Cannes 16: THE NEON DEMON von Nicolas Winding Refn (Wettbewerb)

The Neon Demon Nicolas Winding Refn (1)
Elle Fanning als Jesse © Impuls
Style over Substance sind wir ja gewohnt von Nicolas Winding Refn. Aber in diesem Film sind die Dialoge und die Handlung dermassen platt, dass man sie am liebsten ausblenden würde. Was bliebe, wäre eine gestylte Bildorgie und ein weiterer Soundtrack von Cliff Martinez. Beides sinnlos, aber schön.

Cannes_Balken_2016

Leider greift Refn aber einmal mehr in die C-Picture Mottenkiste. The Neon Demon erzählt die Geschichte der 16jährigen Jesse (Elle Fanning) einem blonden Engel aus Georgia, die nach L.A. kommt, um eine Modelkarriere zu machen.

«Ich kann nicht singen, ich kann nicht tanzen, ich kann nicht schreiben. Aber ich kann schön sein», das erklärt sie dem hingerissenen jungen Mann, der die ersten Fotos von ihr schiesst.

Elle Fanning © Impuls
Elle Fanning © Impuls
Mit denen bewirbt sie sich bei einer Agentur und wird von der Chefin (Christina Hendricks in einer Minutenrolle) sofort unter Vertrag genommen. Mit dem Hinweis, sie solle ihr Alter immer mit 19 angeben.

Jesse hat eine Ausstrahlung, welche sie überall sofort auffallen lässt (Elle Fanning hat die nicht, zumindest nicht in diesem Film). Die Männer, insbesondere die Modemacher und die Fotografen, sind hingerissen. Die anderen Models zerreissen sich vor Neid, vorerst metaphorisch.

Über lange Strecken ist The Neon Demon wie Paul Verhoevens infamer Kultfilm Showgirls, einfach ohne die lustigen und ohne die interessanten Teile. Darauf folgt ein durchgestalteter Mittelteil mit einem ersten Neon-Auftritt Jesses, bei dem ein Symbol aus mehreren Dreiecken (erinnert an eine Skimarke) sie hypnotisch in die Welt des Neon Demon zieht und verwandelt. Aus der liebenswerten Unschuld vom Land wird eine selbstbewusste Bitch.

Dazwischen hat Keanu Reeves ein paar Auftritte als widerlicher Motelbetreiber. Und ein Puma verwüstet das Zimmer von Jesse.

Jena Malone © Impuls
Jena Malone © Impuls
Dann aber. Ja dann … weist Jesse die lesbischen Avancen der Visagistin Ruby (Jena Malone) ab, was die zuerst zu ausgedehnter Nekrophilie bei ihrem Zweitjob als Leichnschminkerin treibt. Und dann in den mörderischen Wahnsinn.

Und für kurze Zeit verwandelt sich The Neon Demon in einen Neo-Giallo, mit noch mehr Stil und dazu Blut und Messer, und fast scheint es, als ob die ganzen vorangegangenen Platitüden doch noch ein gutes böses Ende nähmen. Aber dem ist nicht so, denn es folgt noch eine heimgehämmerte moralische Coda, die alles noch einmal zusätzlich unterbietet.

© Impuls
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Wie gesagt: Verhoevens Showgirls setzte seinerzeit erfolgreich auf Camp und wurde damit zum Klassiker. Refn setzt auf seine durchaus beeindruckenden stilistischen Fähigkeiten und nimmt zusätzlich sowohl seinen platten Plot ernst, die schauerlich blöden Dialoge seiner beiden Ko-Autorinnen, und einmal mehr sich selber.

Als NWR steht er durchwegs im Vorspann, sozusagen ein Neon Winding Refn. Und das soll, darf, muss und kann man nicht allzu ernst nehmen.

Wenn das Ganze bloss nicht auch noch so langweilig wäre.

NWR (rechts) mit Elle Fanning © Impuls
NWR (rechts) mit Elle Fanning © Impuls