WOLKENBRUCH
von Michael Steiner

Joel Basman und Noémie Schmidt © dcm

Die seltsame Dominanz der «jiddische Mame» über ihre jüdischen Söhne, ob orthodox oder gemässigt, ist ein heiss geliebtes literarisches und filmisches Klischee.

Thomas Meyers Roman «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» von 2012 hat dem Komplex wenig Neues beigefügt, aber das Buch wurde zum fröhlichen Bestseller. Und nun gibt es die Verfilmung dazu, kurz und knackig mit Wolkenbruch betitelt und mit Joel Basman in der zentralen Rolle. Heute hat der Film von Michael Steiner seine Premiere am Zürich Film Festival. „WOLKENBRUCH
von Michael Steiner“
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DER LÄUFER
von Hannes Baumgartner

Max Hubacher in ‚Der Läufer‘ von Hannes Baumgartner © filmcoopi

Vor sechzehn Jahren hat ein siebenundzwanzig Jahre alter Mann in Bern zwei Frauen mit dem Messer attackiert, eine hat den Angriff nicht überlebt. Als man den Täter schliesslich identifizieren konnte, stellte sich heraus, dass er über einen längeren Zeitraum hinweg zunehmend gewalttätig gewesen war. Gleichzeitig wirkte er im Alltag als Koch und Langstreckenläufer gesellschaftlich integriert und erfolgreich.

Wie kann ein Mensch im Alltag umgänglich und hilfsbereit, diszipliniert und als Sportler erfolgreich sein – und im Versteckten gleichzeitig eruptiv brutal und gezielt gewalttätig? „DER LÄUFER
von Hannes Baumgartner“
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Locarno 18: GLAUBENBERG von Thomas Imbach (Wettbewerb)

Zsofia Körös © frenetic

Der Glaubenberg ist keiner. Kein Berg. Sondern ein Pass. Aber wenn der Glauben Berge versetzen könnte, dann wäre es Lena wohl gelungen.

Lena liebt ihren wenig älteren Bruder Noah. Schon immer. Schon damals, als die Kinder auf dem Glaubenberg-Pass spielten. Und jetzt, als Siebzehnjährige, liebt sie ihn rasend, unaufhaltsam, unnachgiebig. „Locarno 18: GLAUBENBERG von Thomas Imbach (Wettbewerb)“ weiterlesen

Locarno 18: LE VENT TOURNE von Bettina Oberli (Piazza Grande)

Mélanie Thierry, Pierre Deladonchamps © filmcoopi

«C’est compliqué» meint Pauline, als Galina, das Ferienmädchen aus Russland, sie fragt, ob sie verliebt sei. «Non, c’est simple» widerspricht Galina. «You are in love – or you are not».

Die drei Sätze bringen jedes Melodram auf den Punkt, jede Dreiecksgeschichte, jeden umgepflügten Lebensentwurf. „Locarno 18: LE VENT TOURNE von Bettina Oberli (Piazza Grande)“ weiterlesen

Locarno 18: AMUR SENZA FIN von Christoph Schaub (ausser Konkurrenz)

Gieri (Bruno Cathomas) und Mona (Rebecca Indermaur, sitzend) feiern zwanzig Ehejahre © SRF/Pascal Mora

Mann geht fremd in einem Bündner Dorf. Und die Frauen lassen das nicht auf sich sitzen. Es ist nicht der bescheidene komödiantische Plot, welcher den durchaus vorhandenen Charme dieses Fernsehfilms ausmacht.

Amur senza fin sei der erste professionelle Spielfilm in rätoromanischer Sprache, meinen die Produzenten von der SRG und von Zodiac Pictures. Das stimmt wohl, wenn man die Betonung auf «professionell» legt. „Locarno 18: AMUR SENZA FIN von Christoph Schaub (ausser Konkurrenz)“ weiterlesen

Horror, Fantasy, Science-Fiction, Thriller – Swissmade?

Anna Hausburg in Mathieu Seilers ‚True Love Ways‘

Vampire im Schweizer Film? Die gibt es tatsächlich. In Chimères (2013) vom Neuenburger Olivier Beguin beginnt die Verwandlung eines jungen Schweizers mit einer verunreinigten Bluttransfusion, nach einem Unfall in Rumänien. Zurück in der Schweiz entwickelt Alexandre einen Blutdurst, der ihn erschreckt. „Horror, Fantasy, Science-Fiction, Thriller – Swissmade?“ weiterlesen

Zum Tod von Erwin C. Dietrich

In 80 Betten um die Welt oder Frauen ohne Unschuld sind nur zwei der unzähligen Filmtitel aus dem umfangreichen Gesamtwerk des Schweizer Filmproduzenten und Regisseurs Erwin C. Dietrich. Mit Heimatfilmen hat er angefangen, mit Sexfilmen wurde er reich und schliesslich baute er in Zürich ein ernstzunehmendes Verleih- und Kino-Imperium auf. Wie erst am Sonntag bekannt wurde, ist der Kinopionier letzte Woche nach langer Krankheit im Alter von 87 Jahren gestorben. Hier ein Rückblick auf seine Karriere, die von Produktionsökonomie und kaufmännischem Geschick geprägt war:  „Zum Tod von Erwin C. Dietrich“ weiterlesen