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    Berlinale 16: ZERO DAYS von Alex Gibney (Wettbewerb)

    Von Michael Sennhauser | 17. Februar 2016 - 17:01

    Genius 1 Zero Days von Alex Gibney

    Alex Gibney, der Dokumentarfilmer, der 2015 mit Going Clear: Scientology and the Prison of Belief einen globalen Aufklärungshit gelandet hat (auch darum, weil Scientology alles versuchte, um die Vorführungen des Films zu verhindern), taucht in seinem neuen Dokumentarfilm tief ein in den ersten öffentlich gewordenen Cyber-Krieg der Menschheitsgeschichte.

    Berlinale_Balken_2016

    Stuxnet, der Computerwurm, von dem heute ziemlich klar (wenn auch nicht bewiesen) ist, dass er von den USA und Israel entwickelt wurde, um gezielt die iranische Urananreicherung zu torpedieren, steht im Zentrum von Gibneys Recherchen.

    In Gesprächen mit Experten für Computersicherheit, mit ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern und -Leitern und etlichen anonymisierten Quellen entwirft der Film zuerst die Geschichte und Funktionsweise von Stuxnet als exemplarische Episode im längst tobenden Cyberkrieg.

    Genius 2 Zero Days von Alex Gibney

    Neben den üblichen Talking Heads verhelfen die üblichen Visualisierungen von blinkenden Lämpchen und Kabeln zusammen mit Bildschirmen voll vom tatsächlichen Stuxnet-Code im Kino zu einem echten Kriegsfilmerlebnis. Dazu trägt auch die sehr dramatische Musik von Will Bates bei.

    Die innovativste Komponente in diesem gekonnt dramatisierten Dokumentarfilm ist eine mit Computergrafik verfremdete Schauspielerin, welche stellvertretend für eine ganze Reihe von anonymen Quellen aus der NSA und der ihr angekoppelten Cyberwar-Abteilung mehr oder weniger Klartext redet: Stuxnet war ein Projekt der USA und Israels, der Wurm arbeitete in seiner frühen Ausprägung versteckt und wurde über Wartungstechniker ins iranische Werk eingeschleust.

    Dann aber haben sich die Israelis (so die Komposit-Quelle) für ein agressiveres Vorgehen entschieden und Stuxnet viral aufs Netz losgelassen – worauf sich der Wurm global rasend schnell verbreitete, ohne irgendwo merklichen Schaden anzurichten. Schliesslich war er gezielt auf die Steuerungsanlagen in einem einzigen iranischen Werk ausgerichtet. Aber die Aktion sorgte dafür, dass die Software entdeckt und analysiert wurde.

    Und da setzt der Film denn schliesslich auch zum entscheidenden Argument an, zusammen mit etlichen der damals Beteiligten aus der Bush-Administration: Cyber-Kriegsführung muss öffentlich diskutiert werden, es braucht Abkommen und Regulierungen wie bei Atomwaffen und bei der chemischen Kriegsführung.

    Denn, so das einleuchtende Argument: Was wir gegen unsere Feinde einsetzen, können die auch gegen uns einsetzen. Und eine dermassen versteckte, komplexe Bedrohung, die dermassen direkte und tödliche Auswirkungen auf die gesamte Infrastruktur und damit das Leben der Menschen haben kann, darf man nicht den Geheimdiensten überlassen.

    Die zwei Stunden Zero Days sind spannend und erhellend. Und die Fragen, welche der Film selber offen lässt, zum Beispiel jene, ob die Komposit-Quelle vertrauenswürdig ist, oder allenfalls ein Propaganda-Instrument zur Verschleierung anderer Umstände, ist nur am Rande relevant.

    Letztlich stellt die Geschichte von Stuxnet und damit dieser Film die gleiche Frage, wie sie auch Wikileaks und Edward Snowdens Enthüllungen provoziert haben: Wie viel Geheimhaltung verträgt die Freiheit, beziehungsweise: Wie weit lässt sich Sicherheit delegieren?

    Alex Gibney

    Alex Gibney

    Topics: Dokumentarfilm, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Berlinale 16: ZERO DAYS von Alex Gibney (Wettbewerb)

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