Schweizer Filmakademie sagt: Ja, nein! So nicht.

CH Filmakademie
Gründungsversammlung der Akademie 2008 © art-tv.ch

An ihrer ausserordentlichen Mitgliederversammlung hat die Schweizer Filmakademie es heute abgelehnt, neben der Nominierung und Jurierung der Schweizer Filmpreise auch die Organisation und Durchführung des Schweizer Filmpreises zu übernehmen. Damit ist wohl wieder eine Patt-Situation entstanden, denn der Direktor des Bundesamtes für Kultur (BAK), Jean-Frédéric Jauslin, wäre zwar bereit, der Akademie das Nominations- und Jurierungsverfahren für die kommenden zwei Jahre zu übertragen, forderte aber, dass die Akademie dann auch für die ganze Organisation des Schweizer Filmpreises verantwortlich zeichnen müsse. Dass dies die Mitglieder der Akademie (welche für ihr Privileg, nominieren und jurieren zu dürfen ohnehin recht happige Mitgliederpreise zahlen müssen), so nicht annehmen würden, war zu erwarten. Das BAK würde in Zukunft nämlich nur noch die Nominationsgelder zur Verfügung stellen. Die Preisgelder und die Kosten für die Organisation und die Durchführung des Filmpreises müsste die Akademie dann wohl selber auftreiben. Die letzte bzw. erste Ausrichtung in Luzern wurde vom BAK zusammen mit der SRG SSR idée suisse, bzw. dem Schweizer Fernsehen SF übernommen. Damit geht der Streit in die nächste Runde. Medienmitteilung der Akademie nach dem Sprung:

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Filmpodcast Nr. 131: Du bruit dans la tête, Coco avant Chanel, Hannah Montana.

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Vincent Pluss ('Du bruit dans la tête') © frenetic

Sie hören Kino im Kopf, heute mit Lärm im Kopf und mit Michael Sennhauser. Ich habe mit dem Westschweizer Vincent Pluss über seinen neuen Film Du bruit dans la tête gesprochen, Brigitte Häring stellt Coco avant Chanel vor und die Pirando-Kinderreporterin Angela Haas hat Hannah Montana – The Movie gesehen. Dazu wie immer Filmtipps und Tonspurraten.

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Cannes 09: Palmarès 2009

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Die Palmen sind vergeben, und die grosse Überraschung ist ausgeblieben. Mit der goldenen Palme für Michael Hanekes Das weisse Band können wohl alle Kommentatoren gut leben, der Film war einer der Favoriten. Dass Jacques Audiard für Un prophète den grossen Preis der Jury bekommen hat, zeigt nicht zuletzt den Sinn für Diplomatie der Jury. Nachdem die goldene Palme schon im letzten Jahr an das Gastgeberland ging, musste Audiard seine Hoffnungen allem Kritikerlob zum Trotz ein wenig dämpfen. Dabei passen die beiden Preise hervorragend zusammen: In beiden Filmen geht es im Wesentlichen um eine (unabsichtliche) Erziehung zur Unmenschlichkeit. Bei Haneke mit den übersteigerten Idealen jener Elterngeneration, welche die späteren Nationalsozialisten aufzog, bei Audiard um die Erziehung eines jungen Arabers zum eiskalten Mafiaboss in einem französischen Gefängnis der Gegenwart.

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Cannes 09: Visage

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Laetitia Casta in Tsai Ming-Liangs 'Visage'

Wenn man von den Poeten des Kinos redet, dann gehört Tsai Ming-Liang aus Taiwan, bzw. Malaysia dazu – allerdings zu den Pop-Art-Poeten. Wer an seinen Berlinale-Beitrag The Wayward Cloud (Tian bian yi duo yun) von 2005 erinnert, redet unwillkürlich vom „Melonenfilm“, die wilde Kombination von Sex und Wassermelonen ist schlicht nicht aus dem Gedächnis zu löschen. Aber auch sonst sind dem unglaublich produktiven Regisseur einige der stärksten Bilder des letzten Jahrzehnts gelungen. Wären seine Filme nicht dermassen poetisch verrätselt und l_a_n_g_s_a_m, wäre er wohl längst ein Popstar. Was also war zu erwarten, wenn Tsai Ming-Liang eine Einladung des Louvres annimmt, im Auftrag des grössten Kunstmuseums der Welt absolut frei einen Film zu entwickeln? Auf keinen Fall das, was hier in Cannes zu sehen war – andererseits: Warum denn nicht?

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Cannes 09: The Imaginarium of Doctor Parnassus

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Heath Ledger als Tony in 'The Imaginarium of Doctor Parnassus'

Terry Gilliam ist der grosse Don Quijote des fantastischen Films, der Mann der niemals aufgibt. Nach dem Tod seines Hauptdarstellers Heath Ledger im Januar 2008 stand er mit seinem zu guten Teilen abgedrehten The Imaginarium of Doctor Parnassus wieder einmal vor dem Abgrund, wie so oft in seiner Karriere. Aber anders als bei seinem Don Quijote-Projekt (das schliesslich nur zu einem Dokumentarfilm über das spektakuläre Scheitern führte), kam diesmal Hilfe. Heath Ledgers Freunde Johnny Depp, Colin Farrell und Jude Law sind eingesprungen. Das war möglich, weil der Film ohnehin Transformationen vorsah. Das Imaginarium des Doktors Paranassus ist nämlich ein Spiegel auf der Wanderbühne einer ziemlich heruntergekommenen Truppe. Wer durch den Spiegel geht, findet sich in der Welt seiner Träume wieder. Oder aber in der Welt seiner Alpträume.

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Filmpodcast Nr. 130: Vor-Bilanz Cannes, Ricky, Easy Rider

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Herzlich Willkommen zu Kino im Kopf mit Brigitte Häring:

  • Wir sind immer noch am angesagtesten Festival des Jahres, in Cannes – Michael Sennhauser hat viele Filme gesehen – begeisternde und enttäuschende.
  • Bei uns ist derweil Ricky angelaufen, der komische und schräge Film des erstaunlichen Franzosen François Ozon.
  • Schliesslich blicken wir zurück auf eine Cannes-Premiere von vor 40 Jahren: auf die Mutter aller Road-Movies, Easy Rider.
  • Drei Tage vor der Verleihung der goldenen Palme von Cannes versuchen Michael Sennhauser und seine deutschen Kolleginnen Anke Leweke und Katja Nicodemus eine vorläufige Bilanz der 62. Ausgabe von «Le festival».
  • Dazu wie immer Kurztipps der Filme, die Sie nicht verpassen sollten, und das Tonspurrätsel.

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Cannes 09: The Time that Remains

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Der israelische Palästinenser Elia Suleiman ist noch in bester Erinnerung für seinen Cannes-Beitrag von 2002: Divine Intervention. Der urkomische, lakonisch-poetische Stil, mit dem er damals die Absurditäten im täglichen Leben im nahen Osten ins Auge fasste, hat den Film zu einer dauerhaften Erinnerung gemacht. Und Suleimans neuer, der heute hier in Cannes im Wettbewerb gezeigt wurde, führt den eigenwilligen Stil weiter in die Vergangenheit. Suleiman erzählt aus der eigenen Familiengeschichte und seiner Kindheit und Jugend in Nazareth. Zunächst aber von 1948, dem Gründungsjahr Israels, der Eroberung oder Befreiung Nazareths, je nach Perspektive, und von seinem Vater, einem Widerstandskämpfer.

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Cannes 09: Untertitelte Basterds

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Yes! Yes! Yes! Yes! Martin Wuttke als Hitler in 'Inglourious Basterds'

Ich gehöre ja leider zur Fraktion jener, die von Tarantinos neuem Opus enttäuscht sind, unter anderem, weil ich finde, dass das serielle Nazikillen eher in einen Egoshooter gehört als ins Kino. Aber einen Verdienst hat Inglourious Basterds auf sicher: Tarantino spielt mit den Sprachen, er lässt die Figuren in ihren jeweiligen Landessprachen (und fremdem Italienisch) reden und bringt immer wieder Untertitel ins Bild. Genau jene Untertitel, von denen ein paar Schweizer Kinobetreiber und Verleiher behaupten, ihr Publikum goutiere sie nicht mehr.

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Cannes 09: Das weisse Band

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Michael Haneke, der Österreicher, ist längst auch ein Franzose hier in Cannes. Spätestens seit seinen französischen Filmen wie Code inconnue oder Caché mit Juliette Binoche, ist er hier in Cannes jeweils auch angetreten à defendre la France, wie die Franzosen das gerne sehen. Mit Das Weisse Band ist er allerdings zurück in der unheimlichen Heimat. Nicht gerade Österreich, mehr das protestantische Norddeutschland, dazu kurz vor dem ersten Weltkrieg, in einem Dorf, das eine Welt ist. Aber was sich da abspielt, unter der dünnen Oberfläche des Alltags, das ist so mörderisch und niederträchtig, dass man sich trotzdem im österreichischen Kino wähnt.

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