Cannes 11: L’APOLLONIDE – SOUVENIRS DE LA MAISON CLOSE von Bertrand Bonello

L'APOLLONIDE - SOUVENIRS DE LA MAISON CLOSE par Bertrand BONELLO (1)

Vielleicht war es Michel Fabers viktorianischer Bordell-Roman The Crimson Petal and the White, der ein neues Interesse an der alten Institution geweckt hat. Oder aber tatsächlich die französischen Debatten über Legalisierung und Besteuerung von Bordellen, wie Bertrand Bonello selber meint. Auf jeden Fall knüpft er mit seinem prachtvollen Ausstattungsfilm dort an, wo Louis Malle 1978 mit Pretty Baby aufgehört hat.

L’Apollonide ist ein Edelbordell am Ende der Belle Epoque in Paris, mitten in der Morgendämmerung des 20. Jahrhunderts, wie es im Film heisst. Marie-France, die Madame (Noémi Lvovsky), führt das legale und unter staatlicher Kontrolle stehende Haus mit eiserner, aber mütterlicher Hand. Ihre Mädchen bevölkern am Abend den prachtvollen Salon im Parterre, aufgeputzt und munter, willige und kostspielige Gespielinnen vor allem für reguläre männliche Gäste, vermögend samt und sonders, und in der Club-Atmosphäre zuhause. Einen Stock höher, in der Bel Etage, finden sich die nicht minder prächtigen Schlafzimmer, wo es zur Sache geht. Und unter dem Dachboden schliesslich teilen sich die „Working Girls“ die Dienstmädchenkammern und Betten. Aus dem Haus dürfen sie nur in Begleitung von Madame oder eines Kunden – alles andere würde als Strassenprostitution geahndet und ist verboten. Damit macht der Staat die Frauen zu Gefangenen – allerdings ohne dass der Film das wörtlich verkünden würde.

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