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    Monsters vs. Aliens – Flach trotz 3D

    Von Michael Sennhauser | 25. März 2009 - 19:11

    monstersvsaliens

    'Monsters vs Aliens', Entwurf © Dreamworks Animation

    Alle paar Jahre, wenn eine neue Technologie das Kino bedroht, besinnt sich die Industrie auf die dritte Dimension. Gegen das Fernsehen trat man seinerzeit mit schwarz-weissen 3D-Filmen an, rot-grüne Brillen und zwei entsprechend versetzte Farbauszüge auf der Leinwand machten es möglich. Aber 3D ist kaum je über den Status einer Jahrmarktsattraktion hinausgekommen, selbst die High-Tech-Variante in Imax hat noch ihre Probleme, zum Beispiel mit Beowulfs Schniedelwutz. Aber jetzt rollt die nächste Welle auf uns zu, die Technik der Wahl heisst RealD und zeichnet sich tatsächlich durch optische Brillianz und relativen Sehkomfort im Kino aus, wie die heutige Pressevorführung von Dreamworks‘ Monsters vs. Aliens in Zürich bewies.

    reald brille sennhauser

    Die RealD-Brille: nostalgisch, praktisch, gut © sennhauser

    Die billigen Plastikbrillen werden am Eingang in Tüten verschweisst abgegeben (mit aufgedruckter Warnung, sie nicht als Sonnenbrille zu benutzen), sie sind gross genug, um auch für Brillenträger zu taugen, und gerade noch so bequem zu tragen, dass man sie zwei Stunden lang aufbehalten kann.

    Der 3D-Effekt von Dreamworks‘ Monsters vs Aliens ist tatsächlich sauber und angenehm, der optische Tiefeneindruck entspricht jenem des klassischen Viewmaster, diesem stereoskopischen Klickgucki, mit dem wir als Kinder staunend Yogi Bär zum Greifen nahe vor uns hatten. Die Erinnerung an den Viewmaster kommt natürlich auch davon, dass Monsters vs Aliens ein Animationsfilm ist. Einer aus Katzenbergs Dreamworks-Küche, und, leider, einmal mehr ein untauglicher Versuch, die Brillianz der Konkurrenz von Pixar auch nur annähernd zu erreichen. Abgesehen vom ersten Shrek und den in Zusammenarbeit mit den britischen Aardman-Studios entstandenen Wallace and Gromit and the Curse of the Were Rabbit und Flushed Away hat keine der (kommerziell zum Teil erstaunlich erfolgreichen) Produktionen den Einfallsreichtum und vor allem den Charme der Pixar-Filme erreicht.

    Monsters vs Aliens liegt eine hübsche Plot-Idee zugrunde: Eine Gruppe klassischer 50er-Jahre Schlock-Monster, der Blob, die Fischmann-Kreatur aus der schwarzen Lagune, der Wissenschaftler mit dem Insektenkopf, die riesige Frau und ein japanisches Insektenmonster müssen die Erde vor einem megalomanen Alien retten, der die Erde im Stil von Mars Attacks und Konsorten angreift. Leider aber ist das alles auf eine erbaulich aufbauende Pseudostory aufgepfropft, in der die Heldin lernen muss, dass ihr Bräutigam ein Egoist und sie selber wirklich eine Heldin ist. Klassischer Ami-Kinder-Aufbau-Hurra-Stoff also, so langweilig und absehbar wie Corn Flakes. In ihrem Bestreben, eine Art Best-of einschlägiger Szenen aus bekannten Filmen zusammenzustellen, haben die Macher sich verrannt. Die Figuren sind oberflächlich liebenswürdig, aber (paradox, besonders in 3D) über die Dialoge und ihre Charakterzüge dermassen flach gezeichnet, dass der Film wie ein ausgewalztes Storyboard wirkt.

    Alles in allem ist Monsters vs Aliens erzählerisch nicht einmal auf dem Niveau von Pixars Monsters, Inc. von 2001, dem er aber nur schon von der Figurenkonstellation her einiges schuldet. Und auch jener Film war, trotz bahnbrechender optischer Effekte in Sachen Fellanimation, schon eine kleine Enttäuschung, weil damals auch Pixar vor allem auf ein Kinderpublikum setzte und darum auf komplexere Gags und Konstruktionen verzichtete.

    monsters inc

    Monsters, Inc. © Pixar 2001

    Mit Monsters vs Aliens macht Katzenbergs Mannschaft nun aber den gleichen Fehler wie Disney mit Chicken Little vor vier Jahren: Keep it simple ist nicht das gleiche wie dumb it down.

    Die Neugier auf 3D wird wohl etliche Leute ins Kino treiben, die sonst kaum Lust auf einen Kinderfilm verspüren. Da aber die digitale 3D Ausrüstung derzeit nur in wenigen Kinos vorhanden ist, wird flächendeckend eine normale Version in 2D zum Einsatz kommen, auch in der Schweiz. Und dann sieht die flache Geschicht eben erst recht flach aus.

    Nachtrag: In folgenden Schweizer Kinos läuft der Film ab 2. April in 3D:

    Basel, Pathé Küchlin
    Bern, Pathé Westside
    Bülach, ABC
    Dietlikon, Pathé
    Kloten, Claudia
    Schöftland, Cinema 8
    Uzwil, City 1
    Wetzikon, Palace 1
    Wil, Cinewil 1
    Zürich, Abaton A

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmgeschichte, Filmtechnik/er, Kino | 2 Kommentare »

    2 Comments

    1. Ich geb das meinem 8-Jährigen zum Lesen. Für ihn ist der Film schon gebucht, aber vielleicht lässt er sich durch dich umstimmen?
      Wobei – wenn er noch 3D liest… Wohl keine Chance, darum herum zu kommen.

      Kommentar by Patrick — 26. März 2009 @ 15:49

    2. Hallo,
      um auf Beowulfs Schniedelwutz zurückzukommen:
      Es handelt sich um das selbe 3-d Verfahren wie im Imax. Ob nun der Weisse Hai 3 von 1983, Imax 3d oder Real-D, es sind technisch betrachtet immer das selbe Polarisationsverfahren. Lediglich der Filmträger und die Qualität der Bilder aufgrund der unterschiedlichen Filmträger ist unterschiedlich. Hier dürfte von der Qualität Imax 3-d am besten abschneiden.

      lg

      Kommentar by Kommentator — 10. Juli 2009 @ 09:38

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