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    SFT 11: Demonstrative Einigkeit bei den Filmverbänden

    Von Michael Sennhauser | 24. Januar 2011 - 16:29

    In seltener und ungewohnter Einigkeit traten heute in Solothurn die drei wichtigsten Autoren- und Produzentenverbände auf. Gemeinsam präsentierten die SFP, die GARP und der ARF/FDS der Branche die bisher erarbeiteten Vorschläge für die Umgestaltung der Bundesfilmförderung per 2012. Auch wenn die Splittergruppe der „IG der unabhängigen Produzenten“ noch nicht dabei ist: Die Branche ist sich offenbar im Klaren darüber, dass das gegenwärtige Machtvakuum mit dem Abgang des noch nicht ersetzten Chefs der Sektion Film im BAK den idealen Zeitpunkt darstellt, um konkrete Pläne zu präsentieren. Und da spürte man auf jeden Fall das Bemühen um einen geeinten Auftritt. Vorerst drei Punkte wurden heute konkret präsentiert, alle mit einiger Tragweite und alle unter Berücksichtigung der im letzten Jahr immer lauter geäusserten Vorwürfe an das „System Bideau“. Das Begutachtungssystem für Fördergesuche soll neu organisiert werden, die Förderung von Drehbüchern und Treatments soll ausgebaut werden, und schliesslich soll die automatische Förderung Succès cinéma mit dem pacte de l’audiovisuel in ein neues, stärkeres automatisches Fördersystem umgebaut werden. Und zu guter Letzt kam auch noch der uralte Wunsch nach einer Überführung der Bundesfilmförderung vom Bundesamt für Kultur in ein Filminstitut oder eine Stiftung wieder zur Sprache.

    Trennbalken 46. Solothturner Filmtage

    Am weitesten fortgeschritten ist dabei offenbar das von GARP unter der Federführung von Robert Boner entwickelte Modell der neuen automatischen Förderung. Dass sich vor allem der ARF/FDS hinter dieses Modell stellt, das doch immerhin die Aufwertung der einst so vehement bekämpften erfolgsabhängigen Förderung gegenüber der traditionellen selektiven Förderung anstrebt, hat wohl vor allem damit zu tun, dass das Modell Boner die vorhandenen selektiven Fördermittel des Bundes nicht antasten würde, trotzdem aber das bisherige Verhältnis selektiv-automatisch von 85%/15% auf 58%/42% anpassen würde. Mit anderen Worten: Die automatische Förderung soll – unter Einbezug der bisherigen SRG-Mittel des pacte de l’audiovisuel – massiv ausgebaut werden. Gleichzeitig ist ein Einbezug auch anderer, nicht zur SRG gehörigen Kanäle eingeplant – ein ziemlich realpolitischer Ansatz.

    Stina Werenfels (Vizepräsidentin) und Kaspar Kasics (Präsident) ARF/FDS ©sennhauser

    Ob das alles sich tatsächlich konkretisieren wird, steht in den Sternen. Aber vor allem der Umbau der Förderrichtlinien ist im Ansatz schon recht gut abgestützt und mit dem von Kulturminister Burkhalter eingesetzten „Fazilitator“ Marc Wehrlin (notabene Nicolas Bideaus Vorgänger als Chef der Sektion Film und der offizielle Baumeister der bestehenden automatischen Filmförderung) andiskutiert.

    Ob das Rotationsprinzip und der Expertenpool von 28 Leuten, welche die jeweils sieben Mitglieder der Begutachtungsausschüsse speisen soll, tatsächlich ein wirksames Mittel gegen copinage/Vetterliwirtschaft wäre, wird noch heiss diskutiert. Dass das System mehr oder weniger wirksam verhindert, dass sich eine durchgehende Förderideologie einschleichen kann, ist immerhin möglich. Denn das ist der angestrebte Paradigmenwechsel der ganzen Übung: Die Filmförderung soll die Produktion von Filmen ermöglichen, ohne sie nach irgendwelchen Richt-, Soll- oder Planwerten zu steuern.

    Der einzige etwas peinliche Moment der heutigen Veranstaltung war Samirs Beschreibung der Wunschmerkmale und Eigenschaften des neu zu bestimmenden Chefs der Sektion Film im BAK. Das tönte wie ein Werbespot für Ivo Kummer, den aktuellen Leiter der Solothurner Filmtage. Dabei weigert sich dieser konsequent, nur schon seine mögliche Bewerbung für das Amt zu bestätigen.

    Ob die Verantwortlichen sich tatsächlich danach sehnen, einen Wunschkandidaten der Branchenverbände auf den komplexen Posten zu setzen, hängt wohl nicht zuletzt mehr von der tatsächlichen als von der demonstrierten Einigkeit der Branche ab.

    Topics: CH Film, Filmbusiness, Filmfestival, Filmpolitik | 1 Kommentar »

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