Dumbledore ist schwul, sagt Rowling

Sie sei persönlich immer davon ausgegangen, dass Professor Dumbledore schwul sei, hat Joanne K. Rowling gemäss BBC am Freitagabend in der New Yorker Carnegie-Hall erklärt. Sie erklärte damit, warum der spätere Headmaster von Hogwarts in seiner Jugend so blind gewesen ist gegenüber den dunklen Seiten seines Jugendfreundes Gellert Grindelwald, wie es im letzten Band der Harry-Potter-Serie erzählt wird. Die Potter-Fans in der Carnegie-Hall seien zuerst in erstaunte Stille verfallen, hätten dann aber lautstark applaudiert. Vielleicht wäre das ein Grund, alle sechs sieben Bände noch einmal zu lesen? In den Filmen finden sich allerdings kaum Hinweise auf eine eventuelle Homosexualität Dumbledores und Warner Bros. wird sich nicht begeistert zeigen. Auch Richard Harris, der Ur-Dumbledore, hätte damit möglicherweise seine Mühe gehabt. Michael Gambon, der den Dumbledore seit 2004 verkörpert, wohl weniger.

Filmpodcast 47: Lust, Caution, Heimatklänge.

Se Jie (Ang Lee)Herzlich Willkommen zum 47. Filmpodcast. Schnörri vom Dienst ist Michael Sennhauser und hier ist das aktuelle Angebot: Ich erkläre meine Begeisterung für den neuen Film von Ang Lee: Lust, Caution, und ich entführe Sie mit Stefan Schwietert in die ungewohnte Welt seiner schweizerischen Heimatklänge. Das alles wie gewohnt abgeschmeckt (und abgeschmackt) mit Kurztipps und Soundspiel.

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Wegen Romeros Zombie-Klassiker ins Gefängnis?

Der umstrittene Artikel 135 des Strafgesetzbuches eröffnet die Möglichkeit, auch den privaten Import von pornografischen oder gewaltverherrlichenden Filmen unter Strafe zu stellen. Wer Horrorklassiker wie Wes Cravens The Last House on the Left (1972) über einen ausländischen DVD-Versand bestellt, riskiert eine Anklage, wenn das Paket am Post-Zoll von übereifrigen, filmgeschichtlich unbewanderten Zöllnern geöffnet wird. Weil das Strafgesetzbuch relativ klar umschreibt, was an Gewalt und Pornografie verboten ist, bleibt bei wörtlicher Auslegung oft kein Spielraum mehr für künstlerische oder kulturell tradierte Ansprüche (wie das idiotische Debakel um die Wiederaufführung von Pasolinis Salò im Februar in Zürich gezeigt hatte). Im Tages-Anzeiger (Seite 57, Zürcher Unterland) von heute berichtet Verena Schneider von einem aktuellen Gerichtsfall. Ein Familienvater hat unter anderem den Romero-Klassiker Dawn of the Dead von einem deutschen Versandhändler kommen lassen (ein Film, der im übrigen auch der Schweiz erhältlich sein dürfte, zumindest das Remake). Aufgrund einer Meldung der Zollbehörde hat der Zürcher Staatsanwalt eine Hausdurchsuchung veranlasst und den Horrorfilmfan unter Anklage gestellt. Der Schweizer Strafrechtler Bernhard Rüdy hat die Verteidigung übernommen und auf Freispruch und Entschädigung plädiert. Hier ein Auszug aus dem Artikel (online leider nicht zugänglich):

Rüdy bemängelte, dass der Staatsanwalt aus allen Filmen lediglich wenige Minuten lange Szenen für seine Anklage herausgegriffen habe. So entstehe eine selektive Wahrnehmung, die aus dem Gesamtkontext herausgerissen werde. «Völlig unhaltbar» sei die Behauptung, die Filme entbehrten einer Handlung und seien kulturell wertlos. «Dieser Beweis müsste erst noch erbracht werden – die Staatsanwaltschaft hätte ein Gutachten einfordern müssen», kritisierte er. Auch Filme wie «Frankensteins Monster», «Nosferatu» oder Vampirfilme seien Horrorfilme mit Kultstatus. Rüdy erläuterte den kulturgeschichtlichen Hintergrund von Zombies, die laut Duden keine Menschen, sondern emotionslose Untote sind, die rein instinktiv handelten. Sie bedienten eine Urangst der Menschen vor Toten, die wieder zum Leben erweckt werden. «Daraus entstand ja auch die religiöse Totenwache, die nicht zuletzt zum Ziel hatte, einen allenfalls auferstehenden Toten erschlagen zu können», so Rüdy. Er zitierte den Sprecher des katholischen Mediendienstes, der erklärt habe, solche Filme würden mit einer «ironischen Distanz» und, weil sie nicht realistisch seien, «wie Comics» wahrgenommen. Allein weil dieses Genre nicht dem Massengeschmack entspreche, sei es nicht strafbar, so der Verteidiger. Die erwähnte sexuelle Szene sei zudem nicht pornografisch, da keine Penetration gezeigt werde. Der Anwalt führte weiter aus, die beschlagnahmten Filme seien frei erhältlich. Sie wurden im Kino gezeigt und von verschiedenen Fernsehstationen, auch in der Schweiz, mehrfach ausgestrahlt. Das Reclam-Buch «Horrorfilme» würdigt «Dawn of the Dead» als «Kritik an der modernen amerikanischen Wohlstandsgesellschaft», die «Chicago Sun Times» jubelte: «Einer der besten Horrorfilme, die jemals gedreht wurden.» (Tages-Anzeiger vom 17. Okt. 2007, S. 57)

Das Urteil wurde noch nicht eröffnet, aber eines zeigt diese Anklage wieder einmal ganz klar: Jede Universitäts-Videothek, die Cinémathèque in Lausanne oder auch ich und andere filmhistorisch versierte und interessierte Filmjournalisten riskieren im Prinzip immer wieder eine solche oder ähnliche Klagen der Staatsanwaltschaft. Nicht nur der Umstand, dass unsere Videotheken zwangsläufig möglicherweise inkriminierte Filme (zumal aus den 70er Jahren) umfassen, wir müssen uns ja auch grundsätzlich die Möglichkeit offen halten, überhaupt erst zu einem Urteil über solche Filme gelangen zu können – gerade wenn sie, wie in den letzten Jahren üblich geworden, aus den USA in aufpolierten und sterilisierten Remakes wieder auf unsere Leinwände schwappen, fast immer brutaler, dümmer und irrelevanter als die Originale.

Fernsehrekord für die Herbstzeitlosen

Die Schweizer mögens gemütlich am Sonntagabend: Mit 1,34 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern hat die Filmkomödie Die Herbstzeitlosen am Sonntagabend auf SF 1 einen neuen Rekord aufgestellt. Einen Marktanteil von 58,2 Prozent erreichte bisher noch kein anderer Schweizer Film. Bislang war der im Oktober 2004 ausgestrahlte Sternenberg mit 816’000 Zuschauern der publikumstärkste Schweizer Film im Schweizer Fernsehen (SF). Nun hat die Lingerieboutique der verwitweten Martha (Stefanie Glaser), die so viel Unruhe ins Emmentaler Dorf Trub bringt, aber noch eine halbe Million mehr Schaulustige angelockt. Mehr als jeder zweite, der am Sonntagabend vor dem Fernseher sass, schaute der aufblühenden Seniorin zu. Der Film von Bettina Oberli ist auch in den Kinos ein Grosserfolg. Mehr als 860’000 Besucher wurden bisher im deutschen Sprachraum gezählt, über 61’000 DVD gingen schon über den Ladentisch. Zudem hat das Bundesamt für Kultur die Komödie für einen Oscar in der Kategorie «bester fremdsprachiger Film» angemeldet. Wahrscheinlich staunt niemand mehr über den Riesenerfolg als Bettina Oberli selber – was ehrliche Freude darüber nicht ausschliesst.

Filmpodcast 46: Persepolis, Sicko, Tati 100, Fatih Akin.

Der 46. Filmpodcast mit Michael Sennhauser umfasst: Persepolis, die gelungene Zeichentrickfassung der gleichnamigen Comics der Iranerin Marjane Satrapi. Sicko Michael Moores Attacke auf das amerikanische Gesundheitswesen. Dazu eine kurze Hommage an das komische Genie von Jacques Tati, der diese Woche 100 Jahre alt geworden wäre, sowie ein ausführliches Gespräch mit Fatih Akin zu seinem Film Auf der anderen Seite. Dazu Kurztipps und Soundspiel.

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Schweden ehrt Bergman mit Briefmarken

Die schwedische Post ehrt den im Juli verstorbenen Regisseur Ingmar Bergman mit zwei Briefmarken, die am 24. Januar 2008 erscheinen sollen. Auf der Website des Sveriges Filatelist-Förbund sind die beiden Entwürfe auch schon abgebildet. Die eine Marke zeigt Bergman als Regisseur von „Fanny & Alexander“ am Set 1983, die andere ein Portrait von 1998. Woody Allen hat sich bestimmt schon den Ersttagsbrief reserviert …

Filmpodcast 45: Ratatouille, Auf der anderen Seite, Dschoint Ventschr, Condor, Vigilante-Filme.

Der DRS-Filmpodcast mit Michael Sennhauser bringt diese Woche Beiträge zum neuen Pixar-Animationsfilm Ratatouille (siehe auch weiter unten), zu Auf der anderen Seite von Fatih Akin, einen Blick auf die Zürcher Talentschmiede Dschoint Ventschr, welche diese Woche vorsorglich alle festen Mitarbeiter entlassen musste, sowie einen Rückblick auf die Geschichte von Condor Films, welche diese Woche 60 Jahre alt wurden. Dazu einen längeren Ausblick auf Faszination und Geschichte der Vigilante-Filme von «Death Wish» bis «The Brave One», und natürlich Kurztipps und Filmsound-Spiel.

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Ratatouille: Kinder wild auf Ratten

Rémy aus Ratatouille (c) Buena VistaWer erinnert sich: Als Finding Nemo in den Kinos kam, stieg der Verkauf von Clownfischen weltweit rasend an, und die tropischen Gewässer wurden leergefischt. Und mit den Harry Potter Filmen soll in England der Verkauf von Eulen sprunghaft angestiegen sein. Jetzt wollen die Kinder in Frankreich alle eine zahme Ratte, wegen Rémy in Pixars Ratatouille, wie die AFP meldet (siehe unten). Schon drollig. Und was werden die Kids alle wollen, wenn George A. Romeros aktueller Diary of the Dead ins Kino kommt? Logisch, ihren eigenen Kuschel-Zombie. Sperrt schon mal die Friedhöfe…

Paris (AFP) — Der diese Woche in Deutschland anlaufende US-Zeichentrickfilm „Ratatouille“ hat in Frankreich neuen Schwung in

den Handel mit Hausratten gebracht. „Ratten sind eine echte Mode geworden“, sagte Gerald Moreau, der eine Internet-Website zum richtigen Umgang mit den putzigen Nagetieren betreibt. Hersteller von Tierbedarf berichten, dass der Absatz von Zubehör für die Nager seit dem Start des Streifens im Sommer um 40 Prozent spürbar gestiegen ist. Verantwortlich für den Boom sind offenbar die jungen Kinobesucher, die „Ratatouille“-Hauptdarsteller Remy ins Herz geschlossen haben, der ausgerechnet als Ratte Chefkoch werden will. „Ratten sind viel intelligenter und viel interessanter als Hamster oder Mäuse“, sagte Moreau. „Sie erkennen ihren Namen, hängen sehr an ihrem Besitzer und lassen mit sich spielen wie Hunde oder Katzen.“ Eltern sollten laut Moreau aber genau überlegen, bevor sie sich eine Ratte ins Haus holen. „Sie sind sehr soziale Tiere und brauchen viel Zuneigung und Aufmerksamkeit.“ Keinesfalls sollten ein Männchen und ein Weibchen zusammen in einen Käfig gesperrt werden: Rattenweibchen bringen bis zu 15 Babys zur Welt – und das alle drei Wochen.


 

 

Hollywood traut sich nicht mehr zu rauchen

Dass die amerikanischen Filmstudios (wie alle anderen Lebensbereiche auch) immer stärker unter Druck geraten, das Rauchen nicht mehr als Lifestyle zu bewerben, ist nicht weiter überraschend. Aber derzeit konkretisieren sich die Regeln, wie ein Artikel in der New York Times zu bedenken gibt. Es wäre ja auch denkbar, dass Hollywood künftig auf die Darstellung anderer ungesunder Gewohnheiten verzichtet, wie zum Beispiel den Waffengebrauch, den Einsatz von Verbrennungsmotoren, oder den von medizinisch bedenklich dünnen Schauspielerinnen. Dass die Filme dann noch weniger mit dem tatsächlichen Leben zu tun haben werden, ist nur ein kleiner Teil des Problems. Das grössere besteht wohl darin, dass sie sich nicht mehr verkaufen lassen, wenn nur noch gesellschaftlich und medizinisch unbedenkliches Handeln dargestellt werden darf. Es sei denn, diese Zensurform begünstige eine neue spannende Form von Zensur-Umgehung, wie seinerzeit der Hays-Code.

Blog Pick: Filmfinanzierung im Tellenland

Die Zürcher Blog-Kollegen haben am Samstag spitz getippt: Im Kulturblog findet sich ein bissiger Hinweis auf ein Filmfinanzierungsmodell, das in Deutschland schon gang und gäbe ist. Der Staat steckt seine Fördergelder à fonds perdu in Filmprojekte, private Geldgeber beteiligen sich mit prioritären Gewinnaussichten. Das mag einigermassen sinnvoll sein, in Ländern mit einer ernstzunehmenden Filmindustrie, wie England oder Irland. Dort kurbeln "Tax-Schemes" zumindest die Wirtschaft an, und im besten Fall gewinnt der Staat über die Mehrwertsteuer bzw. VAT einen Teil des Geldes zurück. Aber in einem Land wie der Schweiz kann Filmförderung nie wirklich Wirtschaftsförderung sein, auch wenn die Branche das Argument gerne immer wieder anführt. Kultur rentiert nicht, punktum.

Und drüben im Blog des SF-Film- und Serienchefs Michel Bodmer blubbert der leise Spott, wenn Michel Impossible sich darüber amüsiert, dass das Bundesamt für Kultur Bettina Oberlis einheimische Hit-Komödie Die Herbstzeitlosen als Schweizer Kandidat für den Fremdsprachen-Oscar portiert. Einen TV-Film, den die Bundesfilmförderung seinerzeit nicht einmal mitfinanzieren wollte. Tatsächlich stellt sich die Frage, warum Bideau nicht seine aktuelle Lokomotive "Tell" nach L.A. schicken mag. Oder vielleicht doch nicht? Warten wir doch noch die Wochenend-Zahlen ab …