Die ersten Einstellungen deuten auf einen Polit- oder Drogenthriller hin. Kolonnen von Geländefahrzeugen auf einer staubigen Strasse. Ein Bild, das Filme wie Sicario (2015) oder Three Kings (1999) standardisiert haben. Allerdings spielt Salvation nicht an der mexikanisch-us-amerikanischen Grenze und auch nicht in Afghanistan oder Irak. „SALVATION (Kurtuluş) von Emin Alper“ weiterlesen
Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Bereitwilligkeit sich viele Leute vor einer Kamera um Kopf und Kragen reden, ohne es zu merken. Der Altmeister solcher Sammeltätigkeiten ist der Österreicher Ulrich Seidl, aber mit seinem jüngsten Dokumentarfilm kann ihm der Hamburger Jonas Spriestersbach (Tiere, 2019) durchaus das Wasser reichen.
Für seine «No Budget»-Produktion ist Spriestersbach nach Namibia gereist, auf den Spuren der deutschen Kolonialgeschichte. Ein heisses Eisen, das keine deutsche Sendeanstalt anfassen mochte und für das darum auch kaum öffentliche Förderung aufzutreiben war. „MEANWHILE IN NAMIBIA von Jonas Spriestersbach“ weiterlesen
Neun Menschen malen auf einer Bühne die Umrisse des Gazastreifens auf den Boden. Der älteste, Jawdat Khoudary, ist 62 Jahre alt, die jüngste, Ghada Al Masri, 14. Innerhalb der Markierung malen sie dann je ein Viereck, welches die ungefähre Lage ihres Herkunftsortes im Gazastreifen markiert. Und dann erzählen sie, eine nach dem anderen, wie sie dort gelebt haben, wie die Hölle des Krieges über sie hereinbrach, und wie sie die Flucht nach Ägypten schafften, bevor die israelische Armee im Mai 2024 den Grenzübergang bei Rafah dicht machte.
Nicolas Wadimoff setzt den längst zu unserem globalen Alltag gehörenden Bildern von Tod und Zerstörung und verzweifelten Menschen, deren Namen wir kaum je erfahren, das pure, persönliche Erzählen gegenüber. Wir lernen Menschen kennen, die von ihrem Schicksal, ihrer Familie und ihrem Leben erzählen, einander dabei zuhören und die eine oder andere Schilderung ergänzen oder bestätigen.
Das ist nicht nur ungewohnt, es unterläuft auch systematisch unsere etablierten Abwehrmechanismen. Wegschauen bringt nichts, weil es nicht das Hinschauen ist, das schmerzt, sondern die Bilder, die im Kopf entstehen, beim Zuhören. „QUI VIT ENCORE von Nicolas Wadimoff“ weiterlesen