WAS DIESE NATUR DIR SAGT von Hong Sang-soo

Ha Donghwa (Ha Seong-guk), Kim Jun-hee (Kang So-yi), Choi Sunhee (Cho Yun-hee), Kim Neung-hee (Park Mi-so) Kim Oh-yeong (Kwon Hae-hyo) © Sister Dist.

Hong Sang-Soo macht Filme wie andere Familienfeste. Schnell, herzlich, vertraut und ohne grossen technischen Aufwand. Der Südkoreaner ist 66 Jahre alt und 그 자연이 네게 뭐라고 하니 ist sein 33. Film. Es gab Jahre, da kamen gleich vier neue Werke von ihm auf die Leinwand. An den Filmfestivals dieser Welt ist er Dauergast, und man trifft ihn etwa in Cannes nicht nur auf dem roten Teppich oder beim Interview an, es kann auch passieren, dass man in einer kleinen Nebenstrasse vor dem Bistro seine Pizza isst und dabei zusieht, wie Hong mit Isabelle Huppert in der gleichen Gasse und ohne Crew oder Absperrung schnell ein paar Szenen dreht.

Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, wie viele seiner Filme ich tatsächlich gesehen habe. Ich schätze 15 bis 20 im Lauf der Jahre. Sie sind in der Erinnerung auch nicht immer ganz einfach auseinanderzuhalten, wegen all dieser Szenen, die zum Leben seiner Figuren einfach dazu gehören: Gemeinsames Essen mit höflichem Besäufnis, lange Dialoge über fast nichts und doch alles, persönliches Drama hinter scheuem Lächeln versteckt, ganze Biografien in wenigen Andeutungen.

Hong Sang-soo gehört zum kulturellen Welterbe, er ist ein vertrautes Familienmitglied wie Asterix oder Gaston. „WAS DIESE NATUR DIR SAGT von Hong Sang-soo“ weiterlesen

HIVER À SOKCHO von Koya Kamura

Roschdy Zem, Bella Kim © frenetic

Soo-Ha (Bella Kim) lebt in der südkoreanischen Stadt Sokcho, am japanischen Meer, unweit der Grenze zu Nordkorea. Die Bekannten im Quartier nennen sie freundlich «Bohnenstange» oder «Miss France». Die junge Frau ist nicht nur etwas grösser als die meisten ihrer Landsleute, sie hat auch sonst leicht andere Züge. Denn ihr Vater, den sie nie getroffen hat, war ein französischer Fischerei-Ingenieur, der nach Europa zurückfuhr, ohne von der Schwangerschaft von Soo-Has Mutter zu wissen. So hat es ihr die Mutter, Fischhändlerin am Hafen, erzählt. Für Soo-Ha war das Anlass genug, um in Seoul französische Literatur zu studieren.

An einem Wintertag fragt ein verschlossener Franzose (Roschdy Zem) nach einem Zimmer in der kleinen Pension, in der Soo-Ha seit ihrer Rückkehr nach Sokcho arbeitet. Der freundliche alte Pensionsbetreiber ruft sie aus der Küche, weil sie doch Französisch könne. Der Fremde, so findet Soo-Ha heraus, ist Yan Kerrand, in Frankreich ein bekannter und erfolgreicher Grafiker und Autor.

Hiver à Sokcho ist ein ungewöhnlicher – und vor allem ein ungewöhnlich schöner – Erstlingsfilm, weil Regisseur Koya Kamura, ein Franko-Japaner, die angedeuteten Wünsche und Konstellationen seiner Figuren eben so in der Schwebe lässt, wie der zugrundeliegende Roman der Franko-Koreanerin Elisa Shua Dusapin. „HIVER À SOKCHO von Koya Kamura“ weiterlesen

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