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    Cannes 12: DE ROUILLE ET D’OS von Jacques Audiard

    Von Michael Sennhauser | 17. Mai 2012 - 21:15

    Matthias Schoenaerts und Marion Cotillard

    Matthias Schoenaerts und Marion Cotillard

    Rost und Knochen verspricht der Filmtitel, ‚Rust and Bone‘, das geht zurück auf eine Kurzgeschichtensammlung des Kanadiers Craig Davidson, von der aber schliesslich nur die allgemeine Inspiration geblieben sei, sagt Jacques Audiard. Vom Rost ist wenig zu sehen, aber die Knochen, die sind präsent im neuen Film des Regisseurs, der hier 2009 mit Un prophète den grossen Preis der Jury gewonnen hatte.

    Die Knochen, das sind die des Belgiers Matthias Schoenaerts, der uns schon in Rundskop sehr körperlich nahe gegangen ist, und jene der Französin Marion Cotillard. Beziehungsweise, die ihrer Figuren Ali und Stéphanie. Er ist ein gescheiterter Boxer aus dem Norden Frankreichs, der mit seinem fünfjährigen Sohn in Antibes bei seiner Schwester untergekommen ist. Und sie leitet das Dressurteam bei einer Orca-Show im Badeort an der Côte d’azur.

    Marion Cotillard

    Sie treffen sich, als er sie in einem Klub als Türsteher und Rausschmeisser vor einem ausrastenden Typen in Schutz nimmt und nach Hause fährt. Aber erst, nachdem sie bei einem spektakulären Unfall in ihrer Show beide Beine verloren hat, kommen sich die beiden näher – in einem Film, der die menschlichen und die schicksalshaften Katastrophen überaus grosszügig walten lässt.

    Stéphanie findet dank seiner mitleidlosen und ungerührten Hilfe ins Leben zurück, während zugleich immer deutlicher wird, dass Ali zumindest seelisch viel verkrüppelter ist, als die junge Frau körperlich. Letztlich ist es aber gerade das, was die beiden zusammenbringt und die Spannung im Film nie abbrechen lässt.

    Audiard war schon zwingender mit seinen Inszenierungen, Un prophète war stringenter, metaphorischer und realistischer zugleich. Aber diese Geschichte von Rost und Knochen lässt einen auch nicht los im Kinosaal, Schoenaerts und Cotillard sind packend physisch und unglaublich präsent. Da fällt es wenig ins Gewicht, dass die Massierung von Schicksalsschlägen und ein an Arthur Millers ‚All My Sons‘ gemahnender moralischer Sofortrückschlag ins gesucht melodramatische abrutschen: Das bleibt auf der Plotebene, der Film geht energiegeladen darüber hinweg. Wie lange das tatsächlich nachwirkt, kann ich noch nicht sagen. De rouille et de l’os ist ein Drehbuch, das auch Hollywood hätte verfilmen können – das wäre unerträglich geworden. Audiards Kunst besteht möglicherweise genau darin, dass er ein hiobmässiges Melodram dardennifiziert und zugleich zu einem extrem physischen Kinoerlebnis gemacht hat.

    Bloss den Rost, den suche ich noch immer.

    Jacques Audiard (rechts) mit Matthias Schoenaerts

    Jacques Audiard (rechts) mit Matthias Schoenaerts beim Dreh

    Topics: Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | 2 Kommentare »

    2 Comments

    1. Der Film ist grossartig.
      Aber wie wurden die Szenen mit Cotillard ohne Beine gedreht?

      Kommentar by Monika — 4. November 2012 @ 08:33

    2. @Monika: Das ist nicht mehr so schwierig mit der neuen Digitaltechnik. Marion Cotillard trug beim Drehen grüne Strümpfe. Wenn man dann jede Einstellung mit der gleichen Kameraposition (das geht dank computergesteuerter Travellings und Schwenks sogar mit bewegter Kamera) noch ohne Schauspieler dreht, ist es relativ simpel, die grün bestrumpften Beine via „colour key“ zum Verschwinden zu bringen. Was die Leistung der Schauspielerin im übrigen nicht schmälert. Hier ein Interview dazu mit dem Regisseur (auf Französisch).

      Kommentar by Michael Sennhauser — 4. November 2012 @ 15:59

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