THE SUBSTANCE von Coralie Fargeat

Demi Moore in ‚The Substance‘ © The Match Factory

Mit ihrer für das neue Jahrtausend aufgepeppten und radikalfeministisch unterlegten Neuauflage der bewährten Rape-Revenge-Exploitation Revenge hat Coralie Fargeat 2017 Aufsehen erregt.

Fashionable hat das Unterfangen der Erfolg von Ana Lily Amirpours A Girl Walks Home Alone At Night von 2014 gemacht.

Mit Titane und der goldenen Palme von 2021 für Julia Ducournau hat schliesslich der feministisch reinterpretierte Body-Horror seine intellektuelle Adelung erfahren. „THE SUBSTANCE von Coralie Fargeat“ weiterlesen

LIMONOV: THE BALLAD von Kirill Serebrennikov

Kann kein Russisch: Ben Wishaw in der Titelrolle © Pathé

Das Dritte, was auffällt in den ersten Minuten dieses Films ist die eigenartige Zahmheit der Hauptfigur. Dieser rebellische Poet in seiner sowjetischen Frühzeit erinnert eher an die unbeschwerten jungen Rocker zu Beginn von Serebrennikovs Leto.

Das Zweite, was auffällt, zunehmend unangenehm: Diese Russen reden alle Englisch, mit dickem russischem Filmakzent. Nicht nur der Brite Ben Wishaw, der die Titelrolle spielt, sondern alle, ausnahmslos. Und kyrillische Schriftzüge verwandeln sich in englische, kaum sind sie sichtbar geworden. „LIMONOV: THE BALLAD von Kirill Serebrennikov“ weiterlesen

EMILIA PÉREZ von Jacques Audiard

Zoe Saldana © Pathé

Zoe Saldana kann singen. Sie kann auch tanzen. Und wie. Dabei spielt sie in Audiards jüngstem und bisher verblüffendsten Opus eine Anwältin in Mexiko City, die zunächst weder zum Tanzen noch zum Singen die geringste Veranlassung hat.  Sondern vor allem Ehrgeiz. Und Wut im Bauch.

Ihr Job ist es, die Verteidigung fürchterlicher Typen so vorzubereiten, dass ihr Boss diese vor Gericht freibekommt. Und das gelingt ihr so gut, dass ihr im Fall eines Typen, der seine Frau umgebracht hat, ob dem eigenen Erfolg schlecht wird. „EMILIA PÉREZ von Jacques Audiard“ weiterlesen

KINDS OF KINDNESS von Yorgos Lanthimos

Emma Stone in ‚Kinds of Kindness‘ © Searchlight Pictures

Nach seinem Erfolg mit Poor Things hatte Lanthimos offenbar das Bedürfnis, wieder tiefer in das gezielte Unbehagen seiner griechischen Anfänge einzutauchen, ohne auf Emma Stone zu verzichten. Oder auf Margaret Qualley. Oder auf Willem Dafoe.

Sie sind alle drei wieder da, ergänzt um Hong Chau und vor allem Jesse Plemons, in den drei thematisch verwandten, aber nur über eine Figur mit den Initialen R.M.F. (Yorgos Stefanakos) verknüpfte Episoden. „KINDS OF KINDNESS von Yorgos Lanthimos“ weiterlesen

MEGALOPOLIS von Francis Ford Coppola

Adam Driver (Caesar Catalina) und Nathalie Emmanuel (Julia Cicero) über ‚Megalopolis‘ © American Zoetrope

45 Jahre nachdem er mit Apocalypse Now die Goldene Palme des Filmfestivals von Cannes gewonnen hat, ist Francis Ford Coppola zurück im Wettbewerb. Mit 85 hat er noch einmal alles riskiert für sein Megalopolis: Sein Vermögen und seinen Ruf.

Adam Driver steht im Abendrot auf der Umrandung der Spitze des Chrysler Buildings in New York. Er hebt einen Fuss zum Schritt ins Leere, beginnt zu stürzen – und gebietet der Zeit den Stillstand.

Die Zeit gehorcht. „MEGALOPOLIS von Francis Ford Coppola“ weiterlesen

BIRD von Andrea Arnold

Bailey (Nykiya Adams) © Ad Vitam

Bereits drei Mal hat Andrea Arnold in Cannes den Jury-Preis gewonnen. Für Red Road (2006), Fish Tank (2009) und für American Honey (2016).

Mit Bird kehrt sie nun zurück zum Teenager-Lebenskampf von Fish Tank, allerdings reifer, balancierter und bisweilen gar polemisch-poetisch. „BIRD von Andrea Arnold“ weiterlesen

THE GIRL WITH THE NEEDLE (Pigen med nálen) von Magnus von Horn

© The Match Factory

Die ersten Bilder wirken experimentell und expressionistisch. Gesichter in Schwarzweiss überlagern sich, werden zu Fratzen, die Tonspur ist beunruhigend.

Magnus von Horns neuer Spielfilm (nach seinem polnischen Sweat) ist wieder eine dänische Produktion, wie sein erster, The Here After. „THE GIRL WITH THE NEEDLE (Pigen med nálen) von Magnus von Horn“ weiterlesen

DIAMANT BRUT von Agathe Riedinger

Liane (Malou Khebizi) © Pyramide

Die Macht des Kinos ist nicht nur die Illusion, die veränderte Realität, die Realisierung des Traumes. Seine grosse Stärke spielt es aus, wenn es uns in Welten versetzt, die wir davor nicht kannten.

Nur habe ich, in meiner sechsten Lebensdekade, nicht damit gerechnet, dass die Welt einer neunzehnjährigen Frau in Frankreich für mich derart fremdes Terrain sein würde. „DIAMANT BRUT von Agathe Riedinger“ weiterlesen

THE LANDSCAPE AND THE FURY von Nicole Vögele

GRAND PRIX VISIONS DU RÉEL 2024

‚The Landscape and the Fury‘ von Nicole Vögele © Beauvoir Films

Wälder und Felder hinter diesem kleinen bosnischen Ort an der grünen Grenze zu Kroatien sind voller Minen aus dem Bosnienkrieg der 1990er Jahre. Und durch die gleichen Wälder und Felder kommen immer wieder gruppenweise Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge aus Afghanistan, Kurdinnen, ganze Familien mit kleinen Kindern.

Von der Grenzpolizei werden sie misshandelt, ausgeraubt, ihre Telefone zerstört – und zurückgeschickt, barfuss, ohne Hoffnung, ohne eine andere Möglichkeit, als es wieder und wieder zu versuchen. „THE LANDSCAPE AND THE FURY von Nicole Vögele“ weiterlesen

THE SONG OF OTHERS von Vadim Jendreyko

‚The Song of Others‘ &copy Vinca-Film

Das Lied der anderen zu singen. Das kann helfen, das Trauma zu überwinden. Das Lied der anderen, zusammen mit den anderen. Und mit den anderen das eigene.

Das Bild des Chores in Sarajevo kommt gegen das Ende von Vadim Jendreykos Dokumentaressay. Da singen Muslimas mit Christen, Serbinnen mit Kroaten, vielstimmig, harmonisch und mit Hingabe Lieder, die vor ein paar Jahrzehnten im Krieg mit dem Feind assoziiert worden waren. „THE SONG OF OTHERS von Vadim Jendreyko“ weiterlesen