L’ATTACHEMENT von Carine Tardieu

Sandra (Valeria Bruni Tedeschi) und Elliott (César Botti) © frenetic

Als bei ihrer Nachbarin etwas verfrüht und daher überraschend die Fruchtblase platzt, erklärt sich Sandra (Valeria Bruni-Tedeschi) gezwungenermassen bereit, auf den kleinen Elliott aufzupassen, während sein Vater mit seiner Frau ins Spital fährt. Sandra betreibt einen feministischen Buchladen und nimmt Elliott schliesslich dahin mit, weil der übliche Babysitter nicht zu erreichen ist. Zum Glück kommt ihn dort ihre Schwester, eine begeisterte fünffache Mutter, bald darauf abholen.

Die ersten Szenen mit dem kleinen Elliott (César Botti) und Sandra in deren Wohnung sind hinreissend und auf eine gute Art irreführend. Sandras Verlegenheit, ihre Überzeugung, mit Kindern nichts anfangen zu können, werden von Elliotts kindlicher Direktheit herausgefordert. Der Kleine seinerseits scheint angetan von Sandras offensichtlichem Unwillen, ihn mit kindgerecht vagen Antworten abzuspeisen.

Und kaum macht man sich auf eine dieser Geschichten gefasst, in denen ein strahlendes Kind das verhärtete Herz eines erwachsenen Menschen knackt, steht der Nachbar wieder unter der Tür, allein und tränenüberströmt. „L’ATTACHEMENT von Carine Tardieu“ weiterlesen

MOTHER’S BABY von Johanna Moder

Hans Löw, Marie Leuenberger © filmcoopi

Niemand ist leichter zu verunsichern, als eine Frau, die eben ihr erstes Kind bekommen hat. Die Erwartungen an sie sind enorm, Mutterglück eine zwingende Erfordernis, und die Ratschläge und Ermahnungen prasseln auf sie ein wie Sperrfeuer. Den definitiven Horrorfilm zum Thema hat ein Mann gemacht.

Aber fast sechzig Jahre nach Rosemary’s Baby (1968) holt sich eine Frau aus Österreich das Kind zurück. Mother’s Baby von Johanna Moder fährt nicht mit dem Teufel ein, die sechsundvierzigjährige Filmemacherin schichtet subtil und unaufhaltsam kleinere und grössere Ängste um Geburt und Mutterschaft zu einem postnatalen Crescendo furioso. „MOTHER’S BABY von Johanna Moder“ weiterlesen