HOW TO SAVE A DEAD FRIEND von Marusya Syroechkovskaya

Die 16jährige Marusya in Moskau ist überzeugt, sie werde das Ende des Jahres 2005 nicht mehr erleben. So viele ihrer Freundinnen und Freunde sind bereits tot – Suizid wirkt unter diesen Teenagern in Putins neuem Russland wie der letzte verbliebene Akt des Widerstands.

Aber dann lernt Marusya Kimi kennen, der so deprimiert, überdreht und überraschend ist, wie sie selbst. Und süchtig nach Kicks, nach Substanzen, nach Ideen. Kimi studiert Geschichte, wenn er dazu kommt; Marusya will Filme machen. „HOW TO SAVE A DEAD FRIEND von Marusya Syroechkovskaya“ weiterlesen

GARÇONNIÈRES von Céline Pernet

‚Garçonnières‘ © Climage

Der erste Sex? Das sei schrecklich gewesen, peinlich, ein Desaster. Das sagen sie fast alle, die Männer zwischen dreissig und fünfundvierzig vor Céline Pernets Kamera.

Sie habe Männer immer gemocht, faszinierend gefunden, erklärt die Anthropologin und Filmemacherin zu Beginn ihres täuschend einfachen Dokumentarfilms. „GARÇONNIÈRES von Céline Pernet“ weiterlesen

GETTING OLD STINKS von Peter Entell

Hochzeitsfoto der Eltern des Filmemachers Peter Entell: ‚Getting Old Stinks‘ © Show and Tell Films

Nachdem sein Vater gestorben war, liess Peter Entell seine Videoaufnahmen von den jährlichen Familientreffen in den USA fünfzehn Jahre in der Schublade liegen. Bis er selbst vor drei Jahren 67 wurde, das Alter, in dem sein Vater einen Herzinfarkt erlitt.

Entells Vater Marc, oder Mottl, wie er als Kind in der Ukraine genannt wurde, lebte nach dem Infarkt noch weitere fünfzehn Jahre. Und jedes Jahr zum Geburtstag besuchten ihn seine vier Kinder, Peter, der Jüngste, die zwei Schwestern und der ältere Bruder. „GETTING OLD STINKS von Peter Entell“ weiterlesen

Wieso es um die Oscars nicht gut steht

Ende März werden wieder die Oscars verliehen. Für diese Award-Show interessieren sich immer weniger Menschen. Die meisten Zuschauer:innen wurden 1998 verzeichnet, als Titanic der grosse Abräumer war. 55 Millionen Menschen schauten damals zu. Im Pandemie-Jahr 2021 waren es weniger als zehn Millionen.

SCHWARZARBEIT von Ulrich Grossenbacher

© Fair & Ugly

Selten hat mir ein Dokumentarfilm so schnell und direkt «den Ärmel reingenommen» wie Grossenbachers Schwarzarbeit. Diese Mannen (und die eine Frau) von der Arbeitsmarktkontrolle Bern sind schon für sich ein Makrokosmos.

Immer zu zweit unterwegs, immer unangemeldet, in Restaurantküchen, auf Baustellen, immer mit der Vorgabe, festzustellen, ob alle angetroffenen Arbeitskräfte rechtmässig angestellt und entlöhnt sind. „SCHWARZARBEIT von Ulrich Grossenbacher“ weiterlesen

CHROMA von Jean Laurent Chautems

Aurélien Caeyman spielt Alain. Und Piano. © cineworx

Realismus ist nicht immer überzeugend auf der Leinwand. Manchmal knallt der Mut zur irren Konstruktion viel direkter ins Gemüt.

Das ist jedenfalls so bei dieser belgisch-schweizerischen Koproduktion. Die Figurenkonstellation die uns Regisseur Chautems hier auftischt, ist auf den ersten Blick so künstlich, dass es weh tun müsste.

Tut es dann auch, aber aus den richtigen Gründen. „CHROMA von Jean Laurent Chautems“ weiterlesen

3/19 von Silvio Soldini

Kasia Smutniak als Camilla in Silvio Soldinis ‚3/19‘ © filmcoopi

Irgendetwas fehlt diesem Film. Dabei ist alles so gut geschrieben, so raffiniert konstruiert.

Kasia Smutniak spielt Camilla, eine Corporate Lawyer, eine erfolgreiche, fleissige Konzernanwältin. „3/19 von Silvio Soldini“ weiterlesen

MEMORIA von Apichatpong Weerasethakul

Tilda Swinton © Kick the Machine

Vor etwas über zehn Jahren hat Weerasethakul mit Uncle Bonmee uns in Cannes das kindliche Vergnügen am magischen Denken zurückgebracht. An diesen Onkel, der sich an seine früheren Existenzen erinnern konnte, erinnert Weerasethakuls erster ausserhalb von Thailand spielender neuer Film.

Tilda Swinton ist als Schottin in Kolumbien unterwegs, schläft in einer Wohnung und schreckt mitten in der Nacht auf, als sie einen lauten, dumpfen Knall hört. „MEMORIA von Apichatpong Weerasethakul“ weiterlesen

LES OLYMPIADES, Paris 13e (Paris 13th District) von Jacques Audiard

Noémi Merlant und Makita Samba in ‚Les olympiades‘ © page 114

Gleich drei Cannes-Stars haben am Drehbuch zu Jacques Audiards jüngstem Film gearbeitet: Der Regisseur selbst, Léa Mysius, die 2017 mit Ava überrascht hatte, und Céline Sciamma, deren Portrait de la jeune fille en feu an der letzten regulären Cannes-Ausgabe den Drehbuch-Preis und unzählige Herzen gewonnen hatte.

Gemeinsam haben sie drei Kurzgeschichten des graphic novelist Adrian Tomine (Amber Sweet/Killing and Dying/Summer Blonde/Hawaiian Getaway) in ein episodisches, perfekt verknüpftes Drehbuch gepackt. „LES OLYMPIADES, Paris 13e (Paris 13th District) von Jacques Audiard“ weiterlesen

RED ROCKET von Sean Baker

Mikey Saber (Simon Rex) © FilmNation

Sean Baker bleibt konsistent. Schon der Titelschriftzug Red Rocket ist in der gleichen kalligraphischen Retro-Pop-Schrift gehalten wie der Titel von The Florida Project (oder seinem Tangerine von 2015).

Auch der Stil ist wieder so etwas wie «scripted reality». Dokumentarisch auf den ersten Blick, aber hoch verdichtet, detailliert geschrieben und dieses Mal auch von den ersten Einstellungen an fiktiv überhöht. „RED ROCKET von Sean Baker“ weiterlesen