in den USA, während sein Vater Enoch (Siyabonga Shibe ) zusammen mit seiner Frau versucht, den Familienbetrieb, eine grosse innerstädtische Wäscherei in einer «weissen Zone», vor den Enteignungsversuchen des zunehmend korrupten und gewalttätigen Apartheidsregimes zu schützen. „LAUNDRY (Uhlanjululo) von Zamo Mkhwanazi“ weiterlesen
Es gibt einen Optimismus, der ist der Jugend vorbehalten. Und den Betrunkenen. Für die beiden Endfünziger Carlobianchi (Sergio Romano) und Doriano (Pierpaolo Capovilla), zwei endlos juvenile Söhne des Veneto, ist es die göttliche Vorsehung, die sie immer wieder mit neuen Gelegenheiten für ein «letztes Glas» versorgt. „LE CITTÀ DI PIANURA von Francesco Sossai“ weiterlesen
Die Bilder des Habichts, der im bodennahen Flug durch das Unterholz ein Kaninchen verfolgt, sind von atemberaubend tödlicher Schönheit. Helen (Claire Foy) ihrerseits verfolgt ihren Vogel durch den Wald rennend, ohne Rücksicht auf zerkratzte Beine und ins Gesicht peitschende Zweige, mit dem gleichen monodynamischen Fokus, der den Raubvogel steuert. „H IS FOR HAWK von Philippa Lowthorpe“ weiterlesen