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    Locarno 09: ‚Same Same But Different‘ von Detlev Buck

    Von Michael Sennhauser | 13. August 2009 - 23:27

    same same but different street

    Im Vorspann nennt er sich zwar nur noch Buck, ist aber immer noch Detlev, zumindest im Ansatz. Allerdings setzt er mit Same Same But Different den ungewohnt väterlichen Kurs fort, den er mit Knallhart schon eingeschlagen hat. Und möglicherweise, gibt er selber zu, hat das mit seinem Alter zu tun. Die Verfilmung eines autobiografischen Romans von Benjamin Prüfer erzählt von einer unwahrscheinlichen Liebe zwischen einem jungen deutschen Kambodscha-Touristen und einer noch jüngeren HIV-positiven Prostituierten. Das ist der Stoff für eine Betroffenheitsreportage zu Drogen- und Prostitutionstourismus, aber genau daran hätte er nicht das geringste Interesse gehabt, hat Buck in unserer heutigen Radiobegegnung in Locarno erklärt. Wir können auch anders hiess Bucks Erfolg von 1993 und Same Same But Different sagt im programmatischen Ansatz das Gleiche.

    same same but different couple

    Allerding reicht der Wille zur Freude allein noch nicht, um aus einer potentiell tragischen Geschichte eine vollständig überzeugend aufbauende Liebesgeschichte zu machen. Selbst wenn die Website zum Film diese Reise nach Kambodscha als „Journey into the Heart of Lightness“ bezeichnet, ist diese Referenz an Joseph Conrad und Francis Ford Coppolas Apocalypse Now zunächst nicht mehr als eine flapsige Behauptung.

    Entsprechend gespalten sind die Reaktionen in Locarno ausgefallen. Während die hartgesotteneren Journalisten von Verharmlosungskitsch reden und schimpfen wie die Rohrspatzen, haben sich andere auf die Romantik und die hoffnungsvolle Utopie des Films eingelassen. Natürlich ist es schwer, so viel Behauptung, so viel guten Willen für bare Münze zu nehmen: Das kann ja nicht gut gehen mit dem verliebten Jungen und seiner todkranken Freundin aus einer anderen Kultur. Dass ausgerechnet David Kross, der grossäugige Knabe aus The Reader hier wieder so einen vorurteilsfreien liebdeutschen Jungen spielt, macht es auch nicht leichter, den positiven Verlauf der Geschichte einfach so einzustecken. Und Apinya Sakuljaroensuk, welche das Mädchen spielt, ist ebenfalls eine Spur zu süss, um wahr zu sein. Aber das alles ändert nichts daran, dass der Film in seinen einzelnen Sequenzen und Szenen den grossen, positiven, wild entschlossen optimistischen Bogen immerhin so weit unterläuft, dass man nicht ernsthaft behaupten kann, das sei nichts als eine blinde Schnulze.

    Am wahrscheinlichsten, meine ich, ist es die Trotzreaktion Bucks, die Entschlossenheit, sich von allen Elendserzählungen abzuheben, welche für Misstrauen und Empörung sorgt bei den Kritikern des Films. Und wer ihn zu verteidigen sucht, läuft schnell in die Falle, unter anderem darum, weil Hässlich auch im Kino meistens wahrer wirkt als Schön. Aber auch, weil die positiv ausgerichteten Erzählmechanismen nicht wirklich zu unterscheiden sind vom ähnlich surrenden Verlogenheitskitsch. Und das wiederum liegt am erzählerischen Handwerk Bucks. Er kann zwar wunderbar mit lakonischer Komik umgehen, etwa, wenn er die ausgebootete Bürofreundin des grossen Bruders des Helden vor den beiden Brüdern referieren lässt, warum sie das kambodschanische Mädchen nicht auf einen einseitigen Gefühlsvertrag festlegen dürfen; aber so bald der Film auf die Komik verzichten muss, fehlt der bitter nötige Gefühlsabstand, der einem als Zuschauer eine autonome Reaktion ermöglichen würde. Mit anderen Worten: Wenn Buck mit Komik arbeitet, ist er überzeugend. Wenn er Tragik anklingen lässt, wird er manipulativ. Beides ist ausgesprochen kinogerecht, verträgt sich aber in der Kombination nicht unbedingt.

    Same Same But Different hat so gesehen einen doppeldeutig angemessenen Titel. Der Film ist wirklich gleich wie viele andere, und doch ein wenig anders. Bloss nicht so viel, dass man sich ihm bedenkenlos ausliefern dürfte. Was nichts daran ändert, dass ich mir diese Geschichte gerne angesehen habe, von ihrer nahe am Ferienprospekt gebauten Exotik bis zu den unbestritten aberwitzigen Szenen mit Kühen, Marken-Unterhosen und Granatwerfern. Kein Meilenstein des deutschen Kinos. Aber ein echter Buck, trotz allem.

    Pardofell

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | 1 Kommentar »

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