GUT GEGEN NORDWIND von Vanessa Jopp

Nora Tschirner als Emmi Rothner © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

«Gut gegen Nordwind» hiess der Email-Roman, mit dem der Österreicher Daniel Glattauer 2006 einen Bestseller landete. Tausende verschlangen die Liebesgeschichte der Email-Zufallsbekannten Leo Leike und Emmi Rothner. Der Roman wurde in 28 Sprachen übersetzt, als Theaterstück inszeniert und so fürs Fernsehen aufgezeichnet. Jetzt aber, 13 Jahre später, kommen Leo Leike und Emmi Rothner ins Kino.   Gut gegen Nordwind ist jetzt ein Film mit Nora Tschirner und Alexander Fehling. „GUT GEGEN NORDWIND von Vanessa Jopp“ weiterlesen

Venedig 19: THE LAUNDROMAT von Steven Soderbergh

Meryl Streep in ‚The Laundromat‘ © Netflix

Ein Laundromat, das ist ein Waschsalon – und im Fall des Films von Steven Soderbergh (Erin Brockovich, Ocean’s Eleven) wird darin Geld gewaschen, sehr viel Geld. Und fast ganz legal. Oder zumindest an vielen Gesetzeslücken und Landesgrenze vorbei.

The Laundromat erzählt die Geschichte der Panama Papers: das war dieses riesige Konstrukt um die Treuhandfirma Mossack & Fonseca herum. Diese betrieb über 214’000 Briefkastenfirmen, bis ein Whistleblower Daten leakte und investigative Journalisten das ganze Ausmass des riesigen Konstruktes aufarbeiteten. „Venedig 19: THE LAUNDROMAT von Steven Soderbergh“ weiterlesen

Venedig 19: JOKER von Todd Phillips

Joaquin Phoenix als ‚Joker‘ © Warner Bros.

Festivaldirektor Alberto Barbera fährt seinen Kurs, Venedig als Oscar-Startrampe zu etablieren, unbeirrt weiter. Immer mehr gleicht der internationale Wettbewerb einem Blockbuster-Festival, in dem die wenigen unbekannten und leiseren Arthousefilme zu verschwinden drohen.

Mit «Joker» hat Barbera einen Film in den Wettbewerb aufgenommen, der zwar im weiteren Sinn als Autorenfilm durchgehen kann (Hangover-Regisseur) Todd Philips hat Regie geführt und am Drehbuch mitgeschrieben und gleich auch selber mitproduziert. Aber «Joker» ist eben auch eine grosse Hollywood-Produktion (Warner). „Venedig 19: JOKER von Todd Phillips“ weiterlesen

Venedig 19: MARRIAGE STORY von Noah Baumbach

Scarlett Johansson, Adam Driver © Netflix

Das Kino hat ein neues Leinwandtraumpaar – ein Traumpaar in Sachen Trennung. Scarlett Johansson und Adam Driver spielen Nicole und Charlie, sie ist Schauspielerin, er Theaterregisseur. Zusammen haben sie einen achtjährigen Sohn, Henry.

Noah Baumbachs Film heisst Marriage Story – und er beginnt da, wo Nicole und Charlie zum ersten Mal über Trennung sprechen. Beziehungsweise schon vorher – man hört zuerst Charlie aus dem Off erzählen, was er an Nicole liebt, danach sie über ihn. Dazu gibt’s hübsche Familienszenen und heiter-beschwingte Musik (grossartig übrigens von Randy Newman). „Venedig 19: MARRIAGE STORY von Noah Baumbach“ weiterlesen

Venedig 19: LA VERITÉ
von Hirokazu Kore-eda

Catherine Deneuve und Juliette Binoche in ‚La verité‘ © 3B-Bunbuku-MiMovies-FR3

Er ist der Seismograph der japanischen Befindlichkeit, der Meister der japanischen Familiengeschichten, der «Ken Loach Japans», wie er auch schon genannt wurde: Hirokazu Kore-eda. Nun hat sich auf ein komplett neues Terrain gewagt: Er hat einen französischen Film gedreht, mit Catherine Deneuve und Juliette Binoche in den Hauptrollen. Und mit Ethan Hawke als Binoches US-amerikanischem Ehemann.

Fabienne (Deneuve) – eine berühmte französische Schauspielerin – veröffentlicht ihre Memoiren. Zu diesem Anlass kommt ihre Tochter Lumir (Binoche) samt Ehemann (Hawke) und kleiner Tochter zu Besuch. Das Treffen von Mutter und Tochter – nach längerer Zeit – ist nicht besonders herzlich, und der Konflikt bricht umso mehr auf, als Lumir das Buch ihrer Mutter gelesen hat. Und dass Fabienne im Moment ausgerechnet in einem Film mitspielt, der eine Mutter-Tochter-Beziehung ad absurdum führt, verkompliziert alles noch einmal mehr. „Venedig 19: LA VERITÉ
von Hirokazu Kore-eda“
weiterlesen

Locarno 19: THE SCIENCE OF FICTION (Hiruk-pikuk si al-kisah) von Yosepp Anggi Noen (Wettbewerb)

Gunawan Maryanto als Siman © Rediance

Die Mondlandung wurde wahrscheinlich in Indonesien gefaked. Jedenfalls gerät Siman, ein ruhiger Mann, in den sechziger Jahren an nächtliche Dreharbeiten, er wird entdeckt und man schneidet ihm die Zunge heraus.

Fortan lebt Siman in einer eigenen Traumwelt. Er baut sich aus alten Waschmaschinen ein Raketen-Haus, das bald zu einer Touristen-Attraktion wird. Und er bewegt sich als Astronaut durchs Leben, stets in Zeitlupe, was ihn selber zu einer von seiner Umgebung durchaus auch ausgebeuteten Performance-Attraktion macht. „Locarno 19: THE SCIENCE OF FICTION (Hiruk-pikuk si al-kisah) von Yosepp Anggi Noen (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: CAT IN THE WALL von Mina Mileva and Vesela Kazakova (Wettbewerb)

Irina Atanasova und Goldie/Boo © Activist 38

Kein Wunder sind so viele Briten für den Brexit, wenn die Bulgarinnen bereits den alten working class heroes wie Ken Loach die Arbeit wegnehmen…

Was die bulgarischen Dokumentarfilmerinnen Mileva und Kazakova hier in ihrem ersten Spielfilm veranstalten, sieht manchmal fast schon aus wie eine Parodie des Genres, mit dem Loach/Laverty das britische Exportkino über Jahrzehnte geprägt haben. „Locarno 19: CAT IN THE WALL von Mina Mileva and Vesela Kazakova (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: PA-GO von Park Jung-bum (Wettbewerb)

© Second Wind Film

Vielleicht müsste man die koreanische Gesellschaft besser kennen, um diese wie ein leicht wirrer Krimi aufgebaute Dorfgeschichte ganz zu entschlüsseln. Aber die wesentlichen Züge werden doch gegen Ende hin klar.

Die Polizistin, die für zwei Jahre mit ihrer Tochter in diese Küstenortschaft versetzt wurde, ist offenbar in Scheidung. Die Tochter sehnt sich nach ihrem Vater und nach Seoul zurück. Die Mutter nimmt Pillen gegen Panikattacken. „Locarno 19: PA-GO von Park Jung-bum (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 19: VITALINA VARELA von Pedro Costa (Wettbewerb)

Vitalina Varela © optec

Vor fünf Jahren gewann der Portugiese Costa in Locarno den Regiepreis für Cavalo Dinheiro (Horse Money). Das war sein bislang letzter Film, nun ist er wieder im Wettbewerb, mit einer eben so strengen wie zeitweilig betörenden Stil-Volte.

Die Lichtgestaltung ist das augenfälligste an diesem Film. Alles kommt aus dem Dunkel, das meiste bleibt darin, achtzig Prozent der Leinwand bleiben schwarz bis fast zum Schluss.

„Locarno 19: VITALINA VARELA von Pedro Costa (Wettbewerb)“ weiterlesen