
«Unsere Geisterbeschwörung», nennt Regina Schilling ihr Ingeborg-Bachmann-Dokumentarfilmprojekt mit Sandra Hüller, als es endlich losgeht: «Unsere Séance». „INGEBORG BACHMANN – Jemand, der einmal ich war. von Regina Schilling“ weiterlesen

«Unsere Geisterbeschwörung», nennt Regina Schilling ihr Ingeborg-Bachmann-Dokumentarfilmprojekt mit Sandra Hüller, als es endlich losgeht: «Unsere Séance». „INGEBORG BACHMANN – Jemand, der einmal ich war. von Regina Schilling“ weiterlesen

Während in einem Spital in Beirut Raketenbeschuss die Fenster bersten lässt und die Menschen panisch durch die Gänge rennen, werden im Abstand von nur einer Minute zwei Kinder geboren. Nino um 17.05 Uhr, Yasmina um 17.06 Uhr. „A SAD AND BEAUTIFUL WORLD von Cyril Aris“ weiterlesen

Mario ist sechzehn Jahre alt, Sohn eines Tankstellenbetreibers im Sopraceneri, unglücklich am Gymnasium, unsicher bei den Mädchen und unmöglich in den Augen seiner Lehrer. Bis ihn sein Vater den Sommer über zu einer Bergbauernfamilie in den Höhen des oberen Maggiatals verbannt. Auf dass der vermeintliche Faulpelz lerne, was arbeiten heisst. „BECAÀRIA von Erik Bernasconi“ weiterlesen

Südafrika, 1968. Der junge Khuthala Sithole (Ntobeko Sishi) träumt von einer Jazz-Karriere in den USA, während sein Vater Enoch (Siyabonga Shibe ) zusammen mit seiner Frau versucht, den Familienbetrieb, eine grosse innerstädtische Wäscherei in einer «weissen Zone», vor den Enteignungsversuchen des zunehmend korrupten und gewalttätigen Apartheidsregimes zu schützen. „LAUNDRY (Uhlanjululo) von Zamo Mkhwanazi“ weiterlesen

Die Bilder des Habichts, der im bodennahen Flug durch das Unterholz ein Kaninchen verfolgt, sind von atemberaubend tödlicher Schönheit. Helen (Claire Foy) ihrerseits verfolgt ihren Vogel durch den Wald rennend, ohne Rücksicht auf zerkratzte Beine und ins Gesicht peitschende Zweige, mit dem gleichen monodynamischen Fokus, der den Raubvogel steuert. „H IS FOR HAWK von Philippa Lowthorpe“ weiterlesen

Nori findet sich verletzt und ohne Erinnerung an die letzten Stunden im Park wieder. Die Frühstücksgipfel, die er für sich und seine Freundin gekauft hat, sind bereits in der Wohnung. Und statt der schwangeren Selma findet er blutige Bettwäsche.
Amnesie-Geschichten und das Kino sind zweieiige Zwillinge; kein anderer Plot-Device ist näher an den Erzählmöglichkeiten der Montage. Und vom «Filmriss» reden wir im Alltag, um jenen Moment des Aussetzens der Erinnerungen zu bezeichnen. „VON DEM, WAS BLEIBT von Lisa Blatter“ weiterlesen

Auch wenn die Italianità für das nördliche Europa einst eher ein Lebensgefühl bezeichnete: Heute steckt die historische Exotik des Landes in seiner durchgängigen intellektuellen, linken, antifaschistischen, faschistischen, terroristischen und mafiösen Verästelung, in all diesen paradoxen Gleichzeitigkeiten.
Die Schauspielerin und Autorin Goliarda Sapienza, ihre das 20. Jahrhundert umfassende Familiengeschichte und vor allem ihre Bücher gehören zu diesem Mycel aus Ideen, Leidenschaften und politischen Widersprüchen; die Geschichte ihrer kurzen Inhaftierung im Frauengefängnis Rebibbia und ihrer dort entstandenen Freundschaften mit anderen gefangenen Frauen bilden die Basis für Mario Martones jüngsten Film.
Fuori heisst Martones faszinierender Tauchgang in die 1980er Jahre in Rom. Das Drehbuch hat er gemeinsam mit seiner Frau Ippolita di Mayo geschrieben, auf der Basis von Sapienzas Romanen «L’universitá di Rebibbia» and «Le certezze del dubbio». Und der Film zeichnet sich nicht zuletzt über das aus, was er gezielt alles nicht ist, obwohl er es hätte sein können. „FUORI von Mario Martone“ weiterlesen

Die Suche von Teenagern oder jungen Erwachsenen nach einem unbekannten biologischen Elternteil ist ein dramatischer und cinematischer Topos, von allen Varianten auf Kästners doppeltes Lottchen bis zu Mike Leighs Secrets & Lies (1996), oder auch Stoff für Komödien wie Flirting with Disaster von David O. Russell (ebenfalls 1996).
Die in Paris ausgebildete norwegische Schauspielerin und Regisseurin Janicke Askevold hat nun die komplexen menschlichen Sehnsüchte hinter diesem Wunsch nach definierter Herkunft in einen sehr erwachsenen Film gepackt. „SOLOMAMMA von Janicke Askevold“ weiterlesen

Mai ist Teil der Japan-Pop-Idol-Group «Happy Fanfare». Zusammen mit ihren vier Kolleginnen absolviert sie Tag für Tag ein beinhartes Programm. Tanztraining, Studium neuer Songs, Choreographie büffeln, durchgetaktete Bühnen-Auftritte vor jubelnden Fans und danach organisiertes «Meet & Greet», kurze Begegnungen mit den treuesten Anhängern für Autogramme und klar geregelten Small-Talk im Minutentakt. Dates oder gar Liebesbeziehungen mit den Fans sind vertraglich verboten, Idols müssen unschuldig sein, süss, sexy und theoretisch verfügbar für alle. „LOVE ON TRIAL (Renai saiban) von Koji Fukada“ weiterlesen

Hier ist ein Film, der einem die Hoffnung zurückgibt. Ein Filmemacher, der einfach macht, mit einem untrüglichen Gespür dafür, wo Figuren, Geschichten, Technik und Imagination zu purem Kinoglück verschmelzen.
Memory of Princess Mumbi ist eine retrofuturistische Liebesgeschichte, erzählt als Mockumentary, angesiedelt im Jahr 2093 in Afrika und in der Schweiz, gedreht mit fröhlichen Freunden, einer hinreissenden Profischauspielerin in der Titelrolle, vor Ort in Kenia, schnell und mit minimalem technischem Aufwand vor ein paar Jahren. Und dann in der Postproduktion, unter Einsatz von KI und Phantasie, über Jahre hinweg zu dem Solitär ausgebaut, mit dem Hauser letztes Jahr ans Filmfestival von Venedig eingeladen wurde, zu den Giornate degli autori – dem italienischen Äquivalent der Quinzaine des cinéastes in Cannes. „MEMORY OF PRINCESS MUMBI von Damien Hauser“ weiterlesen