COVER-UP von Mark Obenhaus & Laura Poitras

Angesichts des Zustandes der gegenwärtigen Medien in den USA muten die Rekapitulationen der grossen Enthüllungen wie My Lai oder Watergate seltsam heroisch an. Dabei wäre es an den Journalisten, ihren Job zu machen, statt sich zum Beispiel darüber zu beklagen, dass einige von ihnen zu den Pressekonferenzen des Pentagon nicht mehr zugelassen werden.

Das sagte Laura Poitras gestern Abend in Nyon, nach der Vorführung ihres Dokumentarfilms über die Arbeit von Seymour Hersh. Sie bezog sich damit ziemlich direkt auf einen Satz, den Hersh seinerzeit nach seinen Recherchen zum Vietnam-Massaker von My Lai in die Kamera sagte, in einem Clip, der im Film zu sehen ist: Er könne all die Kollegen nicht verstehen, die zur Pressekonferenz gingen, ihre 500 Wörter Zusammenfassung an die Redaktion abliefern und sich damit zum Sprachrohr der Behörden machten, statt raus zu gehen und selber Fragen zu stellen. „COVER-UP von Mark Obenhaus & Laura Poitras“ weiterlesen

DANS LA CUISINE DES NGUYEN von Stéphane Ly-Cuong

La reine des nems: Yvonne Nguyen (Clotilde Chevalier) © First Hand Films

«Kulturelle Aneignung» gehört zur DNA des Musicals, die Exotisierung der Realität ist letztlich eine subtile Form der Satire, Ironie der ideale Stoff für des Kaisers neue Kleider. Man denke bloss an Gilbert & Sullivans «The Mikado» als Vorläufer oder an Rogers & Hammersteins «South Pacific» als eine der Kronen des Konzepts.

Wohl auch darum hat sich der Franco-Vietnamese Stéphane Ly-Cuong schon von mehr als 25 Jahren als Musical-Kritiker und Schauspieler die Figur der Yvonne Nguyen ausgedacht, eine in Frankreich geborene Tochter vietnamesischer Eltern. Sie trägt all die Dilemmata der Einwandererkinder in sich, die kulturelle Schizophrenie, den Kampf gegen die Klischees und die Typisierung, und die zeitweilige Verlorenheit zwischen Abstammung und Geburtsland. „DANS LA CUISINE DES NGUYEN von Stéphane Ly-Cuong“ weiterlesen