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    Cannes 13: UN CHÂTEAU EN ITALIE von Valeria Bruni Tedeschi

    Von Michael Sennhauser | 20. Mai 2013 - 23:19

    Valeria Bruni Tedeschi

    Valeria Bruni Tedeschi

    Vor zehn Jahren hat die Schauspielerin, Millionärstochter und Schwester von Carla Bruni Sarkozy mit der Komödie Il est plus facile pour un chameau… Vergnügen, Verblüffung und Annerkennung gefunden. Die zu guten Teilen autobiographisch unterfütterte Geschichte stellte ein armes reiches Mädchen ins Zentrum, das sich schwer tut damit, sein Glück zu finden.

    Jetzt, zehn Jahre später, spielt das reiche Mädchen weiter mit seiner Familiengeschichte. Bruni Tedeschi geht auf die Fünfzig zu, spielt aber – leicht kokett und schwer verhühnert – die 43jährige Louise. Ihr geliebter Bruder Ludovic ist an Aids erkrankt, das Familienschloss, der letzte Rest des Vermögens des verstorbenen Vaters in Italien, muss demnächst verkauft werden und, Louise wünscht sich sehnlichst ein Kind.

    Louis Garrel, Valeria Bruni Tedeschi

    Louis Garrel, Valeria Bruni Tedeschi

    Mit der Schauspielerei hat sie aufgehört, weil sie mehr Zeit zum Leben brauchte. Und als sie auf den jungen Schauspieler Nathan (Louis Garrel) trifft, der ihr den Hof macht, weist sie ihn erst ab, stürzt sich dann aber mit Haut und Haar und vor allem Kinderwunsch auf den nicht sehr stabilen und gar nicht erbauten Mann.

    Filippo Timi, Louis Garrel

    Filippo Timi, Louis Garrel

    Un chateau en Italie ist ein charmanter und entwaffnender Film. Zu den schon gewohnten selbstironischen Zügen von Bruni Tedeschi gesellen sich die Talente der Drehbuchschreiberin Noémi Lvovsky (die letztes Jahr in der Jury von Locarno sass und unter anderem Camille redouble geschrieben und gedreht hat).

    Filippo Timi, Marisa Borini

    Filippo Timi, Marisa Borini

    Neben dem morbid-sentimentalen Touch von The Fall of the House of Usher und der ganzen Dekadenz der armen Reichen spielt hier vor allem die Torschlusspanik der Frau eine Hauptrolle. Louise wünscht sich so verzweifelt ein Kind, dass sie Nathan richtig in die Rolle des Spendervaters drängt und ziemlich sofort eine in vitro-Fertilisation durchführt. Um ganz sicher zu gehen, reibt sie sich aber auch den Bauch und anderes mit Weihwasser ein und stürmt gegen den Willen der aufpassenden Nonnen einen heiligen Stuhl in einer Kirche, der sofortige Fruchtbarkeit verspricht. Alles in allem aber ist der Film trotz solcher Szenen ein reizendes Leichtgewicht

    Die Balance zwischen persönlichem Drama und charmanter Komik hält Un chateau… sehr schön und einzelne Szenen werden einem in Erinnerung bleiben. Auch der Einsatz italienischer Schlager ist schön, und Valeria Bruni Tedeschi ist nach wie vor eine starke Erscheinung als Schauspielerin. Ob sie tatsächlich sich selber spielt oder einfach zu ihrer eigenen Figur geworden ist wie Woody Allen, ist dabei unerheblich. Die Wirkung ist da und die Figur gehört ihr.

    Valeria Bruni Tedeschi, Marisa Borini

    Valeria Bruni Tedeschi, Marisa Borini

    Topics: Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Cannes 13: UN CHÂTEAU EN ITALIE von Valeria Bruni Tedeschi

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