WOLKENBRUCH
von Michael Steiner

Joel Basman und Noémie Schmidt © dcm

Die seltsame Dominanz der «jiddische Mame» über ihre jüdischen Söhne, ob orthodox oder gemässigt, ist ein heiss geliebtes literarisches und filmisches Klischee.

Thomas Meyers Roman «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» von 2012 hat dem Komplex wenig Neues beigefügt, aber das Buch wurde zum fröhlichen Bestseller. Und nun gibt es die Verfilmung dazu, kurz und knackig mit Wolkenbruch betitelt und mit Joel Basman in der zentralen Rolle. Heute hat der Film von Michael Steiner seine Premiere am Zürich Film Festival. „WOLKENBRUCH
von Michael Steiner“
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DER LÄUFER
von Hannes Baumgartner

Max Hubacher in ‚Der Läufer‘ von Hannes Baumgartner © filmcoopi

Vor sechzehn Jahren hat ein siebenundzwanzig Jahre alter Mann in Bern zwei Frauen mit dem Messer attackiert, eine hat den Angriff nicht überlebt. Als man den Täter schliesslich identifizieren konnte, stellte sich heraus, dass er über einen längeren Zeitraum hinweg zunehmend gewalttätig gewesen war. Gleichzeitig wirkte er im Alltag als Koch und Langstreckenläufer gesellschaftlich integriert und erfolgreich.

Wie kann ein Mensch im Alltag umgänglich und hilfsbereit, diszipliniert und als Sportler erfolgreich sein – und im Versteckten gleichzeitig eruptiv brutal und gezielt gewalttätig? „DER LÄUFER
von Hannes Baumgartner“
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Wim Wenders Retrospektive am Zürich Film Festival

Bruno Ganz als Engel Damiel in ‚Der Himmel über Berlin‘ von 1987

Mit Grosserfolgen wie «Paris, Texas» und «Der Himmel über Berlin» wurde der deutsche Kinoerneuerer Wim Wenders im letzten Jahrhundert zu einer Weltmarke. Das Zürich Film Festival ehrt ihn mit einem Tribut und einer kleinen Retrospektive.

Wim Wenders sagt von sich, er sei zuerst Reisender, dann Fotograf und erst dann Filmemacher. Seine stärksten Filme kombinieren das alles und stellen Bild und Ton, Wort und Idee über die reine Geschichte. „Wim Wenders Retrospektive am Zürich Film Festival“ weiterlesen

Venedig 18: THE BALLAD OF BUSTER SCRUGGS von Joel und Ethan Coen

‚The Ballad of Buster Scruggs‘ © Netflix

Eine Anthologie nennen die Brüder ihren sechsteiligen Episodenfilm, der ursprünglich als Serie für Netflix geplant war.

Nun ist es ein Episodenfilm geworden mit Geschichten aus dem Wilden Westen, die Joel und Ethan Coen – schön gemacht – in ein altes Buch packen, das auf einem groben Holztisch liegt und von einer Hand umgeblättert wird. Aber natürlich ist das Buch nicht wirklich alt, die Coens haben ihre Geschichten selber geschrieben und wie immer ironisch, humorvoll, bitterböse und mit einer ordentlichen Portion Gewalt. „Venedig 18: THE BALLAD OF BUSTER SCRUGGS von Joel und Ethan Coen“ weiterlesen

Venedig 18: THE FAVOURITE von Yorgos Lanthimos (Wettbewerb)

Rachel Weisz in ‚The Favourite‘ © Fox Searchlight Pictures

Yorgos Lanthimos hat sich zum gefragtesten griechischen Regisseur gemausert, der mit seinen Filmen Stammgast an den grossen Festivals geworden ist. Erst letztes Jahr gewann er in Cannes für The Killing Of A Sacred Deer den Drehbuchpreis. Nun ist er mit dem Historiendrama The Favourite im Wettbewerb von Venedig zu sehen.

Lanthimos hat sich schon mit seinem ersten internationalen Erfolg Kynodontas (Dogtooth, 2009) als genauer Beobachter und Abbilder von seelischer Gewalt und Grausamkeit gezeigt. „Venedig 18: THE FAVOURITE von Yorgos Lanthimos (Wettbewerb)“ weiterlesen

Venedig 18: ROMA von Alfonso Cuarón (Wettbewerb)

‚Roma‘ von Alfonso Cuarón © Netflix

Nicht die italienische Hauptstadt ist Titelgeberin für diesen Film, sondern ein Stadtteil von Mexiko-City. Der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón hatte zuletzt mit Gravity ein wunderbar deliriöses Weltraum-Kammerstück mit George Clooney und Sandra Bullock gedreht und dafür einen Oscar gewonnen. Sein neuer Film Roma, im Wettbewerb von Venedig, unterscheidet sich komplett vom Vorgänger.

Dieser Film ist sehr persönlich und inspiriert von Cuaróns eigenen Kindheit, die er in einer mittelständischen Familie in ebendiesem Stadtteil verbracht hat. «Roma» ist eine Erzählung über soziale Gräben zwischen spanischstämmigen und indigenen Mexikanern, die tief in der Gesellschaft verankert sind. Und über Mütter, über Frauen und ihren Kampf, den sie – egal auf welcher Seite des Grabens – führen müssen. „Venedig 18: ROMA von Alfonso Cuarón (Wettbewerb)“ weiterlesen

Venedig 18: FIRST MAN von Damien Chazelle (Wettbewerb)

Ryan Gosling als Neil Armstrong © NBC Universal

Der Film beginnt atemberaubend – im wahrsten Sinne des Wortes. Zuerst ist nur verängstigtes Atmen zu hören, oder vielmehr beengtes Atmen, dann ist der Kopf eines Astronauten in einem sehr engen Cockpit zu sehen.

Während rund fünf Minuten bleiben wir in diesem engen Cockpit, sehen nur das im Helm eingezwängte Gesicht des Astronauten oder aus dem kleinen Fenster einen Ausschnitt Himmel. Zu hören sind der Atem des Piloten und das Klappern und Rattern des Fluggerätes. Und dann dieser Moment: das Fluggerät verlässt kurz die Atmosphäre, wird unmanövrierbar. Aber der Pilot schafft es, wieder runter zu kommen und in der Wüste zu landen. Was für ein atemberaubender Filmstart, was für ein raketengleicher Festivalstart. „Venedig 18: FIRST MAN von Damien Chazelle (Wettbewerb)“ weiterlesen

Lili Hinstin folgt auf Carlo Chatrian in Locarno

Lili Hinstin © Festival EntreVues, Belfort

Die Nachfolgerin des scheidenden Locarno-Direktors Carlo Chatrian heisst Lili Hinstin. Die 41 Jahre alte Französin ist derzeit Déléguée générale des Filmfestivals Entrevues in Belfort.

Da der bisherige Locarno-Direktor Carlo Chatrian Berlinale-Leiter Dieter Kosslick per 2020 ablösen und schon für die nächste Berlinale-Ausgabe im Februar 2019 tätig sein wird, musste der Verwaltungsrat von Locarno relativ schnell handeln: Die 72. Ausgabe von „Locarno Festival“ findet in bereits elf Monaten statt, vom 7. – 17. August 2019.

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Locarno 18: WINTERMÄRCHEN von Jan Bonny (Wettbewerb)

Thomas Schubert, Ricarda Seifried © Heimatfilm

Dieses Wintermärchen schickt sich an, ins emotionale Innere der rechtsextremen Terror-Gruppe «Nationalsozialistischer Untergrund» NSU vorzudringen. Beate Zschäpe und ihre zwei Komplizen heissen hier Becky, Tommi und Maik. Sie bilden eine kaputte Micro-Kommune mit einer dumpf und unklar definierten Mission.

Wenn die drei nicht gerade mit spontanen Dominanz- und Unterwerfungsritualen gegen Libido-Verlust ankämpfen oder sich volllaufen lassen, ziehen sie punktuell los, um «Ausländer» umzubringen. „Locarno 18: WINTERMÄRCHEN von Jan Bonny (Wettbewerb)“ weiterlesen