Die wahren Löwen und Lämmer

Meryl Streep, Tom Cruise in: Lions for LambsRobert Redfords Lions for Lambs fasziniert und amüsiert derzeit im Kino bei uns und in den englischsprachigen Ländern. Für seinen Arbeitgeber BBC hat der politische Korrespondent Guto Harri den Film auf seinen Realitätswert hin angesehen. Insbesondere fasziniert zeigt er sich vom intimen Interview, das Meryl Streep über eine Stunde lang mit dem von Tom Cruise gespielten Senator führen darf. Seine intimste vergleichbare Erinnerung, so Harri, war ein kurzes Blitzinterview mit einem Kabinettsmitglied von Tony Blair am Urinal in der Parlamentstoilette. Weil der Mann dringend musste, zwischen zwei Sitzungen, und nur gerade da Zeit fand für den Journalisten. Trotzdem bescheinigt er dem Film ein ordentliches Potential für Wiedererkennungseffekte. (Mehr von uns zum Film im Podcast)

Filmpodcast 50: Bothersome Man, Lions for Lambs, Atonement, Kurzfilmtage, Writers Strike.

Herzlich Willkommen zum Filmpodcast der Woche 45. Am Mikrofon ist Michael Sennhauser, und ich freue mich, dass wir bereits beim 50. Filmpodcast angelangt sind. Heute stellen wir Ihnen drei neue Filme vor: The Bothersome Man, Lions for Lambs und Atonement. Dazu ein kurzer Beitrag zu den aktuellen Winterthurer Kurzfilmtagen und ein Bericht aus Kalifornien zu Streik der Drehbuchautoren. Und natürlich Kurztipps und Filmsoundspiel wie gewohnt.

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Filmpodcast 49: Earth, Shift in Basel, Julia Roberts, Wolfram Knorr.

Wolfram Knorr (Verlagsfoto)

Herzlich Willkommen zum Filmpodcast der Woche 44. Am Mikrofon ist Michael Sennhauser, und das sind die Themen heute: In der Deutschschweiz läuft «Earth», der neue globalisierte BBC-Dokfilm von Alastair Fothergill. In Basel fand die erste Ausgabe von Shift statt, dem neuen Festival der elektronischen Künste. In Hollywood hat Julia Roberts ihren 40. Geburtstag gefeiert, und in Zürich ist ein neues Buch von Filmkritiker Wolfram Knorr erschienen. Pierre Lachat unterhält sich mit dem Urgestein der Deutschweizer Filmkritik. Dazu Kurztipps und Soundspiel, wie gewohnt.

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Die ultimative Leinwandgöttin: Alle!

Da hat sich eggman913 aber wirklich Mühe gegeben: Sein YouTube-Video morpht sich durch die weibliche Schönheit von mehr als hundert Jahren Film- geschichte. Ein Göttinnen-Antlitz geht ins nächste über, da käme selbst der morph- gewohnte Göttervater Zeus ins staunen, man stelle sich vor, Leda hätte sich seinem Schwan via YouTube entzogen … ein wirklich schönes Video mit unzähligen Gesichtern, angefangen bei Mary Pickford, Lillian Gish, Gloria Swanson, Marlene Dietrich …… Norma Shearer, Ruth Chatterton, Jean Harlow, Katharine Hepburn, Carole Lombard, Bette Davis, Greta Garbo, Barbara Stanwyck, Vivien Leigh, Greer Garson, Hedy Lamarr, Rita Hayworth, Gene Tierney, Olivia de Havilland, Ingrid Bergman, Joan Crawford, Ginger Rogers, Loretta Young, Deborah Kerr, Judy Garland, Anne Baxter, Lauren Bacall, Susan Hayward, Ava Gardner, Marilyn Monroe, Grace Kelly, Lana Turner, Elizabeth Taylor, Kim Novak, Audrey Hepburn, Dorothy Dandridge, Shirley MacLaine, Natalie Wood, Rita Moreno, Janet Leigh, Brigitte Bardot, Sophia Loren, Ann Margret, Julie Andrews, Raquel Welch, Tuesday Weld, Jane Fonda, Julie Christie, Faye Dunaway, Catherine Deneuve, Jacqueline Bisset, Candice Bergen, Isabella Rossellini, Diane Keaton, Goldie Hawn, Meryl Streep, Susan Sarandon, Jessica Lange, Michelle Pfeiffer, Sigourney Weaver, Kathleen Turner, Holly Hunter, Jodie Foster, Angela Bassett, Demi Moore, Sharon Stone, Meg Ryan, Julia Roberts, Salma Hayek, Sandra Bullock, Julianne Moore, Diane Lane, Nicole Kidman, Catherine Zeta-Jones, Angelina Jolie, Charlize Theron, Reese Witherspoon, Halle Berry

Music: Bach's Prelude from Suite for Solo Cello No. 1 in G Major, BWV 1007 performed by Yo-Yo Ma

Wenn (falls) die Hollywood-Autoren streiken …

… dann geht das Licht zuerst bei den Late-Night-Shows am Fernsehen aus, sagt die Branchengazette Variety. Letterman und Co. seien nämlich die einzigen, die auf „live-writing“ angewiesen seien, ihre Shows kann man nicht mit auf Vorrat geschriebenem Material durchziehen. Wenn nun also die Autoren-Gewerkschaft ab nächster Woche tatsächlich streikt in den USA, dann sind Leno und Letterman die Gruben-Kanarien-Vögel, die Indikatoren für die ersten Auswirkungen. Die grossen Filmstudios dagegen behaupten fast alle, sie hätten genügend fertige Drehbücher, um weiter zu produzieren. Und die TV-Networkskönnen theoretisch am Streik verdienen, bzw. sparen, indem sie gezwungenermassen Re-Runs oder aber ungescriptete Reality-Formate ausstrahlen. Unter die Räder kommen dabei allerdings die eben erst gestarteten neuen TV-Serien: Wenn niemand die zweite Staffel schreibt, bis die erste ausläuft, wird das Publikum sie vergessen haben, bis Nachschub kommt. Und damit wären Millionen verloren. Faszinierend zu sehen, dass die Autoren in den USA tatsächlich einen Wirtschaftsfaktor darstellen. Man stelle sich etwas ähnliches bei uns vor: Katja Früh tritt in den Streik? Naja. Die Autoren der deutschen Privatsender streiken? Würde niemand merken. Die Drehbuchautoren schreiben keine Schweizer Filme mehr? Dann machens eben die Autorenfilmer. Wo keine Industrie ist, gibt’s keine „industrial action“.

Filmpodcast 48: le fils de l’épicier, Zu Fuss nach Santiago de Compostela, Hediger neuer Chef der Cinémathèque suisse.

Herzlich Willkommen zum Filmpodcast der Woche 43. Am Mikrofon Michael Sennhauser, im Angebot die folgenden Themen: Le fils de l’épicier, ein Spielfilm über den verborgenen Charme der französischen Provinz und Zu Fuss nach Santiago de Compostela, eine Art «Slow-Up-Road Movie» von Bruno Moll. Und schliesslich: Wer ist Vinzenz Hediger, der zukünftige Chef der Cinémathèque suisse in Lausanne? Dazu Filmsoundspiel und Kurztipps, wie gewohnt.

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Vinzenz Hediger ist der neue Chef der Cinémathèque

Heute wurde es endlich offiziell, kurz vor 17 Uhr meldete die sda, dass der einstige Blick-Filmjournalist und Filmwissenschaftler Vinzenz Hediger den Zuschlag für die Cinémathèque suisse in Lausanne bekommen hat, vor seinem direkten Rivalen Jean Perret, dem aktuellen Direktor des Dokumentarfilmfestivals „Visions du réel “ in Nyon: Lausanne (sda) Der 38-jährige Aargauer Vinzenz Hediger leitet ab August 2008 die Cinémathèque

suisse in Lausanne. Der promovierte Philosoph arbeitete bisher als Filmkritiker und Dozent für Filmwissenschaft. Er tritt an die Stelle von Hervé Dumont, der in Rente geht.

Hediger ist der dritte Direktor dieser Institution und der erste Deutschschweizer nach den Waadtländern Freddy Buache und Hervé Dumont. Er wurde 1969 in Menziken (AG) geboren und studierte Philosophie, Filmwissenschaft und Amerikanistik in Zürich.

Nach der Arbeit als Medienjournalist und Filmkritiker für grössere Schweizer Tageszeitungen leitete er ein Forschungsprojekt und dozierte in Deutschland und Italien Filmwissenschaft. Seit April 2004 ist er Professor für Theorie und Geschichte bilddokumentarischer Formen an der Ruhr-Universität Bochum.

Hediger hat zwei filmwissenschaftliche Standardwerke und mehrere kleinere Arbeiten für ausländische Fachpublikationen verfasst. Er war Mitglied des Stiftungsrats der Pro Helvetia und der Eidgenössischen Filmkommission.

Die Cinémathèque suisse feiert in einem Jahr ihren 60. Geburtstag. Mit den 70 000 Filmen, 2 Millionen Fotos und 100 000 Plakaten, die sie archiviert, gehört sie zu den wichtigsten Institutionen ihrer Art weltweit.

Dumbledore ist schwul, sagt Rowling

Sie sei persönlich immer davon ausgegangen, dass Professor Dumbledore schwul sei, hat Joanne K. Rowling gemäss BBC am Freitagabend in der New Yorker Carnegie-Hall erklärt. Sie erklärte damit, warum der spätere Headmaster von Hogwarts in seiner Jugend so blind gewesen ist gegenüber den dunklen Seiten seines Jugendfreundes Gellert Grindelwald, wie es im letzten Band der Harry-Potter-Serie erzählt wird. Die Potter-Fans in der Carnegie-Hall seien zuerst in erstaunte Stille verfallen, hätten dann aber lautstark applaudiert. Vielleicht wäre das ein Grund, alle sechs sieben Bände noch einmal zu lesen? In den Filmen finden sich allerdings kaum Hinweise auf eine eventuelle Homosexualität Dumbledores und Warner Bros. wird sich nicht begeistert zeigen. Auch Richard Harris, der Ur-Dumbledore, hätte damit möglicherweise seine Mühe gehabt. Michael Gambon, der den Dumbledore seit 2004 verkörpert, wohl weniger.

Filmpodcast 47: Lust, Caution, Heimatklänge.

Se Jie (Ang Lee)Herzlich Willkommen zum 47. Filmpodcast. Schnörri vom Dienst ist Michael Sennhauser und hier ist das aktuelle Angebot: Ich erkläre meine Begeisterung für den neuen Film von Ang Lee: Lust, Caution, und ich entführe Sie mit Stefan Schwietert in die ungewohnte Welt seiner schweizerischen Heimatklänge. Das alles wie gewohnt abgeschmeckt (und abgeschmackt) mit Kurztipps und Soundspiel.

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Wegen Romeros Zombie-Klassiker ins Gefängnis?

Der umstrittene Artikel 135 des Strafgesetzbuches eröffnet die Möglichkeit, auch den privaten Import von pornografischen oder gewaltverherrlichenden Filmen unter Strafe zu stellen. Wer Horrorklassiker wie Wes Cravens The Last House on the Left (1972) über einen ausländischen DVD-Versand bestellt, riskiert eine Anklage, wenn das Paket am Post-Zoll von übereifrigen, filmgeschichtlich unbewanderten Zöllnern geöffnet wird. Weil das Strafgesetzbuch relativ klar umschreibt, was an Gewalt und Pornografie verboten ist, bleibt bei wörtlicher Auslegung oft kein Spielraum mehr für künstlerische oder kulturell tradierte Ansprüche (wie das idiotische Debakel um die Wiederaufführung von Pasolinis Salò im Februar in Zürich gezeigt hatte). Im Tages-Anzeiger (Seite 57, Zürcher Unterland) von heute berichtet Verena Schneider von einem aktuellen Gerichtsfall. Ein Familienvater hat unter anderem den Romero-Klassiker Dawn of the Dead von einem deutschen Versandhändler kommen lassen (ein Film, der im übrigen auch der Schweiz erhältlich sein dürfte, zumindest das Remake). Aufgrund einer Meldung der Zollbehörde hat der Zürcher Staatsanwalt eine Hausdurchsuchung veranlasst und den Horrorfilmfan unter Anklage gestellt. Der Schweizer Strafrechtler Bernhard Rüdy hat die Verteidigung übernommen und auf Freispruch und Entschädigung plädiert. Hier ein Auszug aus dem Artikel (online leider nicht zugänglich):

Rüdy bemängelte, dass der Staatsanwalt aus allen Filmen lediglich wenige Minuten lange Szenen für seine Anklage herausgegriffen habe. So entstehe eine selektive Wahrnehmung, die aus dem Gesamtkontext herausgerissen werde. «Völlig unhaltbar» sei die Behauptung, die Filme entbehrten einer Handlung und seien kulturell wertlos. «Dieser Beweis müsste erst noch erbracht werden – die Staatsanwaltschaft hätte ein Gutachten einfordern müssen», kritisierte er. Auch Filme wie «Frankensteins Monster», «Nosferatu» oder Vampirfilme seien Horrorfilme mit Kultstatus. Rüdy erläuterte den kulturgeschichtlichen Hintergrund von Zombies, die laut Duden keine Menschen, sondern emotionslose Untote sind, die rein instinktiv handelten. Sie bedienten eine Urangst der Menschen vor Toten, die wieder zum Leben erweckt werden. «Daraus entstand ja auch die religiöse Totenwache, die nicht zuletzt zum Ziel hatte, einen allenfalls auferstehenden Toten erschlagen zu können», so Rüdy. Er zitierte den Sprecher des katholischen Mediendienstes, der erklärt habe, solche Filme würden mit einer «ironischen Distanz» und, weil sie nicht realistisch seien, «wie Comics» wahrgenommen. Allein weil dieses Genre nicht dem Massengeschmack entspreche, sei es nicht strafbar, so der Verteidiger. Die erwähnte sexuelle Szene sei zudem nicht pornografisch, da keine Penetration gezeigt werde. Der Anwalt führte weiter aus, die beschlagnahmten Filme seien frei erhältlich. Sie wurden im Kino gezeigt und von verschiedenen Fernsehstationen, auch in der Schweiz, mehrfach ausgestrahlt. Das Reclam-Buch «Horrorfilme» würdigt «Dawn of the Dead» als «Kritik an der modernen amerikanischen Wohlstandsgesellschaft», die «Chicago Sun Times» jubelte: «Einer der besten Horrorfilme, die jemals gedreht wurden.» (Tages-Anzeiger vom 17. Okt. 2007, S. 57)

Das Urteil wurde noch nicht eröffnet, aber eines zeigt diese Anklage wieder einmal ganz klar: Jede Universitäts-Videothek, die Cinémathèque in Lausanne oder auch ich und andere filmhistorisch versierte und interessierte Filmjournalisten riskieren im Prinzip immer wieder eine solche oder ähnliche Klagen der Staatsanwaltschaft. Nicht nur der Umstand, dass unsere Videotheken zwangsläufig möglicherweise inkriminierte Filme (zumal aus den 70er Jahren) umfassen, wir müssen uns ja auch grundsätzlich die Möglichkeit offen halten, überhaupt erst zu einem Urteil über solche Filme gelangen zu können – gerade wenn sie, wie in den letzten Jahren üblich geworden, aus den USA in aufpolierten und sterilisierten Remakes wieder auf unsere Leinwände schwappen, fast immer brutaler, dümmer und irrelevanter als die Originale.