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    SFT 15: DIE BÖHMS – ARCHITEKTUR EINER FAMILIE von Maurizius Staerkle-Drux

    Von Brigitte Häring | 26. Januar 2015 - 12:26

    Gottfried Böhm, 95 © Cineworx

    Gottfried Böhm, 95 © Cineworx

    Künstlerporträts sind eines der Kerngeschäfte des Dokumentarfilms. Einem berühmten oder wichtigen Menschen im Alltag zuzuschauen, hinter die bekannten Fassaden Einblick zu bekommen, das macht den Reiz solcher Filme aus. Fassade ist ein passendes Stichwort für den Film Die Böhms – Architektur einer Familie.

    Banner 50. Solothurner Filmtage, 22.- 29. Januar 2015

    Der Dokumentarfilm von Maurizius Staerkle-Drux ist nicht das Porträt einer Person, sondern einer ganzen Familie, in der sich seit Generationen alles um Architektur dreht.

    Gottfreid Böhm und Söhne © Cineworx

    Gottfried Böhm und Söhne © Cineworx

    Die Böhms ist der erste Kinofilm von Maurizius Staerkle-Drux. Aber dennoch ist dieser kein Unbekannter hier in Solothurn: der 26jährige hat letztes Jahr hier an den Filmtagen mit seinem Kurzfilm Wenn der Vorhang fällt den Upcoming Förderpreis erhalten. Wie der ausgezeichnete Kurzfilm ist auch Die Böhms – Architektur einer Familie ein Film, den Staerkle in seiner Geburtsstadt gedreht hat.

    Der Filmemacher mit Schweizer Pass ist in Köln geboren und zum Teil aufgewachsen. Und er ist wohl in seiner Geburtsstadt immer wieder auf Gebäude der Familie Böhm gestossen. „Die Böhms“ sind eine Architekten-Dynastie, die wirken, als kämen sie aus einer anderen Zeit. Kommen sie eigentlich auch – denn der Patriarch der Familie, Gottfried Böhm, ist vor wenigen Tagen 95 Jahre alt geworden. Zusammen mit seinen drei Söhnen hat er ein Architekturbüro in Köln; auf den Zeichentischen der Böhms sind Kirchen, Moscheen, Stadien, Kinderdörfer entstanden. Gottfried Böhm ist bis heute der einzige deutsche Träger des Pritzker-Preises, dem „Nobelpreis“ für Architektur, 1986 hat er ihn bekommen.

    Wallfahrtskirche Neviges © Cineworx

    Wallfahrtskirche Neviges © Cineworx

    Natürlich ist viel von Architektur die Rede, natürlich lotet der Film die Bauwerke des Vaters und seiner drei Söhne Stephan, Peter und Paul aus. Aber zum Glück hat sich der junge Filmemacher von der (sehr grossartigen) Architektur nicht zu fest verführen lassen. Das Versprechen, das er im Titel des Films gibt, die „Architektur einer Familie“ zu zeigen, löst er mit gutem Gespür ein, er ist mit seiner Kamera ein aufmerksamer Beobachter und Zuhörer, hängt dort ein, wo es um familiäre Strukturen geht, um den Wunsch nach Anerkennung, um die Dominanz des Vaters, um das fragile Gebilde der Familie, in der alle zusammen arbeiten wollen und doch jeder als Architekt einzigartig sein soll.

    Gottfried Böhm © Cineworx

    Gottfried Böhm © Cineworx

    Im Bild ist oft der Vater, der mit seiner wunderschönen Stimme erzählt – aber eigentlich stellt Staerkle-Drux eine andere Figur ins Zentrum des Films, eine, die bald die grosse Abwesende ist: Elisabeth Böhm-Haggenmüller. Sie, die Frau von Gottfried, stirbt bald nach Beginn der Dreharbeiten. Präsent ist sie dennoch im Film und in der Familie. Sie hat fast ihre ganze Karriere der Familie geopfert und hat selber wenig bauen können. Aber sie ist sozusagen die Architektin der Familie Böhm gewesen. Überhaupt scheint es, als seien alle im Dunstkreis der Böhms Architekten, praktizierend oder nicht. Selbst der Familiengärtner, ein Faktotum weit jenseits des Pensionsalters, eine Figur wie aus einem alten Film, ist ursprünglich Architekt.

    Gottfreid Böhm und Elisabeth Böhm-Haggenmüller © Cineworx

    Gottfreid Böhm und Elisabeth Böhm-Haggenmüller © Cineworx

    Die Böhms – Architektur einer Familie ist ein faszinierendes Porträt dieser nicht sehr normalen Familie, die irgendwie seltsam abgehoben in dieser Architekturwelt lebt, in ihrem faszinierenden Haus, das sich der Vater von Gottfried Böhm gebaut hat, und die sich doch immer auch durch die Arbeit mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzten muss und will.

    Die Kölner Moschee der Böhms © Cineworx

    Die Kölner Moschee der Böhms © Cineworx

    Gestritten wird erstaunlich wenig in dieser Familie, die Männer sind bedächtig und ruhig – Konflikte sind trotzdem da. Und wenn Paul Böhm im Zusammenhang mit dem Bau der Moschee in Köln sagt, man müsse den Konflikt suchen um der Sache Willen, so gilt das sowohl für die Arbeit, als auch für die Auseinandersetzung in dieser besonderen Familienkonstellation.

    'Die Böhms - Architektur einer Familie '© Cineworx

    ‚Die Böhms – Architektur einer Familie ‚© Cineworx

    Wenn man dem Film etwas vorwerfen will, so ist es, dass nur der Vater (und zu Beginn die Mutter), die drei Architektensöhne und der Gärtner vorkommen – der vierte Sohn, offenbar kein Architekt (man erfährt das nicht im Film), ist ebenso wenig im Film wie Partner, Ehefrauen und Enkel (nur am Ende wird kurz erwähnt, das einer davon auch schon Architektur studiere). So hat man das Gefühl, nur einen beschränkten – zweifellos interessanten und feinfühligen – Blick auf das Bauwerk „Familie Böhm“ bekommen zu haben. Und bleibt neugierig, wie diese Familienstruktur im Ganzen eigentlich aussieht und funktioniert, neben der reinen Architekturdynastie.

    Topics: CH Film, Dokumentarfilm, Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Leute, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für SFT 15: DIE BÖHMS – ARCHITEKTUR EINER FAMILIE von Maurizius Staerkle-Drux

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