Neues Buch: SCHAU SPIEL – BRUNO GANZ von Walter Ruggle

Bruno Ganz © Ruth Walz

In der 43. Minute von Wim Wenders’ Der amerikanische Freund von 1977 liegt Bruno Ganz auf einem Schragen im American Hospital in Paris und erklärt dem Arzt, er komme aus Hamburg. Aber eigentlich sei er Schweizer. Ein «Zürihegel».

Die Herkunft ist nicht das einzige, was den Filmpublizisten und langjährigen trigon-Verleih-Leiter Walter Ruggle mit dem Subjekt seines neuen Buches verbindet. Aber doch prägend, wie Ruggle in seinem «Einstimmung» genannten Vorwort andeutet: „Neues Buch: SCHAU SPIEL – BRUNO GANZ von Walter Ruggle“ weiterlesen

NEUES BUCH: Richard Dindo, Erinnerungsarbeiter

Autor Martin Walder (mit Journalistenkollegin Ewa Hess und Matthias Lerf) an den Solothurner Filmtagen 2007; Foto © sennhauser

Am zwölften Februar 2025 ist Richard Dindo gestorben. Da war Martin Walder schon längst an der Arbeit, sein Buch über den Schweizer Dokumentarfilmer war nicht als Nachruf geplant. Morgen (Dienstag, 27. Januar 2026), also nicht ganz ein Jahr später, stellt Walder den Band im Rahmen einer Dindo-Hommage an den 61. Solothurner Filmtagen vor.

Einen «Streifzug durch seine Filme» nennt Martin Walder seinen knapp 150 Seiten starken Dindo-Band, und das löst er auf durchaus ein- und mitnehmende Art auch ein. Aber das Buch ist dann doch auch viel mehr. Denn Walder hat nicht nur einen guten Teil der noch immer erstaunlich spärlichen Sekundärliteratur zu Richard Dindos Werk auf- und eingearbeitet, er leistet auch selbst und sehr persönlich die Erinnerungsarbeit, deren Mechanik und Grundlagen er anhand von Dindos Œuvre zu systematisieren versucht. „NEUES BUCH: Richard Dindo, Erinnerungsarbeiter“ weiterlesen

NIFFF 2025 – Der neue Horror: Wir, die Alten

Die Mutter, das Portal zur Hölle: Robyn Nevin in ‚Relic‘ (2020) von Natalie Erika James © Film Constellation

Die greise Mutter als Portal zum jenseitigen, unmenschlich Bösen. Das Elend und das schlechte Gewissen des Sohnes, der sie ins Altersheim fährt. Die Tochter, die ihrer Mutter vorhält, die Grossmutter aus Bequemlichkeit versorgen zu wollen: Die Motive einiger der neuen Filme, die am diesjährigen NIFFF zu sehen sind, greifen direkt auf die Ängste, den Schmerz und den Horror unserer aktuellen Gesellschaft zu.

Natürlich war das schon immer das Prinzip des wahren Schreckens. Die Ahnen mussten besänftigt werden, um nicht als Geister die nächste Generation heimzusuchen. Die plötzliche Fremdheit vertrauter Menschen spiegelte sich in den Untoten und Wiedergängern der archetypischen Menschheitsgeschichten. Die Kirche machte ihren Gläubigen zwecks Machterhalt die Hölle heiss. Die Puritaner verteufelten den Sex zwecks besserer Gesellschafts- und vor allem Frauenkontrolle. Und das alles schlug sich stets nieder im genregerechten Horrorkino. „NIFFF 2025 – Der neue Horror: Wir, die Alten“ weiterlesen

John Cleese explains Hollywood

Ein neuer Film von Fred van der Kooij:
DIE VERLIESE DES FLÜCHTIGEN

© Fred van der Kooij
© Fred van der Kooij

Es ist der erste Kinofilm von Fred van der Kooij seit sieben Jahren – und er sprengt gleich wieder alle künstlichen Grenzen zwischen Musik, Film, Raum und Bewegung. Schon der Titel ist ein schillerndes Programm: Die Verliese des Flüchtigen. Das klingt nach dem schmachtenden Graf von Montecristo, aber auch nach jenem flüchtigen Duft, den man nur im Kopf festhalten kann, die olfaktorische Komponente der Erinnerung. Im Film hat eine Frau in klaren Glasflaschen den Geruch der wichtigsten Tage ihres Lebens eingefangen. Die Flaschen stehen auf einer Kommode und die Vergangenheiten lassen sich teilen – mit jenen, welche die Nase dafür haben. „Ein neuer Film von Fred van der Kooij:
DIE VERLIESE DES FLÜCHTIGEN“
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Schweizer Filmpreis für Alexander J. Seiler

dvd box seiler

Heute Abend werden im Zürcher Schiffbau die Schweizer Filmpreise 2014 vergeben. Der diesjährige Ehrenpreis für das Gesamtwerk geht an einen der heimlichen Revolutionäre des Schweizer Films, an den 86jährigen Alexander J. Seiler, Theaterwissenschaftler, Filmemacher, Publizist.

Mit Dokumentarfilmen wie Siamo italiani von 1964, mit kulturpolitischen Initiativen und mit unzähligen Aufsätzen und Publikationen hat sich Alexander Seiler unermüdlich eingemischt in die „eigenen Angelegenheiten“ der Schweiz. „Schweizer Filmpreis für Alexander J. Seiler“ weiterlesen

Umbau beim «Filmbulletin»

Walt R Vian (© sennhauser) Tereza Fischer-Smid (screenshot srf)
Walt R Vian (© sennhauser) Tereza Fischer-Smid (screenshot srf)

Die letzte gedruckte unabhängige Filmzeitschrift der Deutschschweiz tritt in eine neue Ära ein. Das seit Jahrzehnten von Walt R. Vian geleitete «Filmbulletin» wird neu von einer eigens gegründeten Stiftung getragen und soll von einer neuen Chefredaktorin und Verlagsleiterin mit „Erfahrung im E-Publishing-Bereich“ in eine neue Phase geführt werden. Hier die offizielle Medienmitteilung von heute: „Umbau beim «Filmbulletin»“ weiterlesen

NIFFF 13: Eine Liebeserklärung

Nicole Kidman im Eröffnungsfilm 'Stoker' von Park Chan-wook
Nicole Kidman im diesjährigen Eröffnungsfilm ‚Stoker‘ von Park Chan-wook

„Zombies? Horrorfilme? Das Zeug kann ich nicht gucken. Und Du gehst da freiwillig hin?“ Nein. Ich gehe nicht freiwillig ans NIFFF, ans Neuchâtel International Fantastic Film Festival. Ich muss da hin, unbedingt. Jedes Jahr. Das NIFFF gehört zu meinen Zen-Orten im ansonsten eher irren Kinojahr. Nach dem Globalstress der weltbesten Filme im Mai in Cannes , und vor dem Lokalstress der täglichen live-Sendungen vom Filmfestival in Locarno kann ich in Neuenburg genau das geniessen, was meine Liebe zum Kino über all die Jahre befeuert und am Leben gehalten hat: Überbordende Fantasie, kunstvolle Welten jenseits des immer langweiliger werdenden Movie-Mainstreams für Fünfzehnjährige.

Entgegen landläufiger Vorurteile ist das NIFFF kein Blutbad, sondern ein feines kleines Sommerfestival mit ebenso familiärer wie internationaler Atmosphäre. Der fantastische Film gehört – wenn nicht gerade Peter Jackson seine Hobbits inszeniert – zu den Nischenprodukten des Weltkinomarktes. Das sind Filme zwischen Untergrund, Insiderfeiern und Fringe-Benefits, im wörtlichsten Sinne. „NIFFF 13: Eine Liebeserklärung“ weiterlesen

Fred van der Kooij über das Filmische

Einer der originellsten Köpfe zwischen Film und Musik, Bild und Ton, Theorie und Praxis in Wort und Ohr in der Schweiz ist unbestritten Fred van der Kooij. Bisher waren vor allem seine Videoessays zu einzelnen Filmen auf fredundfilm.ch lohnenswerte Klickziele. Jetzt hat van der Kooij aber auch endlich seine über die Jahre gesammelten Texte aufbereitet und in einer Form zugänglich gemacht, die über die übliche gedruckte Essaysammlung hinausgeht. Auf seiner Website stellt er das ganze Buch in einzelnen pdf-Kapiteln zum Download zur Verfügung. Die Texte sind nicht nur illustriert, sie verlinken auch immer wieder auf Videobeispiele – was die Lektüre am PC, aber vor allem auch auf dem iPad zu einem ganz speziellen Vergnügen macht. „Fred van der Kooij über das Filmische“ weiterlesen

TRON – LEGACY und die Vorfahren

Jeff Bridges in 'Tron - Legacy' ©Disney
Jeff Bridges in 'Tron - Legacy' ©Disney

Für meine Generation ist Disneys Tron ein Meilenstein. Nicht der Filmgeschichte, aber der Mediengeschichte. Ich gehöre gerade noch nicht zur Generation Pac-Man (da wirkte schon mein kleiner Bruder), sondern eher noch zur Generation Pong, und für uns war die Idee, ein Videospiel könnte eine eigene physische Realität entwickeln, in die man gar eindringen oder in der man in Gefangenschaft geraten könnte, noch rein metaphorisch faszinierend. Dennoch (oder trotzdem) wurde Tron zur Enttäuschung. Visuell gab das zwar etwas her, aber konzeptionell blieb das ein schwacher Action-Film mit einfachen Verfolgungsjagden, visuell aufgepeppt. Jetzt, fast dreissig Jahre später, hat Disney dem zur Legende gehypten Pionier-Film ein Tron – Legacy genanntes Nachfolgevehikel hinterhergejagt. Und das ist erst recht eine Enttäuschung:

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