SCHWARZARBEIT von Ulrich Grossenbacher

© Fair & Ugly

Selten hat mir ein Dokumentarfilm so schnell und direkt «den Ärmel reingenommen» wie Grossenbachers Schwarzarbeit. Diese Mannen (und die eine Frau) von der Arbeitsmarktkontrolle Bern sind schon für sich ein Makrokosmos.

Immer zu zweit unterwegs, immer unangemeldet, in Restaurantküchen, auf Baustellen, immer mit der Vorgabe, festzustellen, ob alle angetroffenen Arbeitskräfte rechtmässig angestellt und entlöhnt sind. „SCHWARZARBEIT von Ulrich Grossenbacher“ weiterlesen

CHROMA von Jean Laurent Chautems

Aurélien Caeyman spielt Alain. Und Piano. © cineworx

Realismus ist nicht immer überzeugend auf der Leinwand. Manchmal knallt der Mut zur irren Konstruktion viel direkter ins Gemüt.

Das ist jedenfalls so bei dieser belgisch-schweizerischen Koproduktion. Die Figurenkonstellation die uns Regisseur Chautems hier auftischt, ist auf den ersten Blick so künstlich, dass es weh tun müsste.

Tut es dann auch, aber aus den richtigen Gründen. „CHROMA von Jean Laurent Chautems“ weiterlesen

3/19 von Silvio Soldini

Kasia Smutniak als Camilla in Silvio Soldinis ‚3/19‘ © filmcoopi

Irgendetwas fehlt diesem Film. Dabei ist alles so gut geschrieben, so raffiniert konstruiert.

Kasia Smutniak spielt Camilla, eine Corporate Lawyer, eine erfolgreiche, fleissige Konzernanwältin. „3/19 von Silvio Soldini“ weiterlesen

LOVING HIGHSMITH von Eva Vitija

Die junge Patricia Highsmith auf einem Bild aus dem Familienarchiv © filmcoopi

Patricia Highsmith hat mit ihren Ripley-Romanen Weltbestseller geschrieben. Und mit «Carol» den ersten lesbischen Kultroman – unter Pseudonym. Sie war Partykönigin und Einsiedlerin, Katzenlady, und Tagebuchschreiberin. Jetzt ist sie das Zentrum eines Schweizer Dokumentarfilms, der ganz unverhohlen als Liebeserklärung auftritt: Loving Highsmith von Eva Vitija hat gestern die 57. Solothurner Filmtage eröffnet.

Wenn Patricia Highsmith in diesem Dokumentarfilm mit Passagen aus ihren Tagebüchern zu hören ist, fühle ich mich sicher und entrückt zugleich. Das liegt an der Stimme von Gwendoline Christie, welche in «Game of Thrones» die loyale, kampfkräftige Brienne of Tarth gespielt hat. „LOVING HIGHSMITH von Eva Vitija“ weiterlesen

Locarno 74: Die Preise

Goldener Leopard für Edwin, hier auf dem Set mit seinem rollenden Titelvorspann © Erieknjuragan

Pardo d’oro (Goldener Leopard),
Grosser Preis der Stadt Locarno für den besten Film:

SEPERTI DENDAM, RINDU HARUS DIBAYAR TUNTAS
(VENGEANCE IS MINE, ALL OTHERS PAY CASH)
von Edwin, Indonesien / Singapur / Deutschland

„Locarno 74: Die Preise“ weiterlesen

Bilanzrunde: Locarno Nr. 74: Ein altes Filmfestival mit einem neuen Direktor

Giona A. Nazzaro – der neue künstlerische Direktor © Filmfestival Locarno

Die 74. Ausgabe des Filmfestivals von Locarno war die erste unter der künstlerischen Leitung von Giona A. Nazzaro. Wo steht der grösste Schweizer Kulturanlass in einer filmischen Landschaft die mehr denn je von Umbruch und Veränderung geprägt ist?

„Bilanzrunde: Locarno Nr. 74: Ein altes Filmfestival mit einem neuen Direktor“ weiterlesen

ZEROS AND ONES von Abel Ferrara

Ethan Hawke © Maze Pictures

Eine undefinierte Terrorgruppe plant, den Vatikan in die Luft zu sprengen und ein amerikanischer Soldat in Rom (Ethan Hawke) versucht, das zu verhindern. Der Bruder (auch Ethan Hawke) des Soldaten ist in Gefangenschaft, weil er das Geheimnis kennt.

Zu den Terroristen gehören offenbar russische Agenten, vielleicht auch Islamisten, so genau wird man das nie erfahren. „ZEROS AND ONES von Abel Ferrara“ weiterlesen

JUJU STORIES von Abba T. Makama, C.J. ‘Fiery’ Obasi und Michael Omonua

Bukola Oladipupo, Rhoda Albert und Chisom Coco Ofor im Segment ‚Suffer the Witch‘ © Fiery Film / 20 Pounds Prod.

Surreal16 nennt sich das nigerianische Filmkollektiv, das diese drei Kurzfilme zu einem Thema hervorgebracht hat. Die Filmemacher haben den Anspruch, das afrikanische Selbstbild zu verändern. Zumindest suggeriert das der Katalogtext von Locarno.

Nun sind weder Lagos noch Nigeria mit dem afrikanischen Kontinent gleichzusetzen. Man darf aber davon ausgehen, dass es so etwas wie panafrikanische Perspektiven und Vorstellungen gibt, nur schon in Abgrenzung zum kolonialen Erbe. „JUJU STORIES von Abba T. Makama, C.J. ‘Fiery’ Obasi und Michael Omonua“ weiterlesen

LUZIFER von Peter Brunner

Johannes (Franz Rogowski) und sein Johannes-Adler Arthur © Ulrich Seidl Filmproduktion

Franz Rogowski spielt wieder einmal ein Kind im Körper eines Mannes. Und das macht er unglaublich gut. Johannes heisst er, lebt mit seiner Mutter in einer Hütte auf einer Alp, pflegt seine Vögel, einen Uhu, einen zahmen Adler.

Die Mutter wird von Susanne Jensen gespielt, einer Laiendarstellerin, Pastorin offenbar und Künstlerin. Regisseur Peter Brunner beschreibt sie als Missbrauchsüberlebende und Ausnahmepersönlichkeit. „LUZIFER von Peter Brunner“ weiterlesen

ESPÍRITU SAGRADO von Chema García Ibarra

© Heretic

Nach einigen preisgekrönten, «hausgemachten» Science-Fiction-Mystery-Kurzfilmen hat Chema García Ibarra seine Methode auf einen ersten Langfilm übertragen.

Er filmt an dem Ort, an dem er aufgewachsen ist, im spanischen Elche, mit ausgesuchten Laiendarstellern und mehr oder weniger dokumentarisch. Die Menschen in diesem Film leben ihren Alltagsmix aus Arbeit, etwas Staunen, etwas Aberglauben und Glauben. „ESPÍRITU SAGRADO von Chema García Ibarra“ weiterlesen