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    Cannes 17: KROTKAYA – A Gentle Creature – von Sergei Loznitsa

    Von Michael Sennhauser | 25. Mai 2017 - 14:39

    Vasilina Makovtseva ist ‚A Gentle Creature‘ – ‚Krotkaya‘ für Sergei Loznitsa © Slot Machine

    Der in Deutschland lebende Ukrainer Sergei Loznitsa hat seinen jüngsten Film unter den Titel einer Dostojewski-Kurzgeschichte gestellt. Aber eigentlich ist Krotkaya das düstere Remake seines vergleichsweise komischen ersten Cannes Filmes Schastye moe von 2010.

    Damals schickte er einen jungen Lastwagenchauffeur auf eine zunehmend düstere und gewaltgeprägte Odyssee, immer getragen von einem komischen absurden Ton.

    Nun ist die «sanft Kreatur» des Titels eine nicht mehr junge Frau, die herauszufinden versucht, warum das Paket, das sie ihrem Mann ins russische Gefängnis geschickt hat, wieder zurückgekommen ist.

    Weil sie keine Auskunft bekommt, reist sie selber hin und versucht mehrfach vergebens, das Paket im Gefängnis abzugeben. Es wird zurückgewiesen ohne Begründung, niemand sagt ihr, ob ihr Mann überhaupt noch in dem Gefängnis einsitzt.

    Alle möglichen Figuren bieten ihr Hilfe an, versuchen aber tatsächlich, sie auszunützen, zu berauben oder zu misshandeln.

    Loznitsa lässt keinen Zweifel daran, dass diese Höllenreise, deren Gewalt und Absurdität sich zunehmend steigert, eine Parabel auf die heutige russische Gesellschaft sein soll.

    Wo gedreht wurde, ist nicht ganz klar auszumachen, aber Sprache und Gebräuche sind russisch, die seltsam patriotische Sentimentalität einzelner Figuren auch.

    Am Ende wird die Frau in einer langen, sowjetrussisch gestylten Traumsequenz noch einmal allen Figuren begegnen, auch der hilflosen, komischen Menschenrechtsaktivistin, die ihr als einzige echte Hilfe versprochen hatte (mit der Wahrnung, dass sie den Geheimdienst über die Anfrage informieren müsse). Und dann folgt ihre minutenlange bestialische Vergewaltigung in einem Lastwagen voller Soldaten oder Polizisten, bevor sie wieder im Wartesaal aufwacht – in einer Art Endlosschlaufe.

    Loznitsa inszeniert effektvoll, einzelne Begegnungen haben gar etwas Rührendes. Aber der Grundton ist zuriefst pessimistisch, die Gesellschaft, die er zeichnet ist durch und durch verrottet und verroht. Das Ziel der meisten ist nicht einmal mehr der persönliche Vorteil, sondern die Zerstörung und Beschmutzung jeder Art von Unschuld oder Sanftheit, die noch irgendwo aufblitzt.

    Krotkaya ist ein 143 Minuten langer Höllensturz ohne Hoffnung und erkennbares Ziel neben der diffusen Klage über die Schlechtigkeit dieser Gesellschaft. Ob das eine Anklage ist, ein Fingerzeig in Richtung von Putins restauriertem Zarenreich, oder gar schlicht und einfach wütende Propaganda, ist von aussen nicht auszumachen.

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | Kein Kommentar »

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