Locarno 14: Palazzo del Cinema della Repubblica?

Der geplante Palazzo del Cinema in Locarno (Projektvisualisierung)
Der geplante Palazzo del Cinema in Locarno (Projektvisualisierung)

Auf das neue Festivalcenter wartet Locarno schon seit Jahren. Letztes Jahr wurde das Siegerprojekt vorgestellt, dieses Jahr wurden neue Partner und Investoren genannt. Aber dauern wird das immer noch wer weiss wie lange genau.

Allerdings hängen jetzt Plakate mit einer Visualisierung der künftigen Fassade und die zeigen eine verblüffende Kombination. Der Künftige Kinopalast sieht darauf aus, als ob die Berliner ihren langjährigen Streit um den Abriss des Palastes der Republik und die Wiedererrichtung des Stadtschlosses beigelegt hätten – mit einem Kompromiss: Stadtschlossfassade mit Palast-der-Republik-Aufbau, natürlich mit Leopardenmuster:

Palast der Republik DDR 1977 © wikimedia CC BY-SA 3
Palast der Republik DDR 1977 © wikimedia CC BY-SA 3

Reflexe Diastor: Haben digitale Filmarchive Zukunft?

Barbara Flückiger (1) Markus Fischer (2) Frédéric Maire (3) Martin Körber (4)
Barbara Flückiger (1) Markus Fischer (2) Frédéric Maire (3) Martin Körber (4)

In unseren Kinos haben Festplatten die Filmrollen innert kürzester Zeit verdrängt, ältere Filme können die wenigsten noch vorführen. Die Digitalisierung der Bestände der Kinematheken ist unumgänglich, aber längst nicht so zukunftssicher, wie man glauben würde. Wir verlieren unser filmisches Erbe.

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Filmpodcast Nr. 387: Omar, Bildrausch, Kinoeintritte, Cannes-Gewinner

'Omar' von Hany Abu-Assad © Cineworx
‚Omar‘ von Hany Abu-Assad © Cineworx

Kino im Kopf mit Brigitte Häring. In der Rolle heute blickt Michael Sennhauser noch einmal aufs Festival von Cannes zurück und ich voraus aufs kleine Bildrausch Filmfest von Basel. Hannes Nüsseler und Antonia Moser haben unterschiedliche Blicke auf den Film Omar geworfen, und Romana Costa hat sich mit den dramatisch sinkenden Besucherzahlen in den Schweizer Kinos befasst. Und ich habe noch Kurztipps und eine Tonspur für Sie.

Hören:

Saugen: Filmpodcast Nr. 387 (Rechtsklick für Download)


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Das Schweizer Kinojahr 2011 nach Procinema

Erfolgreichster Schweizer Film 2011: 'Der Verdingbub'
Erfolgreichster Schweizer Film 2011: 'Der Verdingbub'

Besucherzahlen stabil – 3D gewinnt dazu!

Stabiles Kinojahr 2011: Fortsetzungen (Sequels) erobern die Charts – Europäische Filme wieder beliebter – Der Verdingbub mit Abstand der erfolgreichste Schweizer Film – Digitalisierung und „3D-Filme“ weiter auf dem Vormarsch.

Mit gesamthaft 15.2 Mio Eintritten verzeichnet die Kinobranche 2011 gegenüber dem Vorjahr ein kleines Plus von 0.5%.

Drei Sequels, Harry Potter 7: The Deathly Hallows – Part 2 – 516’000 Eintritte, Hangover Part II – 507’000 Eintritte sowie Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides (Part 4) – 486’000 Eintritte stehen an der Spitze des Kinojahres 2011. Insgesamt finden sich 9 verfilmte Fortsetzungsgeschichten unter den 20 erfolgreichsten Filmen.

Daneben gehört Europa 2011 zu den Gewinnern, konnten sich doch gleich vier europäische Filme in den Top10 plazieren: Im Vorjahr fand sich nur ein einziger europäischer Film in den Top20! Prozentual steigerte sich das europäische Kino von 21,7% auf knapp 30%. Neben The King’s Speech auf Rang 4, fällt Intouchables besonders auf. Der französische Film hat alleine in der Westschweiz bereits mehr als 335’000 Besucher erreicht.

Mehr als 185’000 ZuschauerInnen sahen Markus Imbodens Der Verdingbub und machten ihn zum erfolgreichste Schweizer Film 2011. In der Jahreshitparade belegt er damit Rang 17. Im Vorjahr schaffte es Sennentuntschi mit 138’000 Eintritten auf Platz 28. Auf das Konto des Verdingbub gingen rund 27% der Eintritte aller 81 Schweizer Filme. Auf Rang 2 folgt La Petite Chambre – 76’000 Eintritte, auf Rang 3 der Dokumentarfilm: Hoselupf – 39’600 Eintritte, gefolgt von Vol spécial – 26’700 Eintritte und Arme Seelen – 25’000 Eintritte. Insgesamt erreichten die Schweizer Filme einen Marktanteil von 4,4 % (2010: 5.46 %). 64% der total 665’000 Eintritte fallen den Spielfilmen zu. Immerhin 36% gehen auf das Konto des Dokumentarfilms, der in der einheimischen Top20 die Hälfte der Plätze belegt. „Das Schweizer Kinojahr 2011 nach Procinema“ weiterlesen

SFT 11: Brancheninformation BAK

Jean Frédéric Jauslin in der Krone in Solothurn ©sennhauser
Jean Frédéric Jauslin in der Krone in Solothurn ©sennhauser

In Ermangelung eines offiziellen Filmchefs (Nicolas Bideau ist zurückgetreten, seine Nachfolge wird zur zeit emsig evaluiert) hat Jean-Frédéric Jauslin, der Leiter des Bundesamtes für Kultur BAK, heute wieder einmal persönlich informiert. Und die Meldungen klangen alle irgendwie positiv. Mehr Geld für die relevanten Filmfestivals (nicht mehr Geld für das Zurich Film Festival), ein wenig Geld für die kostpielige Digitalisierung auch der unabhängigen Kinobetriebe, eine sich abzeichnende Einigung im Gezerre zwischen Filmakademie und BAK. Vorbei die Zeiten wilder Vorwürfe aus dem Saal, wie man sie noch letztes Jahr erleben konnte?

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Neue Freunde für die Basler Kultkinos

Massimo Rocchi kult amici
künftige kult.amici, darunter Massimo Rocchi, im Basler Theaterfoyer ©sennhauser

Die vier Musketiere als Emblem für die Freunde des vielfältigen Kinos: Das hat Charme. Und diesem Charme sind gestern Abend in Basel etliche Hundertschaften anspruchsvoller Kinogängerinnen erlegen, die dem Ruf der frisch formierten kult.amici gefolgt sind. Der Abend in den atelier kult.kinos und anschliessend im darüber liegenden Foyer des Basler Stadttheaters war die Initialzündung.

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Blu-ray gegen 35mm im Filmpodium

Bluray35mm

Am 7. Oktober, als ich auf der Rückreise von der Duisburger Filmwoche war, führte das Zürcher Filmpodium im Studio 4 einen Vergleichstest digitaler und analoger Formate und Projektionen durch. Ich wäre da gerne dabei gewesen, aber jetzt steht in der aktuellen c’t ein ziemlich ausführlicher Bericht dazu. Und das Fazit, dass eine gute Blu-ray Kopie mit dem richtigen Projektor einer schlechten 35mm-Kopie auf jeden Fall überlegen sei. Was zu erwarten war, aber die eingeschworenen Analogfans nicht bekehren wird. Dabei ist längst klar, dass alle Filmarchive der Welt in Zukunft ihre wertvollen Kopien noch eifersüchtiger hüten und nur noch Digitalkopien rausgeben werden:

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Altersfreigabe: Doch noch Hoffnung?

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Zwar scheint die national einheitliche Altersfreigabe für Kinofilme nach dem Rückzieher der Kantone Genf, Waadt, Neuenburg und Graubünden nach wie vor fraglich, entschieden wird darüber aber erst im November, wenn sich die kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren wieder treffen. Immerhin sei, wie Gerhard Mann von der Basellandschaftlichen Sicherheitsdirektion erklärt, wenigstens auch eine Deutschschweizer Vereinheitlichung denkbar, schon das würde etliches erleichtern. Susanna Petrin berichtet übrigens in der heutigen Basler Zeitung über das im Entstehen begriffene Baselbieter Filmgesetz, das nicht nur die Kinobesuche, sondern alle Filmvertriebskanäle und -Träger den Schutzalterbestimmungen unterwerfen will. Das würde dann allerdings wohl eine Weiterbeschäftigung der kantonalen Kommission bedeuten, selbst dann, wenn die Kinofreigabe zentralisiert werden könnte.

Kinemathek Le Bon Film, Basel

Kinemathek Le Bon Film Basel Gönnerliste

Mit einem Fest und der Vorführung einer raren Kopie von Josef von Sternbergs The Shanghai Gesture von 1941 feierte das Stadkino Basel gestern Abend die Eröffnung der Kinemathek Le Bon Film. Sie besteht aus einer Sammlung von fünfhundert 35mm Filmkopien internationaler Klassiker: zentrale Werke des europäischen Filmschaffens, aus Hollywood und Südamerika. Ein Schwerpunkt der Sammlung bildet das deutsche Filmschaffen von 1929 bis heute. Die ursprünglich private Sammlung wurde Le Bon Film, dem ältesten aktiven Filmklub der Schweiz, vor rund zwei Jahren angeboten. Nach Abschluss einer Machbarkeitsstudie machte sich der Vorstand des Vereins zusammen mit Stadtkino-Leiterin Nicole Reinhard dahinter, den Traum vom eigenen Archiv umzusetzen. Mit Hilfe einer ganzen Reihe von Geldgebern und der Stadt Basel konnte nicht nur das Archiv eingerichtet werden, sondern auch gleich neue grosszügige Büroräume in der Nähe des Stadtkinos. Für Nicole Reinhard und ihr Team ist die Kinemathek ein wichtiges Element im Hinblick auf die Filmprogrammierung. 35mm-Kopien alter und neuer Filme sind nämlich kaum mehr zu bekommen, Archive und Cinémathèquen verstehen sich zunehmend als Museen und Bewahrer und lassen ihre Schätze nur noch innerhalb ihres eigenen erlauchten Kreises zirkulieren. Kleinere Filmklubs und Programmkinos müssen immer mehr auf DVD-Kopien von Klassikern zurückgreifen. Mit der eigenen Kinemathek ist das Stadtkino Basel jetzt aber plötzlich zum interessanten Partner für viele namhafte Filmarchive geworden: Man hat etwas zu bieten.

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