Cannes 18: BURNING (Beoning) von Lee Chang-dong (Wettbewerb)

Jong-seo Jeon (Hae-mi) in ‚Beoning‘ © CGV Arthouse

Auch Kurzgeschichten brauchen ihre Zeit. Jedenfalls hat der Südkoreaner Lee Chang-dong aus Haruki Murakamis Short-Story «Barn Burning» einen 148minütigen Mystery-Thriller gemacht, der fesselt und verwirrt.

Lee Jong-soo (Ah-in Yoo) schlägt sich in Seoul durch. Eigentlich möchte er einen Roman schreiben, aber er hat keinen Stoff und keine Idee. Da spricht ihn vor einem Warenhaus eine der jungen Frauen an, die lächelnd und tanzend Lotterie-Tickets verteilen, um Kunden anzulocken. „Cannes 18: BURNING (Beoning) von Lee Chang-dong (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: UNDER THE SILVER LAKE von David Robert Mitchell (Wettbewerb)

Andrew Garfield als Sam in ‚Under the Silver Lake © Ascot-Elite

Nachdem ihm der Erfolg seines überraschenden, minimalistischen Horrorfilms It Follows (2014) den Zugang zu einem grösseren Budget ermöglicht hat, lässt David Robert Mitchell in seinem dritten Film alles auf einmal los, was er sich als künstlerischen Wurf erträumt hat.

Under the Silver Lake ist ein Kompendium von Hommagen, Ideen, Theorien und Vorstellungen. Ein perfekt gemachter, dichter, wirrer und unterhaltsamer Film, der sich für nichts wirklich entscheiden mag. „Cannes 18: UNDER THE SILVER LAKE von David Robert Mitchell (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: EN GUERRE von Stéphane Brizé (Wettbewerb)

‚En guerre‘ von Stéphane Brizé, mit Vincent Lindon © Diaphana

Mit La loi du marché hat Stéphane Brizé 2015 in Cannes begeistert, sein Hauptdarsteller Vincent Lindon hat den Darstellerpreis gewonnen. Die hauptsächlich mit Laien gedrehte Geschichte um Arbeitslose und ihren Kampf um Würde und Verdienst hatte eine ungewohnte, kühle Unmittelbarkeit, fern der Klassenkampfromantik eines Ken Loach. Aber klar die gleichen Sympathien.

Nun hat das Duo Lindon/Brizé das Konzept eine Nummer höher geschraubt. En guerre nimmt seinen Titel wörtlich; wir sind dabei beim gewerkschaftlichen Kampf gegen die Schliessung einer Autofabrik in Frankreich. „Cannes 18: EN GUERRE von Stéphane Brizé (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: THE HOUSE THAT JACK BUILT von Lars von Trier (ausser Konkurrenz)

Uma Thurman, Matt Dillon © Zentropa

Sieben Jahre nach seiner Verbannung aus Cannes ist Lars von Trier zurück. Nicht im Wettbewerb, sondern ausser Konkurrenz, wo er auch keine Pressekonferenz geben muss.

Mit The House that Jack Built inszeniert der Däne seinen eigenen Höllensturz und die Motivation dazu – wie gewohnt als Provokation in alle Richtungen. „Cannes 18: THE HOUSE THAT JACK BUILT von Lars von Trier (ausser Konkurrenz)“ weiterlesen

Cannes 18: BLACKKKLANSMAN von Spike Lee (Wettbewerb)

Adam Driver, John David Washington © Universal 

Der seit langem wildeste Spike-Lee-Joint ist knapp über zwei Stunden lang und totally fo’real. Die Geschichte des afro-amerikanischen Polizeidetektivs, der den Ku-Klux-Klan infiltriert hat, und beinahe zum Präsidenten der lokalen Vereinigung wurde, basiert angeblich auf Fakten.

Denzel Washingtons Sohn John David Washington spielt diesen Ron Stallworth, den ersten schwarzen Polizeidetektiv seiner Einheit, und bald schon Partner von Adam Drivers Flip, dem jüdischen Polizisten der Intelligence-Einheit. „Cannes 18: BLACKKKLANSMAN von Spike Lee (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: SHOPLIFTERS (Manbiki kazoku) Hirokazu Kore-Eda (Wettbewerb)

Die Shibatas mit der kleinen Juri © Gaga Int.

Es ist offensichtlich, dass hier ein eingespieltes Team am Werk ist, wenn in der ersten Szene des Films Vater Osamu mit Sohn Shota im Supermarkt auf Einklautour geht: Beobachten, signalisieren, ein kleines Fingerritual von Shota und hopp ist eine weitere Packung Nudeln im Rucksack verschwunden.

Auf dem Heimweg stossen sie auf einem tiefliegenden Balkon wieder auf das kleine Mädchen, das Osamu schon mehrfach in der Kälte hat frieren sehen. Er beschliesst, sie zum aufwärmen mitzunehmen und sie folgt dankbar. Auch wenn die winzige Wohnung mit fünf Menschen völlig überfüllt wirkt Nobuyo ihrem Mann erklärt, das sei den kein Obdachlosenheim hier… „Cannes 18: SHOPLIFTERS (Manbiki kazoku) Hirokazu Kore-Eda (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: LAZZARO FELICE von Alice Rohrwacher (Wettbewerb)

Adriano Tardiolo © filmcoopi

Vor vier Jahren schon hat Alice Rohrwacher das ländliche Italien durch einen Märchenspiegel betrachtet, mit Le meraviglie. Das war noch ironisch gebrochen über eine Fernsehshow. Ihr jüngster Wettbewerbsbeitrag hier in Cannes dreht das alles noch etwas weiter.

Lazzaro felice ist märchenhaft und zeitübergreifend, eine laizistische Heiligenlegende, kombiniert mit einer retrostalgischen und später brandaktuellen Kapitalismussatire. Vor allem aber: Überbordend italienisch, wie schon lange kein Film mehr aus dem Land. „Cannes 18: LAZZARO FELICE von Alice Rohrwacher (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: THREE FACES von Jafar Panahi (Wettbewerb)

Behnaz Jafari und Jafar Panahi spielen sich selbst © filmcoopi

Er darf eigentlich nicht, aber er hört nicht auf, Filme zu machen. Der Iraner Jafar Panahi umgeht ein ums andere Mal alle Hindernisse, er dreht mit minimalen Mitteln, und landet jedes Mal an einem grossen Festival. Irgendwann muss das den zuständigen Stellen in seinem Land doch auffallen?

Aber vielleicht ist es in dem Land ja so, wie die junge Marzieh (Marzieh Rezaei) ihr Dorf schildert: Man kann sich auf nichts verlassen, es gibt keine allgemeingültigen Regeln, ausser jener, mit der sich die Autofahrer auf der engen Bergstrasse via Hupsignal über den allfälligen Vortritt verständigen. Und selbst die ändern dauernd. „Cannes 18: THREE FACES von Jafar Panahi (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: LES FILLES DU SOLEIL von Eva Husson (Wettbewerb)

Die Töchter der Sonne mit Kommandant Bahar (Golshifteh Farahani) © Praesens Film

Kriegsfilme können nicht mehr ernsthaft heroisch sein. Dafür wissen wir längst zu viel über die Realität. Aber Eva Husson sieht die Kämpferinnen ihrer kurdischen Fraueneinheit als Heldinnen.

Aus lauter zuvor entführten, vergewaltigten, misshandelten, geflüchteten Frauen besteht die Peshmerga-Gruppe um Kommandant Bahar (Golshifteh Farahani). Sie nennen sich (nach realem Vorbild) die «Töchter der Sonne», sie kämpfen Seite an Seite zusammen mit den kurdischen Männern. Und sie haben einen psychologischen Vorteil: Ihrer Feinde von ISIS sind davon überzeugt, nicht in den Himmel zu kommen, wenn sie von einer Frau getötet werden. „Cannes 18: LES FILLES DU SOLEIL von Eva Husson (Wettbewerb)“ weiterlesen

Cannes 18: ASH IS THE PUREST WHITE – Jiang hu er nv von Jia Zhang-Ke (Wettbewerb)

Qiao (Zhao Tao) © MK2 Films

Als Jia Zhang-Ke vor fünf Jahren mit A Touch of Sin in Cannes am Wettbewerb teilnahm, wirkte der episodisch aufgebaute Film wie eine Abkehr von seinem bisherigen Werk. Zeitgenössischer, bissiger, satirisch gar.

Aber nun macht er einen Schritt vorwärts und zugleich einen zurück, im besten Sinn. Zhao Tao, seine Schauspielerin in Unknown Pleasures von 2002 spielte damals eine Frau namens Qiao Qiao. Und 2006 in Still Life, der vor dem Hintergrund des wachsenden Drei-Schluchten-Staudamms spielte, war sie Shen Hong. Nun hat er die zwei Frauenfiguren und ihre Geschichten kombiniert und erzählt sie über etliche Jahre hinweg mit einer anderen Perspektive.

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