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    Zum Tod von Wes Craven

    Von Michael Sennhauser | 31. August 2015 - 11:49

    Wes Cravens populärste Schöpfung: Freddy Krueger in 'A Nightmare on Elm Street'

    Wes Cravens populärste Schöpfung: Freddy Krueger in ‚A Nightmare on Elm Street‘

    Ein Ehepaar foltert und tötet die Vergewaltiger ihrer Tochter. Das war 1972, The Last House on the Left, Wes Cravens zweiter Spielfilm und ein ebenso einschlägiger wie bis heute notorischer Schockauftritt. Sex und Gewalt gehörten zur Formel des damaligen Exploitation («Ausbeutungs»)-Kinos, «Rape & Revenge», Vergewaltigung und Rache war eine der Formeln.

    'Last House on the Left' einschlägigses Inserat aus den 70er Jahren

    ‚Last House on the Left‘ einschlägigses Inserat aus den 70er Jahren

    Die Produzenten dieser Filme setzten gezielt darauf, dass eben gerade die Nicht-Freigabe für ein breites Publikum ein umso zahlreicheres globales Nischenpublikum generierte, zuerst in den Grindhouse-Kinos, den meist in der Nähe der Sexkinos angesiedelten Billig-Schuppen, und ab Ende der 70er Jahre dann via Video.

    Wes Craven hatte allerdings mehr Ambitionen, mehr Intelligenz und mehr Können vorzuweisen, als die Dutzendregisseure seiner Zeit. Das Drehbuch von The Last House on the Left war nach Cravens eigenen Angaben inspiriert von Ingmar Bergmans Schwarzweissdrama Die Jungfrauenquelle von 1960. Und auch dramaturgisch war der Film viel mehr als bloss eine Abfolge von Schockmomenten.

    Die ungekürzte Originalfassung des Films ist in etlichen Ländern bis heute verboten und wer die DVD in die Schweiz importiert, riskiert noch immer eine Strafanzeige. Seit 2009 gibt es übrigens (wie von etlichen der 70er Jahre Horror-Klassiker) ein auf die heutigen US-Zulassungsverhältnisse zugeschnittenes Remake des Films.

    Mit The Hills Have Eyes, einem Hinterwäldler-Kannibalen-Drama schuf Wes Craven 1977 noch einen weiteren einschlägigen Genre-Klassiker, bevor ihm 1984 der ganz grosse Hit gelang, jene Franchise, die bis heute nachwirkt: A Nightmare on Elm Street.

    Das Erfolgsrezept von «Nightmare» ist so einfach wie genial: Im Zentrum stehen genau jene Teenager, welche seit Beginn der 80er Jahre den Grossteil des kommerziell interessanten Horrorfilmpublikums stellen, Pubertierende, welche gemeinsam im Kino (oder heute auch zu Hause) den Nervenkitzel und die Mutprobe suchen, ein Ventil für ihre Ängste und Veränderungssorgen.

    Robert Englund war und ist Freddy Krueger

    Robert Englund war und ist Freddy Krueger

    Diese Teenager, die im Original alle an der Elm-Street wohnen, einer Art US-Lindenstrasse, werden im Traum von Freddy Krüger heimgesucht, dem halbverwestenbrannten Killer mit den Messerhänden. Und wer im Traum nicht überlebt, überlebt auch nicht in Wirklichkeit. Wachbleiben ist die einzige Strategie, um Freddy wenigstens eine Weile zu entgehen. Was passt besser zum Teenager-Leben mit den durch diskutierten und durch gefeierten Nächten und all den Ängsten, die im Kollektiv besser zu ertragen sind?

    Die Nightmare on Elm Street-Reihe gehört zu den langlebigen Horror-Franchisen, sowohl die Schreckensfigur Freddy Krüger wie auch sein Darsteller Robert Englund wurden zu Kultfiguren. Und Wes Craven hat das einschlägige Teenager-Publikum um Jahre hinweg im Auge behalten. Nach einer ganzen Reihe von anderen, weniger erfolgreichen Horror-Filmen gelang ihm 1996 der Nachfolge-Erfolg Scream.

    Der Killer aus 'Scream'

    Der Killer aus ‚Scream‘

    Die «Scream»-Reihe richtet sich an ein Publikum, das mit Freddy Krueger und Konsorten aufgewachsen ist, an die nächste Teenager-Generation, welche schon früh dem Ruf des einschlägigen Horrors gefolgt ist und darum alle Regeln und Situationen kennt. Die Teenager in «Scream» wissen, dass man vor Verfolgern nicht in den oberen Stock eines Hauses flüchtet. Sie wissen auch, dass es keine gute Idee ist, die schützende Gruppe zu verlassen. Und sie wissen, dass auf den Satz «Ich bin gleich zurück» das todsichere Ende folgt. Und trotzdem werden sie alle dahingemetzelt, von ebenso horrorfilmgebildeteten Altersgenossen. Zum Beispiel.

    Die «Scream»-Filme gehören wie etliche andere zum Subgenre der Horror-Parodien, Filme, die das Lachen und den Humor perfekt mit dem Horror und dem Grusel mischen und den Teenagern einmal mehr einen einschlägig brauchbaren Spiegel vorhalten.

    Wes Craven gab seinem Publikum immer wieder, was es wollte. Und gleichzeitig sorgte er dafür, dass er sich selber nicht zu langweilen begann, in dem er seine Arbeit und seine Erfolge analysierte und konstruktiv verwertete. Und er versuchte sich in anderen Genres.

    Rachel McAdams und Cillian Murphy in 'Red Eye' von 2005

    Rachel McAdams und Cillian Murphy in ‚Red Eye‘ von 2005

    Mery Streep verdankt Wes Craven eine ihrer zahlreichen Oscar-Nominationen, für ihre Rolle als Brooklyn-Ghetto-Musiklehrerin in Music oft he Heart von 1999. Und mit Red Eye bewies Wes Craven 2005, dass er auch einen veritablen Action-Thriller ohne über (oder unter-) sinnlichen Horror inszenieren kann – und dies erst noch mit einer Frau – Rachel McAdams – in der Hauptrolle.

    Jetzt ist der Mann, der behauptet hat, er habe die Nerven nicht, um sich selber Horrorfilme anzusehen, im Alter von 76 Jahren gestorben. Dass sein Name «craven» im Englischen «feige» oder «ängstlich» bedeutet, muss ihn zeitlebens mächtig amüsiert haben.

    Topics: Autor / Drehbuchautorin, Film, Filmgeschichte, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Zum Tod von Wes Craven

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