Berlinale 17: TIERE von Greg Zglinski (Forum)

Birgit Minichmayr, Philipp Hochmair in ‚Tiere‘ © tellfilm, Andreas Seibert

Es ist der Film zum Festival: Tiere, Tiere, überall wilde Tiere, die in die Welt der Menschen einbrechen, symbolisch und ganz real. Das fängt auf dem Berlinale-Plakat schon an: Bären im normalen Strassenbild, im Fotoautomat, in der Tiefgarage oder in der U-Bahnstation. Aber dieser Film heisst sogar Tiere – gedreht hat ihn Greg Zglinski, polnischer Filmemacher, der in der Schweiz gross geworden ist.

In der Schlüsselszene fahren Anna und Nick im Cabrio auf einer Bergstrasse, spielen das Spiel, in dem einer das Alphabet durchbuchstabiert, die andere «stopp» sagt und dann beide jeweils ein Tier mit dem entsprechenden Anfangsbuchstaben sagen müssen. Anna hat ‚t‘ gesagt und so zählt sie im Wechsel mit ihrem Mann Nick Tiere auf: Teppichkäfer, Tapir, Tarantel sind schon dran gewesen, Tier zählt nicht, weil es zu allgemein ist. Schliesslich schreit Anna «Schaf!» und Nick sagt noch «Das zählt doch nicht, das ist nicht mit ‚t‘.» Doch dann ist es zu spät. Das Auto donnert frontal in ein Schaf. Schaf tot, Anna leicht verletzt, Nick unverletzt. „Berlinale 17: TIERE von Greg Zglinski (Forum)“ weiterlesen

Berlinale 16: FUOCOAMMARE von Gianfranco Rosi (Wettbewerb)

Gianfranco Rosi mit dem goldenen Bären der 66. Berlinale
Gianfranco Rosi mit dem goldenen Bären der 66. Berlinale

Nein, eine grosse Überraschung ist der goldene Bär für diesen Dokumentarhybriden nicht. Indem er einen politischen Standpunkt mit Kunst kombiniere, stehe der Film Fuocoammare von Gianfranco Rosi für alles, was die Berlinale ausmache, sagte Jurypräsidentin Meryl Streep in ihrer Laudatio.

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Und dazu gehört auch der Umstand, dass für die meisten regulären Berlinale-Gänger schon vor dem Festival klar war, dass Rosis Film am Ende einen der wichtigeren Preise würde mitnehmen können.

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Berlinale 16: UNITED STATES OF LOVE (Zjednoczone stany miłości) von Tomasz Wasilewski (Wettbewerb)

Lukasz Simlat, Michal Grzybowski, Magdalena Cielecka, Marta Nieradkiewicz, Julia Kijowska © Oleg Mutu
Lukasz Simlat, Michal Grzybowski, Magdalena Cielecka, Marta Nieradkiewicz, Julia Kijowska © Oleg Mutu

Die Stadt könnte irgendeine sein in der polnischen Provinz, ein Jahr nach dem Mauerfall. Von Aufbruch ist nichts zu spüren in der Betontristesse, auch wenn die lokale Schule sich den Namen „Solidarnosc“ gibt und erste Schnäppchen-Touristen aus Deutschland auftauchen.

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Aber die vier Frauen, um die sich Wasilewskis Film dreht, haben alle ihre Sehnsucht nach innen gekehrt, und dann wieder nach aussen. Agata hat sich in den jungen Pfarrer verliebt und verstört ihren Mann derweil abwechselnd mit abweisender Kälte und wildem, wütendem Sex.

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Berlinale 16: THE END von Guillaume Nicloux (Forum)

The End: Gérard Depardieu © Les films du Worso - LGM Films
The End: Gérard Depardieu © Les films du Worso – LGM Films

Von Film zu Film fällt es schwerer, Gérard Depardieu von seinen Rollen zu trennen. Die schiere menschliche Masse, die er mittlerweile auf die Leinwand bringt, macht ihn zum Solitaire.

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Zwar gibt es noch vier weitere Schauspieler in diesem Film, und einen Hund. Aber Guillaume Nicloux weiss um die Präsenz seines Protagonisten, er setzt, legt, stellt ihn formatfüllend ins Bild.

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Berlinale 16: DES NOUVELLES DE LA PLANÈTE MARS von Dominik Moll (Wettbewerb)

François Damiens © Michael Crotto
François Damiens © Michael Crotto

Dominik Moll brachte uns Harry, un ami qui vous veut du bien, Lemming, und Le moine. Filme, die sich der Klassifizierung entzogen, schockierende Mystery-Komödien mit schwarzen Kanten.

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Auch seinem neuen Anti-Helden Philippe Mars (François Damien) spielt er wieder übel mit. Aber mit etwas mehr Nachsicht und Versöhnlichkeit als früher.

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Berlinale 16: KOLLEKTIVET (The Commune) von Thomas Vinterberg (Wettbewerb)

Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Lars Ranthe, Magnus Millang, Anne Gry, Martha Wallstroem, Sebastian Millbrat © Christian Geisnæs
Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Lars Ranthe, Magnus Millang, Anne Gry, Martha Wallstroem, Sebastian Millbrat © Christian Geisnæs

Thomas Vinterberg (Festen, 1998) erzählt wieder eine Familiengeschichte. Das Kollektiv, das er hier porträtiert, ist offenbar geprägt von eigenen familiären Erfahrungen in den siebziger Jahren.

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Das beginnt fröhlich, mit einem grossen geerbten Haus und einer verrückten Idee. Erik (Ulrich Thomsen) ist Architekt, unterrichtet an der Hochschule. Sein Elternhaus würde er am liebsten so schnell wie möglich verkaufen. Aber seine Frau Anna (Trine Dyrholm), Nachrichtensprecherin beim dänischen Fernsehen, und seine Tochter Freja (Martha Sofie Wallstrøm Hansen) träumen von einem Haus voller Leben.

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Berlinale 16: ZERO DAYS von Alex Gibney (Wettbewerb)

Genius 1 Zero Days von Alex Gibney

Alex Gibney, der Dokumentarfilmer, der 2015 mit Going Clear: Scientology and the Prison of Belief einen globalen Aufklärungshit gelandet hat (auch darum, weil Scientology alles versuchte, um die Vorführungen des Films zu verhindern), taucht in seinem neuen Dokumentarfilm tief ein in den ersten öffentlich gewordenen Cyber-Krieg der Menschheitsgeschichte.

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Stuxnet, der Computerwurm, von dem heute ziemlich klar (wenn auch nicht bewiesen) ist, dass er von den USA und Israel entwickelt wurde, um gezielt die iranische Urananreicherung zu torpedieren, steht im Zentrum von Gibneys Recherchen.

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Berlinale 16: SOY NERO von Rafi Pitts (Wettbewerb)

Johnny Ortiz in 'Soy Nero'
Johnny Ortiz in ‚Soy Nero‘

Der neue Film des Exil-Iraners Rafi Pitts (Shekarchi – The Hunter, Berlinale 2010) ist entweder besonders raffiniert. Oder aber besonders einfach. Die Entscheidung für das eine oder andere fällt schwer.

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Nero ist Mexikaner, aber in Los Angeles aufgewachsen, als Sohn eines illegalen Immigranten, der in einem namenlosen Grab mit anderen Immigranten liegt. Nero wurde abgeschoben, deportiert, zurück nach Mexiko. Und nun versucht er immer wieder, den Grenzzaun zu überwinden.

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Berlinale 16: GENIUS von Michael Grandage (Wettbewerb)

Colin Firth und Jude Law als Perkins und Wolfe © Pinewood Films
Colin Firth und Jude Law als Perkins und Wolfe © Pinewood Films

Nicole Kidman, Jude Law, Colin Firth, Laura Linney, Guy Pearce: Kein schlechtes Aufgebot für den ersten Film eines gefeierten Theaterregisseurs. Aber Michael Grandage ist auch beim Theater ein Spezialist für grosse Namen. Er hat Daniel Radcliffe inszeniert und Nicole Kidman und viele mehr.

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Genius ist ein Film aus einer anderen Zeit. Es ist der grosse Aufbruch der us-amerikanischen Literatur. Colin Firth spielt Max Perkins, jenen Lektor bei Scribner’s, der die ganz grossen Autoren entdeckt und gefördert hat: F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway oder Thomas Wolfe (nicht zu verwechseln mit Tom Wolfe).

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