Ich brauchte eine Weile, um zu merken, dass ich nicht wirklich über Nacht die Fähigkeit entwickelt habe, die Sprache der Krähen zu verstehen. Als lebenslanger Kinogänger lese ich Untertitel meist unbewusst. Und so war ich zunächst nicht erstaunt darüber, dass mir der Dialog dieser Vögel im dritten Teil von Peter Mettlers filmischem Tagebuch einfach so zuflog. Erst als einer von ihnen nach einem Glas Gin verlangte, wurde ich stutzig: „WHILE THE GREEN GRASS GROWS (Parts I-VII) von Peter Mettler“ weiterlesen
Der ganze Titel dieses ungewöhnlichen Dokumentarfilms lautet: Kalari Kid – She hits back. Sie schlägt zurück. Und selbstverständlich wird hier der Ermächtigungsklassiker Karate Kid (1984) referenziert. Zusammen mit dem Zusatz «sie schlägt zurück» ist der Titel nicht nur Ankündigung, sondern Programm. Und wie! „KALARI KID von Maria Kaur-Bedi & Satindar Singh Bedi“ weiterlesen
«Eine Frau zu küssen ist schön. Schön und zart», sagt Klara Rensing, und streichelt dazu einen Broccoli. «Männer sind auch schön!» wirft Tatjana Bollhalder ein. «Männer zu küssen ist so wäh!» entgegnet Klara und streckt mit einem Würgegeräusch einer Zitrone die Zunge raus. „DAS UNENDLICHE JETZT von Kaspar Kasics“ weiterlesen
Der Pinguin mit den gelben Büscheln am Kopf ist einfach da. Niemand erwähnt ihn. Er ist wohl Lorans Totem, Spirit animal, oder einfach sein filmisches Alter ego. Anders als Loran wirkt er immer fröhlich.
Loran ist ein Brüter, ein Mann der Widersprüche. Ein einsamer Liebender. Und Tobias Nölles Ko-Autor und Ko-Regisseur bei diesem gezielt fiktiv unterfütterten Dokumentarfilm. „TRISTAN FOREVER von Tobias Nölle“ weiterlesen
Das «Amt für Ruhe und Ordnung» schickt seine Agenten. Der alte Säufer Hugo Drowak empfängt sie mit selbstabgefüllten Kondom-Pissbomben und einem Ascheregen aus dem Fenster seiner Sozialwohnung, hoch oben in der brutalistischen Mietskaserne. „SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK? von Nicolas Steiner“ weiterlesen
Mario ist sechzehn Jahre alt, Sohn eines Tankstellenbetreibers im Sopraceneri, unglücklich am Gymnasium, unsicher bei den Mädchen und unmöglich in den Augen seiner Lehrer. Bis ihn sein Vater den Sommer über zu einer Bergbauernfamilie in den Höhen des oberen Maggiatals verbannt. Auf dass der vermeintliche Faulpelz lerne, was arbeiten heisst.„BECAÀRIA von Erik Bernasconi“ weiterlesen
Südafrika, 1968. Der junge Khuthala Sithole (Ntobeko Sishi) träumt von einer Jazz-Karriere in den USA, während sein Vater Enoch (Siyabonga Shibe ) zusammen mit seiner Frau versucht, den Familienbetrieb, eine grosse innerstädtische Wäscherei in einer «weissen Zone», vor den Enteignungsversuchen des zunehmend korrupten und gewalttätigen Apartheidsregimes zu schützen. „LAUNDRY (Uhlanjululo) von Zamo Mkhwanazi“ weiterlesen
Es ist unglaublich, wie stark diese schwarzweissen Bilder leuchten. Als Fotograf ist Germinal Roaux in dieser essentiell reduzierten Welt zuhause, die nur auf der Netzhaut existiert und sich direkt ins Gefühl einbrennt. Das Bild dafür stellt er an den Anfang von Cosmos, einen Baum auf einem dschungelartigen Hügel, aus dessen Stamm von innen heraus kleine Flammen schlagen, flüssig tropfendes Licht.
Im ländlichen Yucatán, in dem dieser Auftaktbaum zu totemartigem Leben erwacht, wie eine Prélude zu einer Pastorale, werden sich die sterbenskranke Literaturprofessorin Lena und der indigene, illiterate Maya-Kleinbauer León im Verlauf der 152 fiebertraumruhigschönen Minuten von Cosmos finden, verbinden und verabschieden. „COSMOS von Germinal Roaux“ weiterlesen