Fantoche, Animationen und Games

Fantoche 2010 Screen klein

Heute beginnt in die 8. Ausgabe von Fantoche, dem internationalen Animationsfilmfestival (ich bin im Vorstand des Vereins). Fantoche war immer am Puls der Zeit und ist es jetzt, im neuen jährlichen Rhythmus, erst recht. Ein spannender Schwerpunkt, der sich schon in der letzten Ausgabe abzeichnete, ist das Grenzgebiet zwischen Animationsfilm und Game-Entwicklung. FAntoche widmet sich der Gamekultur mit einer ganzen Reihe von Ausstellungen, Podien und Veranstaltungen. Die Beschäftigung mit der Game-Kultur ist gerade für angestammte Filmjournalisten ein zwiespältiges Feld. Einerseits spüren wir alle die Verwandschaft (und die Konkurrenz, die dem traditionellen Kino erwachsen ist), andererseits hängen die meisten von uns an Linearität, Storyline und Plot. Entsprechend eingeengt schreiben denn auch die meisten über das weite Feld. Blogkollege Christof Zurschmitten von nahaufnahmen.ch hat mich auf einen Aufsatz aufmerksam gemacht, mit dem er versucht hat, das übliche Schreiben für Game-Insider zu durchbrechen:

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Düstere Aussichten bei 3D

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In der SZ von gestern fasst Fritz Göttler einmal mehr zusammen, warum der 3D-Boom bereits in der Sackgasse steckt. Was James Cameron mit Avatar demonstriert hat, hätte wohl eine Zukunft gehabt. Aber die industrialisierte Billig-Umrechnerei des Materials auf zwei flaue Halbbilder entspricht letztlich eher der Fernsehtechnik. Ich bin dankbar dafür, dass Nolan bei Inception auf den Schnickschnack verzichtet hat, der Film hätte gelitten.

DER RISS IN DER LEINWAND von Thomas Meier

Meier Thomas Der Riss in der Leinwand

Lange Zeit gab es nur noch wenige neue Einträge auf meinem Schweizer Lieblingsfilmblog, Sakkaden von Thomas Meier. Meier, Teilzeitlehrer in der Fantoche-Stadt Baden, hat mich fasziniert mit seiner ziemlich unkonventionellen Art, an die neuen Filme heranzugehen, seine Filmbesprechungen waren Kurzgeschichten über Kinogänger, sein kinogehendes Alter Ego und die Frauen und Männer, die ihn ins Kino begleitet haben – oder auch nicht. Das machte seine Texte zugleich persönlicher und universeller, denn diese Kinoerlebnisse waren wirklich solche: Filme, die ins Leben eindringen, bzw. Leben, die sich vom Kino vereinnahmen, verändern liessen. Unterdessen weiss ich, warum Meier nur noch selten gebloggt hat in den letzten Monaten, denn mittlerweile ist sein Roman erschienen, Der Riss in der Leinwand, ein Erstling, der das Prinzip der Blog-Kurz-Geschichten konsequent umsetzt in die lange Form.

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Animation vs. Live Action an der LIAA

'Street of Crocodiles' von den Brothers Quay
'Street of Crocodiles' von den Brothers Quay

In Luzern traf sich diese Woche die Crème de la crème der Animationsfilmszene zur Lucerne International Animation Academy LIAA. Weil ich mit regulärer Radioarbeit eingedeckt war, habe ich Szene-Stars wie die Brothers Quay oder Priit Pärn aus Talinn verpasst, aber auch etliche der angefressenen Theoretiker und Praktiker aus den Schulen und Studienzentren. Gestern nun habe ich es doch noch ins Bourbaki-Kino geschafft, zu einer etwas handgestrickten Selbst-Präsentation der Animationsabteilung der Hochschule Luzern (die sich mit der Organisation der LIAA ein professionelleres Zeugnis ausgestellt hat als mit dieser Plauderrunde), vor allem aber zu einer nicht ganz klar definierten, dafür um so anregenderen Veranstaltung mit den beiden Animationsfilmprofis Gil Alkabetz (u.a. Potsdam-Babelsberg) und Jerzy Kucia aus Krakau.

Jerzy Kucia, Gil Alkabetz
Jerzy Kucia, Gil Alkabetz

Um die specifics of storytelling and dramaturgy in animation sollte sich der Dialog der beiden drehen. Tatsächlich bewegte sich das Ganze dann aber in eine weitaus spannendere Richtung: Was unterscheidet die Rezeption von Animation und von Live Action? Schon die Arbeitsthese von Alkabetz hatte es in sich: Animation funktioniere grundsätzlich metaphorisch, es sei fast unmöglich, mit den Mitteln des Animationsfilms etwas zum Nennwert (oder Schauwert) darzustellen. Was heisst das nun?

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Roger Moore autobiografisch

moore autobio cover

Er habe sich lange gesträubt, seine Autobiografie zu schreiben, behauptet Roger Moore im Vorwort zu eben dieser. Und ein erster Versuch sei ihm samt Gepäck ohnehin einmal geklaut worden, bzw. der Computer, auf dem das drauf war. Aber nun liegt sie vor, auf Deutsch, und knapp 380 Seiten stark, so dass jedes Lebensjahr des 1927 geborenen Briten rund 4,6 Seiten abbekommt. Moore bleibt seinem sonnigen Image treu, breitet keinen Schmutz aus, hat fast nur Gutes zu erzählen über die Menschen in seinem Leben. Und er beschränkt sich grundsätzlich auf eine lange Anneinanderreihung von Anekdoten. Dass sich das, hat man sich erst mal durch die langweiligen Jugend- und Kindheitskapitel durchgeackert, trotzdem ganz vergnüglich liest, liegt vor allem an der Selbstironie des Mannes.

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Abschied eines Filmkritikers von der Filmkritik

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Christoph Egger ist/war der letzte „hauptamtliche“ Filmredaktor der leider bereits legendären Filmredaktion der Neuen Zürcher Zeitung NZZ. Jahrzehntelang hat er die Tradition der fachlich fundierten Kritik, des kritischen Kulturjournalismus und der sorgfältigen Begleitung des einheimischen und globalen Filmschaffens gepflegt. Christoph Egger war es auch, der mir kurz nach meinem Studium, als ich mich als Filmjournalist selbständig machte, den (gelegentlichen) Sprung von der Lokalzeitung ins nationale Feuilleton ermöglichte. Sein revolutionäres Kürzel che. und seine wohlüberlegte, besonnene Art, an die Themen heranzugehen, habe ich immer als witzigen Kontrast empfunden. Jetzt aber geht auch bei der NZZ eine Ära zu Ende, Christoph Egger wird frühpensioniert, die Filmredaktion der NZZ, die schon in den letzten Jahren massiv zusammengestrichen wurde, hört faktisch auf zu existieren.

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Strukturwandel im Kinogewerbe

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Während im Konsumgütersektor die Kauflust mit der globalen Finanzkrise abgenommen hat, verzeichnen Kinobetriebe, vor allem in den USA, steigende Zuschauerzahlen. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass das Kinogewerbe krisenresistent wäre, im Gegenteil: Die Kinokrise ist seit vielen Jahren Dauerzustand. Michael Sennhauser unterhält sich mit Schweizer Kinobetreibern über steigende Zuschauerzahlen, sinkende Werbeschaltungen, die Verflachung des Filmangebots, die Digitalisierung, ihre Möglichkeiten und Gefahren. Gesprächspartner sind: Beat Käslin, Arthouse Kinos Zürich, Romy Gysin, Kultkino Basel, Brian Jones, General Manager Pathé Schweiz, sowie Laurent Steiert, BAK.

Saugen: Reflexe Strukturwandel Kino (Rechtsklick für Download)
Hören: [audio: http://pod.drs.ch/mp3/reflexe/reflexe_200904221335_10077699.mp3]

Watchmen: Kurzkritik als Mono-Comic

Watchmen Cartoon Review (c) Kyle Cummings
Watchmen Cartoon Review (c) Kyle Cummings

Hübsche Idee, sehr hübsch umgesetzt. Kyle Cummings hat die Watchmen gelesen, gesehen und ge-kommentiert. (via Ambrose Herons FILMdetail).

Ein Obama für den Schweizer Film? Bideau unter Feuer.

Im Blog auf seiner mittlerweile ganz schön vielfältigen Website zum Schweizer Film fragt Filmcutter, -Technik-Tüftler und Webfilmverkäufer Matthias Bürcher, wo denn der Obama des Schweizer Films bleibe. Natürlich wird sich der Name Obama als Symbol für Hoffnung in den nächsten Wochen schnell abnützen. Und natürlich ist die Forderung nach einem einzelnen Hoffnungsträger immer eher zwiespältig. Aber der Kommentar von Matthias fasst etliche wunde Punkte der Bideauschen Filmpolitik sehr schön zusammen.

Stammelblog und Podium

Zur Zeit läuft nicht gerade viel auf diesem Blog. Das hat vor allem mit den technischen Hürden der letzten Wochen zu tun. Wir sind aber an der Arbeit, und wenn alles klappt, wird Sennhausers Film Blog demnächst auf einer neuen Plattform laufen (aber auch weiterhin am vertrauten Ort zu finden sein). Bis dahin stehen noch die Solothurner Filmtage an nächste Woche, und da geht es unter anderem auch ums Bloggen:

Solothurner Filmtage – Das Podium

Im Rahmen der Solothurner Filmtage laden wir Sie am Donnerstag, 22. Januar 2009, von 12.00 -13.30 Uhr ins Stadttheater Solothurn zum art-tv/SVFJ-Podium «Print-Profis versus Blog-Banausen» ein. Ein verbaler Match zwischen Filmliebhabern, die ihr Wissen gratis feilhalten und jenen, die (noch) davon leben wollen. Der Eintritt ist frei! Infopdf hier.