Home Sennhausers Filmblog Home Sennhausers Filmblog
  • RSS abonnieren


  • Newsletter Radiomailing:

    Wenn Kontext auf SRF 2 Kultur ein Filmthema behandelt, erhalten Sie am Vorabend eine Email (max. 4 pro Monat):

  • Mailformular

  • Schlagwörter

  • « | Home | »

    Cannes 11: LE HAVRE von Aki Kaurismäki

    Von Michael Sennhauser | 17. Mai 2011 - 10:50

    LE HAVRE par Aki KAURISMÄKI (2)

    Wie macht er das bloss? Da meinen wir, Aki Kaurismäki und seine Tricks zu kennen. Und nun kommt er, und dreht uns seinen Film einmal mehr in neuer Variation an. Und er macht Freude! Der aufrechte Schuhputzer mit der todkranken, von Kati Outinen gespielten Frau im Spital hilft einem Container-Kind aus Afrika. Alle Nachbarn aus dem armen, aber pittoresken Quartiert helfen dabei. Alle? Nein, einer, gespielt von Jean-Pierre Léaud, ist ein Salaud. Der Film ist sehr Kaurismäki, aber er ist – und das ist neu bei ihm – ironisch selbstreferentiell. Kaurismäki spielt hier mit den Elementen seiner früheren Filme wie ein Comic-Künstler. Es sind die wiederkehrenden Elemente und ihre Freistellung, welche dem Film seine Würze geben.

    Es sind nicht nur die Motive und die reduzierte, stilisierte Sprechweise. Mehr noch sind es die Schnitte, die unüberraschend überraschenden Momente, kombiniert mit dem Heimatgefühl, das die Farbgestaltung und das Licht aufkommen lassen. Neu sind aber auch sprachliche Finessen. Abgesehen davon, dass der Film titelgerecht in Le Havre spielt und die Figuren französisch sprechen, gibt es auch verschiedene sprachliche Register. Der Schuhputzer Marcel Marx hat eine klassisch gebildete Ausdrucksweise, fragt den völlig verdutzten Jungen aus Afrika „Quo vadis, Idrissa?“. Mit seiner aus Finnland eingewanderten Frau Arletty (!) dagegen dialogisiert er wie im Sprachkurs, in klaren, einfach strukturierten Hauptsätzen.

    LE HAVRE par Aki KAURISMÄKI (1)

    Im Grunde funktioniert Le Havre als Kinoerlebnis wie Le gamin au vélo von den Dardenne-Brüdern: Es ist alles da, was Kaurismäki ausmacht, aber der gesamte Ton ist wärmer, hoffnungsvoller, verspielter. Die Kaurismäki-Retrospektive am Filmfestival von Locarno war also noch nicht der Deckel auf seinem Oeuvre.

    Aki Kaurismäki

    Topics: Filmbesprechung, Filmfestival | 3 Kommentare »

    3 Comments

    1. Guter Artikel!

      Kl. Korrektur: den erwähnten „salaud“ spielt wohl Jean-Pierre DARROUSSIN (nicht Léaud…).

      Schönes Festival noch –

      M7

      Kommentar by Meier7 — 18. Mai 2011 @ 11:39

    2. …zu vorschnell… jemand der den Film (auch) gesehen hat, korrigiert gerade dass tatsächlich auch Jean-Pierre Léaud mitspielt… Sorry Herr Sennhauser

      Kommentar by Meier7 — 18. Mai 2011 @ 11:56

    3. Er hat ein vollkommenes Märchen gedreht und manche warfen ihm das vor.

      Kommentar by projekt2501 — 8. November 2011 @ 02:58

    RSS feed for comments on this post.

    Sorry, the comment form is closed at this time.

    Simple Share Buttons