Roman Polanski in Zürich verhaftet

Roman Polanski (rechts) in seinem 'The Fearless Vampire Killers'
Roman Polanski (rechts) in seinem 'The Fearless Vampire Killers'

Heute Abend hätte Roman Polanski am Zurich Film Festival einen Preis entgegennehmen sollen. Aber gestern Samstag wurde er offenbar in Zürich verhaftet, aufgrund eines Haftbefehls von 1978. Wenn das stimmt, ist es doppelt absurd, denn Polanski war seit 1978 immer wieder in der Schweiz, unter anderem 1995 am ersten Cinemusic Festival in Gstaad. Hier die Meldung des Zurich Film Festivals. So idiotisch der Vorgang auf den ersten Blick erscheint (ist mit dem Fall des Bankgeheimnisses auch die Rechtssouveränität aufgegeben worden?) – dem Zurich Film Festival bringt der Vorfall seiner Peinlichkeit zum Trotz globale Schlagzeilen. Der Schweiz auch, aber die braucht das Land so nicht wirklich…

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Mobiltelefone als Plotkiller

98 Prozent aller Film-Thriller, die vor 1990 entstanden sind, würden heute nicht mehr funktionieren. Aus dem einfachen Grund, dass sie samt und sonders davon lebten, dass die Hauptfiguren in entscheidenden Momenten wichtige Informationen nicht hatten – das Publikum aber schon. So hat Hitchcock Suspense definiert, und so hat das Prinzip fast hundert Jahre lang funktioniert. Aber dann kamen die Mobiltelefone, und plötzlich muss sich jeder Drehbuchautor einen Kniff einfallen lassen, um die verdammten Dinger im entscheidenden Moment aus der Gleichung zu nehmen. Der obige YouTube-Clip stellt eine erdrückende Reihe solcher cop-outs zusammen. Natürlich gibt es auch den umgekehrten Fall, die wenigen, cleveren Thriller, die gerade auf das Telefon oder das Mobiltelefon als Plotdevice setzen:

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Filmpodcast Nr. 148: The Sound of Insects, Cargo, Zurich Film Festival.

Cargo von Ivan Engler Ascot Elite
'Cargo' von Ivan Engler © Ascot Elite

Hier ist Kino im Kopf mit Michael Sennhauser. Heute geht es um Peter Liechtis Film The Sound of Insects, ums aktuelle Zurich Film Festival, und um den Schweizer Science Fiction Film Cargo. Filmtipps sowie Tonspur haben wir auch, wie gewohnt.

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Die Unverpassbaren, Woche 40

'The Sound of Insects' von Peter Liechti © Look Now
'The Sound of Insects' von Peter Liechti © Look Now

Und hier wieder die donnerstäglichen fünf Filme aus dem aktuellen Deutschschweizer Angebot, welche meiner Meinung nach niemand verpassen sollte:

  1. The Sound of Insects – Aufzeichnungen einer Mumie von Peter Liechti. Eine einmalige Seelenlandschaft aus Texten, Bildern, Tönen und Musik.
  2. Cargo von Ivan Engler und Ralph Etter. Der erste grosse Schweizer Science Fiction Film ist ein beachtliches Schaustück, technisch verblüffend up to date und erzählerisch wohltuend getragen.
  3. Still Walking von Hirokazu Kore-Eda. Wie der Japaner ohne Drama und laute Töne eine Familie porträtiert, ist absolut meisterhaft.
  4. Antichrist von Lars von Trier. Das erste wirklich provokative filmische Kunstwerk seit langem. Wer dem Regisseur unterstellt, er sei verrückt, oder frauenfeindlich, verzichtet ganz klar aufs Nachdenken.
  5. Taking Woodstock von Ang Lee. Bescheiden und liebevoll nähert sich der Chinese dem amerikanischen Rock-Traum kurz vor seinem Kippen.

1. Porn Film Festival Zürich

Zurich Porn Film Festival

Die Schattenindustrie der siebten Kunst hat schon immer am dicht am Puls der Gesellschaft funktioniert. Trotzdem dürften die Veranstalter des 5. Zurich Film Festivals (24. Sept. – 5. Okt) nicht völlig begeistert sein von der unerwarteten Konkurrenz des ersten Porn Film Festivals Zürich, das nicht nur parallel stattfindet, sondern gar noch zwei Tage länger dauert (24. September bis 7. Oktober 2009).

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Karl Spoerri vom Zurich Film Festival im Interview

Karl Spoerri Zurich Film Festival (zvg)Wenn am Donnerstag die 5. Ausgabe des Zurich Film Festivals eröffnet wird, bin ich bereits auf dem Weg in meine Ferien. Das hat eine bedauerliche Seite, denn das diesjährige Angebot der umtriebigen Zürcher ist deutlich vielversprechender als früher. Im Interview äusserst sich Festivalleiter Karl Spoerri zur Erweiterung des Publikumsfestivals zum Branchentreff, zum Standortvorteil von Zürich, zum Budget und dem Eigenmittelbedarf, zur Zweiteilung des Wettbwerbs in eine deutschsprachige und eine internationale Sektion und zur Schweizer Untertitelkultur. Aber auch dazu, was ein Star wie Morgan Freeman effektiv kostet, beziehungsweise, wie die Sachleistungen von Hotel- und Airline-Sponsoren dabei helfen, solche Medienmagnete nach Zürich zu holen. Und er bedauert, dass die medienwirksam inszenierte Star-Ballung des Festivals den medialen Blick auf die Inhalte des Programms verstelle.

Interview (18′) Download (MP3, 8MB) Hören:

Altersfreigabe: Doch noch Hoffnung?

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Zwar scheint die national einheitliche Altersfreigabe für Kinofilme nach dem Rückzieher der Kantone Genf, Waadt, Neuenburg und Graubünden nach wie vor fraglich, entschieden wird darüber aber erst im November, wenn sich die kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren wieder treffen. Immerhin sei, wie Gerhard Mann von der Basellandschaftlichen Sicherheitsdirektion erklärt, wenigstens auch eine Deutschschweizer Vereinheitlichung denkbar, schon das würde etliches erleichtern. Susanna Petrin berichtet übrigens in der heutigen Basler Zeitung über das im Entstehen begriffene Baselbieter Filmgesetz, das nicht nur die Kinobesuche, sondern alle Filmvertriebskanäle und -Träger den Schutzalterbestimmungen unterwerfen will. Das würde dann allerdings wohl eine Weiterbeschäftigung der kantonalen Kommission bedeuten, selbst dann, wenn die Kinofreigabe zentralisiert werden könnte.

Filmpodcast Nr. 147: Still Walking, Up!

Up Disney Pixar
'Up!' von Pete Docter © Disney/Pixar

Herzlich Willkommen zu Kino im Kopf mit Michael Sennhauser. Heute stelle ich das Familienbild Still Walking von meinem Lieblingsregisseur Hirokazu Kore Eda vor, und Brigitte Häring den jüngsten Pixar-Film Up!. Und natürlich haben wir Filmtipps und die Tonspurensuche wie immer.

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Die Unverpassbaren, Woche 39

Still Walking von Hirokazu Kore Eda (Familienausflug) trigon-film
'Still Walking' von Hirokazu Kore Eda © trigon-film

Wie jede Woche am Donnerstag hier wieder die fünf Filme aus dem aktuellen Deutschschweizer Angebot, welche meiner Meinung nach niemand verpassen sollte:

  1. Still Walking von Hirokazu Kore-Eda. Wie der Japaner ohne Drama und laute Töne eine Familie porträtiert, ist absolut meisterhaft. Mehr dazu gleich im Anschluss.
  2. Antichrist von Lars von Trier. Das erste wirklich provokative filmische Kunstwerk seit langem. Wer dem Regisseur unterstellt, er sei verrückt, oder frauenfeindlich, verzichtet ganz klar aufs Nachdenken.
  3. Taking Woodstock von Ang Lee. Bescheiden und liebevoll nähert sich der Chinese dem amerikanischen Rock-Traum kurz vor seinem Kippen.
  4. Coraline von Henry Selick – Puppenanimation mit Tiefe, Witz und dunklen Stellen.
  5. Inglourious Basterds von Quentin Tarantino. Rachephantasien sind immer zwiespältig. Aber die hier gehört zu denen, die man gesehen haben sollte.