Nyon 19: HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT von Thomas Heise

© Thomas Heise

Nachtrag 12. April: Die Jury der Visions du réel (Joslyn Barnes, Produzentin; Pauline Gygax, Produzentin; Orwa Nyrabia, Artistic Director and Producer) hat entschieden, der Hauptpreis, die Sesterce d’or (CHF 20’000) 2019 geht an Thomas Heise.

Die Kombination ist erschlagend, herzabdrückend: Über rund zwanzig Minuten sind auf der Leinwand nur Listen zu sehen. Minutiös getippte Listen mit Erfassungsnummern, Wohnadressen und Namen von Jüdinnen und Juden.

Die Listen sind alphabetisch nach Nachnamen geordnet und es dauert entsprechend lange, bis der Familienname von Thomas Heises Grossmutter aus Wien auftaucht. „Nyon 19: HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT von Thomas Heise“ weiterlesen

NYON 19: WHERE WE BELONG von Jacqueline Zünd

‚Where we belong‘ von Jacqueline Zünd © filmcoopi

Die Zwillinge Alyssia und Illaria haben wahrscheinlich am meisten Glück gehabt. Ihre Eltern trennten sich, als sie noch relativ klein waren. Und die beiden erzählen vor der Kamera unumwunden, wie die Mutter dem Vater Fremdgehen vorgeworfen habe, dass es möglicherweise aber auch umgekehrt gewesen sei.

Bauernsohn Thomas hat etwas mehr Mühe mit seinen Erinnerungen. Eines Tages habe die Mutter nach einem Streit mit dem Vater gepackt und sei in die Ferien gefahren. Danach habe man nicht mehr über sie gesprochen. Auch wenn er sich schon etwas wunderte, dass die Ferien nach einem Jahre immer noch nicht vorbei waren. „NYON 19: WHERE WE BELONG von Jacqueline Zünd“ weiterlesen

NYON 19: PASSION – ZWISCHEN REVOLTE UND RESIGNATION von Christian Labhart

© Look Now!

Die Auswahlkommission der Solothurner Filmtage wollte Christian Labharts Dokumentarfilm im Januar nicht zeigen. Das Dokumentarfilmfestival Nyon hat Passion als einzigen Schweizer Beitrag in den internationalen Wettbewerb genommen.

Beide Entscheide sind nachvollziehbar.

An der Welturaufführung an den «Visions du réel» in Nyon erwies sich Christian Labharts Film als bildgewaltiger Zeitraffer, als generalisierte Lebensbilanz einer Generation. Aber auch als Vitaparcours durch die Chiffren der Weltgeschichte ab 1968. „NYON 19: PASSION – ZWISCHEN REVOLTE UND RESIGNATION von Christian Labhart“ weiterlesen

Abschied von Pio Corradi

Pio Corradi bei der Verleihung des deutschen Kamerapreises 2016

Im Alter von 78 Jahren ist der Schweizer Kameramann Pio Corradi gestorben. Über mehr als vierzig Jahre hinweg hat er den Schweizer Spiel- und Dokumentarfilm geprägt mit seiner Arbeit an Filmen wie Höhenfeuer, Urmusig, Reise der Hoffnung oder Der Kongress der Pinguine. „Abschied von Pio Corradi“ weiterlesen

Die Unverpassbaren, Woche 47 – 2018

Zsofia Körös als Lena in ‚Glaubenberg‘ von Thomas Imbach © frenetic

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Glaubenberg von Thomas Imbach. Die Liebe der Schwester zum Bruder als raffiniertes fliessendes Drama zwischen Ovid und heute. Ein extrem schöner Film mit umwerfenden jungen Darstellern.
  2. Was uns nicht umbringt von Sandra Nettelbeck.  Eine psychoanalytische Ensemblekomödie aus Deutschland. Verspielt, intelligent, clever und nachdenklich lustig.
  3. Liquid Truth (Aos teus olhos) von Carolina Jabor. Das brasilianische Filmdrama erzählt, wie Facebook und WhatsApp den Verdacht auf einen sexuellen Übergriff in eine Hexenjagd verwandeln. Beklemmend aktuell und raffiniert offen.
  4. Leto von Kirill Serebrennikov. Die Geschichte des Leningrader Rockers Viktor Tsoi und seiner Band „Kino“ als raffinierte, verspielte Schwarzweiss-Rückblende in die 80er Jahre.
  5. Ága von Milko Lazarov. Ein niederschmetternd schöner Film über die letzten Dinge und das Vergessen, gegen das sich ein altes Jakuten-Paar stemmt.

Und im Filmpodcast morgen:  Was uns nicht umbringt, Liquid Truth, Abschied von Yves Yersin, Glaubenberg und Thomas Imbach

Die Unverpassbaren, Woche 46 – 2018

Mike und Natasha (Roman Bilyk, Irina Starshenbaum) in ‚Leto‘ © Xenix

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Leto von Kirill Serebrennikov. Die Geschichte des Leningrader Rockers Viktor Tsoi und seiner Band „Kino“ als raffinierte, verspielte Schwarzweiss-Rückblende in die 80er Jahre.
  2. Ága von Milko Lazarov. Ein niederschmetternd schöner Film über die letzten Dinge und das Vergessen, gegen das sich ein altes Jakuten-Paar stemmt.
  3. Genesis 2.0 von Christian Frei und Maxim Arbugaev. Zwei Abenteuerfilme in einer Dokumentation. Die Jagd nach Mammuth-Stosszähnen im auftauenden Permafrost. Und die Jagd nach dem Gen-Code, mit dem sich Gottes Schöpfung verbessern liesse. Pathos mit einem Hauch Zukunfts-Grusel.
  4. Welcome to Zwitscherland von Marc Tschudin. Wie das Land, so die Vögel, behauptet der Dokfilm. Und löst das spektakulär und unterhaltsam ein, seinem überflüssigen Off-Kommentar zum Trotz.
  5. Woman at War von Benedikt Erlingsson. Eine 50jährige Isländerin als heimliche Ökoterroristin. Ein erfinderisches, schelmisches Stück Kino über eine charismatische Kämpferin vor sagenhafter Kulisse.

Und im Filmpodcast morgen:  Leto, 4th Arab Film Festival Zurich, Godiva-Hair.

Die Unverpassbaren, Woche 45 – 2018

‚Ága‘ von Milko Lazarov © trigon

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Ága von Milko Lazarov. Ein niederschmetternd schöner Film über die letzten Dinge und das Vergessen, gegen das sich ein altes Inuit-Paar stemmt.
  2. Genesis 2.0 von Christian Frei und Maxim Arbugaev. Zwei Abenteuerfilme in einer Dokumentation. Die Jagd nach Mammuth-Stosszähnen im auftauenden Permafrost. Und die Jagd nach dem Gen-Code, mit dem sich Gottes Schöpfung verbessern liesse. Pathos mit einem Hauch Zukunfts-Grusel.
  3. Welcome to Zwitscherland von Marc Tschudin. Wie das Land, so die Vögel, behauptet der Dokfilm. Und löst das spektakulär und unterhaltsam ein, seinem überflüssigen Off-Kommentar zum Trotz.
  4. Woman at War von Benedikt Erlingsson. Eine 50jährige Isländerin als heimliche Ökoterroristin. Ein erfinderisches, schelmisches Stück Kino über eine charismatische Kämpferin vor sagenhafter Kulisse.
  5. Pájaros de verano – Birds of Passage von Ciro Guerra & Cristina Gallego. Indigene Mythen und Gebräuche verwoben mit jenen des Godfather-Genres. Raffiniert und spannend, brutal und episch.

Und im Filmpodcast morgen:  Ága, Kurzfilmtage Winterthur, Genesis 2.0 und Christian Frei

Die Unverpassbaren, Woche 44 – 2018

‚Woman at War‘ © filmcoopi

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Welcome to Zwitscherland von Marc Tschudin. Wie das Land, so die Vögel, behauptet der Dokfilm. Und löst das spektakulär und unterhaltsam ein, seinem überflüssigen Off-Kommentar zum Trotz.
  2. Woman at War von Benedikt Erlingsson. Eine 50jährige Isländerin als heimliche Ökoterroristin. Ein erfinderisches, schelmisches Stück Kino über eine charismatische Kämpferin vor sagenhafter Kulisse.
  3. Pájaros de verano – Birds of Passage von Ciro Guerra & Cristina Gallego. Indigene Mythen und Gebräuche verwoben mit jenen des Godfather-Genres. Raffiniert und spannend, brutal und episch.
  4. Becoming Animal von Peter Mettler & Emma Davie. Ein animistisch-dokumentarisches Naturabenteuer voller Erkennen und mit einiger Ironie. Spektakulär, raunend, staunend.
  5. Blaze von Ethan Hawke. Ein brillanter, sehnsuchtsvoller Film über den unbekannten, früh verstorbenen Singer/Songwwriter Blaze Foley, inszeniert als augenzwinkernde Legendenbildung mit hinreissender Besetzung.

Und im Filmpodcast morgen: Zwitscherland, Woman at War, Der Unschuldige.

Die Unverpassbaren, Woche 43 – 2018

Natalia Reyes als Zaida in ‚Birds of Passage‘ © trigon

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Pájaros de verano – Birds of Passage von Ciro Guerra & Cristina Gallego. Indigene Mythen und Gebräuche verwoben mit jenen des Godfather-Genres. Raffiniert und spannend, brutal und episch.
  2. Becoming Animal von Peter Mettler & Emma Davie. Ein animistisch-dokumentarisches Naturabenteuer voller Erkennen und mit einiger Ironie. Spektakulär, raunend, staunend.
  3. Blaze von Ethan Hawke. Ein brillanter, sehnsuchtsvoller Film über den unbekannten, früh verstorbenen Singer/Songwwriter Blaze Foley, inszeniert als augenzwinkernde Legendenbildung mit hinreissender Besetzung.
  4. The Guilty von Gustav Möller.  Ein Telefon-Thriller aus Dänemark, konzeptuell am Podcast orientiert, aber voll auf der Leinwand. Spannend, irreführend, packend.
  5. Leave No Trace von Debra Granik. Ein Vater lebt mit seiner Tochter versteckt im Wald, bis die beiden zufällig entdeckt werden und die Vormundschaftsbehörde eingreift. Individuelle Freiheit vs. gesellschaftliche Norm, subtil inszeniert, zwischen Thoreaus «Walden» und zeitgenössischer Aussteigerromantik.

Und im Filmpodcast morgen: Birds of Passage, Plaire, aimer et courir vite, Becoming Animal mit Peter Mettler.

Die Unverpassbaren, Woche 42 – 2018

Asger (Jakob Cedergren) in ‚The Guilty‘ © Ascot-Elite

Erst diese fünf Filme sehen, dann alle anderen:

  1. Blaze von Ethan Hawke. Ein brillanter, sehnsuchtsvoller Film über den unbekannten, früh verstorbenen Singer/Songwwriter Blaze Foley, inszeniert als augenzwinkernde Legendenbildung mit hinreissender Besetzung.
  2. The Guilty von Gustav Möller.  Ein Telefon-Thriller aus Dänemark, konzeptuell am Podcast orientiert, aber voll auf der Leinwand. Spannend, irreführend, packend.
  3. Leave No Trace von Debra Granik. Ein Vater lebt mit seiner Tochter versteckt im Wald, bis die beiden zufällig entdeckt werden und die Vormundschaftsbehörde eingreift. Individuelle Freiheit vs. gesellschaftliche Norm, subtil inszeniert, zwischen Thoreaus «Walden» und zeitgenössischer Aussteigerromantik.
  4. Der Läufer von Hannes Baumgartner. Wie wird ein Mann zum Mörder, wie explodiert das Innere sinnlos ins Äussere? Ein präziser Versuch, einem realen Gewalttäter fiktiv zu folgen. Mit einem starken Max Hubacher in der zentralen Rolle.
  5. Lazzaro felice von Alice Rohrwacher. Vorindustrielle de-facto-Leibeigenschaft kontrastiert mit aktueller Arbeitslosigkeit in dieser hinreissenden Italien-Traum-Skizze: märchenhaft verspielt, ein bisschen oeko-esoterisch, ein wenig satirisch und ausufernd figurenreich fantasievoll.

Und im Filmpodcast morgen Subito – Das Sofortbild, Blaze, The Guilty.